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Pastoralmacht und sexualisierte Gewalt
Dynamiken und Risikofaktoren in der evangelischen Kirche
Elis Eichener, Isolde Karle
Reihe: Theologische Religionsforschung
Transcript
EAN: 9783837683424 (ISBN: 3-8376-8342-7)
210 Seiten, paperback, 15 x 23cm, Juli, 2026
EUR 39,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Welche spezifischen Risikofaktoren gibt es in der evangelischen Kirche mit Blick auf sexualisierte Gewalt? Elis Eichener und Isolde Karle zeigen mithilfe des Konzepts der Pastoralmacht von Michel Foucault, dass Macht in der Kirche vor allem über Beziehungen, in denen eine große Nähe hergestellt wird, ausgeübt wird. Gerade diese Nähe wird zum Einfallstor für spirituellen und sexuellen Missbrauch. Ausführlich zitierte und analysierte Betroffenenberichte illustrieren die damit verbundenen Dynamiken und führen die großen Herausforderungen vor Augen, denen sich die evangelische Kirche zu stellen hat – mit Blick auf ihre Organisation, den Pfarrberuf und die Theologie.
Elis Eichener (Dr. theol.), geb. 1989, ist Post-Doc an der Professur für Praktische Theologie an der Ev.-Theol. Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Seelsorge- und der Kirchentheorie. Er arbeitet zudem zu Queerer Theologie, (Pastoral-)Macht und sexualisierter Gewalt.
Isolde Karle (Dr. theol.), geb. 1963, ist seit 2001 Professorin für Praktische Theologie an der Ev.-Theol. Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und Prorektorin für Diversität, Inklusion und Talententwicklung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Seelsorgetheorie, Professionstheorie, Kirchentheorie, Gender- und Diversitätsforschung, sowie in Studien zu Körperlichkeit und sexualisierter Gewalt.
Rezension
Sexueller Mißbrauch ist seit geraumer Zeit Thema insbesondere in der katholischen, aber auch in der evangelischen Kirche. Überhaupt sind geschlossene Systeme, wie z.B. auch Vereine, anfällig für sexuellen Mißbrauch; denn hier fehlt die öffentliche Kontrolle, hier wird Macht ausgeübt, hier finden sich strukturelle und emotionale Abhängigkeiten, hier finden sich Abhängigkeiten von Kindern zu Erwachsenen, hier findet sich intensive Beziehung und Nähe. "Pastoralmacht und sexualisierte Gewalt" (Buchtitel) wird in diesem Werk in der evangelischen Kirche untersucht. Es zeigt, inwiefern sexualisierte Gewalt mit kirchlichen Machtdynamiken, theologischen Konzepten und pastoralen Handlungsweisen verknüpft ist. Es gilt, die Risikofaktoren und Dynamiken sexualisierter Gewalt nüchtern zu analysieren und über Veränderungsbedarfe in Organisation, Pfarrberuf und Theologie nachzudenken. Macht existiert in jeder Beziehung, auch in Fürsorge und Zuwendung, und kann dazu missbraucht werden, um sexualisierte Gewalt auszuüben und zu verschleiern. Beziehungen, in denen eine große Nähe hergestellt wird, sind wertvoll, aber zugleich eine Ermöglichungsbedingung für sexualisierte Gewalt.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagworte:
Religionswissenschaft, Religionssoziologie, Gewalt, Gender Studies
Inhaltsverzeichnis
I. Warum dieses Buch? 7
II. Macht und sexualisierte Gewalt im Protestantismus 11
III. Michel Foucault und das Konzept der Pastoralmacht 23
1. Grundbegriffe der foucaultschen Machttheorie 23
2. Die Pastoralmacht als christliche Machtform 32
a) Entstehung und Bedeutung der Hirtenmetapher 32
b) Die Ambivalenz christlicher Sorge 38
3. Die Pastoralmacht als gesellschaftliches Phänomen 46
4. Zwischenfazit 49
IV. Risikofaktoren sexualisierter Gewalt in der Kirche 53
1. Seelsorge 53
2. Gemeinschaft 58
3. Pfarrhaus und Pfarrfamilie 64
4. Strukturelle Vulnerabilität 68
V. Strategien der Täter 77
1. Missbrauch des Amts 77
2. Verführerisches Charisma 82
3. Spiritueller Missbrauch 88
4. Kontrolle sexuellen Verhaltens 93
5. Freiheitsillusionen 99
6. Grenzüberschreitungen 105
7. Schuldgefühle und Schuldumkehr 110
8. Vergebungsdruck 115
VI. Auswirkungen auf die Betroffenen 121
1. Verletzung der persönlichen Integrität 121
2. Religiosität angesichts sexualisierter Gewalt 125
3. Widerstand gegen das Schweigen 129
4. Forderungen und Kirchenkritik 135
5. Grundtypen evangelischer Pastoralmacht 139
VII. Disziplinierung der Pastoralmacht: Konsequenzen 145
1. Konsequenzen für die Kirche 145
a) Idealisiertes Selbstbild 145
b) Umgang mit strukturellen Asymmetrien 151
c) Empowerment der Betroffenen und organisatorische Strukturveränderungen 156
2. Konsequenzen für den Pfarrberuf 163
a) Ambivalente Macht im Pfarrberuf 163
b) Professionalität statt Hirtenkunst 168
3. Konsequenzen für die Theologie 174
a) Schuld und Vergebung 175
b) Sexualität und Körperlichkeit 182
Literatur 189
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