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Semper Reformanda
Das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften auf dem Prüfstand
Isabelle Ley, Tine Stein, Georg Essen (Hrsg.)
Herder Verlag
EAN: 9783451395123 (ISBN: 3-451-39512-6)
384 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, Juli, 2023
EUR 48,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Das traditionell enge Kooperationsverhältnis von Staat und Kirchen bedarf der Neubestimmung: Die Gesellschaft wird säkularer, zugleich wird Religion pluraler. Angesichts von Missbrauchsskandalen und der Schlechterstellung von Frauen, Homosexuellen und anderen insbesondere in der katholischen Kirche werden Forderungen laut, der Staat müsse mehr Distanz zeigen und die Kooperation mit den Religionsgemeinschaften an strengere Voraussetzungen knüpfen. Wie auf diese Herausforderungen zu reagieren ist, wird in diesem Band diskutiert. Dabei wird die Frage nach einer Reformnotwendigkeit des Verhältnisses von Staat und Religionsgemeinschaften sowohl im Grundsätzlichen mit Blick auf das Prinzip der religiös-weltanschaulichen Neutralität geprüft, als auch konkret mit Blick auf die staatliche Verantwortung bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals, für das kirchliche Arbeitsrecht und für den Körperschaftsstatus. Die Perspektiven der Beitragenden speisen sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie auch der kirchlichen und politischen Praxis.
Isabelle Ley, Dr. iur., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Eigener Stelle (DFG) an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg, abgeordnet ans Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Nach einer Zeit beim Bundeswirtschaftsministerium sowie als Richterin beim Land Berlin arbeitet sie derzeit an einer Habilitationsschrift zum Thema Rüstungsexportregulierung im Mehrebenensystem.
Tine Stein, geb. 1965, Dr. phil., Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen. Sie war als Beraterin Mitglied im Forum Macht und Gewaltenteilung des Synodalen Wegs.
Georg Essen, geb. 1961, Dr. theol., Studium der Katholischen Theologie und Geschichte in Münster und Freiburg i. Br.; seit 2020 Professor für Systematische Theologie am Zentralinstitut für Katholische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mit Beiträgen von Lars Castellucci, Gerhard Czermak, Georg Essen, Christiane Florin, Veronika Gräwe, Hermann-Josef Große Kracht, Hans Michael Heinig, Ansgar Hense, Jacob Joussen, Matthias Katsch, Manfred Kollig, Ulrike Kostka, Ute Leimgruber, Isabelle Ley, Adrian Loretan, Claudia Lücking-Michel, Katharina Mangold, Klaus Mertes, Ulrich K. Preuß, Thomas Schüller, Michael Seewald, Tine Stein, Christian Waldhoff, Julian-Christopher Marx
Rezension
Wie viel Religion verträgt der Staat? Wie viel Staat verträgt die Religion? Wenn der Staat ohne Gott auskommt, welche Rolle kommt dann der Religion in der säkularen Moderne zu? Insbesondere Religionslehrkräfte sollten über das Verhältnis von Religion und Staat gut informiert sein; denn der Religionsunterricht befindet sich genau an dieser Schnittstelle eines durchaus schwierigen Verhältnisses, das in Deutschland völlig anders geregelt ist als etwa im laizistischen Frankreich, wo es Religionsunterricht an staatlichen Schulen nicht gibt. Zugleich begegnen in einer auf weltanschauliche Neutralität verpflichteten Demokratie z.Zt. viele Bürger/innen den Religionsgemeinschaften und Kirchen kritisch, weil sich Religion gesellschaftlich vielfältig fragwürdig darstellt (Mißbrauchsskandale, religiös grundierter Terrorismus etc.). Die Gesellschaft wird säkularer, zugleich wird Religion pluraler,- das muß zu einer Neubestimmung des Staat-Religion-Verhältnisses führen. Angesichts von Missbrauchsskandalen und der Schlechterstellung von Frauen, Homosexuellen und anderen insbesondere in der katholischen Kirche werden Forderungen laut, der Staat müsse mehr Distanz zeigen und die Kooperation mit den Religionsgemeinschaften an strengere Voraussetzungen knüpfen. Wie auf diese Herausforderungen zu reagieren ist, wird in diesem Band diskutiert. Wie wollen wir künftig regeln, dass religiöse Mehrheiten, Minderheiten und Konfessionslose friedlich beisammen leben? Wie können wir ihnen gleiche Religionsfreiheit gewähren? Eignet sich dafür das spezifisch deutsche, historisch gewachsene Ordnungsmodell einer engen Staat-Kirche-Kooperation?
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Perspektiven für ein modernes Religionsverfassungsrecht
Inhaltsverzeichnis
Reformbedarf des Religionsverfassungsrechts und der Religionsgemeinschaften 9
Isabelle Ley / Tine Stein / Georg Essen
I.
Das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und das Prinzip staatlicher Neutralität
Innere Angelegenheiten der Kirchen und religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates. Überlegungen anlässlich des Missbrauchsskandals 31
Christian Waldhoff
Religionsverfassungsrecht auf dem Prüfstand: Zur Weiterentwicklung des Verhältnisses von Staat und Religionen* 46
Isabelle Ley
Das rechtliche Verhältnis von Staat, Weltanschauung und Kirchen aus säkularer Sicht 61
Gerhard Czermak
„Ecclesia semper reformanda, sed non reformabilis“? Einige Anmerkungen aus katholischer
Perspektive 82
Ansgar Hense
(Kein) Kulturkampf reloaded. Die öffentlich-rechtliche Organisationsform von Religionsgesellschaften als Hebel für staatliche Einflussnahme? 100
Hans Michael Heinig
Die katholische Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts – rechtspolitische und kanonistische Anfragen 114
Thomas Schüller
Religionsverfassungsrecht und die Universalität der Menschenrechte. Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Durchsetzbarkeit 126
Tine Stein
II.
Sexueller Missbrauch in den Kirchen und die Rolle des Staates
Victim or Non-Victim? Über die problematische Einordnung von Missbrauch an Erwachsenen zwischen kirchlichen und staatlichen Regelungen 147
Ute Leimgruber
Systemische Ursachen der sexualisierten Gewalt in der Kirche 163
Adrian Loretan
Die Aufarbeitung kirchlichen Unrechts als Pflicht der staatlichen Gemeinschaft 179
Matthias Katsch
Zur Rolle des Staates bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche 193
Klaus Mertes SJ
Sexualisierte Gewalt in kirchlichen Einrichtungen und die Rolle des Staates 202
Lars Castellucci / Julian-Christopher Marx
III.
Sonderrechte für die Kirchen?
Diskriminierungsschutz im kirchlichen Arbeitsrecht oder die Quadratur des Kreises 219
Anna Katharina Mangold
Kirchliches Arbeitsrecht zwischen Grundrechten und Drittem Weg – Reformperspektiven 236
Jacob Joussen
Bevor niemand mehr am Tisch sitzt: Viele Gründe für eine Reform der Kirche, auch beim
Arbeitsrecht 253
Manfred Kollig SSCC
Von der Überzeugungs- zur biblisch geprägten Handlungsgemeinschaft: Caritas ist mehr als nur kirchliches Arbeitsrecht 262
Ulrike Kostka
Ist mit der katholischen Kirche noch soziale Infrastruktur zu machen? 279
Veronika Julia Gräwe
Unheilige Allianz oder sinnvolle Kooperation? Anmerkungen zur aktuellen Debatte um die Kölner Hochschule für Katholische Theologie 292
Claudia Lücking-Michel
IV.
Semper Reformanda – Krise und Reform in der katholischen Kirche
Jenseits von Fremdblockade und Selbstbanalisierung? Warum eigentlich keine Zukunftsaussichten für den konziliaren Katholizismus in Deutschland bestehen 307
Hermann-Josef Große Kracht
Wider die Hoffnungshypnose 323
Christiane Florin
Legitimität. Ein blinder Fleck in kirchlichen Rechtfertigungsordnungen? 332
Georg Essen
„Semper Reformanda“ – einige Reflexionen über Religion und Politik 350
Ulrich K. Preuß
Dogma, Recht und demokratische Prinzipien in der katholischen Kirche. Versuche über einen möglichen Zusammenhang 363
Michael Seewald
Autorinnen und Autoren 379
Abkürzungsverzeichnis 383
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