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Smart City Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten
Smart City
Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten




Sybille Bauriedl, Anke Struever (Hrsg.)

Transcript
EAN: 9783837643367 (ISBN: 3-8376-4336-0)
364 Seiten, kartoniert, 15 x 22cm, Oktober, 2018

EUR 29,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
»Smart City« steht für das Versprechen einer Zukunft mit hoher Lebensqualität für alle – aber auch für eine Zukunft der Überwachung und Kontrolle von öffentlichen und privaten Räumen. Wie verändert der Einsatz digitaler Technologien und Infrastrukturen die aktuelle Raumwahrnehmung, Raumproduktion und Raumnutzung in Städten?



35 Stadtforscher_innen betrachten die unterschiedlichen Bewertungen der »Smart City« und geben einen Überblick über die kontroverse Debatte. Sie beschreiben an praktischen Beispielen die Verknüpfung von Echtzeitdaten sowie die Nutzung von Geoinformationen im urbanen Alltag und diskutieren deren Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung, partizipative Demokratie und soziale Gerechtigkeit in Städten. Sie zeigen: Die digitale Transformation ist ein umkämpftes Terrain von IT-Unternehmen, Stadtregierungen und stadtpolitischen Bewegungen.
Rezension
Sidewalk Toronto oder Barcelona? Wo liegt die Smart City der Zukunft, die Smart City 3.0? Die Hauptstadt Kataloniens wurde 2015 zur „Smartest City in the World“ gewählt, seit 2016 setzt die Metropole mit ihrer „Strategie für digitale Souveränität“ aber auf mehr demokratische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie auf Unabhängigkeit von großen Technologieunternehmen. Anders die kanadische Stadt, in welcher der Mutterkonzern von Google plant, im ehemaligen Hafengebiet Quayside die ideale Stadt der Zukunft zu realisieren. Wird von Digitalisten die Vision einer Stadt entworfen, die alle Probleme mit digitaler Technik lösen kann und sich durch sehr hohe Lebensqualität auszeichnet, warnen die Kritiker vor einer „smarten Diktatur“ (Welzer) in den Städten, die primär den ökonomischen Interessen der Big Five digitaler Welt dient. Technische Entwicklungen wie Big Data, Apps zur Risiko- und Sicherheitskommunikation, Funkfrequenzidentifizierung, Gesundheitsmonitoring, Predictive Policing, digitale Navigationssysteme oder Smart Homes demonstrieren die Omnipräsenz der digitalen Revolution in den Städten.
Umso verdienstvoller ist es, dass 2018 der Sammelband „Smart City. Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten“ von Sybille Bauriedl (Professorin für Integrative Geographie an der Europa-Universität Flensburg) und von Anke Strüver (Professorin für Humangeographie an der Karl-Franzens-Universität Graz) vorgelegt wurde. Dabei fordern die Herausgeberinnen keine grundsätzliche Perhorreszierung der Digitalisierung, sondern sie sehen sich dem Konzept der „kritischen Stadtforschung“ verpflichtet. Demnach gelte es die technologieoptimistische Vorstellung zu hinterfragen, dass soziale und ökologische Probleme der Städte allein durch IT-Technologie lösbar seien, wie es von den großen IT-Unternehmen propagiert wird.
In dem aus Veranstaltungsreihen hervorgegangenen Aufsatzband werden anschaulich die Auswirkungen des Smart-City-Konzepts auf Raumwahrnehmung, Raumproduktionen, Management und kommunale Politik kritisch beleuchtet. Smarter Urbanismus folgt oftmals neoliberaler Ideologie, politische Entscheidungen erfolgen vielfach ohne demokratische Legitimation. Dabei hätte auch der Einfluss der Algorithmen auf die Planung und Gestaltung von Smart Cities beispielsweise durch Bezugnahme auf Cathy O` Neils Buch „Angriff der Algorithmen“ (vgl. meine Rezension unter https://lbib.de/Angriff-der-Algorithmen-Wie-sie-Wahlen-manipulieren-Berufschancen-zerstoeren-und-unsere-Gesundheit-gefaehrden-97550) noch genauer analysiert werden können. Der Sammelband „Smart City“ deckt nicht nur präzise die Grenzen einer von ökonomischen Werten geleiten Stadtentwicklung auf, sondern präsentiert zudem alternative Entwicklungsmöglichkeiten einer Stadt der Zukunft, die sich an Werten wie demokratischer Partizipation, sozialer Gerechtigkeit, Privatheit und Nachhaltigkeit orientiert.
Das notwendige Buch zur „kritischen Stadtforschung“ richtet sich primär an Studierende der Geographie sowie an Stadt- und Raumplaner. Es kann aber auch Lehrkräften der Fächer Erdkunde, Politik und Ethik zur Lektüre empfohlen werden, die in ihrem Unterricht oder in fächerübergreifenden Projekten sich differenziert und kritisch mit Fragen der Technologiesouveränität im urbanen Kontext auseinandersetzen möchten.
Fazit: Der Sammelband „Smart City“, erschienen bei transcript, gibt einen hervorragenden Überblick zur Debatte über die Digitalisierung der Städte, die verdient gesellschaftlich und politisch geführt zu werden.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Sybille Bauriedl / Anke Strüver (Hg.)
Smart City – Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten

»Smart City« steht für das Versprechen einer Zukunft mit hoher Lebensqualität für alle – aber auch für eine Zukunft der Überwachung und Kontrolle von öffentlichen und privaten Räumen. Wie verändert der Einsatz digitaler Technologien und Infrastrukturen die aktuelle Raumwahrnehmung, Raumproduktion und Raumnutzung in Städten?

35 Stadtforscher_innen betrachten die unterschiedlichen Bewertungen der »Smart City« und geben einen Überblick über die kontroverse Debatte. Sie beschreiben an praktischen Beispielen die Verknüpfung von Echtzeitdaten sowie die Nutzung von Geoinformationen im urbanen Alltag und diskutieren deren Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung, partizipative Demokratie und soziale Gerechtigkeit in Städten. Sie zeigen: Die digitale Transformation ist ein umkämpftes Terrain von IT-Unternehmen, Stadtregierungen und stadtpolitischen Bewegungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung

Raumproduktionen in der digitalisierten Stadt

Sybille Bauriedl, Anke Strüver | 11

2 Politiken der Raum- und Wissensproduktion
in Smart Cities

Intelligente Städte
Rationalität, Einfluss und Legitimation von Algorithmen

Cordula Kropp | 33

Look Inside™
Unternehmensvisionen der Smart City

Gillian Rose | 43

Smarter Urbanismus und Urbanität

Sybille Frank, Georg Krajewsky | 63

Smart-City-Experimente
Normierungsef fekte in Reallaboren

Sybille Bauriedl | 75

»Smart«, aber ungerecht?
Die Smar t-City-Kritik mit Nancy Fraser denken

Marit Rosol, Gwendolyn Blue, Victoria Fast | 87

Smart Cities in Indien
For tschreibung einer Geschichte modernistischer Stadtplanung

Christian Eichenmüller, Boris Michel | 99



Smart City Learning
Exkursionsdidaktik zwischen Materialität und Digitalisierung

Inga Gryl, Jana Pokraka | 109

3 Neue Verbindungen
digitaler und anderer Tec hnologien

Smarter Bevölkerungsschutz?
Risiko- und Sicherheitskommunikation zwischen Warnung und Werbung

Simon Runkel | 127

Am laufenden (Fitnessarm-)Band
Quantified Self, Science and Technology Studies
und Urban Scholar x im Gespräch

Anke Strüver | 139

Funkfrequenzidentifizierung (RFID)
Aktives und passives Senden von Informationen im urbanen Alltag

Sybille Bauriedl | 155

Smart Cities – Smart Bodies?

Peter Lindner | 161

4 Digitale Gove rnance und I nterve ntionen

Ein informationelles Recht auf Stadt?
Code, Content, Kontrolle und die Urbanisierung von Information

Joe Shaw, Mark Graham | 177

Die offene Stadt von heute

Arne Semsrott | 205

Steuerung aus den Daten selbst?
Zur Erkenntnisweise algorithmischer Mustererkennung
am Beispiel Gesundheitsmonitoring

Henning Füller | 211

Policing the Smart City
Eine Taxonomie polizeilicher Prognoseprogramme

Till Straube, Bernd Belina | 223


Die Stadt als Bildschirm
Wahrnehmung und Nut zung urbaner Räume durch digitale
Kar tographie, urbane Dashboards und die Praxis der Navigation

Ulf Treger | 237

Coding for the Common Good?
Aktivitäten einer Open-Data-Initiative

Sören Becker | 249

Gemeinschaftliche Infrastrukturen,
digitale Souveränität und Gegenerzählungen
Projekte einer Digital Citizenship

city/data/explosion (Thomas Böker, Ulf Treger) | 261

Unbekannte Pfade der Stadt jenseits von Google, aber wie?
Überlegungen zu Joe Shaws und Mark Grahams
»Ein informationelles Recht auf Stadt?«

Louisa Bäckermann | 275

5 Digitale Urbanisierung und soziale Transformation

Digital assistierter Wohnalltag im smart home
Zwischen Care, Kontrolle und vernetzter Selbstermächtigung

Nadine Marquardt | 285

Smart und angepasst?
Konsument*innen im digitalisierten Stromnetz

Stefanie Baasch | 299

(Un-)Sichtbare Geschlechterungleichheiten in der Smart City
Die andere Seite der Digitalisierung

Tanja Carstensen | 309

Online-Handel, Stadtentwicklung und Datenschutz
Stationen eines Einkaufs

Michael Lobeck, Claus-C. Wiegandt | 321

Smart City Policies in Wien, Berlin und Barcelona

Andreas Exner, Livia Cepoiu und Carla Weinzierl | 333


Endlich Smart-City-Leuchtturm
Auswirkungen des EU-Projektes mySMARTLife
auf die Planungspraxis in Hamburg

Philipp Späth, Jörg Knieling | 345

Autorinnen und Autoren | 357