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Hannah Arendt Ein Leben
Hannah Arendt
Ein Leben




Willi Winkler

Rowohlt
EAN: 9783737101097 (ISBN: 3-7371-0109-4)
512 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 15 x 22cm, November, 2025

EUR 32,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Ein packendes Lebens- und Epochenporträt zum 50. Todestag

Hannah Arendt hat die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Als Tochter aus einem großbürgerlichen Haus wächst sie in der Kant-Stadt Königsberg auf, studiert an der Universität Marburg, jenem Ort, an dem sich die geistige Produktivität der zwanziger Jahre auf einzigartige Weise verdichtet, und verliebt sich dort in den charismatischen Philosophen Martin Heidegger. Hitlers Machtergreifung treibt sie ins Exil, sie wird in Frankreich interniert, entkommt nach New York, wo sie wieder ganz von vorn anfängt. Sie entwickelt sich zu einer politischen Theoretikerin, die englisch schreibt, weiter deutsch denkt und sich dabei immer als Jüdin versteht. Mit ihrem Bericht vom Eichmann-Prozess erregt sie weltweit Aufsehen.

Anschaulich und packend erzählt Willi Winkler das Leben Hannah Arendts als die Geschichte einer Frau voller Widersprüche, einer Frau, die sich nach Verfolgung und Vertreibung in Amerika eine neue Identität aufbaut, mit ihrem messerscharfen Verstand alle Männer ihrer Umgebung überstrahlt, dabei aber immer das «Mädchen aus der Fremde» bleibt, als das sie sich selbst bezeichnet. - Die faszinierende Biographie einer der populärsten intellektuellen Ikonen und brillanten Beobachterin ihrer Zeit.

Willi Winkler, geboren 1957, war Redakteur der «Zeit», Kulturchef beim «Spiegel» und schreibt seit vielen Jahren für die «Süddeutsche Zeitung». Er ist Autor zahlreicher hochgelobter Bücher. Sonia Mikich sagte über ihn: «Solch unverbrauchte Gedanken in schöner Sprachmacht sind selten geworden.» Zuletzt erschien «Kissinger & Unseld. Die Freundschaft zweier Überlebender», über das die «Welt» schrieb: «Ein brillant erzähltes Doppelporträt zweier der interessantesten Denker und Macher des 20. Jahrhunderts.» Willi Winkler wurde mehrfach für sein Schreiben ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ben-Witter-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus und dem Michael-Althen-Preis.
Rezension
Wie konnte der Holocaust geschehen? Wie war eine solche irrtümliche Blindheit möglich? Warum waren Menschen in der Lage, das radikal Böse in einer zivilisierten Gesellschaft zu tun? Mit ihrem Schlagwort der Banalität des Bösen entdeckte Hannah Arendt einen Schlüssel zur Erklärung dazu - und in Adolf Eichmann keine Bestie sondern einen banalen Hanswurst. Die jüdisch-deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906-1975) war eine überaus einflussreiche Denkerin des 20. Jahrhunderts insbesondere zu Themenfeldern wie Antisemitismus, das Böse, Macht, Revolution, Republik / Nation, Totalitarismus etc. Zu ihrem 50. Todestag liegt diese Biographie vor, die nicht nur ein Leben sondern die ganze damit verbundene, schwierige, vielfältige und komplexe Epoche porträtiert. Im Jahr 2013 wurden endlich das Denken, die Biographie und das Engagement Hannah Arendts auch einer breiteren deutschen Öffentlichkeit vor Augen geführt durch die große Hannah-Arendt-Verfilmung durch Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa als Darstellerin der Hannah Arendt (vgl. http://www.hannaharendt-derfilm.de). Ihr Leben war wesentlich, aber nicht nur, vom Ringen mit und um den Philosophen (und Antisemiten) Martin Heidegger geprägt. Hannah Arendt kommt aus dem Jahrhundert der Weltkriege, sie hat Diktatur und Terror erlebt, Flucht, Vertreibung, Internierung und atomare Bedrohung und zu viel Ideologie für ein einziges Leben. Fast zwei Jahrzehnte war sie heimat- und staatenlos, wurde erst spät in Deutschland gewürdigt.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Eine große Denkerin und die Wirren des 20. Jahrhunderts: Willi Winklers fesselnde Biographie zum 50. Todestag

Pressestimmen:

Willi Winkler ist ein phantastischer Erzähler.
Claudius Seidl

Solch unverbrauchte Gedanken in schöner Sprachmacht sind selten geworden.
Sonia Mikich

Sehr zu empfehlen!
WDR 5

Ein brillantes Buch ... Eine Maßstäbe setzende Biografie.
Frankfurter Neue Presse

Winklers Biographie überzeugt durch die reichhaltigen politischen und kulturellen Kontexte ... Eine kluge, spannende Lektüre.
SWR

Es entsteht ein komplexes, niemals homogenes, deshalb sehr lebendiges Bild dieser bedeutenden Frau auf einem von Männern dominierten Parcours ... sehr lesenswert.
Wolfgang Matz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Absolute Leseempfehlung ... Winkler schreibt mit absolutem Quellenreichtum und viel Witz ... Er stellt Hannah Arendt als lebendige Person ins Bild ihrer Zeit.
Natascha Freundel, radio3, RBB

Herausragend unter den Neuerscheinungen zum 50. Todestag.
Focus
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung 9

1. Abstieg vom Zauberberg: die Jahre in Deutschland 15

Schatten der Kindheit 19
Marburg gegen Berlin: Martin Heidegger 23
Erbschaft dieser Zeit – die radikalen Zwanziger 27
Symphilosophieren mit Günther Stern 31
«Meine beste Freundin» Rahel Varnhagen 39

2. Schicksalsrausch und Flucht: das Jahr 1933 41

Martin Heidegger meldet sich zum Wissensdienst 42
Hannah Arendt muss das Land verlassen 46

3. Ein Freund, ein guter Freund: Heinrich Blücher und Walter Benjamin 50

Der Bolschew 51
Der Wunderrabbi 57
Der Engel der Geschichte 63

4. «Auf den Strohsäcken der Hoffnungslosigkeit»: von Paris nach New York 66

Der Weg über die Pyrenäen 68
Gerettet 73

5. Rückkehr nach Europa, Wiedersehen mit Heidegger 77

Die geistige Situation der Zeit 79
Gefährliche Liebschaften 90
Strahlungen 100

6. Kommunisten, Verräter, Friedenshetzer: Amerika unter Joseph McCarthy 106

Hannah Arendt wird zur «hebräischen Prophetin» 112
Die «Vaterlandsretter» wollen Hannah Arendt kapern 117
Ein Verräter legt Zeugnis ab 127
Gestern waren sie noch
Kommunisten 138

7. Deutsche Restauration und ungarische Revolution 149

«Bei Hitler zu Tisch» 153
Amor mundi oder ein philosophierender Wanderarbeiter 156
Die CIA-Connection 160
Hannah Arendt als Botschafterin des freien Westens 166

8. Schreiben unter Aufsicht der SS 173

«Und ich muss einfach liebenswürdig schweigen!» 177
Vermischte Zustände 184

9. Der Salon am Hudson 193

Little Rock und der Rassismus 199
Amerika wird jung: John F. Kennedy und Norman Mailer 208

10. Der Mann im Glaskasten: Adolf Eichmann 212

Das Böse in zweierlei Gestalt 218
Der Onkel kommt 222
Ein Schauspiel nur 227
Staatspolitisches Interesse 231
Die Zeugen 236
Der Angeklagte 238
Weltpolitik 244

11. «Eichmann in Jerusalem» 248

Wie man berühmt wird 254
Wie man sich Feinde macht 261
Wie die Kollegen reagieren 265

12. Deutschlandreise 1964 272

Die Jungen müssen es besser machen 278
Golo Mann empört sich 283
Von der Gleichschaltung 289
Hannah Arendt gegen den «Spiegel» 298

13. New York Intellectuals 303

Die Medienintellektuelle 304
Amerikanische Revolution 308

14. Lossprechungsverfahren 313

Melita Maschmann 313
Ingeborg Bachmann 316
Benno von Wiese 321
Hans Magnus Enzensberger 326

15. Gestern waren sie noch Nazis 333

Die schwarze Uniform 334
Jean Améry reagiert darauf 339

16. Freiburg als geistige Lebensform: Hannah Arendt und Paul Celan pilgern zu Martin Heidegger 343

Der Fuchs bleibt in seinem Bau 350
Heidegger entschuldigt sich nicht 357
Ein Krieger beginnt das Versöhnungswerk 360
Der «Spiegel» kommt zum Propheten 365
Hannah Arendt will ihn verstehen 370
Heidegger will Paul Celan heilen 377
Benjamin und Heidegger: zwei bewusste Parias 382
Noch einmal in die Frankfurter Schule 391

17. Reden über Gewalt: Amerikas sechziger Jahre 395

Vietnam, mon amour 401
Alle Macht den Räten 406

18. Zwei Ansichten: Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger 412

Fanfiction 413
Macht und Gewalt 419

19. Abschied 425

«Ohne Heinrich. Frei» 427
Die amerikanische Enttäuschung 429
Zurück zu Martin Heidegger 431

Anhang 437

Anmerkungen 439
Register 493
Zeittafel 505
Bildnachweis 509