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Parentifizierung im Erwachsenenalter
Erkennen, verstehen und therapeutisch begleiten
Kirsten von Sydow
Klett-Cotta
EAN: 9783608980851 (ISBN: 3-608-98085-7)
256 Seiten, paperback, 16 x 23cm, April, 2026
EUR 39,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Verantwortung, die zu früh kam
Fokus auf Belastungen, Traumata und Ressourcen im Mehrgenerationenkontext
Aufzeigen von therapeutischen Schritten und Hilfsmöglichkeiten
Praxisnah mit klinischen und literarischen Fallbeispielen
Nicht wenige erwachsene Patient:innen fühlen sich für andere verantwortlich und laden sich selbst viel auf, was zu psychischen und somatischen Problemen führen kann. Oft haben sie als Kinder Verantwortung und altersunangemessene Rollen übernommen. Mögliche Langzeitfolgen sind u. a. chronische Überforderung, schwaches Selbstwertgefühl, Identitätsprobleme, Depressionen und problematische Beziehungen. Auch unter Psychotherapeut:innen und in anderen Sozial- und Gesundheitsberufen tritt das Phänomen mitunter auf.
Das Buch gibt einen Überblick über das Phänomen Parentifizierung, seine unterschiedlichen Formen, Auswirkungen und Kontexte. Es fasst den Forschungsstand zusammen, beschreibt die Entwicklungsgeschichte und die besonderen Ressourcen dieser Patient:innen und hilft, sie zu erkennen, besser zu verstehen und dabei zu unterstützen, problematische Muster der Selbst- und der Beziehungsregulation wahrzunehmen und zu verändern.
Kirsten von Sydow, Prof. Dr. phil., forscht und lehrt als Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Schwerpunkt Systemische Therapie, an der MSH Medical School Hamburg. Sie ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP), arbeitet in eigener Praxis in Hamburg sowie in der Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeut:innen.
Rezension
Parentifizierung oder Parentifikation leitet sich etymologisch von den lateinischen Begriffen parentes „Eltern“ und facere „machen“ ab. und meint als Begriff aus der Familientherapie und Bindungsforschung den Sachverhalt einer Umkehr der sozialen Rollen zwischen Eltern(teilen) und ihrem Kind: Eine Parentifizierung in diesem Sinne findet statt, wenn sich das Kind aufgefordert und/oder verpflichtet fühlt, seinerseits die nicht-kindgerechte, überfordernde und seine weitere Entwicklung hemmende Eltern-Funktion gegenüber Eltern(teilen) wahrzunehmen. Die elterliche Bezugsperson erwartet, daß das Kind ihm als verlässliches Bindungsobjekt zur Verfügung steht. Die strukturelle Familientherapie begreift eine solche umgekehrt-verzerrte Familienstruktur als schädigend; denn nicht wenige Erwachsene fühlen sich für andere verantwortlich und laden sich selbst viel auf, Oft haben sie als Kinder Verantwortung und altersunangemessene Rollen übernommen. Mögliche Langzeitfolgen sind u. a. chronische Überforderung, schwaches Selbstwertgefühl, Identitätsprobleme, Depressionen und problematische Beziehungen. Das Buch gibt einen Überblick über das Phänomen Parentifizierung und hilft, Parentifizierung zu erkennen, zu verstehen und dabei zu unterstützen, problematische Muster der Selbst- und der Beziehungsregulation wahrzunehmen und zu verändern.
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Bindungsforschung
Bindungspsychotherapie
Das Selbst
das Ich
Identität und Persönlichkeit
Eltern-Kind-Beziehung
Entwicklungspsychologie
familiäre Beziehungen
familiäre Konflikte
Familiengeschichte
Kindesvernachlässigung
Klett-Cotta Psychotherapie
Parentifizierung
Psychoanalyse
Psychologie
Psychotherapie
Psychotraumatologie
Selbstregulation
Selbstwertgefühl
Traumatherapie
Umgang mit PTSD und anderen psychologischen Traumata
Vernachlässigung
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 13
2 Theoriegeschichte und Begriffsklärung des Konzepts »Parentifizierung« 20
2.1 Theoriegeschichte des Konzepts »Parentifizierung« 21
2.1.1 Erste psychoanalytische Beschreibungen des Phänomens 21
2.1.2 Erste familientherapeutisch-systemische Beschreibungen 22
2.1.3 Buchpublikationen zur Parentifizierung 25
2.2 Begriffsklärung und Definitionen von »Parentifizierung« und verwandten Konzepten 26
2.2.1 Parentifizierung: Definition und Begriffsklärung 27
2.2.2 Emotionale vs. instrumentelle Parentifizierung 29
2.2.3 Differenzierung nach der übernommenen Rolle: Eltern-, geschwister- oder partner-fokussierte Parentifizierung 30
2.2.4 Parentifizierung als »pathogener/destruktiver« oder »adaptiver« Prozess 30
2.2.5 Parentifizierung als bewusster und/oder unbewusster/implizit gelernter Prozess, der mehr oder weniger stark internalisiert wird 31
2.2.6 Parentifizierung als Resultat aktiven elterlichen Handelns oder als etwas, das in überlasteten Familien unabsichtlich passiert 32
2.2.7 Sozialer Kontext und Ethik sowie weitere der »Parentifizierung« verwandte Konzepte 33
3 Theoretische Grundlagen: Familiäre Beziehungsmuster und intrapsychische Muster 35
3.1 Systemische Bindungstheorie 36
3.2 Relevante bindungstheoretische Aspekte 40
3.2.1 Kinder entwickeln sich in die vorhandene »ökologische Nische« hinein 40
3.2.2 Beziehungserfahrungen werden verinnerlicht 42
3.2.3 Auswirkungen von Bindungstraumata 44
3.2.4 Fürsorgliche Kinder und »Boss«-Kinder - Anpassungsleistungen an extreme Bedingungen (desorganisierte Bindungsmuster) 45
3.2.5 Transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern/-traumata 48
3.2.6 Mentalisieren und epistemisches Vertrauen im familiären Kontext 49
3.3 Relevante Aspekte der Familiensystemtheorie 51
3.3.1 Grenzen (Minuchin): Nähe/Distanz und Hierarchie 51
3.3.2 »Unsichtbare Bindungen« (Boszormenyi-Nagy & Spark) 54
3.3.3 Verschmelzung und Differenzierung (Bowen) 55
3.3.4 Delegation (Stierlin) 56
3.3.5 Elterliches Entfremdungs-Syndrom (»Parental Alienation Syndrome«) 57
3.3.6 Familiengeheimnisse 57
3.4 Psychotraumatologische Familienpsychologie 58
3.4.1 Auswirkungen von Bindungstraumata auf die individuelle Entwicklung58
3.4.2 Transgenerationale Auswirkungen von Traumata auf Folgegenerationen 60
3.4.3 Geschwisterbeziehungen in traumatisierten Familien 65
4 Empirische Forschung zur Parentifizierung 69
4.1 Standardisierte Instrumente zur Erhebung von Parentifizierung 70
4.1.1 Englisch- und deutschsprachige Fragebögen 70
4.1.2 Interviewbasierte Fremdratingverfahren für Erwachsene 75
4.2 Epidemiologie von Parentifizierung 76
4.3 Risiko- und Schutzfaktoren für Parentifizierung 77
4.3.1 Familiäre und partnerschaftliche Probleme 78
4.3.2 Geschlecht und Geschwisterkonstellation 79
4.3.3 Kultur und Migration 81
4.3.4 Soziale Unterstützung und wahrgenommene Fairness 82
4.4 Zusammenhänge zwischen Parentifizierung und spezifischen Outcomes 82
4.4.1 Psychische und somatische Gesundheit 82
4.4.2 Psychosoziale Lage, Bildung und Beruf 84
4.4.3 Ressourcen und persönliches Wachstum 84
4.5 Mediatoren für den Effekt von Parentifizierung auf andere Outcomes 84
4.6 Befunde aus Längsschnittstudien 85
4.6.1 Zentrale Ergebnisse der Längsschnittstudien 85
4.6.2 Längsschnittbefunde zur transgenerationalen Transmission 87
4.7 Fazit 88
5 Selbstberichte und klinische Beschreibungen der Eigenheiten (ehemals) parentifizierter Kinder als Erwachsene 90
5.1 Klinische Beschreibungen der Eigenheiten Betroffener 91
5.1.1 »Ungeheure Antennen«: Hohe Sensibilität und unablässige Wachsamkeit 95
5.1.2 Hohe Verantwortlichkeit und Fürsorglichkeit für andere 97
5.1.3 Geringe Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge, »Selbstverlust« 98
5.1.4 Probleme, sich abzugrenzen, »Verstrickung« und »Verschmelzung« 99
5.1.5 Aggressionshemmung, latente und manifeste Wut 100
5.1.6 Resilienz und Standfestigkeit in Krisensituationen 101
5.2 Probleme bei der Diagnostik 102
5.2.1 Implizite Muster sind nicht immer bewusst 102
5.2.2 Loyalität, Geheimnisse, Schweigegebote und Angst 103
5.2.3 Was ist ein Problem, was ist eine Ressource?! 106
5.3 Das Beziehungs-/Familien- und Berufsleben erwachsener Betroffener 107
5.3.1 Partnerschaften und Freundschaften 107
5.3.2 Geschwisterbeziehungen 108
5.3.3 Berufsleben: Heil- und Sozialberufe 109
5.4 Fazit 110
6 Spezifische Risikogruppen für Parentifizierung: Traumatisierte Eltern(teile) und ihre Kinder 111
6.1 Auswirkungen von Politik und Zeitgeschichte 112
6.1.1 Kriegskinder und ihre Nachkommen: Flucht, Vertreibung, Migration 112
6.1.2 Holocaust-Opfer und ihre Nachkommen 115
6.2 Kinder psychisch kranker Eltern 120
6.2.1 Kinder suchtkranker Eltern 124
6.2.2 Kinder depressiver Eltern 127
6.2.3 Kinder aus hochstrittigen und gewaltbelasteten Partnerschaften 129
6.3 Kinder somatisch/dementiell schwer erkrankter Eltern 131
6.4 Fazit 134
7 Psychotherapie mit ehemals parentifizierten Erwachsenen (und ihren Angehörigen) 135
7.1 Grundorientierung und therapeutische Beziehung: Traumasensibel, bindungs- und mentalisierungsorientiert 136
7.2 Therapieeingangsphase: Diagnostik, Therapieziele, Therapieplanung 140
7.2.1 Diagnostik 140
7.2.2 Psychoedukation 142
7.2.3 Gemeinsam entwickelte Therapieziele 143
7.2.4 Indikationen und Kontraindikationen 144
7.2.5 Welches Therapieverfahren? 144
7.3 Setting-Optionen 144
7.3.1 Welche(s) Setting(s)? (Einzel- vs. Mehrpersonensetting/Einbeziehung von Bezugspersonen; Gruppensetting) 145
7.3.2 Auseinandersetzung mit den Eltern - in sensu und/oder in vivo? 146
7.4 Grundlegende Interventionen 148
7.4.1 Gefühls-, Beziehungs- und Bindungsmuster erkennen und verändern 148
7.4.2 Familiengeschichte und transgenerationale Muster erkunden 150
7.4.3 Arbeit mit inneren Anteilen bzw. der »inneren Familie« 152
7.4.4 Differenzierungsorientierte Interventionen 154
7.5 Einzeltherapie: »Coaching« von parentifizierten Erwachsenen hinsichtlich des Umgangs mit ihren Eltern 156
7.6 Arbeit im Mehrpersonensetting bzw. Einbeziehung von Bezugspersonen 159
7.6.1 Erwachsene Patient:innen und ihre Eltern 160
7.6.2 Erwachsene Patient:innen und ihre Partner:innen 162
7.6.3 Erwachsene Patient:innen und ihre Kinder 165
7.7 CAVE: Was man als Therapeut:in nicht tun oder sagen sollte 169
8 Selbsthilfe und ergänzende praktische Hilfen für Klient:innen - Wege der Heilung 172
8.1 Grenzen: »A room of one's own« und »Me-Time«
8.2 Selbstregulation und Selbstmitgefühl: Atmen, Meditation, Yoga, Bewegung 174
8.3 Kreativität: Musik, Tanz, Theater, Schreiben, Malen und Humor 175
8.4 Selbsthilfe-Gruppen und Internet-Foren 176
8.5 Traumaheilende berufliche Arbeit 178
9 Wie können Kinder vor einem belastenden »Erbe« geschützt werden? 179
9.1 Präventions- und Interventionsangebote für Kinder von Risiko-Eltern 179
9.1.1 Kinder psychisch kranker Eltern 180
9.1.2 Kinder suchtkranker Eltern 181
9.1.3 Kinder somatisch kranker Eltern 182
9.2 Strukturelle und politische Maßnahmen 182
9.3 »Kinder im Blick« - in der Bevölkerung, der Psychotherapie und der Medizin 183
10 Therapeutische Fallgeschichten 185
10.1 Frau A .: »Mein Bruder und ich haben immer versucht, eine Wiedergutmachung zu leisten, dafür, dass wir da sind« 186
10.2 Frau C .: »Ich habe mich von meiner Kindheit erholt!«
11 Diskussion und Ausblick 201
ANHANG 213
12 Literatur 215
13 Fragebögen und Messinstrumente 235
13.1 Parentification Inventory (PI) (Hooper, 2009) 236
13.2 Parentifizierungsfragebogen, orientiert an der Filial Responsibility Scale (FRS) (Wendt, Beckh & Walper, 2005) 238
13.3 Parentification Questionnaire (PQ) und Parentification Scale (PS) - Selektion Deutsch (Titzmann, 2012) 239
13.4 Fragebogen zur Erfassung der Parentifizierung/Parentifizierungsinventar (Ohntrup, Pollak, Plaß & Wiegand-Grefe, 2011; Hausser, 2013) 241
13.5 Adverse Childhood Experiences (ACE) Questionnaire, deutsche Version
13.6 Childhood Trauma Questionnaire (CTQ), deutsche Version (Schäfer et al., 2009) 243
13.7 International Trauma Questionnaire (ITQ), deutsche Version, Übersetzung: Lueger-Schuster, Knefel & Maercker (2015/2018/2021) 246
14 Verzeichnis: Abbildungen, Tabellen, Übung 247
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