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Gefühlte Bürgerlichkeit
Zur Seelengeschichte der späten Bundesrepublik
Jürgen Große
Büchner-Verlag
EAN: 9783963174209 (ISBN: 3-9631742-0-X)
260 Seiten, hardcover, 16 x 22cm, Oktober, 2025, mit Fadenheftung und Lesebändchen
EUR 28,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Im Deutschland der 2020er geht es gefühlsbetont zu. Achtsamkeit, Echtheit, Spontaneität, Verletzbarkeit, Zugewandtheit sind moralische Hochwertwörter geworden. Dies gilt für politisch-mediale Selbstdarstellungen wie für den alltäglichen Sprachverkehr. Zugleich verstehen sich die gefühlsbewussten Milieus als bürgerlich, als gutbürgerlich, als gute Gesellschaft, ja als Bürgergesellschaft.
Die Bedeutung von Bürgerlichkeit hat sich dabei stark verändert. Nicht mehr Besitz oder Bildung, sondern ein ethisch vertretbares Empfinden und ein damit verbundener Gerechtigkeitssinn verheißen gesellschaftliche Reputation. Eine neue Elite ist entstanden, die traditionell bürgerliche »Mitte«-Positionen besetzt und zugleich kulturerneuernd wirken will.
In Gefühlte Bürgerlichkeit beleuchtet Jürgen Große dieses Phänomen historisch und kritisch. Die geschichtlichen Linien werden von der bürgerlichen Empfindsamkeit im Aufklärungszeitalter bis zu aktuellen Kampfbegriffen wie »Schneeflocken«, »Wutbürger« und »Empörungskultur« gezogen.
Jürgen Große (geb. 1963) ist promovierter Historiker und habilitierter Philosoph; er lebt als freier Publizist in Berlin. Sein Interesse gilt den exzentrischen, oft aber einflußreichen Trends der Geistesgeschichte Europas, so in Kritik der Geschichte. Probleme und Formen seit 1800 (2006); Philosophie der Langeweile (2008); Ernstfall Nietzsche. Debatten vor und nach 1989 (2010); Die Arbeit des Geistes (2013); Der ferne Westen. Umrisse eines Phantoms (2016); Der sterbende Gott. Agnostische Anmerkungen (2020); Die kalte Wut. Theorie und Praxis des Ressentiments (2024); Ein pensionierter Zerstörer. Postscriptum zu Cioran (2025). http://www.grossewerke.de.
Rezension
Bürgerlichkeit, - so die Grundthese des Autors - , macht sich heute nicht mehr primär an Besitz oder Bildung fest, sondern an ethisch vertretbarem (Gerechtigkeits-)Empfinden; mithin ist es "Gefühlte Bürgerlichkeit" (Buchtitel), die mit moralischen (Mode-)Begriffen wie Achtsamkeit, Echtheit, Spontaneität, Verletzbarkeit, Zugewandtheit etc. die gesellschaftliche "Mitte" repräsentiert: Im heutigen Deutschland geht es gefühlsbetont zu, so die These des Autors, nicht nur privat, auch in der Politik. Zusehends wendet sich die Aufmerksamkeit von dem Objektiven und den Objekten, etwa institutionellen Gerüsten und materiellen Grundlagen einer Gesellschaft, hin zu ihrer emotionalen Atmosphäre. Emotionen oder Affekte bedeuten ganzen Gesellschaftsmilieus eine elementare Wahrheit. Die neudeutsche Gefühligkeit trifft zusammen mit einer verunsicherten »Bürgerlichkeit«, die sich darin geradezu selbstvergewissert.
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Das deutsche Gefühl 7
1 STARRE MIENEN
Oder: Was vom Bürger übrig blieb 11
2 KALTE FARBEN
Oder: Metamorphosen der Bürgerlichkeit 16
3 GEFÜHLTE GESELLSCHAFT
Oder: Die wahre Mitte 34
4 KLEINE BÜRGER
Oder: Fortschritt, Wärme und Gerechtigkeit 69
5 DIE WÜTENDE EMPÖRUNG UND DIE GEKRÄNKTE EMPFINDUNG 96
6 IM THERAPEUTISCHEN GEVIERT 122
7 NACH DER NATION:
Ökonomie, Moralität, Sentiment 150
8 DIE FEINDBILDER DER GEFÜHLSPOLITIK 179
9 BOBOS IN PURGATORY 206
Anmerkungen 217
Quellen- und Literaturverzeichnis 249
Personenregister 259
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