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Nostromo
Joseph Conrad
Manesse Verlag
EAN: 9783717525738 (ISBN: 3-7175-2573-5)
560 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, Juni, 2024
EUR 38,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Im späten 19. Jahrhundert ist das südamerikanische Costaguana zerrissen von politischen Konflikten in- und ausländischer Mächte. Zwangsherrschaften, Putsche, Revolutionen wechseln einander ab: Doch egal, welche Clique gerade die Oberhand hat, am grundlegenden System von Unterdrückung und Ausbeutung ändert sich nichts. Der titelgebende Held des Romans, Nostromo, eigentlich Giovanni Battista Fizanda, Exil-Italiener, einer aus dem Volk, Kraftnatur und Tatmensch, «ein Mann von Charakter» (Joseph Conrad über seinen Helden), ist einer jener nützlichen Idioten, der sich von den Herrschenden instrumentalisieren lässt.
Ein Meisterwerk der Moderne von frappierender Aktualität, zum 100. Todestag Joseph Conrads neu übersetzt, mustergültig kommentiert und mit einem Nachwort von Robert Menasse
Rezension
Der polnisch-englische Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924) erlangte Bekanntheit u.a. durch Romane wie ”Almayers Wahn”(1895), ”Lord Jim”(1900), ”Der Geheimagent”(1907), ”Spiel des Zufalls”(1913), ”Der Freibeuter”(1923) und durch seine Erzählungen ”Jugend”(1902), ”Taifun”(1902) und ”Der heimliche Teilhaber”(1910). Werksgeschichtlich gilt sein 1904 auf Englisch erschienener Roman ”Nostromo, A Tale of the Seaboard”, zuerst publiziert in Fortsetzungen in der Zeitschrift ”T.P`s Weekly”, als Wendepunkt zwischen seiner frühen Prosa und seinem späteren Werk, finden sich doch in dem Roman zahlreiche Motive, welche von Conrad in seinen weiteren Arbeiten aufgegriffen werden. Außerdem wird von dem Schriftsteller in ”Nostromo” das Aufbrechen der tradionellen Romanform erprobt durch das Zersplittern von Erzählzusammenhängen, einzelnen Szenen und Perspektiven. In dem Werk gibt es keine Hauptfigur, mit der sich Leser:innen identifizieren könnten.
Thematisch geht es in dem Roman um Fragen des guten Lebens, antithetisch verkörpert durch Gian’ Barrista Fidanze, genannt ”Nostromo”, übersetzt ”unser Mann”, und durch den Jounalisten und Skeptiker Martin Decoud. Deren Geschichte siedelt Conrad in der fiktiven Hafenstadt Sulaco in der ebenfalls fiktiven Republik Costaguana an, wo Charles Gould, welche die Konzession über eine Silbermine besitzt, als Wirtschaftsboss unter einem Diktator herrscht. Bei einer Revolution will Gould die im Hafen liegende Bootsladung mit Silberbarren vor der Inbesitznahme durch die Aufständischen schützen. Den Auftrag dazu erhält der Genueser Nostromo, sein Begleiter ist der Skeptiker Decoud. Das Unterfangen gelingt Nostromo und er versteckt den Silberbarren auf einer einsamen Insel. Der weitere Verlauf des Romans sei hier nicht verraten.
Deutsche Übersetzungen von Conrads Meisterwerk, das die moralische Korruptheit der Akteure des Kolonialismus schonungslos aufdeckt, erschienen 1927, 1967 und 1982. 2024 erfolgte eine hervorragende Neuübersetzung von Julian Haefs und Gisbert Haefs, welche in einer bibliophilen Ausgabe mit Lesebändchen im Manesse Verlag publiziert wurde. Zurecht wird in der Edition, die versehen ist mit einem Nachwort von Robert Menasse, das Vorwort Conrads ans Ende gestellt. Hilfreich für die Lektüre des vielschichtigen Romans sind die Anmerkungen und das Glossar spanischer Begriffe. Conrads Werk kann als ein historischer, psychologischer und zugleich sozialphilosophischer Roman angesehen werden. Lehrkräfte des Faches Englisch werden durch die vorliegende Edition motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit Erzählungen, Romanen oder Romanauszügen des bekannten Schriftstellers auseinanderzusetzen.
Fazit: Die Neuübersetzung von Joseph Conrads Roman ”Nostromo” in der vorliegenden - auch ästhetisch ansprechenden - Ausgabe kann allen an englischer Literatur und insbesondere an Kolonialismuskritik Interessierten nur zur Lektüre empfohlen werden.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Ein Meisterwerk der Moderne von frappierender Aktualität, zum 100. Todestag Joseph Conrads neu übersetzt, mustergültig kommentiert und mit einem Nachwort von Robert Menasse
Im späten 19. Jahrhundert ist das südamerikanische Costaguana zerrissen von politischen Konflikten in- und ausländischer Mächte. Zwangsherrschaften, Putsche, Revolutionen wechseln einander ab: Doch egal, welche Clique gerade die Oberhand hat, am grundlegenden System von Unterdrückung und Ausbeutung ändert sich nichts. Der titelgebende Held des Romans, Nostromo, eigentlich Giovanni Battista Fizanda, Exil-Italiener, einer aus dem Volk, Kraftnatur und Tatmensch, «ein Mann von Charakter» (Joseph Conrad über seinen Helden), ist einer jener nützlichen Idioten, der sich von den Herrschenden instrumentalisieren lässt.
In einem seiner politischsten Romane, angesiedelt in einer fiktiven Bananenrepublik, zeigt der Modernist Conrad, wie Profitgier und Machtwille einiger weniger ein Land zugrunde richten. In der Hauptfigur Nostromo wird auf faszinierend exemplarische Weise vorgeführt, dass der Einzelne in einem korrupten, ausbeuterischen System auf verlorenem Posten steht. Faszinierend modern ist an «Nostromo» nicht nur die Thematik von Machtmissbrauch und politischer Willkür, sondern auch die multiperspektivische Erzählweise, die Leserinnen und Leser zwingt, Identifikation und Parteinahme für die handelnden Figuren permanent zu hinterfragen.
«In seiner Mischung von Liebe und Verachtung für das Leben und in der wirren Überzeugung, verraten worden zu sein, verraten zu sterben, ohne zu wissen, von was oder von wem, ist er immer noch einer aus dem Volk, ihr unbestrittener Großer Mann – mit einer eigenen privaten Geschichte», so charakterisiert Joseph Conrad seinen Helden im Vorwort zum Roman.
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