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Die Zukunft der Weimarer Republik
Krisen und Zukunftsaneignungen in Deutschland 1918-1933
Zugl.: Diss., Humboldt-Universität Berlin, 2006
Rüdiger Graf
Oldenbourg Wissenschaftsverlag
EAN: 9783486585834 (ISBN: 3-486-58583-5)
460 Seiten, hardcover, 15 x 23cm, 2008
EUR 64,80 alle Angaben ohne Gewähr
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Rezension
Der 1. Weltkrieg wurde von den Zeitgenossen in wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Hinsicht als wesentlicher Umbruch, als Zeitenwende wahrgenommen. Entsprechend waren die Zukunftshoffnungen und Zukunftsängste in der darauf folgenden ersten deutschen (Weimarer) Republik groß; Erfahrungsraum und Erwartungshorizont treten entsprechend auseinander. Der optimistische Glaube an eine (wie auch immer geartete) bessere Zukunft eint verschiedenste politische Lager ebenso wie die Überzeugung, Verbesserungen durch die eigene zukunftsgestaltende Tat herbeiführen zu können. Der republikanisch-optimistische Veränderungsglaube verlor aber in der Weltwirtschaftskrise entscheidend an Plausibilität. Dadurch gewann der optimistische Glaube extremistischer Kräfte die Oberhand, den schließlich der prophetische Redegestus der Nationalsozialisten für sich entschied.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Zukunft der Weimarer Republik wurde vor dem Hintergrund von Krieg und Revolution von den Zeitgenossen intensiv diskutiert. Auf breiter Quellengrundlage untersucht Rüdiger Graf die Zukunftsvorstellungen im gesamten politischen und intellektuellen Spektrum und zeigt, dass sich diese durch einen hohen Gestaltungsoptimismus, das weit verbreitete Bewusstsein, an einer Zeitenwende zu leben, sowie den Willen zur "Tat" auszeichneten. So arbeitet er die Grundlagen eines die Lager übergreifenden Konsenses heraus, auf dessen Basis die harten Auseinandersetzungen der Weimarer Republik erst entstanden. Grafs Analyse lässt die "Krisenjahre der klassischen Moderne" in neuem Licht erscheinen.
Rüdiger Graf ist Akademischer Rat auf Zeit an der Ruhr-Universität Bochum.
Pressestimmen
"Mit einem umfangreichen Register versehen, erschließt die flüssig geschriebene Studie den Zukunftsdiskurs der Weimarer Republik und bietet selbst dem Spezialisten Trouvaillen und neue Ideen." Ulrich Sieg in H-Soz-u-Kult
"Rüdiger Grafs Analyse lässt die 'Krisenjahre der klassischen Moderne' in neuem Licht erscheinen." VIP infotainment service
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11
1. Einleitung 13
1.1 Politische Kultur in der Weimarer Republik 23
1.2 Vergangene Zukunft und Geschichtswissenschaft 27
1.3 Was ist ein Zukunitsdiskurs? 33
2. Entstehungsbedingungen des Zukunftsdiskurses in der Weimarer Republik 39
2.1 Die Medien des Zukunftsdiskurses 39
2.1.1 Zeitschriften 40
2.1.2 Tageszeitungen 45
2.1.3 Selbständige Publikationen 51
2.2 Die Träger des Diskurses: Intellektuelle und Publizisten 52
2.3 Krieg und Revolution als Katalysatoren 58
3. Die Zukunft als Charakterfrage. Eine Momentaufnahme im Jahr 1928 oder „Deutschlands Köpfe der Gegenwart über Deutschlands Zukunft" 65
3.1 Köpfe, Handschriften und die Zukunft 66
3.2 Die Einheit des Diskurses - Einigkeit als Zentralproblem 69
3.3 Differenzen und Konflikte 76
3.4 Zwischenergebnis: Zukunftsgestaltung als Charakter- und Haltungsfrage 80
4. „Kulturbejahung gegen Untergangsprophetie und Fortschrittsoptimismus" - Pessimismus und Optimismus in der Weimarer Republik 83
4.1. Weimar als pessimistische Zeit - Indizien einer Interpretation 86
4.1.1 Individueller Pessimismus und kollektive Zukunftsvorstellungen 86
4.1.2 Pessimistische Szenarien und ihre argumentative Funktion 91
4.1.3 Ablehnungen des Optimismus 98
4.1.4 Missverständnisse über den „Untergang des Abendlandes" 104
4.2 Optimismus als fundamentales Diskursmerkmal und seine Schattierungen 111
4.2.1 Glauben und Hoffen - religiöser Optimismus 115
4.2.2 Geschichte und Entwicklung - republikanischer Optimismus 119
4.2.3 Volk, Bewegung, Proletariat antirepublikanischer Optimismus 125
4.3 Zwischenergebnis: Krisenerfahrung und Gestaltungsoptimismus 131
5. „Der Sinn der Zukunft ist nicht Dauer, sondern Bruch" - Entwicklungsdenken und Revolutionserwartung nach dem Ersten Weltkrieg 135
5.1 Kontinuität und Bruch als fundamentale Strukturen der Zukunftserwartung 135
5.2 Diskurstraditionen: „Fortschritt", „Revolution" und „neue Zeit" 139
5.3 Evolutionäre Perspektiven: Der schwere Weg in die „neue Zeit" 148
5.4 Einschränkungen des Untergangs 157
5.4.1 Der temporäre Niedergang Deutschlands 157
5.4.2 Der Untergang von Subsystemen: Demokratie, Liberalismus, Kapitalismus 160
5.4.3 Entweder-oder - der diskrete Charme der radikalen Dichotomie 161
5.5 „Neue Welten" und „neue Menschen" - die Verbreitung der Zeitenwenderhetorik 170
5.5.1 Die Zeitenwende in Parawissenschaften und Lebensreform 171
5.5.2 Die Erneuerung in der Katastrophe: Radikale Revolutionserwartungen 175
5.5.3 Die universale Anschlussfähigkeit der vieldeutigen Zeitenwenderhetorik 186
5.6 Zwischenergebnis: Evolution und Revolution in der Zeitenwende 201
6. „Zehn Jahre alt schon ist das Neue Jahr" - Dimensionen der Erwartung 205
6.1 Unbestimmte Zukunftsperspektiven 208
6.2 Hoffen für kommende Generationen - die „neue Zeit" in ferner Zukunft 211
6.3 Revolutionäre Naherwartungen 216
6.4 Lokalisierungen der Zukunft in der Gegenwart 225
6.4.1 Die Weimarer Republik als „neue Zeit" 226
6.4.2 Die Antizipation der Zukunft in Individuen und Kollektiven 232
6.5 Die Zukunft an fernen Orten: Sowjetunion und USA als topisierte Utopien 250
6.5.1 Die ,,Zukunft im Rohbau" und die „Hölle auf Erden" in der Sowjetunion 252
6.5.2 Die Zukunft im Autobau: Die USA als fordistische Utopie 261
6.6 Zwischenergebnis: Die Zukunft in Raum und Zeit 268
7. „Wie kann's am schnellsten besser werden?" - Formen der zukunftsgestaltenden Aktivität 271
7.1 Rhetorischer Aktivismus - die zukunftsgestaltende „Tat" 275
7.1.1 Die Tat als universaler Bezugs- und Abgrenzungspunkt 275
7.1.2 Historische Gesetze und die Möglichkeit der Tat: Marx und Spengler 282
7.2 Durch „Opfer und Arbeit" in die „neue Zeit" - Pragmatische Aktivität 288
7.3 Programme zur Verbesserung - Reformerische Aktivität 296
7.3.1 Die virtuelle Ordnung Deutschlands 1918/1919 297
7.3.2 Politische Programme zwischen Pragmatik und Revolution 301
7.4 „Kampf" und Katastrophenpolitik - Revolutionäre Aktion 307
7.4.1 Der „Kampf" der Revolutionäre 307
7.4.2 Die Weltrevolution und die kommunistische Strategie in Deutschland 308
7.4.3 Die konservative Revolution 317
7.4.4 Pragmatische Revolutionäre - die Nationalsozialisten 321
7.5 Zwischenergebnis: Die Ausweitung der Kampfzone 327
8. Machen Utopien Geschichte? Der Reflexionsdiskurs über die Macht des Geistigen 329
8.1 Die „Utopismuskeule" und der Utopiediskurs 329
8.2 Drei Strategien gegen den Utopismusvorwurf 334
8.3 Die Macht des Geistigen oder die Zukunft als Tendenz in der Gegenwart 347
8.4 Zwischenergebnis: Experten der Zukunft - Politiker, Intellektuelle und Soziologen 355
9. „Krisen" und Gestaltbarkeitsbewusstsein in der Weimarer Republik 359
9.1 Die „Krise" - die Karriere eines Begriffs in der Weimar-Forschung 360
9.2 Die „Krise" als Form der Zukunftsaneignung in der Weimarer Republik 369
9.3 Fazit 378
Anhang 381
1. Literaturverzeichnis 381
1.1 Quellen 381
1.2 Literatur 411
2. Personenverzeichnis 442
Weitere Titel aus der Reihe Ordnungssysteme. Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit |
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