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Frauen im frühen Christentum  Ihre Konversion - ihre Mission
Frauen im frühen Christentum
Ihre Konversion - ihre Mission




Judith Rosen

Herder Verlag
EAN: 9783534642823 (ISBN: 3-534-64282-1)
368 Seiten, paperback, 17 x 24cm, März, 2026

EUR 36,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Ohne die frühen Christinnen – keine Weltreligion

Der unaufhaltsame Aufstieg des Christentums von der winzigen Jerusalemer Gemeinde zur Staatsreligion im Römischen Reich Ende des 4. Jahrhunderts ist ein Phänomen, das sich allein mit rationalen Gründen nicht erklären lässt. Sicher ist aber, dass die missionarische Begeisterung der frühen Christen, vor allem der Christinnen, entscheidend zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen hat.

Was bewog Vielgötterverehrerinnen und Jüdinnen, ihren angestammten Glauben samt Ritualen zu verlassen und sich einer neuen Religion anzuschließen, die sie zu gesellschaftlichen Außenseiterinnen machte, sie sogar gefährdete? Wegen der marginalen Quellenlage lassen sich Gründe für die Frühzeit fast nur kontextuell erschließen. Das Christentum hieß alle willkommen, ohne einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, der Herkunft und dem gesellschaftlichen Prestige zu machen, eine inspirierende Erfahrung vor allem für Frauen, die in der gesamten Antike unter patriarchalischen Vorzeichen lebten. Vielgötterverehrerinnen hat wohl auch der Schutz ihrer Kinder überzeugt. Denn die christliche Lehre lehnte eine Tradition ab, die dem römischen Familienvater gestattete, einen Säugling nach der Geburt auszusetzen. Auch die Jenseitshoffnung spielte eine wichtige Rolle, galt die Aussicht auf ein Ewiges Leben doch für Männer wie für Frauen. Ihr Engagement in und außerhalb der entstehenden Gemeinden erschloss den frühen Christinnen neue Räume, in denen sie ihre Charismen entfalten konnten.

Als Prophetinnen und Apostelinnen, Patroninnen, Diakoninnen sowie Märtyrerinnen, als Freie und Unfreie haben sie Geschichte geschrieben. Daran änderte auch ihre schleichende Zurückdrängung aus öffentlichen Gemeindefunktionen seit dem ausgehenden 1. Jahrhundert nichts.

Ihre Motive, ihre Mission und ihre Geschichten erhellt die Historikerin Judith Rosen in ihrer Geschichte der frühen Christinnen aus dem 1. und 2. Jahrhundert.

Judith Rosen ist Historikerin und unterrichtete Alte Geschichte an der Universität Bonn. Heute ist sie freie Autorin und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Bonn.

Im Herder Verlag / wbg erschienen von ihr die Biografien: „Martin von Tours. Der barmherzige Heilige“ (2016), „Auguste und die Sternsinger. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ (2022) und „Bonifatius. Der europäische Heilige“ (2022).
Rezension
"Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre ...´" (Tim 2,12). Frauenrollen in Kirchen und Christentum sind ebenso kontrovers umstritten wie in den letzten Jahrzehnten insbesondere aus feministischer Perspektive und besonders im Hinblick auf das Frühchristentum wissenschaftlich erforscht. Ihre Rollen wechselten. Von Anfang an stießen sie auf die ungeschriebenen Gesetze einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung, der sich die frühe und immer wieder verfolgte Kirche nicht widersetzen mochte. Abgesehen von theologischen Lehren, welche die religiöse und sittliche Minderwertigkeit der Frauen festzuschreiben suchten, war es auch das Streben nach „bürgerlicher Loyalität“ der sich ausbildenden Kirchenhierarchie, die den Frauen offizielle Dienste und im weiteren Verlauf Ämter in der Gemeinde mehr und mehr versagte. Trotz aller Beschränkungen aber haben Frauen an allen Entwicklungen in der frühen Kirche teilgenommen. Die historische Überlieferung zeigt sie als Prophetinnen, Apostelinnen, Lehrerinnen, Verkünderinnen, Märtyrerinnen, Asketinnen, Diakoninnen und vereinzelt als Priesterinnen, wobei letztere seit den Anfängen des Christentums umstritten waren und von der Großkirche bekämpft wurden. Ihren Spuren geht diese Geschichte der frühen Christinnen nach (vgl. Inhaltsverzeichnis).

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Kirchen des 21. Jahrhunderts stehen auf den starken Schultern der frühen Christen und Christinnen. Vor allem Frauen haben in den ersten Jahrhunderten eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des Glaubens gespielt. Sie trugen ihn in ihre Familien und in die Welt. Als Prophetinnen und Apostelinnen, Patroninnen, Diakoninnen sowie Märtyrerinnen, als Freie und Unfreie haben sie Geschichte geschrieben. Ihren Spuren im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. folgt analysierend und erzählend der Band „Frauen im frühen Christentum“.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7

I Christinnen – damals und heute 9

II Frauen werden Christinnen 21

III Herausforderung Konversion 29

3.1 „Abwendung“ und „Hinwendung“ 36
3.2 Konkurrenzreligionen 39

IV Bekehrungsmotive der frühen Christinnen 47

4.1 Gesellschaftlich 49
4.1.1 Jüdische, griechische und römische Misogynie 49
4.1.2 Die neue Elite 59
4.2 Spirituell 66
4.2.1 Die Vorbildrolle alttestamentlicher Prophetinnen 66
4.2.2 Hoffnung versus Angst – die Jenseitserwartung 81
4.3 Persönlich 89
4.3.1 Das exemplum Jesu 89
4.3.2 Das Charisma des Missionars und der Missionarin 99
4.4 Familiär 101
4.4.1 Aufwertung der Ehefrau und hohe Moral 101
4.4.2 Frauen als Adressatinnen der Hausmission 103
4.4.3 Kinderschutz 104

V Der Begriff ‚Mission‘ und seine historischen Voraussetzungen 115

5.1 Jüdische Mission – Wurzel und Ansporn 134
5.2 Jesus als Begründer der christlichen Mission 138

VI Missionarische Frauen-Vorbilder in den Evangelien 145

6.1 Maria 148
6.2 Die Syrophönizierin 153
6.3 Die Samaritanerin 155
6.4 Die Grundbesitzerinnen Maria und Marta 158
6.5 Maria aus Magdala – Prototyp einer Missionarin 162

VII Weibliche ‚Missionsstrategien‘ 175

7.1 Pagane und ‚christliche Matronage‘ 175
7.2 Christliche ‚Frauennetzwerke‘ 180
7.3 Die Hausgemeinde als Missionswerkstatt 191
7.3.1 Patroninnen, Gastgeberinnen, Wohltäterinnen und Ärztinnen 197
7.3.2 Familienmissionarinnen und Kindermissionare 216
7.4 Wort und Tat 220
7.4.1 Christliche Prophetinnen und Lehrerinnen 220
7.4.2 Witwen 234
7.4.3 Diakoninnen und Presbyterinnen 240

VIII Märtyrerinnen – der Extremfall weiblicher Mission 255

8.1 Rollenwandel 255
8.2 Märtyrerinnen in den Verfolgungen 260
8.2.1 Die neronischen Märtyrerinnen 261
8.3 „Selbstauslieferinnen“, Müttermärtyrerinnen und Kindermärtyrer 267
8.3.1 Agathonike 267
8.3.2 Perpetua und die auctoritas der Märtyrer 273
8.3.3 Felicitas und der ‚alter Christus‘ 284
8.3.4 „Männlich“ werden 292
8.3.5 Kindermärtyrer 301

IX Thekla – ein missionarisches Rollenmodell 309

X Anhang 321

10.1 Quellen- und Literaturverzeichnis 321
1 Quellen 321
2 Hilfsmittel und Kommentare 327
3 Literatur 328
10.2 Abkürzungen 359
10.3 Zeittafel 361
Register 365