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Das Cranach-Triegel-Retabel im Westchor des Naumburger Doms Geschichte - Deutung- Wirkung
Das Cranach-Triegel-Retabel im Westchor des Naumburger Doms
Geschichte - Deutung- Wirkung




Karin von Welck, Andreas Ranft (Hrsg.)

Reihe: Schriftenreihe der Vereinigten Doimstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstiftes Zeitz


Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG
EAN: 9783731913597 (ISBN: 3-7319-1359-3)
192 Seiten, hardcover, 21 x 30cm, November, 2024

EUR 29,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Naumburger Dom wurde 2018 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingeschrieben. Ausschlaggebend war die Feststellung, dass es sich bei den Arbeiten des Naumburger Meisters, der die Kathedrale um das Jahr 1250 mit dem Westchor vollendete, um ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft handelt. Der Westchor mit seinem berühmten Skulpturenzyklus stand von Beginn an unter dem Patrozinium der heiligen Gottesmutter Maria, der auch sein Haupt­altar gewidmet war. Der Naumburger Bischof Johannes von Schönberg († 1517) bestimmte den Westchor zu seiner Grabkapelle und stattete in diesem Zusammenhang den Marien­altar mit einem neuen großen Retabel aus, das bei Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg in Auftrag gegeben wurde. Während eines Bildersturms im Jahr 1541 wurde es seines zentralen Marienbildes beraubt, während die beiden Flügel in den folgenden Jahrhunderten im gegenüberliegenden Ostchor Aufstellung fanden. Im Auftrag der Vereinigten Domstifter schuf der bekannte Leipziger Maler Michael Triegel ein neues Mittelbild mit Maria und Jesuskind. Harmonisch zusammengeführt mit den originalen Flügeln von Lucas Cranach wurde das Retabel im Juli 2022 seiner liturgischen Nutzung über­geben. Die Aufstellung des Cranach-Triegel-Retabels führte deutschlandweit zu einer Debatte über die Frage der Bedingungen eines lebendigen Welterbes im 21. Jahrhundert.

Der vorliegende Band vereinigt u.a. Beiträge des Kolloquiums „Kirchliche Nutzung und Denkmalpflege im Welterbe – Ein Gegensatz? “ am 24. November 2022 in Naumburg.
Rezension
Darf ein älteres Kunstwerk durch ein neueres Kunstwerk vervollständigt werden? Ist es legitim, ein Kunstwerk in einem sakralen Raum an einem anderem als dem ursprünglichen Standort zu lozieren? Darf der Innenraum einer als UNESCO-Weltkulturerbe gewürdigten Kirche durch das Aufstellen eines weiteren Kunstwerks, welches den Innenraum des sakralen Raums verändert, ergänzt werden?
Diese Fragen waren Gegenstand des Naumburger Kolloquiums „Kirchliche Nutzung und Denkmalpflege im Welterbe – ein Gegensatz?“. Diskutiert wurde dort die ästhetische Veränderung des Naumburger Domes, der aufgrund seines Figuren-Ensembles ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde, durch die Lozierung des Cranach-Triegel-Retabels im Westchor des sakralen Raums. Bei dem Retabel handelt es sich wie der Name schon sagt, um einen Flügelaltar, der aus Kunstwerken von Lucas Cranach des Älteren und dem zeitgenössischen Maler religiöser Kunst Michael Triegel besteht. Erhalten sind die beiden Flügel von Lucas Cranach des Älteren, das von dem berühmten Maler angefertigte zentrale Marienbild wurde 1541 während des Bildersturms geraubt. Ersetzt wurde dieses durch eine Arbeit von Triegel, welche auf der Frontseite eine Mariendarstellung und auf der Rückseite eine Christusdarstellung zeigt.
Die Beiträge des oben genannten Kolloquiums erschienen in dem ästhetisch überaus gelungenen Forschungsband „Das Cranach-Triegel-Retabel im Westchor des Naumburger Doms. Geschichte – Deutung - Wirkung“ im Michael Imhof Verlag. Herausgegeben wird das als Band 12 in der „Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstiftes Zeitz“ erschiene Werk von Katrin von Welck und Andreas Ranft. Die Aufsätze stammen von bekannten Kunsthistoriker:innen, u.a. von Horst Bredekamp und Christoph Stiegemann. Lehrkräfte der Fächer Religion und Geschichte werden durch den folgenden Band motiviert, sich mit Grundfragen der Denkmalpflege auseinanderzusetzen. Für Lehrkräfte aus Naumburg und Umgebung bietet es sich zudem an, eine Exkursion zum Naumburger Dom zu unternehmen und das seit dem 1. Advent 2023 wieder im Westchor aufgestellte Retabel zu besichtigen.
Fazit: Der Band „Das Cranach-Triegel-Retabel“ gibt einen hervorragenden Einblick in eine aktuelle kontrovers geführte Debatte über das Spannungsfeld zwischen liturgischer Nutzung und Denkmalpflege.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Das Cranach-Triegel-Retabel im Westchor des Naumburger Doms
Geschichte – Deutung – Wirkung
Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, Band 12
Der Naumburger Dom wurde 2018 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingeschrieben. Ausschlaggebend war die Feststellung, dass es sich bei den Arbeiten des Naumburger Meisters, der die Kathedrale um das Jahr 1250 mit dem Westchor vollendete, um ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft handelt. Der Westchor mit seinem berühmten Skulpturenzyklus stand von Beginn an unter dem Patrozinium der heiligen Gottesmutter Maria, der auch sein Haupt­altar gewidmet war. Der Naumburger Bischof Johannes von Schönberg († 1517) bestimmte den Westchor zu seiner Grabkapelle und stattete in diesem Zusammenhang den Marien­altar mit einem neuen großen Retabel aus, das bei Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg in Auftrag gegeben wurde. Während eines Bildersturms im Jahr 1541 wurde es seines zentralen Marienbildes beraubt, während die beiden Flügel in den folgenden Jahrhunderten im gegenüberliegenden Ostchor Aufstellung fanden. Im Auftrag der Vereinigten Domstifter schuf der bekannte Leipziger Maler Michael Triegel ein neues Mittelbild mit Maria und Jesuskind. Harmonisch zusammengeführt mit den originalen Flügeln von Lucas Cranach wurde das Retabel im Juli 2022 seiner liturgischen Nutzung über­geben. Die Aufstellung des Cranach-Triegel-Retabels führte deutschlandweit zu einer Debatte über die Frage der Bedingungen eines lebendigen Welterbes im 21. Jahrhundert.
Der vorliegende Band vereinigt u.a. Beiträge des Kolloquiums „Kirchliche Nutzung und Denkmalpflege im Welterbe – Ein Gegensatz? “ am 24. November 2022 in Naumburg.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Karin von Welch und Andreas Ranft 12
Der Naumburger Dom und die UNESCO-Welterbeliste
Roland Bernecker 25
Michael Triegel. Ein unzeitgemäß-zeitgemäßer Altarmaler
Richard Hüttel 29
Triegel trifft Cranach -
Ein neues Altarretabel für den Westchor
des Naumburger Doms
Regine Hartkopf 39
Der Marienaltar im Westchor des Naumburger Doms
und seine Altarflügel von Lucas Cranach dem Älteren.
Eine kritische Quellenstudie
Holger Kunde und Matthias Ludwig 49
Hochkultur trifft Denkmalpflege -
Die Wurzel des Naumburger Welterbestreits
Georg Habenicht 75
Vom Naumburger Meister zu den Altarflügeln
von Lucas Cranach d. Ä - Zu Funktion und Ausstattung
des Marienchors des Naumburger Doms
Markus Hörsch 105
„Welterbe Corvey -
Zwischen kirchlicher Nutzung, Denkmalpflege und
digitaler Vermittlung“
Christoph Stiegemann 138
Kirchliche Nutzung und Denkmalpflege im Welterbe -
Ein Gegensatz?
Barbaro Schock-Werner 152
Unmaßgeblicher Versuch,
Unvereinbares zu harmonisieren
Horst Bredekamp 156
Herausforderungen für das gottesdienstliche Leben
in einer evangelischen Domkirche: Sind die kirchliche
Widmung und die Gemeinde in der Auseinandersetzung
um den Altar im Westchor irrelevant?
Johann Schneider 173
Ausblick
Holger Kunde 179
ANHANG
Anlagen 182
Autorenverzeichnis 187
Register 188