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Machmal wünschte ich, er wäre nie Polizist geworden Eine Ehefrau schlägt Alarm
Machmal wünschte ich, er wäre nie Polizist geworden
Eine Ehefrau schlägt Alarm




Sabrina R.

Rowohlt
EAN: 9783499633201 (ISBN: 3-499-63320-5)
207 Seiten, paperback, 13 x 19cm, Mai, 2018

EUR 9,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
"Mein Mann ist Streifenpolizist. Ich kenne Hämatome an allen Stellen seines Körpers. Ich habe sein Blut aus der Uniform gerieben. Und ich kenne auch die Wut, die Angst und die Resignation, wenn er zum Schutz anderer stundenlang in Vollmontur gestanden hat und es Beschimpfungen, Beleidigungen und auch oft genug Flaschen hagelte. Ich weiß, was es bedeutet, wenn er wochenlang durcharbeitet, weil es nicht genug Kollegen gibt. Von all dem Geld, das wir in seine Grundausrüstung investieren müssen, fahren andere in den Jahresurlaub.

Natürlich bringt der Beruf des Polizisten per se Belastungen mit sich. Doch viele sind hausgemacht: Konsequenzen einer falschen Einsparungspolitik, personeller Fehlplanung und mangelnder Wertschätzung.

Die derzeitige Situation ist eine Zumutung für meine und Hunderttausende anderer Polizeifamilien. Sie macht mich wütend, und sie macht mich traurig. Es muss sich etwas ändern. Dringend."
Rezension
Erschrocken bin ich bereits beim in die Hand nehmen des Buches: hier muss und will eine Autorin unter einem Pseudonym schreiben, um sich und ihre Familie zu schützen (so schreibt es der Verlag in seinen Anmerkungen). In einem Land wie unserem mit einem ausgeprägt demokratisch-rechtsstaatlichen Status kein gutes Zeichen!

Zugegeben: das Thema ist durchaus brisant. Aufrüttelnd schildert die junge Berliner Mutter und Frau eines überzeugten Streifenpolizisten, was es heißt Familie, die eigenen beruflichen Stress und die Erfordernisse des Polizeidienstes in Einklang zu bringen. So recht tauschen möchte da wohl niemand.
Der Leser wird mit den alltäglichen Aufgaben und Erlebnissen des Polizeidienstes in Berlin (mit den Besonderheiten einer Großstadt) bekannt gemacht und, soweit möglich, auch mit den komplexen und komplizierten Einflüssen auf den (familiären) Alltag der Beamten und deren Lebenspartnern und Kindern konfrontiert.
Da werden auch die ungünstigen Arbeitszeiten, die mangelhafte Bezahlung und Ausrüstung und nicht zuletzt die fehlende Wertschätzung in (Teilen) der Bevölkerung, bei vorgesetzten Dienststellen und in der Politik aufgezeigt.
Über die verschiedenen Abschnitte dieses gut lesbaren Taschenbuchs wird sichtbar: es ist alles andere als ein leichter Job, kein "Traumberuf" im landläufigen Sinne, nicht nur für die Beamten selbst, nicht weniger für deren Familien und letztendlich auch für das gesamte soziale Umfeld. Insofern rüttelt dies Buch auf und regt zu intensivem Nachdenken an!

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." So steht es in Artikel 20 unseres Grundgesetzes. Dem Staat wird durch die Bürger das Gewaltmonopol übertragen, das der Staat wiederum für das Funktionieren des Rechtsstaates einzusetzen hat. Die Gewaltenteilung bildet dabei das Gerüst des Rechtsstaates.
Zur exekutiven Gewalt zählen auch unsere Polizisten, die wahrhaftig keinen leichten Job haben. Besorgniserregend vor allem, dass in letzter Zeit die Hemmschwelle für boshafte Attacken immer weiter sinken. Teilweise sind Polizisten und Rettungskräfte diesen Gewalttaten recht hilflos ausgeliefert. Hinzu kommen, ganz offensichtlich, eine Reihe beklagenswerter Begleitumstände.
Beim Lesen des Buches war ich hin und hergerissen. Eines wird glasklar: Der Beruf des Polizisten muss durch eine ganze Reihe deutlicher Verbesserungen wieder attraktiver werden. Die Polizei ist und bleibt (in zunehmenden Maße) wesentlicher Bestandteil für unsere Sicherheit, aber auch für den gesicherten Fortbestand unseres Rechtsstaates.
Die Politik ist gefordert: Reden alleine hilft nicht - handeln ist angesagt und das auf verschiedenen Ebenen!
Aber auch wir Bürger sind gefordert: der Schrei nach mehr Sicherheit erfordert Vertrauen in unseren Rechtsstaat und die Bereitschaft, entsprechende Investitionen gut zu heißen. Ein Mehr an Investitionen auf einer Seite bedeutet zwangsläufig Abstriche an anderer Stelle zu akzeptieren. Ein Euro besitzt zwar zwei Seiten, aber er kann trotz alledem nur einmal ausgegeben werden. Kurzum: Wer A sagt, muss auch in diesem Falle B sagen. Hoffentlich passiert etwas - bald!

Hier und da konnte ich den Ausführungen aber nur zum Teil folgen und ein bißchen weniger Druck auf die Tränendrüsen hätte es an der ein oder anderen Stelle auch getan. Beispielsweise ist die Frage nach dem "Wie" für optimale Abstimmung von eigener Karriere, beruflichen Anforderungen des Ehepartners und die Vereinbarkeit in zahlreichen modernen Familien ein Thema, ebenso wie der Umgang mit schlechter Bezahlung, ungünstigen Arbeitszeiten u.v.m.

Dietmar Langusch, Lehrerbibliothek
Verlagsinfo
«Manchmal wünschte ich, er wäre nie Polizist geworden.»
Eine Ehefrau schlägt Alarm
Die erschütternde Lebenswirklichkeit unserer Polizisten erstmals aus der Sicht der betroffenen Familien erzählt.
Sabrina R. beschreibt eindrücklich, mit welchen Belastungen Polizeifamilien konfrontiert werden und welche Auswirkungen die desolate Personal- und Ausstattungspolitik auf sie hat. Sie erzählt von der Angst und dem Warten nach gefährlichen Einsätzen, davon, wie unplanbar der Alltag ist und was das für das Familienleben bedeutet, von den Anfeindungen, denen sie und ihr Mann ausgesetzt sind, von dem Verzicht auf gemeinsame Unternehmungen – und von den emotionalen Zumutungen, die aus all dem für sie und ihren kleinen Sohn, aber natürlich auch für ihren Mann, erwachsen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Prolog
Ein Brief mit ungeahnter Wucht 7

Familienleben in anderem Takt 18
Vereidigung 19
«Pass auf dich auf!» 27
The show must go on 40
Routine und Sorge 45
Zynismus als Hilfe 54
Gedanken einer Mutter 58
«Mein Mann ist Polizist» 64
«Das müssen die schon aushalten» 71
Die Gefahr kommt mit nach Hause 81
Im Regen stehen 85
Die Sache mit den Kindern 97
Der Tod gehört dazu 106
Müde und erschöpft 114
All das allein ... 124
Mit Glück Karriere 133
Mit Glück Freunde 142
«Ist doch nicht ansteckend» 148
Warten auf ein Lebenszeichen 155
Überlastet und vorgeschoben 161
Es braucht eine große Polizeifamilie 165
Vorbereitungen 171
Unwort des Jahres: Glaubwürdigkeit 176
Das kleine große Glück 186

Nachwort
Ein Brief mit ungeahnter Wucht II 191
Das Gespräch mit Polizeipräsident Kandt 196
Abschließende Gedanken 201