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Was ist Religion?
Warum der Mensch Gott erschaffen hat
Marcel Dobberstein
Reihe: Philosophische Texte und Studien
Georg Olms Verlag
EAN: 9783487135113 (ISBN: 3-487-13511-6)
346 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2007
EUR 39,80 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Ja, Herr Nietzsche und auch Herr Freud, tatsächlich: Die Menschheit überschreibt sich in der Religion einer Sammlung törichter Märchen. Dabei ist Gott nicht Idee und Schutzhort des Erhabenen, sondern des Dunklen und Zaghaften im Menschen. Der Mensch hat Gott erschaffen, um mit einem Giganten Teufel und Tod zu besiegen, um Macht über Seinesgleichen zu haben und um den Träumen vom ab-soluten Leben aufzuhelfen. Der Gigant ist auf immer launisch. Auch den Sorglos-Gott der „Nächsten-liebe“ kennt nur das schlichte Gemüt. Vor Gottes Zorn wird nichts bewahrt. „Die Hölle ist eine schwache Vorstellung, die uns Gott unfreiwillig von sich selbst gibt“ (Bataille). Die Religion zieht den Tod ins Leben und ist ein Schrei nach Liebe aus Mangel daran. Ein Omnipotenzwahn kämpft wider die Individuation. Mit ihr gewinnt ein „paranoider Zug, der unserer Spezies endemisch ist“ (Koestler) Gestalt. Das Gespensterspiel in tausend Varianten hat noch Realität in der Gesellschaft. Der Vernunft ist’s ein Skandal, dass „unerbittlichen Feinden der Denkfreiheit und des Fortschritts zur Erkenntnis der Wahrheit“ (Freud) Einfluss in Öffentlichkeit, Wissenschaft und Erziehung verblieb. Ein Grund dafür ist die ungemeine Verkennung des Wesens der Religion.
Rezension
Häufig wird die Religion als die Lichtseite, die gute, edle Seite des Menschen betrachtet; der Autor dieses Buchs sieht das anders: Mit der Religion kehrt der Mensch seine dunkle Seite nach außen - seine Angst, frei zu sein. Das Dunkle wird durch Religion übermalt, die Sterblichkeit zur Unsterblichkeit stilisiert. Da finden sich dann Spitzensätze wie: "Die Gottesliebe ist eine Todesliebe der Angsterfüllten gegen die Liebe zum freien Leben. Religion ist Willkürabsolutismus unter nie erklärten Hoffnungen. Sie ist ein Liebesdefizit an der Wirklichkeit, das in Gewalt umschlägt." (S. 7). Und selbst der demokratische Staat fällt hinter Denken und Aufklärung zurück, indem er mit scheinbarer Toleranz, aber faktischer Gefährdung die Religion als antidemokratisches Monstrum in seiner Mitte zuläßt. - Solche provokativen Thesen sind vielleicht notwendiger denn je in einer Zeit, in der Religion wieder allzu selbstverständlich geworden zu sein scheint und auch der Religionsunterricht wieder kritischer mit seinem Gegenstand umgehen sollte.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Wie man sich täuscht
EINFÜHRUNG 11
„...' denn die Offenbarung Gottes ist nichts andres als die Offenbarung, die Selbstentfalturig des menschlichen Wesens", 11 — Der Sinn der Religion besteht im Erfüllen von Funktionen und Bedürfnissen, 12 — Der unkritische Umgang mit dem Phänomen, 13 — Die Verkennung des Phänomens, 18 — Rational - irrational, 21 — Wer kann sagen, was Religion wirklich ist? 30 — Was hält die Religion im Innersten zusammen? 33 — Nur eine Religion, 38 — Worum geht es also wirklich? 44
I. DIE FUNKTIONEN DER RELIGION 49
1. Das Bedürfnis nach Sicherheit und seine Abarten 49
2. Wie ein Willkürsystem funktioniert 51
3. Unerwünschte Nebengötter 58
4. Gehorsam und gewissenlose Gesellen 62
5. Das Bedürfnis nach Transzendenz 69
6. Der Ernst, nix zu lachen 78
7. Die Bereinigung vom Übel 81
8. Das Heilige und die Macht 102
9. Die Identität 115
II. GLAUBEN ODER WISSEN 141
1. Religion oder Wissenschaft 141
2. Glaube versus Wissen und Freiheit 157
3. Die Evolution und der gute Wille 165
4. Der Irrläufer der Evolution 175
5. Keine Götter an den Grenzen des Wissens 182
6. Hat die Wissenschaft einen Glauben? 208
7. Wissensskepsis und Fortschrittsglaube 228
A. Fluch der Individualität 228
B. Des Menschen Untergang 232
C. Wissenschaftsgläubigkeit 238
D. Hybris, Ignoranz und Gewalt 250
III. RELIGION UND GESELLSCHAFT 257
1. Der Mittelpunkt der Welt 257
2. Zähnezeigen und demütig sein 266
3. Die Bergpredigt und der böse Wolf 268
4. Die Religion der Diktaturen 283
5. Die Diktatur des Mannes 304
6. Die Religion heute 316
A. Weltflucht und Weltherrschaft 316
B. Demokratie oder Religion 318
7. Wie sag' ich's dem Kinde 334
LITERATUR 341
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