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Die angespannte Mitte
Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25
Herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Franziska Schröter
Andreas Zick, Beate Kuepper, Nico Mokros, Marco Eden, Franziska Schroeter (Hrsg.)
Dietz Verlag
EAN: 9783801207069 (ISBN: 3-8012-0706-4)
428 Seiten, paperback, 15 x 21cm, November, 2025
EUR 18,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Krisen, Kriege und Konflikte, Verunsicherung und Vertrauensverlust, Populismus und Polarisierung: Liberale Demokratien wie Deutschland stehen weltweit unter Druck, neue und globale Herausforderungen an eine moderne Gesellschaft zu bewältigen und gleichzeitig ihren freiheitlich-pluralistischen Kern zu bewahren und zu verteidigen. Die Einfallstore für antidemokratische Kräfte und rechtsextreme Ideologien sind weit geöffnet. Sie finden auch und gerade Widerhall in der Mitte der Gesellschaft. Befindet sich die Demokratie an einem Kipppunkt?
Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung wird seit 2006 alle zwei Jahre die Verbreitung rechtsextremer, menschenfeindlicher und demokratiegefährdender Einstellungen in Deutschland empirisch erfasst. Auf Basis einer bundesweiten Repräsentativerhebung entsteht so ein Gradmesser für illiberale Demokratievorstellungen und antidemokratische Orientierungen in Verbindung mit der Analyse möglicher Ursachen. Die neue FES-"Mitte-Studie" 2024/25 will zur Debatte über den Zustand der Demokratie anregen und ein Verständnis dafür schaffen, wie demokratiegefährdende Einstellungen funktionieren und sich verbreiten. Die Analysen geben auch Hinweise darauf, wo man ansetzen kann, um die liberale Demokratie zu bewahren.
Mit Beiträgen von Sabine Achour, Kathrin Ackermann, Ursula Birsl, Marco Eden, Eva Groß, Anja Höppner, Ilka Kammigan, Beate Küpper, Astrid Mayerböck, Nico Mokros, Claudia Neu, Amelie Nickel, Anna Christina Nowak, Jost Reinecke, Fritz Reusswig, Elif Sandal-Önal, Mara Simon, Merle Stöver, Andreas Zick und Interviews mit Ruth Wodak, Meron Mendel & Saba-Nur Cheema, Raj Kollmorgen und Souad Lamroubal.
Andreas Zick, geb. 1962, Dr. rer. nat., phil. habil., Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) und Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld, baut derzeit die Konfliktakademie ConflictA auf und koordiniert zusammen mit anderen Expert:innen ein Wissensnetzwerk Rechtsextremismusforschung.
Beate Küpper, geb. 1968, Dr. phil., Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein, ist Mitglied im Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung und der Redaktion der Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit und entwickelt Konzepte zum demokratischen Umgang mit antidemokratischen Haltungen und Bedrohungen.
Nico Mokros, geb. 1992, M. A., hat Erziehungswissenschaft und Psychologie studiert, koordiniert als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) die Mitte-Studie und lehrt an der Universität Bielefeld zu politischer Sozialisation, Vorurteils- und Rechtsextremismusforschung.
Rezension
Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung gibt zwei-jährlich eine Studie wie diese zu rechtsextremen und demokratiegefährdenden Einstellungen in Deutschland heraus. Die Einfallstore für antidemokratische Kräfte und rechtsextreme Ideologien sind angesichts der weltweiten Unsicherheiten und neu-rechten Ideologien weit geöffnet. Sie finden auch und gerade Widerhall in der Mitte der Gesellschaft; deshalb der Titel "Die angespannte Mitte". Es geht der Studie um das Erfassen antidemokratischer Orientierungen in Verbindung mit der Analyse möglicher Ursachen. Nur wer versteht, wie demokratiegefährdende Einstellungen funktionieren und sich verbreiten, kann auch Ansätze entwickeln, um die liberale Demokratie zu bewahren. Dazu sind auch alle Lehrkräfte aufgefordert!
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Herausgeberin
Franziska Schröter 15
1 Demokratie am Kipppunkt — Verschiebungen in der Mitte und die Normalisierung des Rechtsextremismus — eine Hinführung zur Mitte-Studie 2024/25
Andreas Zick 19
1.1 Wer ist die Mitte? 22
1.2 Die Mitte in der Zerreißprobe 24
1.3 Polarisierungen, Normalisierungen und Kipppunkte 25
1.4 Die Themen der Mitte-Studie 2024/25 32
1.5 Eine angespannte Mitte 38
Mittendrin: In der Normalisierungsbewegung
Fragen an Ruth Wodak 40
2 Die methodische Grundlage der Mitte-Studie 2024/25
Marco Eden • Nico Mokros • Astrid Mayerböck • Jost Reinecke 49
2.1 Umfragedesign 49
Entwicklung und Pretest des Fragebogens 50
Der Frage-Antwort-Prozess: Wie werden Einstellungen verstanden? 51
Likert-Skala, »teils/teils«- und fehlende Antworten 54
Auswertungslogik 55
Inhalte des Fragebogens: Kontinuität und Dynamik 57
2.2 Datenerhebung 58
Stichprobenziehung 58
Ausschöpfung 59
2.3 Repräsentativität und Gewichtungsverfahren 61
Gewichtung nach Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2025 62
2.4 Soziodemografische Zusammensetzung der Stichprobe 64
3 Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft
Andreas Zick Nico Mokros Beate Küpper 69
3.1 Nach Zeiten der Polarisierung 69
3.2 Grundverständnis und Erfassung rechtsextremer Einstellungen 72
3.3 Verbreitung rechtsextremer Einstellungen in Deutschland 2024/25 77
3.4 Rechtsextreme Einstellungen nach politischen Positionen 83
Politische Selbstverortung 84
Parteipräferenz 86
3.5 Rechtsextreme Einstellungen nach soziodemografischen Gruppen 88
Geschlecht 88
Alter 89
Schulbildung 89
Einkommen 90
3.6 Rechtsextreme Einstellungen nach regionalen Unterschieden 91
3.7 Haltungen zum Umgang mit Rechtsextremismus in der Bevölkerung 93
3.8 Zur Interpretation von Nichtantworten bei Fragen zu rechtsextremen Einstellungen 96
3.9 Fazit und Diskussion 98
Fokus / Politische Gewalt
Andreas Zick 104
Politische Gewalt in der Mitte 2024/25 - Erfassung und Ergebnisse 109
Soziodemografische Unterschiede 109
Politische Orientierungen 112
Politische Gewalt, GMF und Rechtsextremismus 113
Mehr tun gegen die Gewaltbilligung der Mitte? 115
Mittendrin: Tödliche Gewalt gegen wohnungslose Menschen
Merle Stöver 116
Die Tat 116
Motive und Muster 118
Tödliche Gewalt gegen wohnungslose Menschen 120
Gewalterfahrungen von wohnungslosen Menschen 121
Was schützt wohnungslose Menschen vor Gewalt? 122
4 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Mitte
Nico Mokros • Andreas Zick 125
4.1 Hintergründe und Messung von GMF 126
GMF in den Erhebungen der Vorjahre 129
Die vier zentralen GMF-Facetten in der Mitte-Studie 2024/25 131
4.2 Verbreitung menschenfeindlicher Einstellungen in der Mitte-Studie 2024/25 138
Soziodemografische Unterschiede 141
Politische Unterschiede 145
4.3 Die Ideologie der Ungleichwertigkeit — Zusammenhänge menschenfeindlicher und rechtsextremer Einstellungen 149
Zusammenhänge von GMF und Rechtsextremismus 151
4.4 Normal menschenfeindlich ? 151
Fokus / Maskulinismus und Antifeminismus
Mara Simon • Ursula Birsl 157
Erfassung der Gegnerschaft zur Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse in der Mitte-Studie 2024/25 161
Antifeministische Einstellungen im Ergebnisprofil 162
Antifeminismus mit antisemitischer und autoritärer Grundierung 167
Vorstellungen von essenzialistischen Differenzen zwischen den
Geschlechtern als Scharnier in die Mitte der Gesellschaft 169
Maskulinismus und Antifeminismus: Klare Positionierungen und Verunsicherungen 171
Mittendrin: In der Kontroverse und im Dialog
Fragen an Saba-Nur Cheema und Meron Mendel 173
5 Demokratievorstellungen und Demokratiewahrnehmung in der Mitte
Marco Eden • Elif Sandal-Önal • Andreas Zick • Kathrin Ackermann 180
5.1 Vorstellungen von Demokratie 181
5.2 Wahrnehmung und Unterstützung der Demokratie in der Mitte-Studie 2024/25 185
5.3 Demokratievorstellungen in der Mitte 192
Majoritäre und liberale Orientierung 192
Demokratievorstellungen 196
5.4 Demokratievorstellungen und demokratiegefährdende Einstellungen 198
5.5 Demokratievorstellungen, politische Positionen und soziale Lage 201
5.6 Zwischen Stabilität, Polarisierung und Kipppunkten 202
Mittendrin: In der Mehrheitsmigrationsgesellschaft Fragen an Souad Lamroubal 205
6 Libertär-autoritäre Versuchungen der Gegenwart — eine Brücke in den Rechtsextremismus?
Amelie Nickel • Eva Groß • Ilka Kammigan 214
6.1 Libertärer Autoritarismus in der Bevölkerung 219
6.2 Libertärer Autoritarismus und antidemokratische Einstellungen 220
6.3 Rechtsextrem — die neue libertär-autoritäre Normalität? 222
6.4 Fazit 224
7 Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit als Gegenstand populistischer Instrumentalisierung
Fritz Reusswig • Beate Küpper • Marco Eden 226
7.1 Reale Ungerechtigkeiten, populistische Instrumentalisierung 230
7.2 Progressive und regressive Haltungen zu Klimaschutz und Energiewende 233
7.3 Klimapolitische Einstellungen und Demokratiedistanz 237
7.4 Zur Frage der Gerechtigkeit von Klima- und Energiepolitik 241
Gefühl von Gerechtigkeit, Anspruchsdenken und eine neoliberale Orientierung 241
Klimaschutz contra Freiheit und Gerechtigkeit? 243
Solidarische oder instrumentelle Klimagerechtigkeit? 244
7.5 Gerechtigkeit beim Klimaschutz und politische Positionierung 249
7.6 Kippt die Demokratie am Thema Klimaschutz? 251
8 Raum, Daseinsvorsorge und Demokratie
Claudia Neu • Marco Eden • Beate Küpper 254
8.1 Peripherisierungserfahrung 256
8.2 (Land-)Populismus 257
8.3 Die überwiegende Mehrheit bewertet die Lebensqualität in ihrer Region als gut 259
8.4 Positive Bewertung der Lebensqualität auf dem Land, doch Kritik an der Daseinsvorsorge 263
Zusammengefasster Indikator: Lebensqualität in der Region 264
8.5 Deutschland verändert sich für viele zu langsam, zudem auch noch in die falsche Richtung 268
8.6 Demokratiezugewandtheit oder -distanz ist auch eine Frage der regionalen Lebensqualität 269
8.7 Politische Positionierung und Beurteilung der regionalen Lebensqualität 271
8.8 Missachtet die Politik das Land und das Land die Demokratie? 272
8.9 Abschließende Betrachtung 276
Mittendrin: In der Transformation im Osten
Fragen an Raj Kollmorgen 279
9 Lebenszufriedenheit, Gesundheit und ein Rückblick auf die Coronapandemie als Treiber der Demokratiedistanz
Anna Christina Nowak • Beate Küpper 289
9.1 Radikalisierung und mentale Gesundheit 291
9.2 Psychische Gesundheit, Parteipräferenz und rechtsextreme Einstellungen 292
9.3 Lebenszufriedenheit, Gesundheit und Stress in der Mitte-Studie 2024/25 294
9.4 Die Coronapandemie im Rückblick 302
9.5 Fazit und Ausblick 307
10 Sozialisation durch die Eltern und der Rechtsextremismus der Mitte
Nico Mokros 311
10.1 Biografische und soziale Vorläufer rechtsextremer Einstellungen 313
10.1.1 Sozialisation von Autoritarismus 314
10.1.2 Hypothesen und Messung 316
10.2 Sozialisation als Verstärker rechtsextremer und den Rechtsextremismus verharmlosender Einstellungen — Ergebnisse aus der Mitte-Studie 2024/25 318
10.3 Fazit und Diskussion 323
11 Schule als ideologische Kampfarena oder Rettungsanker der Demokratie? Schul- und Bildungsvorstellungen in der Mitte
Sabine Achour • Anja Höppner 329
11.1 Bildungsvorstellungen und strategische Angriffe auf die demokratische Schule von Rechtsaußen 331
11.2 Einstellungen zu Bildungszielen von Schule in der Mitte-Studie 2024/25 334
11.3 Marktförmiges Denken und autoritäre Schule 339
11.4 Gewalt, Disziplinlosigkeit und ein autoritäres Schulkonzept? 342
11.5 Rechtsaußen und dennoch diskriminierungssensibel? 344
11.6 Kippt die Schule in eine ideologische Kampfarena? 346
11.7 Oder doch Schule als Rettungsanker der Demokratie? 347
12 Gegen Rechtsextremismus — für politische Bildung: Politische Signale aus den Ergebnissen der Mitte-Studie 2024/25
Sabine Achour 349
12.1 Vibe Shift als Gefahr für politische Bildung und Zivilgesellschaft: Unabhängigkeit sichern 351
12.2 (Politische) Bildung wirkt: Schulen als Ort des Demokratielernens schützen 355
12.3 Triggerthemen als Polarisierungstreiber: (Wie) Emotionen in der politischen Bildung adressieren? 357
12.4 Kipppunkt Autoritarismus: Demokratie zurück an die Macht - über Algorithmen und Meinungsfreiheit 359
12.5 (Identitäts-)Politische Bildung gegen Menschenfeindlichkeit? Ganz im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung! 362
12.5.1 (Keine) Vereinnahmung antisemitismuskritischer Bildung 364
12.5.2 Mehr Aufregung tut Not - aber über Queerfeindlichkeit statt über Gendersternchen 366
12.5.3 Faszination für autoritär-rechte Männlichkeit: Politische Bildung gegen Maskulinismus ist
Bildung gegen Rechtsextremismus 368
12.6 Ade Klimaschutz? Mit politischer Bildung aus der Polarisierungs- und Machtlosigkeitsfalle?! 372
12.6.1 Mit Solidarität gegen reale Ungleichheit (nicht nur) beim Klimaschutz 375
12.6.2 Menschen zum (Klima)Diskurs zusammenbringen: Infrastruktur politischer Bildung schaffen 376
12.6.3 Rechtsaußennarrative »spielend« entzaubern 377
12.6.4 De-Instrumentalisierung von Grundwerten: Mit politischer Urteilskompetenz reale Lebenslagen erfassen und emotionale Polarisierung versachlichen 378
12.6.5 Handlungskompetenz und Selbstwirksamkeit anstatt politischer Machtlosigkeit 379
Anhang
Glossar statistischer und methodischer Begriffe 380
Literatur 390
Die Autorinnen und Autoren 423
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