lehrerbibliothek.de
Edmund Husserl Werk und Wirkung
Edmund Husserl
Werk und Wirkung




Paul Janssen

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495482230 (ISBN: 3-495-48223-7)
308 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2008

EUR 39,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Husserls Werk präsentiert sich als transzendentalphänomenologisch begründete wissenschaftliche »Arbeitsphilosophie«. Diese wendet sich der Lebenswelt und ihrer naturalistischen Objektivierung durch die über sich selbst nicht aufgeklärte neuzeitliche Wissenschaft zu. Gegen sie führt die Phänomenologie die Idee des geistigen Lebens ins Feld, die das »Wesen Europas« ausmacht. Sie will »in einer neuen Weise der Menschheit... dienen«. »Das geschieht in Form einer neuartigen Praxis, der der universalen Kritik alles Lebens und aller Lebensziele,..., und damit auch einer Kritik der Menschheit selbst und der sie ausdrücklich oder unausdrücklich leitenden Werte;« (Krisis 329)
Rezension
Der 1. Teil dieses Buchs bietet eine Einführung in die Phänomenologie Edmund Husserls (*1859 † 1938), eines der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts (u.a auf die Existenzphilosophie Jean-Paul Sartres und Martin Heideggers). Husserl gilt als Begründer der Phänomenologie, mit deren Hilfe er die Philosophie als strenge Wissenschaft zu begründen suchte: Die Philosophie soll sich vorschneller Weltdeutungen enthalten und sich bei der analytischen Betrachtung der Dinge an das halten, was dem Bewusstsein unmittelbar, also phänomenal, erscheint. Schon 1976 hatte der Autor eine entsprechende Einführung im selben Verlag vorgelegt, die hier quasi ihre 2. Aufl. erfährt. Im 2. Teil des Buches wird das Systemgefüge der Phänomenologie an seine Grenzen geführt und durchbrochen.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Entwicklung des Husserlschen Denkens weist trotz einiger Wandlungen in sich eine gewisse Stimmigkeit auf. Diese läßt sich darin finden, daß Husserl an der Anschauung als dem legitimierenden Prinzip des Erkennens festhält. Die Anschauung aber ist an der Selbstgebungsmöglichkeit dessen, was Gegenstand des Philosophierens wird, ausgerichtet. Das so Zusammengehörige ermöglicht Deskription. Die Selbstreflexion und ihre Ergebnisse sind diesen methodischen Voraussetzungen einbehalten. Sie werden in einer Bewußtseinsphilosophie entfaltet, deren Ausgangsformel die synthetische Einheit des Bewußtseins-von-etwas ist. Die für die Neuzeit charakteristischen subjektivitätsphilosophischen Grundzüge des Husserlschen Denkens unterliegen im Fortgang seiner Entwicklung gravierenden Modifikationen, durch die Husserl Wegbereiter einer im 20. Jahrhundert aufblühenden phänomenologischen Bewegung geworden ist, die sich von der mit Descartes anhebenden Subjektivitätsphilosophie grundsätzlich unterscheidet: Das (transzendentale) Subjekt wird z. B. sich zeitigendes ursprüngliches Zeitbewußtsein. Ferner öffnet Husserls Zuwendung zur Lebenswelt den Blick für deren historische Eigenart. Von der Lebenswelt aus gesehen erweist sich das Weltbestimmungsresultat der objektiven Naturwissenschaften als eine idealisierende Substruktion, die Menschen in der Geschichte Europas über sich aufgerichtet haben, von der die Welt, in der sie leben, unterschieden ist. Mit der Lebenswelt hat sich der phänomenologischen Bewegung ein weites Themenfeld eröffnet. Indem die objektive Wissenschaft zur Herrschaft der Technik geführt hat, stürzt sie das menschliche Leben und seine Welt in eine Krise.
Autoreninfo:
Paul Janssen, geboren 1934 in Alpen/Ndrrh.; 1964 in Köln promoviert, 1968 in Köln habilitiert; Professur in Köln; ab 1999 freiberuflicher Publizist.

zur Reihe:
Alber-Reihe Philosophie
Vorher Alber-Broschur Philosophie

Ein Forum gegenwärtigen philosophischen Denkens in seinen reichen Ausformungen, offen für alle Strömungen und Fragestellungen über Ländergrenzen hinweg. Der Verlag Alber bietet mit dieser Reihe ausgewiesenen Fachgelehrten wie auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit, Forschungserträge vorzustellen: originäre Konzepte, Interpretationen und Auslegungen, Kommentare, historische Studien. Werke wichtiger zeitgenössischer Philosophen (z. B. Michel Henry, Emmanuel Lévinas) gelangen hier erstmals in deutscher Sprache zur Geltung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 9

Erster Teil

I Vorbemerkungen zur phänomenologischen Bewegung und zum Denkweg Husserls 19

§ 1 Husserls Werk und die phänomenologische Bewegung 19
§ 2 Die Entwicklung der Husserlschen Phänomenologie 28

II Die Anfänge der Phänomenologie 39

§ 3 Husserls vorphänomenologisches Denken zwischen Psychologismus und Objektivismus 41
§ 4 Das intentionale Bewusstsein als Grundbegriff einer erkenntnistheoretisch orientierten Phänomenologie 45
a) Die Intentionalität des Bewusstseins 48
b) Bedeutungsintention und Bedeutungserfüllung 54
§ 5 Einige Grundprobleme einer reinen Logik 60

III Die transzendentale Phänomenologie 65

§ 6 Der transzendentale Standpunkt 67
§ 7 Reines Bewusstsein und Welt. Gegebensein und Sein 72
§ 8 Die noetisch-noematischen Strukturen des reinen Bewusstseins 78
a) Die Gliederung des Reiches der Noesen und Noemata 79
b) Der Aufbau des Noema 84

IV Wichtige Lehrstücke der transzendentalen Phänomenologie 87

§ 9 Evidenz, Gegebensein, Sein, Wahrheit 87
§ 10 Die Konstitution des Allgemeinen 93
a) Die eidetische Reduktion 94
b) Das Formale. Seine Seinweise und seine Zugehörigkeit zum Logos des Seienden 99
§11 Das transzendentale Ego 112
§12 Die Intersubjektivität 117

V Die Endgestalt der Phänomenologie 129

§ 13 Die Geschichte des Denkens 132
§ 14 Lebenswelt und Wissenschaft 139
§ 15 Lebensweltliche und objektive Wissenschaftlichkeit 143
§ 16 Der Übergang zur transzendentalen Einstellung von der Lebenswelt aus 147
§ 17 Reine Psychologie und transzendentale Phänomenologie 155
§ 18 Husserls Phänomenologie und die Gegenwart 162

Zweiter Teil

VI. Das ichliche Zeitbewusstsein als nie versiegender Konstitutionsquell für alles Seiend und ein durch es ermöglichter Selbstüberstieg seiner zu einem überzeitlichen Ich 171
§ 19 Wegweisende Vorfragen und Hinweise 172
§ 20 Spezifika der Zeitkonzeption Husserls 174
§ 21 Nähe und Ferne zwischen Husserl und Descartes 178
§ 22 Fluss, Form und Synthetisierungsleistung des Zeitbewusstseins in der Passivität 184
§ 23 Probleme der Wiedererinnerung 190
§ 24 Die Erzeugung von allzeitlichen Verstandesgegenständlichkeiten und ihr Zeitbezug 194
§ 25 Das ichliche Bewusstsein-von-etwas, seine Bildung aus dem unthematisch-vorgegenständlich bewussten Zeitfluss und seine auf den Zeitfluss rückbezügliche Identität 198
§ 26 Die aus einem Selbstüberstieg des Zeitflusses resultierende
zeitfreie Identität des Ich 205

VII Im Menschen-Ich liegende Grenzen der transzendental-phänomenologischen Fassung der Lebenswelt 217

§ 27 Das Menschen-Ich in seiner Unangewiesenheit auf einen reflexionsabhängigen Rückstieg in sein transzendentales Ichsubjekt zum Zwecke der Konstitution seiner Lebensweit als der Welt 217
§ 28 Die Wahrnehmung als Weltbezug des intentionalen Bewusstseins und in ihrer Funktion für der Natur verhaftete Menschen 226
§ 29 Zur Problematik des phänomenologischen Gegenstandsbegriffes und seiner Grundlagen 239

VIII Lebenswelt und Geschichtlichkeit und deren Zeitlichkeit 255

§ 30 Prämundane transzendentale Ichsubjekte und die Geschichtlichkeit von Menschen-Ichen und deren Welten 255
§ 31 Sinngeschichtliche Individuierungen 262
§ 32 Das lebensweltliche Menschen-Ich und die Geschichte der neuzeitlichen Naturwissenschaft 265
§ 33 Die teleologische Geschichte der Phänomenologie vor
dem Hintergrund geschichtlicher Weltbildungen 280
§ 34 Die transzendentale Phänomenologie im Rahmen einer Konzeption des geschichtszeitlichen Weltwerdens von Sprachwelten 288

Bibliographie 296
Personenregister 303
Sachregister 305