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Praxis Klassenrat
Konflikte verstehen und Persönlichkeiten stärken. Unter Mitarbeit von Barbara Wenders
Reinhard Stähling
Reihe: Pädagogische Einsichten: Praxis und Wissenschaft im Dialog
Verlag Barbara Budrich
EAN: 9783847431596 (ISBN: 3-8474-3159-5)
166 Seiten, paperback, 15 x 21cm, Oktober, 2025
EUR 16,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Stellen Sie sich vor, Kinder lösen Konflikte und entfalten ihr volles Potenzial – und das schon im Klassenrat! Das Buch zeigt, wie Kinder existenzielle Themen bearbeiten, Peer-Konflikte meistern und sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln. Basierend auf der innovativen Methode des Problemklassenrats der Schule Berg Fidel – Geist in Münster, verbindet es praxisnahe Anleitungen mit wissenschaftlichen und historischen Einblicken. Es beleuchtet, wie fundierte Methoden den Klassenraum in einen Raum der persönlichen Entwicklung verwandeln. Mit diesem Ansatz eröffnet sich ein Schulalltag, der Kinder ganzheitlich stärkt und das Gemeinschaftsgefühl nachhaltig fördert.
In der Schule Berg Fidel – Geist in Münster wurde eine innovative Konzeption des Klassenrats langjährig entwickelt. Unter sorgfältiger Anleitung der Lehrkräfte lernen Kinder ihre Themen, Probleme, widerstreitenden Gefühle, Gedanken und Wünsche zu erkunden und mitzuteilen. Sie lernen auch, sich in Perspektiven der anderen Kinder hineinzuversetzen und andere zu unterstützen, wenn es darum geht, Worte dafür zu finden, was sie bewegt. Dabei zeigt sich, dass es immer wieder um tiefempfundene Konflikte untereinander sowie mit Lehrkräften geht und dass es möglich ist, im Klassenrat konstruktive Klärungen und Lösungen zu finden. Im Buch werden elementare Voraussetzungen der Konzeption des Problemklassenrats erläutert, u.a. kollegiale Schulentwicklung mit Verbindlichkeit der zeitlichen und räumlichen Strukturen, ethisch fundierten Regeln sowie vertrauensvollen pädagogischen Beziehungen. Kennzeichnend für die Kommunikation ist, dass Perspektivenwechsel geübt und konsequent auf Schuldzuweisungen verzichtet wird. Gezeigt werden im Buch Auswirkungen dieser Arbeit. Berichtet wird, wie es gelingen kann, dass Klassenlehrer*innen mit Kindern und Jugendlichen, deren Leben häufig von Armut und von Flucht bestimmt ist, zusammen Lösungen finden, und dass Formen der Resignation und der Aversion vermindert werden. Die Klassengemeinschaft erweist sich als eine wichtige Kraftquelle für das gegenseitige Verstehen und entlastet so die Lehrkräfte. Der Klassenrat trägt dazu bei, dass auf Ausgrenzung verzichtet wird und dass inklusive Pädagogik realisiert wird.
Das Buch kombiniert die Darstellung zahlreicher konkreter Beispiele mit zentralen wissenschaftlich fundierten Reflexionen. Darüber hinaus werden einflussreiche bildungshistorische Spuren sowie die Bedeutung der Individualpsychologie Alfred Adlers und der „Problemformulierenden Bildungsarbeit“ des brasilianischen Befreiungspädagogen Paulo Freire für den Poblemklassenrat herausgearbeitet.
Dr. Reinhard Stähling, Lehrer und Individualpsychologischer Berater seit 1982, arbeitete seit 1992 in der Grundschule Berg Fidel als Klassenlehrer und stellvertretender Schulleiter. Seit 2002 war er Schulleiter dieser Schule im sozialen Brennpunkt. Die Schule wurde 2014 weiterentwickelt zur Primus-Schule Berg Fidel – Geist (Jahrgänge 1-10), deren Schulleiter er bis zur Pensionierung 2022 war. Der Autor von pädagogischen Büchern (https://reinhard-staehling.de/) bietet Seminare über Klassenrat, Schulentwicklung, Schule und Unterricht im sozialen Brennpunkt und Schulreform an.
Rezension
Reformorientierte Schulkonzepte haben zur Bearbeitung von Konflikten in der Klasse das Element des Klassenrats oder der Klassenversammlung eingeführt (nach Célestin Freinet: réunion de cooperative). Was ist Klassenrat? Welche Chancen verbinden sich mit dem Ritual Klassenrat? Mit welchen Schwierigkeiten hat die Umsetzung eines Klassenratskonzepts in konkrete schulische Praxis umzugehen?
Klassenrat ermöglicht eine Pädagogik des Aushandelns als Konfliktlösung IN der Klasse, d.h.: a) Konflikte werden nicht verdrängt und entladen sich dann destruktiv und b) die Konflikte werden nicht nach außen (etwa an Streitschlichter) delegiert, sondern kollektiv bearbeitet. In der Schule Berg Fidel – Geist in Münster wurde eine innovative Konzeption des Klassenrats langjährig entwickelt. Unter sorgfältiger Anleitung der Lehrkräfte lernen Kinder ihre Themen, Probleme, widerstreitenden Gefühle, Gedanken und Wünsche zu erkunden und mitzuteilen. Im Buch werden elementare Voraussetzungen der Konzeption des Problemklassenrats erläutert, u.a. kollegiale Schulentwicklung mit Verbindlichkeit der zeitlichen und räumlichen Strukturen, ethisch fundierten Regeln sowie vertrauensvollen pädagogischen Beziehungen. Kennzeichnend für die Kommunikation ist, dass Perspektivenwechsel geübt und konsequent auf Schuldzuweisungen verzichtet wird. Das Buch kombiniert die Darstellung zahlreicher konkreter Beispiele (vgl. Inhaltsbverzeichnis) mit zentralen wissenschaftlich fundierten Reflexionen.
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Herausgeberinnen 5
1. Einleitung 11
1.1. Zum Thema und zu unserer Schule: Probleme im verstehenden Klassenrat lösen 11
1.2. Zur Autorschaft und zum persönlichen Schreibstil 15
1.3. Übersicht über dieses Buch 16
1.4. Dank 17
2. Kurzanleitung – Wie läuft Klassenrat bei uns? 19
2.1. Wie führe ich den Klassenrat ein? 19
2.2. Was machen wir in der Klassenratssitzung? 20
2.3. Wie strukturiere ich die Problemgespräche und leite sie an? 22
2.3.1. Wieviel Zeit nehme ich mir für die Probleme? – Beispiel 2 23
2.3.2. Wie hilft das Klassenratsbuch im Schulalltag? – Beispiel 3 26
2.3.3. Wenn es zu viele Probleme gibt? 28
3. Halt und Sicherheit geben – wie hilft der Klassenrat dabei? 31
3.1. „Es tut mir leid!“ – Wenn Kinder und Jugendliche aus der eigenen Klasse Probleme lösen – Beispiele 32
3.1.1. Lange Haare – ein Missverständnis – Beispiel 4 32
3.1.2. Jungen gegen Mädchen – Beispiel 5 33
3.2. Psychologischer Exkurs: Das Verstehen lernen im Klassenrat 35
3.2.1. Probleme besprechen und Menschen verstehen 36
3.2.2. Wenn Kinder und Jugendliche Probleme durchstreichen 37
3.2.3. Wie können Kinder oder Jugendliche ihre eigenen Probleme verstehen lernen? 39
3.2.4. Welche Lösungsvorschläge kommen von Kindern und Jugendlichen selbst? 43
3.2.5. Wer leitet den Klassenrat und sorgt für einen sicheren Rahmen? 45
3.3. Starke Verhaltensprobleme und die Rolle des Klassenrat 50
3.3.1. „Null Chance!“ – oder: Der soziale Kredit – Beispiel 7 50
3.3.2. Verstehen und Schützen – Wenn ein Jugendlicher Grenzen überschreitet – Beispiel 8 53
3.3.3. Im Klassenrat komplizierte Zusammenhänge erkennen und angehen – Beispiel 9 59
3.4. Klassenrat in der Schule ohne Aussonderung 63
3.4.1 Wie beteilige ich alle am Klassenrat und schließe nie jemanden aus? – Beispiel 10 63
3.4.2. Nötige schulinternen Schritte zu integrierenden Strukturen 68
3.4.3 Klassenrat statt „Ausschluss vom Unterricht“ 71
3.5. Wenn Eltern aus der eigenen Klasse beteiligt sind – Beispiele 73
3.5.1. Wenn Eltern helfen, das Problem zu lösen? – Beispiel 11 73
3.5.2. Diebstahl – Kinder, Eltern, Polizei – Beispiel 12 75
3.5.3. Traditionelle Kleidung – Beispiel 13 78
3.5.4. Kind mit Behinderung zieht an den Haaren – Beispiel 14 80
3.5.5. Wenn Eltern ihr Kind schonen wollen? – Beispiel 15 81
4. Die gesamte Schule macht Klassenrat – Beispiele für Elternmitwirkung 85
4.1. Wenn sich Eltern über Gewalt in der Schule beklagen – Beispiele 16 und 17 85
4.2. Wenn Eltern und Lehrkräfte einen Arbeitskreis „Rücksicht nehmen“ machen 88
4.3. Wenn Kinder und Jugendliche aus anderen Klassen beteiligt sind 90
4.3.1. Ein Kind wird geschlagen von einem Kind aus einer
anderen Klasse – Beispiel 18 90
4.3.2. Lernfeld mit Kindern aus einer anderen Klasse – Beispiel 19 91
4.3.3. Pausenfußball: Ärger mit mehreren Klassen – Beispiel 20 92
4.4. Die gesamte Schule sucht nach Lösungen von Problemen – Mitwirkung von Kindern und
Jugendlichen 94
4.4.1. Schüler*innenrat: Wenn Kinder und Jugendliche Probleme der Schule ansprechen 94
4.4.2. Schulhofrat: Wenn Schülerpolizist*innen Probleme angehen – Beispiel 21 und 22 95
5. Lehrkräfte und die Pädagogikethik 99
5.1. Wenn Kinder und Jugendliche Ärger mit Lehrkräften haben 100
5.1.1. Vorbemerkung: Seelische Gewalt von Lehrkräften 100
5.1.2. Das fehlende Sportzeug – Beispiel 23 104
5.1.3. Beschwerden über Lehrkräfte – Beispiel 24 und 25 106
5.1.4. Wie gehen wir im Kollegium mit unterschiedlichen Einstellungen zu Konflikten um? –
Beispiel 26 109
5.2. Die Einheit von klasseneigenem Team, Klassenrat und Eltern 110
5.2.1. Teamsupervision: Kinder, Jugendliche und sich selbst verstehen lernen – Beispiel 27 111
5.2.2. Klassenrat ist beteiligt: Handlungsfähig in Extremsituationen – Beispiel 28 114
5.2.3. Eltern brauchen Vertrauen und Transparenz – Beispiel 29 116
5.3. Wie entwickeln wir die Ethik der Schule? 118
5.3.1. Kollegiales Gespräch – Beispiel 30 118
5.3.2. Pädagogikethik – Sorgen und Halt-Geben 119
5.3.3. Wie entsteht eine Ethik in der Klassengemeinschaft mit dem Klassenrat? – Beispiel 31
und 32 122
6. Einige historische Spuren des Klassenrats 125
6.1. Historische Blicke auf Problemlösungen in und durch Gemeinschaften von Kindern und
Jugendlichen 125
6.1.1. Kinderrepubliken 125
6.1.2. Korczak 126
6.1.3. Makarenko 127
6.1.4. Freinet 128
6.2. Gruppengespräche in reformpädagogischen Versuchsschulen der
1920er Jahre in Deutschland – Schulen für die Arbeiterschaft – Beispiel 33 129
Röderbergschule 131
Chemnitzer Versuchsschule 131
6.3. Die solidarischen Kräfte des „Klassenkollektivs“ in der „Aussprachegemeinschaft“ mit ALLEN – Die Individualpsychologische Versuchsschule Wien – Beispiel 34 133
7. Klassenrat als Element einer „problemformulierenden Bildungsarbeit“ (Freire) 143
7.1. Mit dem Klassenrat zu Subjekten werden und die Stärke der Gemeinschaft wiederentdecken 144
7.2. Klassenrat gegen „kulturelle Invasion“ (Freire) 148
7.3. Klassenrat gegen Schuldzuweisung, Resignation und Apathie 150
7.4. Impulse für solidarischen und inklusiven Klassenrat 151
7.4.1. Entlastung von der vermeintlichen Schuld – Beispiel 36 152
7.4.2. Zusammen statt vereinzelt 155
7.4.3. Kinderrecht auf Teilhabe 156
7.4.4. Sorgende Begleitung 157
7.4.5. Die Kooperation am „Gemeinsamen Gegenstand“ 159
7.5 Zum Schluss: Das kulturelle Erbe und der Klassenrat 160
Literatur 163
Film über unsere Arbeit in Berg Fidel und einen Klassenrat dort 166
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