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Prostitution Überlegungen aus ethischer Perspektive zu Praxis, Wertung und Politik Zugl.: Luzern, Univ., Diss. 2009/2010
Prostitution
Überlegungen aus ethischer Perspektive zu Praxis, Wertung und Politik


Zugl.: Luzern, Univ., Diss. 2009/2010

Béatrice Bowald

LIT
EAN: 9783643800558 (ISBN: 3-643-80055-X)
336 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2010

EUR 31,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Prostitution ist als verbreitetes Phänomen Gegenstand kontroverser Debatten. Wie weit sind Zwang oder Gewalt mit im Spiel? Ist von einer frei ausgeübten Prostitutionstätigkeit auszugehen? Was ist von der Forderung nach Anerkennung als "Beruf wie jeder andere" zu halten? Gestützt auf sozialwissenschaftliche Untersuchungen wird philosophisch- und theologisch-ethisch gefragt, wie die Prostitutionstätigkeit bzw. der Erwerb sexueller Dienstleistungen gewertet werden können. Darüber hinaus werden die gängigen Prostitutionspolitiken reflektiert und anhand vorliegender Erfahrungen und grundsätzlicher Überlegungen zum Verhältnis von Recht und Moral beurteilt.



Béatrice Bowald, Dr. theol., war wissenschaftliche Assistentin am Institut für Sozialethik der Theologischen Fakultät Luzern, ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax in Bern.
Rezension
Prostitution ist ein umstrittenes Thema - nicht nur privat, sondern auch politisch: von neo-abolitionistischer Politik in Schweden oder Frankreich bis hin zu liberaler Regulierungs-Politik in den Niederlanden oder Deutschland (vgl. S. 263ff). Prostitution ist in den vergagenen Jahren vermehrt ein Thema, - nicht nur in der Politik (z.B. durch das Deutsche Prostitutionsgesetz vom Oktober 2001, das die rechtliche und soziale Lage von Prostituierten zu verbessern sucht), sondern auch in der Öffentlichkeit und in wissenschaftlichen Kontexten, wie u.a. diese Luzerner theologische Dissertation belegt. Gestützt auf sozialwissenschaftliche Untersuchungen wird philosophisch- und theologisch-ethisch gefragt, wie die Prostitutionstätigkeit bzw. der Erwerb sexueller Dienstleistungen gewertet werden können. Darüber hinaus werden die gängigen Prostitutionspolitiken reflektiert und anhand vorliegender Erfahrungen und grundsätzlicher Überlegungen zum Verhältnis von Recht und Moral beurteilt.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Studien der Moraltheologie
Herausgegeben von Prof. DDr. Antonio Autiero, Prof. Dr. Josef Römelt

Die Reihe "Studien der Moraltheologie" dient der Publikation und Information zu den aktuellen Fragen theologischer Ethik. Die Dringlichkeit der ethischen Diskussion wird angesichts der politischen und ökologischen Probleme technologischer Zivilisation zunehmend bewusst. Die theoretischen Grundlagen des modernen ethischen Diskurses werden heute vielfach reflektiert. Dazu möchten die Herausgeber durch Monographien und Dokumentationen beitragen, die historisch und systematisch die konkreten ethischen Konfliktfelder in der heutigen Kultur und Gesellschaft aus der Perspektive der Theologie beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 11

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 13
1. Allgemeine Abkürzungen 13
2. Zeitschriften, Quellen, Werke 13

EINLEITUNG 15

ERSTER TEIL
ZUR FORDERUNG NACH ANERKENNUNG DER PROSTITUTIONSTÄTIGKEIT ALS ,BERUF'

1. VON EINEM GESELLSCHAFTLICH MISSBILLIGTEN, ABGELEHNTEN VERHALTEN ZU EINEM ,JOB WIE JEDER ANDERE': PROSTITUIERTE FORDERN ANERKENNUNG IHRER TÄTIGKEIT 19

1.1 Erfahrung von Unrecht und Ungerechtigkeit 20
1.2 Eine andere Sicht der Prostitutionstätigkeit 22
1.2.1 ,Frauenlos' hinsichtlich Sexualität 22
1.2.2 ,Frauenlos' in Bezug auf Verdienstmöglichkeiten 24
1.2.3 Sich zu prostituieren: ein Recht 25
1.3 Kampf um Anerkennung 27
1.3.1 Was will der Kampf um Anerkennung erreichen? 27
1.3.2 Vorläufige, kurze Bilanz des Kampfes um Anerkennung 30

2. WAS SOLL ANERKANNT WERDEN? ZU BEGRIFF UND VERSTÄNDNIS VON PROSTITUTION UND PROSTITUTIONSTÄTIGKEIT 33

2.1 Zum Begriff 33
2.2 Zum Verständnis von Prostitution 36
2.2.1 In historischer Perspektive: „Das älteste Gewerbe der Welt"? 36
2.2.2 Aus der Sicht von Prosrituierten 37
2.2.3 Aus ökonomischer Perspektive 38
2.2.4 Aus moralischer und ethischer Perspektive 41
2.2.5 Kontroverse Einschätzung und Bewertung der Prostitution 43

3. WAS BEDEUTET GESELLSCHAFTLICHE ANERKENNUNG? 47

3.1 Anerkennung als Zeichen der Integration 47
3.2 Soziale Wertschätzung durch Anerkennung der Arbeit 50

4. ANERKENNUNG DER PROSTITUTIONSTÄTIGKEIT IN WELCHER HINSICHT? - EINE ZWISCHENBILANZ 53

ZWEITER TEIL
PROSTITUTION: KONTROVERS DISKUTIERT UND BEURTEILT

5. ZUR AUSEINANDERSETZUNG UM SEXUALITÄT UND KÖRPERLICHKEIT 59

5.1 Sexualität im Widerstreit moralischer Überzeugungen und Positionen 59
5.1.1 Sexualität und gekaufter Sex in der philosophisch-ethischen Diskussion 61
5.1.1.1 Sexualität als ein dem Markt entzogener Bereich? 61
5.1.1.2 Einspruch von philosophischer Seite gegen die Auffassung, es gebe nur eine legitime Form von Sexualität 66
5.1.2 Beobachtungen zur philosophisch-ethischen Diskussion um Sexualität und gekauften Sex 69
5.1.2.1 ,Postmoderne Sexualität' 70
5.1.2.2 Postmodernes Porträt von Mensch und Gesellschaft71
5.1.2.3 Konsequenzen aus der ,Grundsatzdebatte' um die Legitimität sexueller Formen 72
5.2 Zur Bedeutung des Kaufs sexueller Dienstleistungen 75
5.2.1 Wer betätigt sich als Prostitutionskunde? 75
5.2.1.1 Wie viele Männer gehen zu Prostituierten? 75
5.2.1.2 Charakteristika von Prostitutionskunden 79
5.2.2 Motive für den Kauf sexueller Dienstleistungen 80
5.2.3 Prostitution als Ort der Reproduktion männlicher Heterosexualität 84
5.2.4 Männlicher Anspruch auf den Konsum von Sexualität 87
5.3 Leitbild,Sexualität in Beziehung' überholt? 89
5.3.1 Sexualität in einer festen Beziehung zu verorten, ist nicht .passe'90
5.3.1.1 Zur Realität gelebter Sexualität 90
5.3.1.2 Verortung der Sexualität in einer Liebesbeziehung als anerkannte Leitvorstellung 92
5.3.1.3 Warum das Leitbild ,Sexualität in Beziehung' sinnvoll ist 95
5.3.2 Sexualität in einer festen Beziehung 101
5.3.2.1 Stellenwert und Zufriedenheit mit der Sexualität in einer festen Beziehung 101
5.3.2.2 Wie lassen sich eine Beziehung und die Sexualität in ihr lebendig erhalten? 105
5.3.3 Ökonomisierung der Sexualität in der Prostitution als moralisch legitimer Lebensentwurf? 107
5.3.3.1 Akzeptabler „sexualisierter Lebensentwurf' (Domentat) für wen? 108
5.3.3.2 Andere Varianten einer Sinnbestimmung der Sexualität als ,ungebundene' 110
5.3.3.3 Diagnose: Streit der Menschenbilder 111
5.3.3.4 Wider ein eindimensionales und fragmentiertes Menschenbild 111
5.3.3.5 Dimensionen der Sexualität: auf das Individuum bezogen, relational und sozial 113
5.3.3.6 Wider eine eindimensionale Sinnbestimmung der Sexualität 114
5.3.3.7 Körperbild: ,Reizapparat' oder Leib? 116
5.3.3.8 Sexualität - ein Bereich lediglich minimaler Normierung? 120
5.3.3.9 Fazit: Zum Sinn der Sexualität 122
5.4 Zur Verfügungsmacht über den eigenen Körper 123
5.4.1 Zur Reichweite der autonomen Selbstverfügung 124
5.4.1.1 Bezug zum Körper im Sinn eines Eigentumsverhältnisses 124
5.4.1.2 Vergleich mit anderen Tätigkeiten 126
5.4. l .3 Worauf sich die Selbstverfügung bezieht - was die Prostitutionstätigkeit beinhaltet 129
5.4.2 Selbstbestimmung als Vermögen zur ,Selbstimmunisierung'? 133
5.4.2.1 Leibvermittelte Erfahrung 133
5.4.2.2 Einfluss auf die Selbstwahrnehmung 135
5.4.2.3 Selbstbestimmung als Vermögen zur ,Selbstimmunisierung'? - Ein Fazit 136
5.4.3 Selbstbestimmung als Akt der Emanzipation — in wessen Interesse? 137

6. PROSTITUTION - (K)EIN PROBLEM?! 143

6.1 Kein Job „erster Wahl", 144
6.2 Prostitution und Gewalt 146
6.2.1 Gewalterfahrungen 147
6.2.2 In Diskussion: Gewalt durch Prostitutionskunden 149
6.2.3 In Diskussion: Von Gewalt, sexuellem Missbrauch geprägte Herkunft? 151
6.3 Arbeits- undLebenssitHation153
6.3.1 In welcher Weise sozial eingebunden? 153
6.3.1.1 Soziale Einbindung in Familie und weiteren Kreisen 153
6.3.1.2 Reichweite der Unterstützung durch das soziale Umfeld 155
6.3.2 Zufriedenheit mit dem Job und Bewältigung der Arbeit 156
6.3.2.1 Allgemeine Hinweise 156
6.3.2.2 Zufriedenheit in Abhängigkeit von der ArbeitsSituation 157
6.3.2.3 Prostitutionstätigkeit als längerfristige Perspektive? 159
6.3.3 Gesundheit und Wohlbefinden 160
6.3.4 Stigmatisierung und Diskriminierung 163
6.3.4.1 Grundsätzliche Überlegungen 163
6.3.4.2 Beispiele erlebter/praktizierter Stigmatisierung und Diskriminierung 164
6.3.4.3 Folgen und Umgang mit der Stigmatisierung 166
6.4 Prostitution und Frauenhandelfö
6.4.1 Steigendes Problembewusstsein oder aufgebauschte Problematisierung? 168
6.4.2 Begriff und Ausmass des Frauen-/Menschenhandels 170
6.4.2.1 Zum Begriff 170
6.4.2.2 Zum Ausmass 173
6.4.3 Prostitutionsmigration 176
6.4.4 (Prostitutions-)Migration: Handeln unter erschwerten Bedingungen 178
6.4.4.1 Entscheid zu migrieren 178
6.4.4.2 Unterstützte Migration 179
6.4.4.3 Arbeit im informellen Sektor 180
6.5 Kinder- und Jugendprostitution 181
6.6 Prostitution- (K)ein Problem?! Ein Fazit 184

7. ÜBERLEGUNGEN ZUR PROSTITUTION AUS THEOLOGISCH-ETHISCHER PERSPEKTIVE 189
7.1 Zwischenbilanz 189
7.2 Überlegungen aus biblisch-theologischer Sicht 192
7.2.1 ,Von Gott geliebt zur Freiheit berufen' 192
7.2.2 Menschliche Sexualität: human und erfüllend — eine theologisch-ethische Sicht 195
7.2.2.1 Eine gute Schöpfung 195
l.2.2.2 Sinnbestimmung I: Unter dem Horizont der Liebe 198
7.2.2.3 Sinnbestimmung II: Verschiedene Sinngehalte umfassend 201
7.2.2.4 Keine Privatsache 209
7.2.3 Konsequenzen und weiterführende Überlegungen 211
7.2.3.1 Bewertung der Prostitution und Anliegen der gesellschaftlichen Integration 211
7.2.3.2 Unterscheidung zwischen Tat und ,Täter/Täterin'! 213
7.3 Zur Frage der Verantwortung 216
7.3.1 Ausgangslage: Unterschiedliche Situationen und Motivationen 216
7.3.2 Verantwortung konkretisiert 218
7.4 So^alethische Überlegungen und Grundsätze 221
7.4.1 Sozialethische Grundsätze 223
7.4.1.1 Grundsatz I: Gleiche Würde aller Menschen 223
7.4.1.2 Grundsatz II: Eine lebensförderliche Gesellschaft 224
7.4.1.3 Grundsatz III: Den Benachteiligten verpflichtet 226
7.4.1.4 Grundsatz IV: Partizipation ermöglichen 226
7.4.2 Verantwortete Gestaltung der Gesellschaft unter den Bedingungen des Pluralismus — ein Ausblick 228

DRITTER TEIL
LEITLINIEN FÜR EINE (SOZIAL-)ETHISCH VERANTWORTETE PROSTITUTIONSPOLITIK

8. RECHT UND MORAL IN EINER STRITTIGEN ANGELEGENHEIT 233

8.1 Recht im Dienst einer freiheitlichen Ordnung oder von ,Zucht und Ordnung? 234
8.2 Grenzen des Rechts und der Verrechtlichung 237
8.2.1 Zum Fundament von Recht und Rechtsstaat 237
8.2.2 Überlegungen zur Inanspruchnahme von Rechten und damit verbundenen Auswirkungen 239
8.2.3 Kein Schutz vor Selbstschädigung 241
8.3 Möglichkeiten der Gestaltung des Rechts 242
8.3.1 Grundsätzliche Überlegungen 242
8.3.2 Möglichkeiten rechtlicher Regelung der Prostitution 246
8.3.2.1 Zur UN-Konvention zur Unterdrückung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution von 1949 247
8.3.2.2 Abolitionismus 248
8.3.2.3 (Staatliche) Regulierung 251
8.3.2.4 Prohibition (Verbot) 254
8.3.2.5 Neo-Abolitionismus 256
8.3.3 Umstrittene rechtliche Regelung der Prostitution — ein Fazit 257
8.3.3.1 Kontroversen um staatlich zu gewährleistende Bedingungen der Freiheit 257
8.3.3.2 Herausforderungen für eine zu verantwortende Prostitutionspolitik 261

9. ERFAHRUNGEN MIT UNTERSCHIEDLICHEN PROSTITUTIONSPOLITIKEN 263

9.1 Abolitionistische und neo-abolitionistische Politik 263
9.1.1 Zum „Modell Schweden" 263
9.1.2 Widersprüchlichkeiten am Beispiel Frankreichs 265
9.2 Zur Politik der Regulierung 266
9.2.1 Beispiel Niederlande 266
9.2.2 Beispiel Deutschland 268
9.3 Erfahrungen mit „Verbotspolitik" 275
9.4 Fazit: Welche Prostitutionspolitik bewährt sich? 216

10. LEITLINIEN FÜR GESELLSCHAFT UND POLITIK 281

10.1 Grundlegend: gefragt ist ein differenziertes Verständnis der Anerkennung 282
10.1.1 Anerkennung der Prostitution ist nicht mit deren Wertschätzung gleichzusetzen 282
10.1.2 Anerkennung der Prostitution durch den Staat soll kein staatliches Gütesiegel verleihen, sondern hat verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden 284
10.2 Regelungsbedarf 285
10.2.1 Bessere Arbeitsbedingungen und soziale Sicherung 285
10.2.2 Staatliche Kontrolltätigkeit 287
10.2.3 Zulassung von Migrantinnen zum Arbeitsmarkt 287
10.2.4 Flankierende Massnahmen 288
10.2.5 Der Exklusion entgegenwirken 289
10.2.6 Sensibilisierung der Prostitutionskunden 290
10.3 Desiderate aus theologischer Perspektive 291

LITERATURVERZEICHNIS 293