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Kunstgeschichtliche Grundbegriffe
Das Problem der Stilentwicklung in der neueren Kunst
19. Aufl. 2004 / 1. Aufl. 1915
Heinrich Wölfflin
Schwabe Basel
EAN: 9783796502880 (ISBN: 3-7965-0288-1)
287 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 18 x 25cm, 2004, Mit 123 Abbildungen
EUR 38,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Wölfflins überragendes Verdienst ist es, der Kunstwissenschaft neue Grundlagen gegeben zu haben. Einer seiner wichtigsten Sätze lautet: «Die bildende Kunst, die Kunst des Auges, hat ihre eigenen Voraussetzungen und ihre eigenen Lebensgesetze». Was heisst das? Das heisst vor allem, dass es in der Kunst zwar auch um die individuelle Künstlerpersönlichkeit und um die Aussage geht, dass es aber daneben - oder besser gesagt darüber - eine selbständige Entwicklung der Form gibt. Das Formgefühl wandelt sich. Auch haben keineswegs alle Nationen das gleiche Formgefühl. Diese Erkenntnisse führten Wolfflin zu seinen beiden Hauptanliegen: zu seinen Untersuchungen über den Charakter und
die Gesetzmässigkeit der Formentwicklung und zu seinen Untersuchungen über die nationale Verschiedenheit des Formgefühls. Das setzte voraus, dass man überhaupt erst einmal Formen schärfer sehen und gegeneinander abgrenzen lernte.
In diesem Buch hat Wölfflin nicht nur die Notwendigkeit der Erforschung der Formensprache aufgezeigt, sondern er hat - wenn auch begrenzt auf Beispiele aus den beiden Gegenwelten Renaissance und Barock - darüber hinaus das erste brauchbare Schema für Stilunterscheidungen gegeben. Wölfflin ist dabei zu fünf «Begriffspaaren» gekommen:
das Lineare und das Malerische,
Fläche und Tiefe,
geschlossene Form und offene Form,
Vielheit und Einheit,
Klarheit und Unklarheit.
Wölfflin räumte ein, dass noch andere solche Begriffspaare oder «Kategorien der Anschauung», wie er sie genialerweise genannt hat, denkbar wären, aber setzte hinzu, dass ihm selbst keine weiteren erkennbar geworden seien. Es hat in der Folge nicht an Kritikern gefehlt, denen diese fünf Kriterien zu wenig und nicht spezifiziert genug waren.
Aber es ist auf der anderen Seite eben doch immer wieder von neuem zum Erstaunen, wie weit man mit den von Wölfflin aufgestellten Kategorien kommt, wie weit man die Bestimmung und Einkreisung damit treiben kann.
Leitthema und Hauptergebnis der «Grundbegriffe» sind damit genannt. Aber das Buch wäre nicht, was es ist, ohne die meisterhafte Beweisführung im einzelnen. Was «Formensehen» heisst, macht Wölfflin an vielen Beispielen deutlich. Und stets von neuem gelingt es ihm nachzuweisen, dass nicht der Inhalt, nicht die Aussage das Entscheidende - das Trennende oder Verbindende - sind, sondern dass die Form das Eigentliche der Kunst ausmacht. (Edwin Kuntz)
Am 21. Juni 1864 ist Heinrich Wölfflin geboren. Seit dem Erscheinen seines Buches «Die klassische Kunst» im Jahre 1899 verehrt die gebildete Welt ihn als einen der grössten Kunst- und Geisteswissenschaftler. Im Grunde hatte er jedoch schon mit einem früheren Buch, mit «Renaissance und Barock», Aufsehen erregt, wenn zunächst auch nur bei Einzelnen. Zu diesen Einzelnen aber gehörte Jacob Burckhardt, der damals den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Basel innehatte und bei seiner Emeritierung vorschlug, Wölfflin zu seinem Nachfolger zu machen. Damit erschlossen sich Wölfflin sogleich die höchsten Höhen der Universitätskarriere. Auf Basel (1893-1901) folgten Berlin (1901-1912) und München (1912-1924) - die drei berühmtesten deutschsprachigen Lehrstühle für Kunstgeschichte waren also nacheinander in Wölfflins Hand. 1924 kehrte er in seine Heimat, die Schweiz, zurück. Noch zehn Jahre lehrte er an der Universität Zürich, von allen Nebenverpflichtungen befreit, die sonst mit einem Ordinariat zusammenhängen. Siebzigjährig nahm er Abschied von seiner Lehrtätigkeit. Seinen Lebensabend verbrachte er teils in Zürich, teils auf dem Stammsitz seiner Familie in Winterthur, wo er geboren war. Am 19. Juli 1945 ist er in Zürich gestorben.
Rezension
Der schweizerische Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin (1864-1945) hat besonders mit dem hier anzuzeigenden Werk »Kunstgeschichtlichen Grundbegriffe« (1915) Wirkung erzielt. Kunst lebt von Autonomie und Formorientierung; die Geschichte der Kunst als »Geschichte des Sehens« kann den Wandel der Anschauungsweisen (linear, malerisch usw.) nachzeichnen und die Stile erklären. Gegen diese Betonung des Formbegriffs wenden sich später andere bedeutende Kunstgeschichtler, u.a. E. Panofsky´s Ikonologie, die mehr die Symbolik betont, oder die strukturanalytische Sichtweise oder die psychologisch-philosophisch beeinflussten Arbeiten (z.B. E. Gombrich). Es ist aber das bleibende Verdienst Wölfflins, die Bedeutung der Formensprache in der Kunst grundlegend aufgezeigt zu haben: nicht der Inhalt, sondern die Form ist entscheidend. Die 19. Aufl. ist der Bedeutung des Werkes entsprechend würdig gestaltet.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Wölfflins überragendes Verdienst ist es, der Kunstwissenschaft neue Grundlagen gegeben zu haben. Einer seiner wichtigsten Sätze lautet: «Die bildende Kunst, die Kunst des Auges, hat ihre eigenen Voraussetzungen und ihre eigenen Lebensgesetze».
ARCHITEKTUR: Rom, S. Andrea della Valle
Was heisst das? Das heisst vor allem, dass es in der Kunst zwar auch um die individuelle Künstlerpersönlichkeit und um die Aussage geht, dass es aber daneben - oder besser gesagt darüber - eine selbständige Entwicklung der Form gibt. Das Formgefühl wandelt sich. Auch haben keineswegs alle Nationen das gleiche Formgefühl. Diese Erkenntnisse führten Wölfflin zu seinen beiden Hauptanliegen: zu seinen Untersuchungen über den Charakter und die Gesetzmässigkeit der Formentwicklung sowie die nationale Verschiedenheit des Formgefühls. Das setzte voraus, dass man überhaupt erst einmal Formen schärfer sehen und gegeneinander abgrenzen lernte.
MALEREI: Massys. Beweinung Christi
In diesem Buch hat Wölfflin nicht nur die Notwendigkeit der Erforschung der Formensprache aufgezeigt, sondern er hat - wenn auch begrenzt auf Beispiele aus den beiden Gegenwelten Renaissance und Barock - darüber hinaus das erste brauchbare Schema für Stilunterscheidungen gegeben. Wölfflin ist dabei zu fünf «Begriffspaaren» gekommen:
das Lineare und das Malerische,
Fläche und Tiefe,
geschlossene Form und offene Form,
Vielheit und Einheit,
Klarheit und Unklarheit.
Wölfflin räumte ein, dass noch andere solche Begriffspaare oder «Kategorien der Anschauung», wie er sie genialerweise genannt hat, denkbar wären, aber setzte hinzu, dass ihm selbst keine weiteren erkennbar geworden seien. Es hat in der Folge nicht an Kritikern gefehlt, denen diese fünf Kriterien zu wenig und nicht spezifiziert genug waren.
Aber es ist auf der anderen Seite eben doch immer wieder von neuem zum Erstaunen, wie weit man mit den von Wölfflin aufgestellten Kategorien kommt, wie weit man die Bestimmung und Einkreisung damit treiben kann.
FLÄCHE UND TIEFE:
Meister des Marienlebens. Die Geburt der Maria
Leitthema und Hauptergebnis der «Grundbegriffe» sind damit genannt. Aber das Buch wäre nicht, was es ist, ohne die meisterhafte Beweisführung im einzelnen. Was «Formensehen» heisst, macht Wölfflin an vielen Beispielen deutlich. Und stets von neuem gelingt es ihm nachzuweisen, dass nicht der Inhalt, nicht die Aussage das Entscheidende - das Trennende oder Verbindende - sind, sondern dass die Form das Eigentliche der Kunst ausmacht. (Edwin Kuntz)
Der Autor
Am 21. Juni 1864 ist Heinrich Wölfflin geboren. Seit dem Erscheinen seines Buches «Die klassische Kunst» im Jahre 1899 verehrt die gebildete Welt ihn als einen der grössten Kunst- und Geisteswissenschaftler. Im Grunde hatte er jedoch schon mit einem früheren Buch, mit «Renaissance und Barock», Aufsehen erregt, wenn zunächst auch nur bei Einzelnen. Zu diesen Einzelnen aber gehört Jacob Burckhardt, der damals den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Basel innehatte und bei seiner Emeritierung vorschlug, Wölfflin zu seinem Nachfolger zu machen. Damit erschlossen sich Wölfflin sogleich die höchsten Höhen der Universitätskarriere. Auf Basel (1893-1901) folgten Berlin (1901-1912) und München (1912-1924) - die drei berühmtesten deutschsprachigen Lehrstühle für Kunstgeschichte waren also nacheinander in Wölfflins Hand. 1924 kehrte er in seine Heimat, die Schweiz, zurück. Noch zehn Jahre lehrte er an der Universität Zürich, von allen Nebenverpflichtungen befreit, die sonst mit einem Ordinariat zusammenhängen. Siebzigjährig nahm er Abschied von seiner Lehrtätigkeit. Seinen Lebensabend verbrachte er teils in Zürich, teils auf dem Stammsitz seiner Familie in Winterthur, wo er geboren war. Am 19. Juli 1945 ist er in Zürich gestorben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 13
I. Das Lineare und das Malerische
Allgemeines 33
Zeichnung 48
Malerei 58
Plastik 71
Architektur 81
II. Fläche und Tiefe
Malerei 93
Plastik 127
Architektur 137
III. Geschlossene Form und offene Form
Malerei 147
Plastik 173
Architektur 175
IV. Vielheit und Einheit
Malerei 181
Architektur 214
V. Klarheit und Unklarheit
Malerei 229
Architektur 256
Abschluß 263
Nachwort: Eine Revision (1933) 276
Verzeichnis der Abbildungen 283
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