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Politische »Klassiker« der Neuen Rechten Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik
Politische »Klassiker« der Neuen Rechten
Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik




Armin Pfahl-Traughber

Dietz Verlag
EAN: 9783801206789 (ISBN: 3-8012-0678-5)
208 Seiten, paperback, 14 x 21cm, Oktober, 2025

EUR 20,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Einflussreiche antidemokratische Denker gab es bereits in der Weimarer Republik. Dazu gehörten Edgar Julius Jung und Ernst Jünger, Arthur Moeller van den Bruck und Ernst Niekisch, Carl Schmitt und Oswald Spengler. Trotz mancher ideologischer Differenzen - agitiert gegen die liberale Demokratie haben sie alle. Aufklärung und Individualität, Menschenrechte und Pluralismus lehnte man mit großer Wortgewalt ab. Auch heute noch gibt es Anhänger dieser "Klassiker", insbesondere bei den intellektuellen Rechtsextremisten der Neuen Rechten. Blickt man auf die Autoren, offenbaren sich antidemokratische Gesinnungen, frei nach dem Motto: "Sage mir, auf wen Du dich berufst und ich sage Dir, wo Du stehst."

Auch auf die AfD wirken die erwähnten »Klassiker« und finden dort ideologische und politische Zustimmung. Ihr autoritäres Gedankengut kann so auch hundert Jahre später noch seine antidemokratische Relevanz entfalten. Man sollte daher diese ideologischen Auffassungen kennen und sie einer kritischen Reflexion unterziehen.

Armin Pfahl-Traughber, geb. 1963, Prof. Dr. phil., Politikwissenschaftler und Soziologe, ist hauptamtlich Lehrender an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl und Lehrbeauftragter an der Universität Bonn. Er gibt das 'Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung' heraus. Zuletzt bei Dietz erschienen: 'Intellektuelle Rechtsextremisten. Das Gefahrenpotential der Neuen Rechten' (2022).
Rezension
Rechtspopulistische Bewegungen und Parteien sind weltweit auf dem Vormarsch. Von Washington über Buenos Aires und Rom nach Den Haag: Der Rechtspopulismus steht nicht mehr am Rande, sondern ist mittlerweile auch in den Machtzentralen der westlichen Welt angekommen. Die "Neue Rechte" ist auch in der westlichen Welt von Europa bis USA auf dem Vormarsch; die Demokratie wird in Frage gestellt, Populismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben allerorten Konjunktur. Grundiert wird dieser populistische Rechtsextremismus nicht selten mit politischen Theorien, die schon in der Weimarer Republik antidemokratisch agitierten: Ernst Jünger, Carl Schmitt oder Oswald Spengler, - um nur einige wenigee bekanntere Namen zu nennen. Trotz mancher ideologischer Differenzen - agitiert gegen die liberale Demokratie haben sie alle. Aufklärung und Individualität, Menschenrechte und Pluralismus lehnte man mit großer Wortgewalt ab. Auch heute noch gibt es Anhänger dieser "Klassiker", insbesondere bei den intellektuellen Rechtsextremisten der Neuen Rechten.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9

1 Einleitung und Erkenntnisinteresse 11

1.1 »Klassiker« der Neuen Rechten als Thema 11
1.2 Erkenntnisinteresse der Porträts 13
1.3 Definition von moderner Demokratie 14
1.4 Ausdifferenzierung zweier Demokratiemodelle 16
1.5 Auswahl der Porträtierten 18
1.6 Erläuterungen zur inhaltlichen Struktur 20
1.7 Der Begriff »Konservative Revolution« und seine Kritik 21
1.8 Mangelnde Trennschärfe einer breiten Typologie 23
1.9 Einwände aus der Forschung zur Sammelbezeichnung 25
1.10 »Jungkonservative« als »Konservative Revolution« 27

2 Arthur Moeller van den Bruck 29

2.1 Biografisch-politische Angaben 29
2.2 Frühe Grundpositionen gegen die Republik 31
2.3 Begründung eines Jungkonservatismus 32
2.4 Ablehnung moderner Demokratie 34
2.5 Feindbild des politischen Liberalismus 36
2.6 Auffassungen vom »dritten Reich« 37
2.7 Ostorientierung gegen den Westen 39
2.8 Plädoyer für ein konservatives Sozialismusverständnis 41
2.9 Politisches Engagement als Organisator 43
2.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 44

3 Oswald Spengler 47

3.1 Biografisch-politische Angaben 47
3.2 Lebensphilosophie und Polarisierung 48
3.3 Ausrichtung gegen politischen Liberalismus 50
3.4 Bejahung gemeinschaftlicher Ordnungsmodelle 52
3.5 Erwartung einer »cäsaristischen Herrschaft« 54
3.6 Politisches Engagement im Hintergrund 55
3.7 Elemente einer anvisierten Systemalternative 57
3.8 Bedeutung von »Nation« und »Rasse« 59
3.9 Einforderung eines »deutschen Sozialismus« 60
3.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 62

4 Carl Schmitt 65

4.1 Biografisch-politische Angaben 65
4.2 Dezisionismus als Diktaturlegitimation 66
4.3 Bekenntnis zur identitären Demokratie 68
4.4 Delegitimierung von praktischer Demokratie 70
4.5 Demokratie als Diktatur 71
4.6 Feindfi xierungen und Homogenitätsideale 73
4.7 Politisches Engagement in der Weimarer Republik 75
4.8 Politisches Engagement im »Dritten Reich« 77
4.9 Entwicklung eines »Großraum«-Konzepts 79
4.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 80

5 Edgar Julius Jung 83

5.1 Biografisch-politische Angaben 83
5.2 »Konservative Revolution« im Selbstverständnis 84
5.3 Ablehnung des Individualismus 86
5.4 Feindbild des politischen Liberalismus 88
5.5 Biologische Elite gegen demokratischen Pluralismus 89
5.6 Defi nition der Deutschen als homogene Gemeinschaft 91
5.7 »Organischer Staat« als eingeforderte Systemalternative 93
5.8 Politisches Engagement 95
5.9 Intellektuelle und Nationalsozialismus 96
5.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 98

6 Ernst Niekisch 101

6.1 Biografisch-politische Angaben 101
6.2 Ablehnung des »inneren Westens« 102
6.3 Antiindividualismus und Kollektivismus 104
6.4 Ideologische Orientierung nach Osten 106
6.5 Einzelne Konturen der Systemalternative 108
6.6 Auffassung vom »preußischen Sozialismus« 109
6.7 Von »Mitteleuropa« zum »Weltreich« 111
6.8 Politisches Engagement 113
6.9 Ablehnung von Hitler 115
6.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 116

7 Ernst Jünger 119

7.1 Biografisch-politische Angaben 119
7.2 Ablehnung von Aufklärung und Rationalismus 120
7.3 Bezüge auf Leben und Schicksal 122
7.4 Frontstellung gegen Liberalismus und Republik 124
7.5 Bejahung und Einforderung des Nationalismus 126
7.6 Grundmerkmale eines »neuen Nationalismus« 128
7.7 Diktatur und Führerkult als Option 129
7.8 Erwartung einer totalitären Zukunftsgesellschaft 131
7.9 Politisches Engagement als Publizist 133
7.10 Einstellung zum Nationalsozialismus 135

8 Fernwirkungen bis in die Gegenwart 137

8.1 Allgemeine Aspekte intellektueller Fernwirkungen 137
8.2 Neue Bücher von Jünger 138
8.3 Fortexistenz einer Schmitt-Schule 140
8.4 Kuriosität eines »Liberal-Schmittianismus« 142
8.5 Kuriosität eines »Links-Schmittianismus« 144
8.6 Gesellschaften zu den »Klassikern« 146
8.7 AfD-Bezüge auf die »Klassiker« 148
8.8 Russische Bezüge auf Schmitt und Spengler 150
8.9 Bezüge in China auf Schmitt 152
8.10 »Marktradikalismus« und »Schmittianismus« 154

9 Einflüsse auf die Neue Rechte 157

9.1 Begründung von »Konservative Revolution« 157
9.2 Bezüge für die französische Neue Rechte 158
9.3 Bezüge im deutschen Neokonservatismus 160
9.4 Bezüge in nationalrevolutionären Gruppen 162
9.5 Bezüge in der früheren »Jungen Freiheit« 165
9.6 Bezüge in der heutigen »Jungen Freiheit« 166
9.7 Bezüge durch das »Institut für Staatspolitik« 168
9.8 Interessen bei der Rezeption 170
9.9 Ausblendung als Rezeptionsform 172
9.10 Idealisierung als Rezeptionsform 173

10 Vergleich und Zusammenfassung 177

10.1 Auseinandersetzung mit Einwänden 177
10.2 Ablehnung der Demokratie als Konsens 178
10.3 Beschaffenheit der angestrebten Gesellschaft 180
10.4 Optionen für den angestrebten Staat 182
10.5 Berufung auf einen »nationalen« Sozialismus 183
10.6 Einstellung zum Nationalsozialismus 185
10.7 Gemeinsamkeiten mit dem Nationalsozialismus 186
10.8 Konfl iktpotenziale mit dem Nationalsozialismus 188
10.9 Gesamtbewertung des Verhältnisses 190
10.10 Politische »Klassiker« für die Neue Rechte 191

Nachwort 195

Literatur 197
Über den Autor 205