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Menschenw├╝rde und Menschenrechte ├ťber die Verletzbarkeit und den Schutz der Menschen
Menschenw├╝rde und Menschenrechte
├ťber die Verletzbarkeit und den Schutz der Menschen




Hans J. Sandkühler

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495486498 (ISBN: 3-495-48649-6)
352 Seiten, hardcover, 14 x 21cm, 2014

EUR 39,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
┬╗Die W├╝rde des Menschen ist unantastbar.┬ź Dieser Satz ist ein unbedingt bindender Rechtssatz und die Grundnorm f├╝r die nachfolgenden Grundrechte, mit denen die W├╝rdegarantie nicht abw├Ągbar ist. Die W├╝rdenorm gilt aufgrund nationaler Verfassungen und transnationaler Rechtsinstitute wie der EU-Grundrechte-Charta und des internationalen Menschenrechte-Rechts absolut und universell. Dass die menschliche W├╝rde t├Ąglich verletzt wird, mindert die Geltung der Norm nicht. Gleichwohl gibt es dar├╝ber, ob die Menschenw├╝rde ┬╗unantastbar┬ź ist, heftige Auseinandersetzungen. In den im ersten Teil des Buches er├Ârterten Kontroversen wird oft eingewandt, der Begriff werde inflation├Ąr missbraucht, ja es gebe eine ┬╗Tyrannei der W├╝rde┬ź. Wer die W├╝rdenorm aus verfassungsrechtlicher Unkenntnis relativieren wolle, trage zur Entrechtlichung der Anspr├╝che auf Achtung und Schutz bei.

Im historischen zweiten Teil dieses Buches warnt Hans J├Ârg Sandk├╝hler vor der Fiktion, der moderne Rechtsbegriff der W├╝rde sei aus einer bruchlosen zweitausendj├Ąhrigen Geschichte zu begr├╝nden. Vielmehr haben interessengeleitete ideengeschichtliche Rekonstruktionen die Menschenw├╝rde als Konzept der Stoa, der Renaissance, der Aufkl├Ąrung oder als christliches Konzept ausgewiesen. Die tats├Ąchlichen Quellen der Menschenw├╝rdegarantie moderner Verfassungen sind die Unrechtserfahrungen des 20. Jahrhunderts. Die von der ┬╗Allgemeinen Erkl├Ąrung der Menschenrechte┬ź gepr├Ągte W├╝rdenorm ist - so das Ergebnis des dritten Teils des Buches - ein Gegenprogramm zur totalit├Ąren Missachtung des Individuums: eine Revolution der Rechtskultur, die es zu verteidigen gilt.

Hans J├Ârg Sandk├╝hler, Jahrgang 1940, hat nach dem Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaften 1967 promoviert und sich 1970 habilitiert. 1971 wurde er Professor f├╝r Philosophie in Gie├čen, 1974 in Bremen. 2003 ├╝bernahm er die Leitung der Deutschen Abteilung Menschenrechte und Kulturen des europ├Ąischen UNESCO-Lehrstuhls f├╝r Philosophie/Paris an der Universit├Ąt Bremen, die er auch nach seiner Emeritierung 2005 aus├╝bt.
Rezension
F├╝r uns und unser Grundgesetz ist die Menschenw├╝rde unantastbar, - de facto aber wird sie vielf├Ąltig "angetastet" und dar├╝ber, ob die Menschenw├╝rde "unantastbar" ist, gibt es (weltweit) heftige Auseinandersetzungen; denn die Menschenrechte werden keineswegs ├╝berall auf der Welt akzeptiert. "W├╝rde" ist ein dynamischer Begriff. Was unter der menschlichen W├╝rde und ihrer Unantastbarkeit verstanden wurde und wird, ist jeweils im historischen Raum und in der geschichtlichen Zeit verortet. Die Menschenrechte und die Menschenw├╝rde wurden interessengeleitet ideengeschichtlich u.a. in der Stoa, der Renaissance, der Aufkl├Ąrung und im Chrsitentum ausgebracht. Die Menschenw├╝rdegarantie moderner Verfassungen und die "Allgemeine Erkl├Ąrung der Menschenrechte" sind wesentlich den Unrechtserfahrungen des 20. Jahrhunderts geschuldet und bilden ein Gegenprogramm zur totalit├Ąren Missachtung des Individuums, - ein Programm, das keineswegs selbstverst├Ąndlich ist und das es zu verteidigen gilt.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung 9

Teil I
Der Begriff der Menschenw├╝rde


1. ÔÇ║Menschenw├╝rdeÔÇ╣ als dynamischer Begriff 17

1.1 Historische Erinnerungen an den W├╝rdebegriff 22
1.2 Historiografie als Problem 25

2. Kontroversen ├╝ber den Begriff ÔÇ║Menschenw├╝rdeÔÇ╣ 28

2.1 Bedeutungszuschreibungen 28
2.2 Kritik am ÔÇ║inflation├Ąren GebrauchÔÇ╣ und an der ÔÇ║VagheitÔÇ╣ des W├╝rdebegriffs 35
2.3 Menschenw├╝rde als Postulat der praktischen Vernunft 45

Teil II
Paradigmata in der Geschichte des W├╝rdebegriffs


1. Antike und mittelalterliche W├╝rdebegriffe 53

1.1 Cicero: Tugend, Rang und W├╝rde 53
1.2 Gottesebenbildlichkeit als Grund von W├╝rde 58

2. ÔÇ║Dignitas hominisÔÇ╣ in der Renaissance 67

2.1 Giannozo Manettis ÔÇ║De dignitate et excellentia hominisÔÇ╣ 71
2.2 Giovanni Pico della Mirandola und seine ÔÇ║Oratio de hominis dignitateÔÇ╣ 76
2.3 Die Reformation als Gegenbewegung 84

3. Skeptische Kritik an der ├ťbersch├Ątzung des Menschen: Montaignes ÔÇ║EssaisÔÇ╣ und Pascals ÔÇ║Pens├ęesÔÇ╣ 93

4. Wege zu Aufkl├Ąrung, Revolutionen und Menschenrechten: ÔÇ║Menschenw├╝rdeÔÇ╣ in Naturrechtstheorien und als Begriff der Rechts- und Politiktheorie im 18. Jahrhundert 97

4.1 Samuel Freiherr von Pufendorfs Naturrechtstheorie 97
4.2 Menschenw├╝rde und die ÔÇ║Rights of ManÔÇ╣ 99

5. Philosophien der Menschenw├╝rde: Von Hume zu Kant und zum Deutschen Idealismus 106

5.1 Kant: W├╝rde als unbedingter, unvergleichbarer Wert 108
5.2 Fichte: Selbstachtung, Anerkennung und W├╝rde 116
5.3 Hegel: W├╝rde und Recht 121
5.4 ÔÇ║W├╝rdeÔÇ╣ in der Entwicklung nach Hegel: Vom Vorm├Ąrz bis zu Proudhon 127
5.5 Zwei W├╝rde-Kritiken: Marx und Nietzsche 32
5.6 Karl Kraus: ÔÇ║W├╝rde ist die konditionale Form von dem, was einer istÔÇ╣ 138

Teil III
Menschenw├╝rde als Rechtsbegriff


1. Unrechtserfahrung ÔÇô die Quelle der Menschenw├╝rdegarantie 145

2. Staat, V├Âlkerrecht und Menschenw├╝rde 166

3. Menschenw├╝rde in Verfassungen 177

3.1 Verfassungsvergleichende Befunde 177
3.2 Europa auf dem Wege zu einer menschenrechtlichen Verfassung 183

4. Menschenw├╝rde im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 190

4.1 Zur Entstehung des Grundgesetzes 191
4.1.1 Der vorbereitende ÔÇ║VerfassungskonventÔÇ╣ 195
4.1.2 Der Parlamentarische Rat 1948ÔÇô1949 198
4.2 Art. 1 Abs. 1 GG als ÔÇ║GrundnormÔÇ╣ 212

5. Metaphysische und naturrechtliche Interpretationen der W├╝rdenorm 227

6. Das Neutralit├Ątsgebot und die Religionen 241

7. Die Konkretisierung des Begriffs der Menschenw├╝rde ÔÇ║vom Eingriff herÔÇ╣ 257

8. Menschenw├╝rde in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts 263

9. Menschenw├╝rde und Menschenrechte 271

9.1 Menschenw├╝rde als Grund der Menschenrechte und ihre Konkretisierung in den Menschenrechten 271
9.2 Menschenw├╝rde und soziale Menschen- und Grundrechte 280
9.3 Menschenw├╝rde, Rechte zuk├╝nftiger Generationen und nachhaltige Entwicklung 294

10. Menschenw├╝rde ÔÇô abw├Ągbar? 303

10.1 Die Menschenw├╝rde ist nicht abw├Ągbar 303
10.2 Die ÔÇ║Logik der Abw├ĄgungÔÇ╣ und das Folterverbot 308

Bibliografie 315
Personenregister 339
Sachregister 343