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Die Phönizier Handelsherren zwischen Orient und Okzident
Die Phönizier
Handelsherren zwischen Orient und Okzident




Michael Sommer

Alfred Kröner Verlag
EAN: 9783520454010 (ISBN: 3-520-45401-7)
277 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 11 x 17cm, 2005

EUR 19,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wer waren die Phönizier, die Max Weber das "erste Handelsvolk der Weltgeschichte" nannte? Die Quellen zeichnen sie als kunstfertige Hersteller von Preziosen, begnadete Seefahrer und gewiefte Kaufleute, deren Geschäftssinn in der Antike seinesgleichen suchte. Sie waren all dies - und noch viel mehr. Dieses Buch erzählt ihre Geschichte, gut verständlich und auf der Grundlage neuster Forschungsergebnisse.
Rezension
Das Buch stellt auf Grundlage des aktuellen Forschungstandes die Grundzüge der Geschichte der Phönizier dar.

Die Darstellung ist umfassend und schließt neben den zentralen Bereichen Wirtschaft und Handel auch Politik, Herrschaft und Kultur ein, wobei auf die Erläuterung kausaler Zusammenhänge großen Wert gelegt wird. Das Buch ist somit nicht nur eine Ereignisgeschichte sondern auch eine strukturelle Analyse zahlreicher Wirkungsfaktoren. Die Inhalte lassen sich dementsprechend gut in den Gesamtzusammenhang einordnen und dadurch gut erinnern. Die Analyse der verschiedenen Strukturen und Prozesse ist dabei theoriegeleitet und orientiert sich unter anderem an den Ansätzen zur Wirtschaft, Herrschaft und Gesellschaft von Max Weber. Das Buch besitzt somit auch eine methodische Vorbildfunktion.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einordnung der phönizischen Geschichte in den Rahmen der damaligen Weltpolitik, wie er vor allem durch die vorderasiatischen Großreiche und Ägypten vorgegeben wurde. Zahlreiche Abläufe und Entwicklungen lassen sich nur im Zusammenhang mit dieser Perspektive verstehen. Dem Leser wird somit auch ein Einblick in die Geschichte und Dynamik des alten Orients geboten und er wird so zu einer umfassenden Weiterarbeit mit den Themen angeregt.

Methodisch ebenfalls vorbildlich sind die zahlreichen Zitate mit Stellenangabe der Werke die zum Beleg der Erkenntnisse und Ausführungen herangezogen werden, wobei unter anderem häufig auf Flavius Josephus und Ausschnitte aus der Bibel, besonders Buch der Richter, verwiesen wird. Zentrale griechische und phönizische Begriffe werden erläutert und in lateinischer Umschrift angegeben. Der Text ist flüssig geschrieben, wobei an einigen Stellen zur Auflockerung umgangssprachliche Begriffe wie Salamitaktik, „made in Phoenicia“ (S. 4) oder Fehdehandschuh (S.168) eingeflossen sind, was die Qualität des der Ausführungen aber nicht in Frage stellt. Zur Charakterisierung der dargestellten Verhaltensweisen und Auffassungen werden kürzere, nicht übersetzte lateinische Phrasen verwendet, wie z.B. conditio sine qua non (S. 26), primus inter pares (S. 33), ex silentio (S.183), wobei die Ausführungen aber auch für „Nichtlateiner“ verständlich bleiben. Ein ausführliches kommentiertes Literaturverzeichnis ermöglicht eine vertiefende Erarbeitung einzelner Aspekte.

Fazit: Informative und aktuelle Darstellung der phönizischen Geschichte, die die Bedeutung der Phönizier für die Kultur und Entwicklung Europas deutlich hervortreten lässt sowie strukturellen Zusammenhänge aufschlussreich erläutert.

Björn Hillen, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Phönizier
Handelsherren zwischen Orient und Okzident
Kröners Taschenausgabe 454.
1. Auflage 2005, 285 Seiten, 13 Abbildungen, Leinen, 17,4 x 10,8 cm

Kaum ein Volk hat dem antiken Europa - erst Hellas, dann Rom - so viele Impulse gegeben wie die Phönizier, kulturell, wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch. Von der Küste des heutigen Syrien und Libanon ausgehend, gründeten sie ab 1000 v. Chr. zahlreiche Kolonien entlang der Mittelmeerküste. Trotzdem ist von diesen erfahrenen Seefahrern und gewitzten Kaufleuten, den Gründern Karthagos und Überbringern der Alphabetschrift, nur wenig überliefert. Nachdem die Städte der Phönizier dem Erdboden gleich gemacht worden waren, tilgten die Sieger auch ihre Spuren aus dem kulturellen Gedächtnis des Abendlands. Dennoch stehen am Anfang vieler Entwicklungen, die für typisch europäisch gehalten werden, Innovationen und Kulturtechniken, welche die Phönizier aus Vorderasien über das Mittelmeer gebracht haben. Michael Sommer präsentiert den neuesten Forschungsstand in einer gut lesbaren Kulturgeschichte.

Der Autor

Sommer, Michael

Privatdozent Dr. Michael Sommer (geb. 1970) ist Research Lecturer in Ancient History an der Universität Liverpool. Sein Forschungsschwerpunkt ist unter anderem die Geschichte Vorderasiens in der klassischen Antike. Veröffentlichungen zu den Phöniziern und der Historisierung des Nahostkonflikts.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort VII
Abkürzungen VIII

Einleitung. Wege zu den Phöniziern 1

I. Die Levante in der Bronzezeit: Macht, Wirtschaft und Gesellschaft 9
1. Die Großmächte in Vorderasien und Ägypten 10
2. Die Levante als doppelte Peripherie der bronzezeitlichen Großmächte 15
3. Der Kosmos der großen Institutionen 18
4. Die Levante: Wirtschaft und Gesellschaft in der Bronzezeit 30

II. Intermezzo: Der Umbruch um 1200 v. Chr. als Strukturkrise 42

III. Die Levante in der frühen Eisenzeit: Ein Neuanfang 54
1. Kontinuität und Diskontinuität 55
2. Die Philister 56
3. Die Hebräer – Israel 60
4. Die aramäische und neohethitische Staatenwelt in Syrien 65
5. Phönizien 69

IV. Die Entwicklung des mediterranen Fernhandels 72
1. Phönizien und seine Rohstoffe 73
2. Hiram I. und Salomo: Der Aufschwung des Gewerbes 79
3. Phönizisches Kunsthandwerk 84
4. Die Phönizier und die Entdeckung des Marktes 97
5. Die Entstehung einer „Weltwirtschaft“: Ein Modell 103
6. Die Renaissance des Fernhandels in der Eisenzeit 106

V. Die Phönizische Expansion im Mittelmeerraum 113
1. Zypern 116
2. Die Ägäis 117
3. Karthago und das punische Nordafrika 122
4. Sardinien 128
5. Etrurien 133
6. Spanien 135
7. Jenseits der Säulen des Herakles 138
8. „Kolonisation“ als komplexer Prozeß 141

VI. Die Phönizier und die vorderasiatischen Großmächte 144
1. Der imperiale Zyklus in Vorderasien 145
2. „Die Widerspenstigen zerschmettern“: Assyrien und der Westen 148
3. „Behandle Tyros mit Versöhnung“: Assyrien und Tyros (738 – 704 v. Chr.) 153
4. „Im Herzen der Meere liegt dein Gebiet“: Das Königreich der Sidoner 159
5. „Nie mehr sollst Du fröhlich sein, Tochter Sidon“: Assyrien und Phönizien (704 – 631 v. Chr.) 165
6. Assyrer und Phönizier – eine kurze Zwischenbilanz 179
7. „Und ich will einen nackten Fels aus dir machen“: Nebukadnezar ante portas 183

VII. Die Ausgestaltung der politischen Autonomie 191
1. Stadt und Land 192
2. Die Monarchie 203
3. Der Aufstieg kollektiver Institutionen 210
4. Macht und Mammon 219
5. Herrschaft und Heil: Bezüge zwischen Macht und Religion 225
6. Vom bronzezeitlichen Stadtkönigtum zum städtischen Bürgerverband 230

VIII. Der lange Schatten 240

Kommentiertes Literaturverzeichnis 249

Register 265
Geographisches Register 265
Personenregister 270
Sachregister 274

Karten
Mesopotamien 279
Mittelmeer: vorderer Vorsatz
Levante und Karthago: hinterer Vorsatz