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Franziskus von Assisi
Geschichte und Erinnerung
Andre Vauchez
Aschendorff
EAN: 9783402132449 (ISBN: 3-402-13244-3)
453 Seiten, hardcover, 16 x 24cm, Oktober, 2019
EUR 24,80 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Franziskus von Assisi ist bis heute eine große Faszination eigen, wobei die Kenntnis über den Heiligen weit über die Kirchen hinausreicht. Wer aber Franziskus war, ist im Abstand von 800 Jahren nicht mehr so einfach auszumachen. Nicht nur der zeitliche Abstand macht ein Verstehen schwieriger, nachfolgende Generationen haben auch eigene und unterschiedliche Akzente im Blick auf Franziskus gesetzt und variierende Bilder des Heiligen gezeichnet.
André Vauchez ist es nun in diesem „meisterhaften“ Buch gelungen sowohl das Leben, als auch Werk und Wirkung des Franziskus in herausragender Weise herauszuarbeiten. 2009 erschien der preisgekrönte Titel (Prix Chateaubriand) erstmals in Frankreich, 2012 folgte eine englische Übersetzung. Anläßlich der Verleihung des Balzan-Preises an André Vauchez wurde das vorliegende Buch schließlich gewürdigt als „Höhepunkt von Vauchez’ Erkundungen im Feld des mittelalterlich-religiösen Weltverständnisses … Seiner Darstellung von Leben, Werk und Wirkung des Franziskus von Assisi gelingt es, ohne falsche Mythisierungen und Aktualisierungen eine der farbigsten und einflussreichsten Gestalten des Mittelalters, die sich dem kollektiven Gedächtnis tief eingeprägt hat, lebendig werden zu lassen, aber zugleich mit großer Luzidität die Arbeit am Mythos zu verfolgen, der sich um seine Gestalt gebildet hat.“ Diese beeindruckende Darstellung zu Franziskus von Assisi liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vor.
André Vauchez ist emeritierter Professor für mittelalterlich Geschichte der Pariser Universität X-Nanterre und Mitglied des Institut de France. Von 1995–2003 war er Direktor der École francaise in Rom. Für seine wegweisenden Studien im Bereich der mittelalterlichen Religiosität hat er international höchste Anerkennung erfahren.
Rezension
Papst Franziskus trägt seinen Namen, er scheint uns heutigen mehr als 800 Jahre später sehr nah; denn er pries die Schöpfung, die wir zu retten genötigt sind, wie kein zweiter. Durch sein berühmtes »Sonnenlied« und seine Predigt an die Vögel gilt er vielen als der Begründer eines völlig neuen, brüderlichen Verhältnisses zur Natur. Und zugleich ist uns der Hl. Franziskus auch sehr fern; er stammt aus einer fremden, der spirituellen Welt des Hochmittelalters. Der in eine wohlhabende Familie geborene Giovanni Battista Bernardone, genannt Franz von Assisi (1181/82-1226), entsagt dem Besitz und führte ein Leben in Armut, stets darauf bedacht, Gutes zu tun und in der Nachfolge Jesu zu leben. Der zunächst als Sonderling Abgetane wurde zum Gründer eines der bedeutsamsten Orden des Mittelalters. Franz von Assisi ist beliebter Gegenstand im schulischen Religionsunterricht; er darf bei Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen als eine der interessantesten Gestalten aus Christentum und Kirchengeschichte gelten. Seine Biographie und seine Lebensentscheidungen wirken auf Schüler gleichermaßen attraktiv und exotisch. Hier scheint sich originäres, originelles und glaubwürdiges Christentum zu offenbaren. Der Verweis auf den Franziskaner-Orden kann eine Verbindung zur Gegenwart herstellen, z.B. können Franziskaner in den Unterricht eingeladen oder ein Unterrichtsgang zu den Franziskanern organisiert werden. André Vauchez ist es in diesem Buch gelungen, sowohl das Leben als auch Werk und Wirkung des Franziskus in herausragender Weise herauszuarbeiten.
Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort zur deutschen Ausgabe 11
Vorwort 13
ERSTER TEIL
BIOGRAPHISCHES PROFIL DES FRANZISKUS (1182 - 1226)
I. KAPITEL
Francesco, Sohn des Pietro di Bernardone 23
1. Eine Stadt, ein Mann: Assisi und Franziskus 23
2. Kaufmann oder Ritter? Die Jugend des Sohnes eines Neureichen 27
3. Die Umkehr (1205 — 1206) 41
4. Zwischen Einsiedlerdasein und religiösem Vagabundentum (1206 —1208) 52
II. KAPITEL
Bruder Franziskus 57
1. Ein Laie in der Christenheit am Beginn des 13.Jahrhunderts 57
2. Die ersten Gefährten und die Brüderschaft der Büßer von Assisi (1208 — 1209) 63
3. Franziskus, Innozenz III. und die Römische Kurie (1209 — 1210) 75
4. Die Verkündigung des Evangeliums und des Friedens 84
5. „Warum du?" — Das Charisma des Franziskus 100
6. Verlassen Italiens und Begegnung mit dem Islam (1217 —1220) 111
7. Die leidvolle Institutionalisierung der franziskanischen Bewegung (1220 — 1223) 127
8. Die franziskanische Idee zwischen Utopie und Kodifizierung: die Ordensregeln (1221 — 1223) 138
8.1. Armut Christi und menschliche Not 140
8.2. Die Verweigerung der Macht 146
8.3. Das Heil der „Ungläubigen" 153
9. Prüfungen und Versuchungen: Zeiten des Zweifels (1223 — 1224) 159
10. Von der Stigmatisation bis zum Testament (September 1224 bis September 1226) 165
ZWEITER TEIL
TOD UND VERKLÄRUNG DES FRANZISKUS (1226 - 1253)
III. KAPITEL
Franziskus wird zum Heiligen (Ende 1226 bis 1230) 179
1. Tod eines Menschen, Geburt eines Heiligen 179
2. Die Heiligsprechung (Juli 1228) 183
3. Die Einrahmung des Bildes: Die erste Lebensbeschreibung des heiligen Franziskus von Thomas von Celano (1228 — Anfang 1229) 188
4. Schrein und Mausoleum: die Basilika San Francesco in Assisi 191
5. Zwischen Stadtreligion und Frömmigkeit der Minderbrüder: der Skandal um die Übertragung der Reliquien (25. Mai 1230) 193
IV. KAPITEL
Der „Zweite Tod" des Franziskus (von 1230 bis 1253) 199
1. Die Entstellung der franziskanischen Idee 199
2. Franziskus, der „Super-Heilige": allegorische und eschatologische Interpretationen 204
3. Nester des Widerstands und Heimstätten der Treue: die Gefährten und Klara von Assisi 208
3.1. Die Gefährten und das Sacrum commercium 208
3.2. Klara von Assisi und San Damiano: Hüterinnen der Erinnerung an Franziskus 211
4. Wird Franziskus vergessen? 221
DRITTER TEIL
BILDER UND MYTHEN ÜBER FRANZISKUS VOM MITTELALTER BIS HEUTE
V. KAPITEL
Mittelalterliche Interpretationen des Franziskus (13. — 15. Jahrhundert) 231
I. Vom richtigen Gebrauch der Legenden 231
2. Lebensbeschreibungen und hagiographische Sammlungen 234
2.1. Der Franziskus der ersten Lebensbeschreibungen (1228 — 1260): kontrastierende Bilder 234
2.2. Die Legenda maior Bonaventuras (1263): das offizielle Franziskus-Leben 243
2.3. Der Franziskus der Gefährten und der Spiritualen: Die Rückkehr des Verdrängten und die Vision der Besiegten 248
3. Von den Actus / Fioretti zum Buch über die Gleichförmigkeit: Folklorisierung des Franziskanertums und apologetische Auswüchse 253
4. Die Ikonographie des Franziskus 258
5. Zwischen Texten und Bildern: die Verherrlichung der Wundmale 266
VI. KAPITEL
Franziskus zwischen Historie und Mythen (16. — 20. Jahrhundert) 279
1. Von Luther bis Voltaire: „Damnatio memoriae" und Transformationen des Bildes 279
2. Die Wiederentdeckung des Franziskus (19. Jahrhundert bis Anfang 20. Jahrhundert) 282
2.1. Ein romantischer Held ... am Ursprung der Renaissance! 282
2.2. Ernest Renan, Paul Sabatier und die „Franziskanische Frage"
2.3 Franziskus von Assisi zwischen nationalistischer Vereinnahmung und historischer Forschung 289
3. Ein vielgestaltiger Mythos für unsere Zeit 291
VIERTER TEIL
DIE FRANZISKANISCHE NEUHEIT
Die Schriften des Franziskus 301
VII. KAPITEL Die Gotteserfahrung 305
VIII. KAPITEL Ein neuer Bezug zur Heiligen Schrift: der Geist des Buchstabens 313
IX. KAPITEL Franziskus, die Natur und die Welt 325
X. KAPITEL Franziskus und Kirche: das Charisma in der Institution 339
XI. KAPITEL Das Evangelium in der Welt: Eine Veränderung der Religionsanthropologie 355
XII. KAPITEL Ein Vermittler der Kultur am Beginn einer neuen Sensibilität 373
Schlusswort
Franziskus - ein Prophet für seine Zeit ... oder für die unsere? 387
Nachwort
Franz von Assisi in seiner Zeit und Welt und sein Nachleben bis heute 401
Anmerkungen 409
Abkürzungen und Siglen 425
Bibliographie 429
Chronologie 437
Dokumentarischer Anhang 441
Karten 445
Register 447
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