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Die Boten der Nemesis
Katastrophen und die Lust auf Weltuntergänge
Franz M. Wuketits
Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579066790 (ISBN: 3-579-06679-X)
256 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, März, 2012
EUR 19,99 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
IN KOSMISCHER PERSPEKTIVE IST DIE ERDE, JA SELBST UNSERE MILCHSTRASSE IRRELEVANT.
Der Verlust eines Reclam-Bändchens wäre für die Deutsche Nationalbibliothek eine weitaus größere Katastrophe als das Verschwinden unserer Galaxis für den Kosmos. Allerdings hilft uns diese Perspektive nicht weiter. Wir leben nun einmal hier auf der Erde, mag diese im Universum auch noch so unbedeutend sein. Und die meisten von uns leben, trotz mancher Unannehmlichkeiten (die sich nie gänzlich vermeiden lassen) gern.
Aber dennoch kann man voraussagen, dass die Ursachen, die Art und Weise und der Zeitpunkt ihres Untergangs uns solange beschäftigen werden, solange sie und wir mit ihr stehen.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Welt dieses Jahr nicht mehr untergehen, aber mit ziemlicher Sicherheit wird bald ein »Prophet« ein neues Datum für die Apokalypse ausdenken.
Diesbezüglich ist die Geduld der Menschen ja schier grenzenlos...
Franz M. Wuketits zeigt, wie realistisch die »Boten der Nemesis« sind und erklärt mit einem Augenzwinkern die Lust der Menschen an Weltuntergangsbotschaften.
»Weltweit werden derzeit jährlich etwa vier Milliarden Flugpassagiere befördert. Im statistischen Durchschnitt fallen davon rund fünfhundert bis siebenhundert einem Flugzeugunglück zum Opfer. Zum Vergleich:
Allein in Deutschland sterben pro Jahr etwa fünfzehntausend Menschen in Krankenhäusern, und zwar durch Keime, mit denen sie sich eben in den Krankenhäusern (!) infizieren. Man sollte also jedem Erkrankten raten, sich nicht in eine Klinik einliefern zu lassen, sondern einen Flug zu buchen, weil er den mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit überleben wird als einen Krankenhausaufenthalt...«
Franz M. Wuketits
PROF. DR. FRANZ M. WUKETITS, geboren 1955 in Parndorf (Burgenland, Österreich). Nach dem Abitur 1973 Studium der Zoologie, Paläontologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Wien, Promotion 1978, Lehrbefugnis 1980 ebendort. Seither Lehrtätigkeit am Institut für Philosophie der Universität Wien, sowie Lehraufträge und Gastprofessuren an mehreren anderen Universitäten (Universität Graz 1987-2004, Technische Universität Wien 1998-2003, Universität der Balearen in Palma de Mallorca, 2006, 2008, 2009, 2010). Seit 2002 Vorstandsmitglied des Konrad Lorenz Instituts für Evolutionsund Kognitionsforschung in Altenberg an der Donau (Niederösterreich). Wissenschaftlicher Beirat mehrerer Institutionen und Gesellschaften, u. a. Freie Akademie Berlin. Autor zahlreicher Bücher. Im Gütersloher Verlagshaus erschien 2010 » Wie viel Moral verträgt der Mensch? Eine Provokation«. Er lebt in Wien.
Rezension
Katastophen ängstigen, sie faszinieren aber auch. Angeblich geht - wieder einmal - (gemäß dem Maya-Kalender) im Jahr 2012 die Welt unter ... Apokalypsen, Weltuntergänge und Katastrophen haben seit längerem Konjunktur, - in Krisenzeiten allzumal ... und wann sind keine Krisenzeiten? Die Menschen scheinen - von jeher - Lust an Weltuntergangsbotschaften zu haben. Dieses Buch beleuchtet - auf durchaus unterhaltsame Weise - die vielschichtige Beziehung des Menschen zu Katastrophen, Untergängen und Apokalypsen. Das Buch will gleichzeitig informieren und unterhalten sowie zum Nachdenken anregen über die wundersamen Gespinste des menschlichen Gehirns, das stetig Ängste, Hoffnungen, Projektionen und Schuldgefühle widerspiegelt.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Haben Sie 2012 schon etwas Größeres vor? Vergessen Sie’s. Denn: Der nächste Weltuntergang steht bevor.
Mit vielen, zum Teil höchst amüsanten Beispielen zeichnet Franz M. Wuketits das lebendige Beziehungsbild unserer medialen Gesellschaft zu aktuellen und in der Vergangenheit prophezeiten Apokalypsen, Weltuntergängen und Katastrophen.
Eine Kulturgeschichte von Katastrophen, Propheten und Apokalypsen – anregend und unterhaltsam präsentiert
Das Buch zum vorausgesagten Weltuntergang im Jahr 2012
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 9
EINLEITUNG: WANN KOMMT (ENDLICH) DAS WELTENDE? 15
1. KATASTROPHEN – FIKTION UND WIRKLICHKEIT 25
Geschichten über die Sintflut 27
Apokalypse einst und jetzt 36
Die Katastrophen der Erdgeschichte 43
Die Katastrophen der Menschheitsgeschichte 57
2. PROPHETEN UND ZUKUNFTSFORSCHER 69
Der Wunsch, in die Zukunft blicken zu können 71
Die Unberechenbarkeit der Zukunft 76
Vom Wesen der Prophezeiungen 86
Wie zuverlässig sind Prognosen? 92
3. SZENARIEN DES WELTUNTERGANGS 99
Die apokalyptischen Reiter 101
Die letzte Schlacht und der Einsturz des Himmels 107
Der große Weltenbrand 110
Von Asteroiden, Meteoriten, Kometen – und Aliens 113
4. APOKALYPSE – JETZT? 127
Die Katastrophe Mensch 128
Selbsterfüllende Prophezeiungen 140
Be(un)ruhigende Aussichten 149
Klimawandel – Klimaschwindel? 159
5. SCHULD UND SÜHNE 175
Die Boten der Nemesis 177
Hölle und Paradies 183
Katastrophenszenarien als politisches Projekt 192
Falsche Propheten (als ob es »echte« gäbe …) 208
EPILOG: SOLLEN WIR NOCH EIN APFELBÄUMCHEN PFLANZEN? 215
GLOSSAR 222
LITERATURVERZEICHNIS 232
PERSONEN- UND SACHREGISTER 244
VORWORT
Katastrophen begleiten die Erd- und Menschheitsgeschichte.
Sie machen Angst, verbreiten ein Gefühl der Ohnmacht – aber
sie faszinieren auch (vor allem, wenn man selbst von ihnen
und ihren Auswirkungen nicht betroffen ist). Mit ihrer ganzen
Wucht verweisen sie uns auf die Unberechenbarkeit der
Natur, die Brüchigkeit der Zivilisation und die Endlichkeit des
Daseins. Anfang und Ende der Welt sind seit jeher zentrale
Themen in der Mythologie, und das Weltende kann man sich
kaum anders als eine gewaltige Katastrophe vorstellen. Im
Denken praktisch aller uns bekannten Kulturen sind Visionen
vom Weltuntergang enthalten, meist aber mit der tröstlichen
Annahme verbunden, dass es den »Guten« beschieden sein
wird, auch »danach« noch in einem Paradies »weiterzuleben«,
welches als Zustand ewiger Harmonie zu sehen sei.
Da jedes Volk und jedes Zeitalter auch ihre Propheten haben,
kommt es nicht überraschend, dass der Weltuntergang
schon sehr häufig vorhergesagt wurde, je nach Zeithorizont
der Seher für die nächste oder die fernere Zukunft. Allein in
den letzten zwei Jahrzehnten hätte die Welt mehrmals untergehen
sollen, mindestens sechsmal: 1993, 1994, 1997, 1999,
2000, 2004. Nichts dergleichen geschah, obwohl vor allem
um den Weltuntergang des Jahres 2000 viele Endzeitapostel
wetteiferten. Lokale Katastrophen gab es natürlich auch in
diesen Jahren, doch die Welt steht noch. Aber keine Sorge,
der Weltuntergang kommt bestimmt noch, er wird nunmehr
10 VORWORT
für Ende 2012 prophezeit … (Die Lektüre des vorliegenden
Buches sollte also noch locker ausgehen.)
Unter allen uns bekannten Lebewesen ist der Mensch das
einzige, das um seine Vergänglichkeit weiß und über die Zukunft
nachzudenken imstande ist. Dieses Nachdenken weist
oft über die individuelle Existenz und die Existenz der eigenen
Gattung hinaus und umschließt die ganze Welt; und da wir
in Kategorien wie Unendlichkeit und Ewigkeit nicht denken
können, müssen wir auch einen Endpunkt für das Universum
fixieren. Dass entsprechende Berechnungen von Astronomen
dabei zu anderen Resultaten führen als Prophezeiungen von
Geistersehern, tut dabei eigentlich nichts zur Sache. Denn so
oder anders – irgendwann kommt das Aus. Zum Weltuntergang
hat der Mensch ein ambivalentes Verhältnis. Natürlich
will er ihn zeit seines Lebens nicht erfahren müssen (denn
mit der totalen Auslöschung wäre diese Erfahrung ebenso
gleich wieder ausgelöscht), aber einer mitunter ins Morbide
gesteigerten Sehnsucht danach ist offenbar schwer auszuweichen.
Es muss freilich nicht gleich das Ende der Welt sein,
auch eine ordentliche Katastrophe von begrenzter räumlicher
und zeitlicher Dimension hat ihre entlastende Wirkung. Da
werden die überfällige Steuererklärung sowie der Strafzettel
wegen Geschwindigkeitsübertretung plötzlich unwichtig,
und die Sorgen um die schlechten Schulleistungen der Kinder
verflüchtigen sich. Fast schade, wenn der gewöhnliche, von
Mühen, Plagen und auch Langeweile getrübte Alltag wieder
einkehrt. Unser Verhältnis zu Katastrophen sagt viel über unsere
eigene Natur aus, die uns in manchem nach wie vor rätselhaft
erscheinen will. Doch eins scheint klar: Das subjektive
Ausmaß einer Katastrophe nimmt mit dem Quadrat der Ent-
VORWORT 11
fernung vom Katastrophenort ab. Davon profitieren letztlich
Katastrophenfilme, die sich großer Beliebtheit erfreuen (und
von denen viele oder die allermeisten, wie könnte es anders
sein, auch eine moralische Botschaft enthalten). Die Katastrophe
spielt sich dabei sehr weit weg – und bloß virtuell
– ab, der Zuschauer wird aufgerüttelt, darf sich aber selbst in
Sicherheit wiegen.
Die Allgegenwart von Katastrophen (heutzutage in den
Massenmedien psychologisch wirksam inszeniert) und letztlich
die anscheinende Unabwendbarkeit der Apokalypse beflügeln
unsere Phantasien (und füllen die Brieftaschen derer,
die zu wissen vorgeben, wie man damit umgeht). Ohne die
Angst vor dem Weltuntergang und die gleichzeitige Sehnsucht
danach wäre unsere Kulturgeschichte um vieles ärmer,
wären manche wundervollen Werke der Kunst und Literatur
erst gar nicht entstanden (um von Mythen und Religionen
einmal abzusehen, die allerdings jenen Werken oft erst die
Motive geliefert haben). Da der Weltuntergang offensichtlich
schon lange auf sich warten lässt, kann man ihn künstlich
vorverlegen und zum Beispiel eine globale Klimakatastrophe
bereits in den nächsten Jahrzehnten voraussagen. Die Grenzen
zwischen Prophezeiung und wissenschaftlicher Prognose
werden dabei verwischt. Aber das macht nichts. Hauptsache
ist, dass wir nicht verlernen, uns Katastrophen auszumalen
und uns auf sie einzustellen.
In diesem Buch soll vor allem die vielschichtige Beziehung
des Menschen zu Katastrophen, Untergängen, zur Apokalypse
beleuchtet und anhand von (auch vielen amüsanten) Beispielen
verdeutlicht werden. Das wird in historischen Streifzügen
geschehen, wobei aber auf Untergangsszenarien der
12 VORWORT
neueren und jüngsten Zeit besonderes Augenmerk gerichtet
wird. Nach einem kurzen Prolog, der spielerisch in das Thema
einleiten soll, gebe ich zunächst einen knappen Überblick
über Wesen und Erscheinungsformen von Katastrophen (Kapitel
1), um anschließend Propheten und Zukunftsforschern
ein wenig auf die Finger zu schauen (Kapitel 2). Danach lasse
ich – ohne damit Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu
können oder zu wollen – verschiedene Szenarien des Weltuntergangs
Revue passieren und gehe der Frage nach, welche
von ihnen wir ernst nehmen dürfen oder gar sollen (Kapitel
3). Daraufhin stelle ich die Frage, in welchem Umfang der
Mensch selbst Katastrophen auslöst und inwieweit sich durch
sein eigenes Handeln seine Prophezeiungen erfüllen (Kapitel
4). Schließlich widme ich mich der psychologischen Seite von
Katastrophen und mache deutlich, wie Katastrophenszenarien
– so realistisch oder unrealistisch sie im Einzelnen auch
sein mögen – auch als politisches Druckmittel eingesetzt werden
können (Kapitel 5). Mit dem Epilog lasse ich das Thema
so spielerisch ausklingen wie ich es im Prolog aufgreife.
Häufig vorkommende beziehungsweise im Text eher beiläufig
eingeführte Begriffe werden im angehängten Glossar
erklärt, was für den allgemein interessierten Leser ohne
Spezialkenntnisse hilfreich sein mag. Die begrifflichen Erörterungen
enthalten auch einige Zusatzinformationen, die
ebenfalls nützlich sein können. Die Literatur über Katastrophen
und – sowohl realistische als auch fiktive – Weltuntergangsszenarien
(mit allem, was dazugehört) hat, wie man
sich ja denken wird, längst enorme Ausmaße angenommen.
Mein Literaturverzeichnis kann daher bloß als repräsentativer
Querschnitt angesehen werden. Ich habe nur jene Arbeiten
aufgenommen, die ich im Text erwähne oder aus denen ich
wörtlich zitiere sowie Publikationen, die ich zurate gezogen
habe. Viele der angeführten Veröffentlichungen befassen sich
nicht – oder nur am Rande – mit Katastrophen, dienen aber
der Klärung verschiedener Fragen im Vor- und Umfeld unseres
Themas.
Als Sachbuch soll der vorliegende Band informieren und
unterhalten zugleich, nicht zuletzt aber zum Nachdenken anregen
über die wundersamen Gespinste unseres Gehirns als
Widerspiegelung von Ängsten, Hoffnungen, Projektionen
und Schuldgefühlen. Auch wenn die Welt in absehbarer Zeit
nicht untergehen sollte, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit
voraussagen, dass die Ursachen, die Art und Weise
und der Zeitpunkt ihres Untergangs uns solange beschäftigen
werden, solange sie und wir mit ihr stehen.
Franz M. Wuketits Wien, im Oktober 2010
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