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Quellen auslegen Konzepte und Methoden der Historischen Theologie
Quellen auslegen
Konzepte und Methoden der Historischen Theologie




Katharina Heyden, Martin Sallmann

Reihe: Theologie kompakt


Herder Verlag , Wissenschaftliche Buchgesellschaft
EAN: 9783534278169 (ISBN: 3-534-27816-X)
212 Seiten, paperback, 17 x 23cm, September, 2023

EUR 26,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Geschichte ist, was Menschen in der Gegenwart mit der Vergangenheit anfangen. Sie nehmen Relikte vergangener Zeiten auf und binden sie in ihren eigenen Lebenskontext ein, indem sie rekonstruierend nacherzählen und verstehend einordnen. "Quellen auslegen" führt in die Praxis des Umgangs mit historischen Texten und Bildern im Rahmen der christlichen Theologie ein und regt zugleich zum Nachdenken über die heutigen Voraussetzungen historisch-theologischer Arbeit an. Das Buch möchte die Methoden der traditionellen Quellenkritik für die historisch-theologische Forschung im 21. Jahrhundert fruchtbar machen. Deshalb wird die praxisorientierte Einführung in die Methodik historischer Forschung in größere philosophische, kultur- und literaturwissenschaftliche Diskurse der vergangenen Jahrzehnte eingebettet. Historische Theologie wird dabei als hermeneutische Wissenschaft verstanden. Der Fokus liegt auf der Deutung, Interpretation und Reflexion der "Inanspruchnahme des Christlichen" in historischen Text- und Bildquellen.

Konzipiert ist das Buch für alle, die sich das Instrumentarium historisch-theologischer Methodik aneignen und es kritisch-konstruktiv reflektieren möchten, vom Proseminar bis zur Dissertation, im Seminarraum oder im Selbststudium. Als Kriterium für die Qualität historisch-theologischer Forschung wird "intersubjektive Plausibilität" eingeführt. Kapitel über die Bedeutung und die Entwicklung einer sinnvollen Forschungsfrage, zum Auffinden von Quellen und zur Auswahl der für die Forschungsfrage relevanten Methoden leiten zu eigenständiger Forschung an und bieten Anregungen, wie mit dem etablierten Methodenkanon kreativ umgegangen werden kann.

Anwendungsbeispiele aus allen historischen Epochen veranschaulichen die vorgestellten Methodenschritte und geben Einblick in den Reichtum der Quellen und die konkrete Arbeit mit ihnen. Die beigegebenen Arbeitsmaterialen bieten kompakte Hilfestellungen für die Praxis historisch-theologischer Forschung.

Kathariana Heyden, geb. 1977, Dr. theol., Professorin für Ältere Geschichte des Christentums und der interreligiösen Begegnung am Institut für Historische Theologie der Universität Bern.

Martin Sallmann ist seit 2007 Professor für Neuere Geschichte des Christentums und Konfessionskunde in Bern. Seine akademische Lehre wurde von der Theologischen Fakultät mehrfach ausgezeichnet.
Rezension
Historische Theologie ist mehr als Kirchengeschichte, sie ist aber jedenfalls Teil der Geschichtswissenschaft und hat Anteil an deren Methodik und Didaktik. Geschichte beschäftigt sich mit der Vergangenheit. Diese ist unwiderruflich vergangen und nur noch in den Quellen, also den Hinterlassenschaften früherer Zeiten, präsent. Quellenarbeit ist die Grundlage des Geschichtsunterrichts in Deutschland. Die wichtigste Großgruppe von Quellen – für den Unterricht wie für die Forschung – sind die Textquellen. Wer Geschichte unterrichtet, muss deshalb Arbeit mit Textquellen kompetent realisieren können. Quellenarbeit ist gerade konstitutiv für historisches Denken. Zu den historischen Quellen gehören alle Dokumente, die absichtlich oder zufällig aus einer vorhergehenden Zeit der Nachwelt hinterlassen wurden und aus denen man Informationen über die jeweils untersuchte Zeit gewinnen kann. Zu den sprachlichen Dokumenten gehören Urkunden, Akten, Briefe, Tagebücher, Reden, Flugblätter, Plakate, Streitschriften, Inschriften, Berichte und literarische Zeugnisse der jeweiligen Epoche. Dieses Buch führt in die Praxis des Umgangs mit historischen Texten und Bildern im Rahmen der christlichen Theologie ein. Der Fokus liegt auf der Deutung, Interpretation und Reflexion der "Inanspruchnahme des Christlichen" in historischen Text- und Bildquellen.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Erster Teil: Zugänge zur Historischen Theologie 17

I. Was ist „Historische Theologie"? 17
II. Das Fach innerhalb der Theologie 20
III. Ein dreifaches Spannungsfeld 24
IV. Das Ziel: Intersubjektive Plausibilität 29
V. Zwei Grundkompetenzen: Perspektivenwechsel und Kontextsensibilität 31

Zweiter Teil: Suchen, Finden, Fragen 33

I. Heuristik - die Kunst des Findens 33
II. Was sind historische Quellen und wie finde ich sie? 34
II.1 Relikte und Quellen 34
II.2 Handschriftensammlungen, Archive und Museen 37
III. Was ist eine plausible historische Frage und wie finde ich sie? 43
III.1 Das Erkenntnisinteresse: Ereignisse, Strukturen, Vorstellungen, Ideen 44
III.2 Fragetraditionen, Paradigmenwechsel, Forschungsansätze 46
III.3 Das „Vetorecht der Quellen" 47
III.4 Zwei Ausgangssituationen historischen Forschens 48
III.5 Kriterien für eine plausible historische Fragestellung 50
Anwendungsbeispiel: Die „Zehn Berner Thesen" zur Reformation von 1528 51
IV. Was ist Forschungsliteratur und wie finde ich sie? 53
V. Die gezielte Auswahl von Quellen, Fragestellung und Forschungsliteratur 56
VI. Heuristik im digitalen Zeitalter: Recherchieren im Internet 58

Dritter Teil: Lesen, Untersuchen und Ausdeuten von Textquellen 62

I. Drei Weisen, einen Text zu lesen 62
I.1 „gemäß der Intention" 62
I.2 „zwischen den Zeilen" 63
I.3 „gegen den Strich" 64
Anwendungsbeispiel: Die „Traditio Apostolica" 16 dreifach gelesen 66
II. Das Umfeld der Textquelle 70
II.1 Autorschaft und Authentizität 70
Anwendungsbeispiel: Die (Pseudo-)Isidorischen Dekretalen 78
1I.2 Zeit und Ort der Entstehung 83
Anwendungsbeispiel: Die „Schleitheimer Artikel" 90
III. Die äußere Gestalt des Textes 93
1II.1 Die Textgestalt als Produkt der Überlieferung 94
III.2 Zufall und Steuerung in der Überlieferung 96
I1I.3 Der (ursprüngliche) Text 98
Anwendungsbeispiel: Die „Confessiones" des Augustinus 100
III.4 Überarbeitungen und Redaktionen 105
Anwendungsbeispiel: Die Redaktionen der Kreuzzugschronik des Frutolf von Bamberg 107
III.5 Gattung und Form 110
Anwendungsbeispiel: Opferbescheinigung (libellus) für Aurelia Bellias 111
Anwendungsbeispiel: Martin Luther, „Von guten Werken" 119
IV. Die innere Ausgestaltung des Textes 122
IV.1 Syntaktik: Die Struktur des Textes 126
Anwendungsbeispiel: Die „Pia desideria" von Philipp Jakob Spener 131
IV.2 Stil und Rhetorik: Die Redekunst im Text 133
Anwendungsbeispiel: Huldrych Zwingli an König Franz I. von Frankreich 138
IV.3 Semantik: Die Zeichenwelt des Textes 140
Anwendungsbeispiel: Mechthild von Magdeburg, „Das Fließende Licht der Gottheit" 141
IV.4 Traditionen: Der Text als Netzwerk 144
Anwendungsbeispiel: Bibel und Kirchenväter in der „Confessio Augustana" 149
IV.5 Pragmatik: Der Text als Sprechakt 153
V Wirkungen eines Textes 155
V.1 Beabsichtigte Wirkungen 155
V.2 Tatsächliche Wirkungen 157
Anwendungsbeispiel: Der Streit um das Apostolikum 161
VI. Quellenvergleich 164

Vierter Teil: Betrachten, Untersuchen und Ausdeuten von Bildquellen 165

I. Bilder als Quellen 165
II. Die ikonographisch-ikonologische Methode nach Erwin Panofsky 167
III. Die Cluster-Analyse 172
IV. Synthese: Bildinterpretation in drei Schritten 180
IV.1 Betrachten und Beschreiben 180
IV.2 Untersuchen und Analysieren 181
IV.3 Ausdeuten und Einordnen 183
Anwendungsbeispiel: Die Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljov 184

Fünfter Teil: Verstehen, Einordnen und Bewerten historischer Quellen 190

I. Historisch-theologische Urteile 190
II. Historisch-theologische Potentiale 192
Beigaben: Arbeitsmaterialien 195
I. Übersicht über die Methoden der Historischen Theologie 195
II. Wegleitung für das Erstellen einer schriftlichen Arbeit 201
III. Expose für eine schriftliche Forschungsarbeit 202
IV. Grundlegende Literatur 203

Personenregister 207