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Angst vor dem Altern?  Zwischen Schicksal und Verantwortung
Angst vor dem Altern?
Zwischen Schicksal und Verantwortung




Eva Birkenstock

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495482834 (ISBN: 3-495-48283-0)
256 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2008

EUR 26,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Mensch »ist seine eigene Geschichte, sowohl die ihm geschehene als die von ihm geschaffene. Und so ist er auch sein eigener Himmel und seine eigene Hölle, je nachdem.«

V. E. Frankl



»Natur! [...] Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arm entfallen. [...] Sie scheint alles auf Individualität angelegt zu haben und macht sich nichts aus den Individuen.«

J. W. v. Goethe



»Die besten Waffen gegen das Alter [...] sind überhaupt die Tugenden und ihre Betätigung. Zu jeder Lebenszeit geübt, bringen sie, wenn man lange gelebt hat, wunderbare Früchte.«

Cicero



»Alternd lerne ich stets - Neues und Neues dazu.«

Solon
Rezension
Unsere Gesellschaft wird immer älter, die Lebenserwartung der Menschen steigt stetig, die Geburtenrate ist niedrig, die gesellschaftliche Alterspyramide verlagert sich: Das Älterwerden und das Altsein wird immer mehr zu einer individuellen und zu einer gesellschaftlichen Herausforderung. Dieses Buch stellt sich diesem Thema auf interessante Weise, weil es sich nicht - wie es heute modern ist - in empirischen Befunden und soziologischen Statistiken verliert, sondern sich philosophisch zurück besinnt, u.a. auf die Antike, und von daher ein neues Licht auch auf die ethisch-praktischen Aspekte der heutigen demographischen Entwicklung zu werfen vermag: Das Alter wird ambivalent erfahren, sowohl als Verfallsprozess und folglich als Negation des Strebens nach Glück, als auch als Abschlussphase, die sinnvoll in ein Konzept gelingenden Lebens integriert werden muss.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Das Buch entfaltet einerseits Grundprobleme des heute aktuellen Themas des Alterns anhand philosophiehistorischer Stationen, andererseits vertieft es die in ihnen präsenten ethisch-praktischen Fragen. In antiken Texten treten zwei unterschiedliche Sichtweisen zu Tage, die auch gegenwärtige Altersbilder noch prägen. Das Alter wird ambivalent erfahren, sowohl als Verfallsprozess und folglich als Negation des Strebens nach Glück, als auch als Abschlussphase, die sinnvoll in ein Konzept gelingenden Lebens integriert werden muss. Von hier gehen zwei Fluchtlinien aus, die pessimistische Altersbilder ebenso durchziehen wie zuversichtliche Prognosen über lebenslanges Lernen.
Dem Begriff der Verantwortung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als das historisch neue Phänomen der weitgehend gesicherten und erweiterten Lebenszeit eine allen Aspekten individuellen wie demographischen Alterns gerecht werdende Gestaltung notwendig macht.

Autoreninfo:
Dr. Eva Birkenstock, geb. am 15.2.1965, studierte Philosophie, Literaturwissenschaften, Geschichte und Theologie, promovierte 1995 in Philosophie und arbeitet derzeit am Projekt "Philosophie des Völkerrechts" des Max-Planck-Instituts für Völkerrecht in Heidelberg.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Einleitung 11

l Das Schicksal bewusster Endlichkeit -
philosophiehistorische Stationen der Reflexion über das Altern


1 Die Entfaltung der Spannung zwischen Verfallen und Reifen in der Antike 19

1.1 Resignation und Zuversicht - Eine Kontroverse zwischen Mimnermos und Solon 21
1.2 Epikureische Gelassenheit 31
1.3 Erhabenes Alter in Rom - Die Apologie des Cicero 37
1.3.1 Das Altern als natürlicher Prozess 39
1.3.2 Das Alter als Vorstufe zum Tod - Überlegungen zu einem Paradoxon 42
1.3.3 Zur Notwendigkeit, das Leben sinnvoll und ethisch zu planen 44
1.3.4 Die Jugend als Quelle guten Alterns 45
1.3.5 Erfüllung durch soziale Eingebundenheit 47
1.4 Seneca und die Unabhängigkeit des Glücks von der Zeit 49

2 Die Einheit von zivilisatorischer und individueller Höherentwicklung bei Hegel und Schelling 55

2.1 Die historische Entwicklung nach dem Muster der Lebensalter bei Hegel 56
2.1.1 Die Einteilung der Weltgeschichte 57
2.1.2 Das System der Lebensalter in der Enzyklopädie 59
2.1.3 Die Ideen des Fortschritts und der Entwicklung des Ganzen als Voraussetzung für Hegels Begriff des erfüllten Alters 65
2.2 Das Verhältnis von menschlichem und kosmischem Altern in Schellings Weltaltern 71
2.2.1 Die Abscheidung der Gegenwart von der Vergangenheit als Befreiung 75
2.2.2 Entwicklung als innere Notwendigkeit 78
2.3 Exkurs zum Bruch mit dem idealistischen Holismus bei Hölderlin 81

3 Selbstwerdung in der Retrospektive - biographische Einheit 84

3.1 Das Leiden an Zeitlichkeit und Endlichkeit -
Melancholie, Langeweile und Angst als Erkenntnisdimensionen bei Kierkegaard 89
3.2 Die Ethik der Selbstwahl in Entweder - Oder 97
3.3 Das Selbst als Redakteur seiner Geschichte 102
3.4 Das Streben nach Ganzheit bei Heidegger 108

4 Moderne Konfrontationen mit dem Negativen - Sartre, de Beauvoir, Amery und Bobbio 114

4.1 Sartres Ekel vor der Klebrigkeit der Zeit als Angst vor dem Altern 115
4.2 Das Alter als Zumutung und Aufgabe bei Simone de Beauvoir 121
4.3 Amerys Aufruf zum tapferen Untergang in der Endlichkeit 127
4.4 Bobbios Streitschrift gegen Ciceros Altersapologie 129

II Praktisch-ethische Überlegungen zu einem verantwortlichen Umgang mit der individuellen Endlichkeit

5 Die Endlichkeit als Preis der Individualität 139
5.1 Zum Traum vom unendlichem Leben und die Faktizität der Endlichkeit 141
5.2 Zur faktischen Unmöglichkeit einer Entkoppelung von Leben und Tod 146
5.3 Verletzlichkeit und Endlichkeit als existentielle Konstante 155
5.4 Exkurs zum Jugendwahn als vergeblicher Realitätsflucht bei Thomas Mann 157

6 Möglichkeiten, die egozentrische Fixierung auf die eigene Endlichkeit zu überwinden 162

6.1 Individuelles Zurücktreten von sich und ästhetische Selbstüberschreitung 163
6.1.1 Humor als selbstentgrenzende und selbstbehauptende Distanzierungsleistung bei Freud 164
6.1.2 Selbstrelativierung und mystische Selbstüberschreitung bei Tugendhat 166
6.1.3 Befreiung von der Herrschaft der Zeit bei Theunissen 170
6.2 Sinnerfahrung im Leiden als ethische Transformation des Negativen bei Viktor E. Frankl 175
6.2.1 Die Vergangenheit legt Zeugnis ab 177
6.2.2 Verantwortung als Lebenssinn 180
6.3 Soziale Selbstüberschreitung durch Großmut und Engagement 181
6.3.1 Großzügigkeit 183
6.3.2 Widerspiegelung und Weitergabe 187

7 Altern als individuelle Entwicklungsmöglichkeit und soziale Verantwortung 192

7.1 Gesellschaftspolitische Voraussetzungen 193
7.1.1 Der Gewinn an Ressourcen 193
7.1.2 Die notwendige Balance zwischen Freiheit und Verantwortung 197
7.2 Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten 208
7.2.1 An die Lebenswirklichkeit angepasste Lernhorizonte, Gestaltungs- und Entwicklungsräume . 210
7.2.2 Chancen später Selbstvollendung 214

8 Überlegungen zum »dünnen Ende« des Lebens 220

8.1 Grenzen der Autonomie 221
8.2 Zur Kunst des Loslassens 231

Bibliographie 237
Personenregister 250
Sachregister 253