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Jesus ist Gott der Sohn
Denkformen und Brennpunkte der Christologie
Karl-Heinz Menke
Pustet
EAN: 9783791721156 (ISBN: 3-7917-2115-1)
592 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 15 x 23cm, April, 2008
EUR 39,95 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Karl-Heinz Menke, Dr. theol., geboren 1950, studierte Philosophie und katholische Theologie in Münster, Paris und Rom. Dort wurde er 1974 zum Priester geweiht und promovierte 1978 an der Päpstlichen Universität Gregoriana. 1990 habilitierte er sich an der Universität Freiburg im Fach Dogmatik und Dogmengeschichte und erhielt noch im gleichen Jahr einen Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Philosophisch-Theologische Propädeutik an der Universität Bonn. Menke ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften sowie verschiedener Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz.
Rezension
Als 2. Teil des Glaubensbekenntnisses (Credo) meint die Christologie die Lehre von Jesus als dem Christus, dem Sohn Gottes, und bildet damit das Zentrum des christlichen Glaubens. Als Inhalt der Dogmatik, die in der Regel trinitarisch angelegt ist, bildet die Christologie den 2. Teil der Glaubenslehre des Christentums: nach der Lehre von Gott (Theologie) und vor der Lehre vom Heiligen Geist (Pneumatologie). Dieser Band leuchtet "Denkformen und Brennpunkte der Christologie" (Untertitel) umfassend aus. Mithin wird berücksichtigt die anfängliche Christologie vom Neuen Testament bis zum Ende der Alten Kirche mit den zentralen Verhältnibestimmungen von Jesus Christus als "ganzer Mensch und ganzer Gott" (Zwei-Naturen-Lehre), Sünd- und Sühnopfer-Christologie, Prä-Existenz-Christologie, Messias und Menschensohn etc., aber auch die neuere Christologie insbesondere mit der Frage nach der Bedeutung des Historischen Jesus für die Christologie (19. und 20. Jhdt.) wird thematisiert (im 2. Teil) sowie religionswissenschaftliche Aspekte der Christologie.
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Aus dem Inhalt
Erster Teil
Das Fundament - Die biblischen und die griechischen Denkformen der Christologie
Der Ausgangspunkt
Zentrale Kategorien und Grundgestalten der biblischen Christologie
Zentrale Kategorien und Grundgestalten der griechischen Christologie
Zweiter Teil
Die Baustelle - Brennpunkte der Jüngeren Christologie
Der historische Jesus - bloßer Mittler einer Idee oder eines Glaubens?
Jesus - wahrer Mensch ohne menschliches Selbstbewusstsein?
Jesus Christus - der Weg, die Wahrheit und das Leben für alle Menschen aller Zeiten?
Jesus Christus - die religionsgeschicht lich einzige Selbstoffenbarung Gottes?
Jesus Christus - "Wiederholung" oder "Bestimmung" Israels?
Jedes Ereignis des Lebens Jesu ein Ereignis der Selbstoffenbarung Gottes?
Schluss
Jesus Christus als Alpha und Omega
Der Titel "Jesus ist Gott der Sohn" versteht sich als
Antithese zur Relativierung der Einzigkeit Jesu von Seiten der Pluralistischen Religionstheologie. Menke wendet sich deshalb auch gegen jeden Versuch, den Jesus der Geschichte vom Christus des Glaubens zu abstrahieren: Jesus ist schon vor Ostern und gerade auch am Kreuz als der Christus erkennbar. Dennoch behält das Osterereignis seine alles bestimmende Bedeutung. Denn es beantwortet die Frage, was Jesus Christus vor zweitausend Jahren für alle Menschen aller Zeiten getan hat.
In einem ersten Teil fragt Menke, wie es den unterschiedlichen Denkformen der Bibel und der Griechisch schreibenden Väter gelingt, die Einzigkeit Jesu zu erklären. In einem zweiten Teil widmet er sich den Brennpunkten der jüngeren Theologie, welche die Einzigkeit Jesu gezielt hinterfragen.
Diese gegen den Mainstream gebürstete Christologie versucht, die Offenbarkeit des Sohnes in Jesus von Nazaret unter Einbeziehung aller Gegenargumente zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
Erster Teil
DAS FUNDAMENT - DIE BIBLISCHEN UND DIE GRIECHISCHEN DENKFORMEN DER CHRISTOLOGIE
1. Kapitel
Der Ausgangspunkt
1.1 Gott »wird« Mensch 24
1.2 »Chalcedon« und die beiden Grundfragen jeder Christologie 28
1.3 »Dominus lesus« und die Einzigkeit der Selbstoffenbarung Gottes 31
1.4 Die Frage nach dem Ausgangspunkt jeder Christologie 35
1.4.1 Die Frage nach der Entstehung des Osterglaubens 38
1.4.2 Die zwischen Hans Kessler und Hansjürgen Verweyen ausgetragene Kontroverse 50
1.4.3 Das Ostergeschehen im Lichte der Handlungstheorie von Bela Weissmahr 56
1.4.4 Jesus: von Anfang an Gott der Sohn? 59
1.4.5 Weihnachts- oder Osterchristologie - eine wirkliche Alternative? 64
1.5 Die Untrennbarkeit der Offenbarkeit Gottes in Jesus Christus von dessen Bezeugung durch die Kirche 68
1.5.1 Die protestantische Frage nach dem Wesen des Christentums 68
1.5.2 Antworten der katholischen Theologie auf die Frage nach dem Wesen des Christentums 72
1.5.3 Die Verhältnisbestimmung der biblischen zu den nachfolgenden Gestalten der Christologie 75
1.5.4 Zusammenfassung: Die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen jeder Christologie 77
1.5.4.1 Die Untrennbarkeit der Selbstoffenbarung Gottes von dem Jesus der Geschichte 78
1.5.4.2 Das Ereignis der Inkarnation und die Sakramentalität der Kirche 79
1.5.4.3 Christologie als zeitlich bedingte Reflexionsgestalt des Glaubensbewusstseins der Kirche 89
2. Kapitel
Zentrale Kategorien und Grundgestalten der biblischen Christologie
2.1 »Bund« und »Tora« als christologische Grundkategorien 93
2.1.1 Die Bedeutung der alttestamentlichen Zwillingskategorien »Bund« und »Tora« 94
2.1.2 Alttestamentliche Bundestheologien 97
2.1.3 Die schwierige Verhältnisbestimmung von altem und neuem Bund 101
2.1.4 Die neutestamentliche Bundestheologie 110
2.2 Die »Sühne«-Christologie 116
2.2.1 Die Kategorien »Opfer« und »Sühne« innerhalb der hebräischen Bibel 116
2.2.2 Die Frage nach christologischen »Typoi« der jüdischen Liturgie 121
2.2.2.1 Isaak als Typos des geopferten Sohnes und Abraham als Typos des opfernden Vaters? 122
2.2.2.2 Das »Sündopfer« des nachexilischen Tempelkultes als Typos des geopferten Sohnes? 126
2.2.2.3 Der »Sündenbock« des nachexilischen Tempelkultes als Typos des geopferten Sohnes? 134
2.2.3 Die Kategorien »Opfer« und »Sühne« als christologische Kategorien 140
2.2.3.1 Die christologische Valenz der Kategorien »Opfer« und »Sühne« in der theologischen Diskussion 140
2.2.3.2 Das christologische Erschließungspotential der Kategorien »Opfer« und »Sühne« im Hebräerbrief 143
2.2.3.3 Die Kategorien »Opfer« und »Sühne« als Brücken des Christentums zu den anderen Religionen 145
2.3 Die »Messias«-Christologie 147
2.3.1 Die jüdische Hoffnung auf einen endzeitlichen Heilskönig 149
2.3.2 Das Königtum in Israel und die Ausbildung der Messias-Erwartung 154
2.3.3 Die Identifikation des Messias mit dem präexistenten »Menschensohn« 157
2.3.4 Die Frage nach der Selbstbezeichnung Jesu als »Menschensohn«, »Sohn Gottes« und »Messias« 160
2.3.5 Die nachösterliche Antitypik 166
2.4 Die »Präexistenz«-Christologie 168
2.4.1 Die Frage nach dem Ursprung der Präexistenzaussagen 172
2.4.2 Weisheit in Israel 179
2.4.2.1 Im Buche Ijob 180
2.4.2.2 Im Buch der Sprichwörter 181
2.4.2.3 Im Buche Jesus Sirach 184
2.4.2.4 Im Buch der Weisheit 186
2.4.3 Die christologische Applikation der alttestamentlichen Kategorie »präexistente Weisheit« 188
2.4.3.1 Phil 2,6-11 189
2.4.3.2 Kol 1,15-20 190
2.4.3.3 Hebr 1,1-14 194
2.4.3.4 Joh 1,1-18 197
3. Kapitel
Zentrale Kategorien und Grundgestalten der griechischen Christologie
3.1 Die Konstanten des griechischen Denkens 211
3.2 Die alexandrinische Denkform 220
3.2.1 Der Vordenker Origenes. 221
3.2.2 Das Entstehen der Logos-Sarx-Christologie 224
3.2.3 Arius und der Arianismus 226
3.2.4 Athanasius von Alexandrien 228
3.2.5 Apollinarius von Laodicea und der Apollinarismus 230
3.2.6 Die drei Kappadokier 232
3.3 Die antiochenische Denkform. 233
3.3.1 Eine gewisse Vorläuferschaft: Ignatius, Justin und Irenaeus 234
3.3.2 Paulus von Samosata und Marcellus von Ancyra 239
3.3.3 Die Entfaltung der Logos-Anthropos-Christologie 242
3.3.4 Diodor von Tarsus, Johannes Chrysostomus und Theodor von Mopsuestia 242
3.4 Die christologischen Konzilien:
Ein Tauziehen zwischen zwei Denkformen 246
3.4.1 Das erste Konzil von Nicaea (325) als Sieg einer antiochenischen Formel über die Drei-Hypostasen-Lehre der Alexandriner 247
3.4.2 Das erste Konzil von Konstantinopel (381): Eine eher alexandrinische als antiochenische
Ergänzung des Nicaenum 249
3.4.3 Das Konzil von Ephesus 431: Eine vollständig von den Alexandrinern beherrschte Versammlung 254
3.4.4 Das Konzil von Chalcedon (451): Die antiochenische Korrektur des Ephesinum 257
3.4.5 Das zweite Konzil von Konstantinopel (553): Ein alexandrinischer Gegenschlag 262
3.4.6 Das dritte Konzil von Konstantinopel (680/81): Ein Sieg der Antiochener 265
3.4.7 Das zweite Konzil von Nicaea (787): Die Bewährung der chalcedonischen Orthodoxie in der Praxis des Glaubens 273
3.5 Die bleibenden Überhangprobleme einer unzureichenden Verhältnisbestimmung der einen Hypostase zu den zwei Naturen in Christus 277
Zweiter Teil
DIE BAUSTELLE - BRENNPUNKTE DER JÜNGEREN CHRISTOLOGIE
4. Kapitel oder Erster Brennpunkt:
Der historische Jesus — bloßer Mittler einer Idee oder eines Glaubens?
4.1 Trennungen: Zwischen Schöpfer und Geschöpf, Glauben und Denken, Geschichte und Vernunft 286
4.1.1 Von Duns Scotus über Ockham zu Luther 287
4.1.2 Imitatio-Jesulogie und Christusmystik 291
4.1.3 Spielarten des Subjektivismus: Reformation, Pietismus und Aufklärung 295
4.2 Der garstig breite Graben zwischen den zufälligen Fakten der Geschichte und den notwendigen Wahrheiten der Vernunft 299
4.2.1 Die erste Phase der so genannten »Leben-Jesu-Forschung« 300
4.2.1.1 Die Aushebung des Grabens: Hermann Samuel Reimarus und Gotthold Ephraim Lessing 300
4.2.1.2 Jesus als Mittler der Idee der Einheit von Gott und Mensch: David Friedrich Strauß 308
4.2.1.3 Auf der Suche nach dem verkündigenden Jesus: Albrecht Ritschi, Adolf von Harnack und Martin Kähler 311
4.2.1.4 Die Nahtstelle zwischen dem geschichtlichen Jesus und dessen eschatologischer Bedeutung:
Johannes Weiß, William Wrede und Albert Schweitzer 313
4.2.2 Existentialistische Reduktionen 318
4.2.2.1 Jesus, das unausdenkbare Faktum: Sören Kierkegaard 318
4.2.2.2 Jesus als Katalysator meiner Eigentlichkeit: Rudolf Bultmann 320
4.2.3 Die zweite Phase der so genannten »Leben-Jesu-Forschung« 324
4.2.3.1 Ernst Käsemanns Differenzkriterium 325
4.2.3.2 Klaus Bergers Fundamentalkritik 327
4.2.4 Die dritte Phase der so genannten »Leben-Jesu-Forschung« 330
4.2.4.1 Die Umkehrung des Differenzkriteriums in sein Gegenteil 331
4.2.4.2 Eine kritische Bilanz von David S. du Toit 332
5. Kapitel oder Zweiter Brennpunkt:
Jesus - wahrer Mensch ohne menschliches Selbstbewusstsein?
5.1 Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: Jesus Christus als das Ich, das sich ganz entspricht, indem es sich ganz von Gott bestimmen lässt 334
5.1.1 Kant und Schleiermacher 335
5.1.2 Jesus: Der neue Adam oder das ganz beim Du seiende Ich 338
5.1.3 Kritische Betrachtung der traditionellen Zwei-Naturen-Lehre 341
5.1.4 Exkurs: Zur Geschichte des neuzeitlichen Personbegriffs 343
5.1.5 Schleiermachers christologische Rezeption des neuzeitlichen Personbegriffs 347
5.2 Karl Rahner: Jesus Christus als der einmalig höchste Wesens Vollzug der menschlichen Transzendentalität 350
5.2.1 Ein Vergleich Rahners mit Schleiermacher 350
5.2.2 Die freie Selbstmitteilung Gottes und die Selbsttranszendenz des Menschen 353
5.2.3 Die Einzigkeit Jesu Christi 356
5.2.4 Rahners christologische Rezeption des neuzeitlichen Personbegriffs 359
5.3 Wolfhart Pannenberg: Die Identität der Selbstunterscheidung Jesu vom Vater mit der Selbstunterscheidung des ewigen Sohnes vom Vater 362
5.3.1 Kritische Betrachtung der traditionellen Zwei-Naturen-Lehre 362
5.3.2 Die Auferweckung Jesu als Bestätigung seiner personalen Identität mit dem ewigen Sohn 364
5.3.3 Die Ergänzung der aszendenz- durch die deszendenzchristologische Perspektive 367
5.3.4 Die Pannenberg-Kritik von Georg Essen 370
5.3.5 Die freiheitsanalytisch ansetzende Alternative von Georg Essen 372
6. Kapitel oder Dritter Brennpunkt:
Jesus Christus - der Weg, die Wahrheit und das Leben für alle Menschen aller Zeiten?
6.1 Stellvertretung oder: Das christozentrische Modell der Soteriologie 377
6.1.1 Karl Barth: Christologie der exklusiven Stellvertretung 378
6.1.2 Hans Urs von Balthasar: Christologie der inklusiven Stellvertretung 385
6.1.2.1 Ein »universale concretum", wie es allgemeiner und konkreter nicht gedacht werden kann 387
6.1.2.2 Die Inklusion des Sünders in den Sohn 391
6.1.3 Gisbert Greshake: Communio als Kriterium und Ziel aller Stellvertretung 405
6.2 Befreiung oder: Das anthropozentrische Modell der Soteriologie 409
6.2.1 Johann Baptist Metz: Erlösung als Christopraxis 409
6.2.2 Thomas Pröpper: Erlösung als Befreiung zur Freiheit 414
7. Kapitel oder Vierter Brennpunkt:
Jesus Christus - die religionsgeschichtlich einzige Selbstoffenbarung Gottes?
7.1 Von der anglikanischen Inspirationschristologie zur Pluralistischen Religionstheologie (PRT) 419
7.2 Die PRT als Religionsphilosophie 423
7.2.1 Wilfred Cantwell Smith: Die Vision einer »Welttheologie« 423
7.2.2 John Hick: Der überall erfahrbare Gott und seine vielen Interpretationen 425
7.3 Die Einzeichnung der Christologie in die PRT 430
7.3.1 John Hick: Plädoyer für eine metaphorische statt metaphysische Identifikation Jesu mit dem göttlichen Sohn 431
7.3.2 Paul R. Knitter: Reduktion der Einzigkeit an sich auf die Einzigartigkeit für mich 434
7.3.3 Raimundo Panikkar: Jesus Christus als ein Name des kosmo-theandrischen Prinzips 437
7.3.4 Perry Schmidt-Leukel: Jesus Christus als eine unter anderen Vermittlungen von Erlösung 439
7.4 Unvereinbar: Das christliche Credo mit den Grundpositionen der PRT 444
8. Kapitel oder Fünfter Brennpunkt:
Jesus Christus - »Wiederholung« oder »Bestimmung« Israels?
8.1 Friedrich Wilhelm Marquardt: Christologie als Lehre von der Gemeinschaft Gottes mit der um Israel versammelten Menschheit 447
8.1.1 Jesus Christus als Wiederholung der Stellvertretung Israels 448
8.1.2 Die Heilsfunktion des Christusereignisses als Freilegung der Heilsfunktion der Tora 450
8.1.3 Die Einheit von Gott und Mensch in Christus als Wiederholung der Einheit zwischen Jahwe und Israel 453
8.2 Jean-Marie Lustiger: Christologie als Lehre von der Bestimmung des Verhältnisses zwischen Jahwe und Israel durch Jesus Christus 458
8.2.1 Jesus Christus als Bestimmung der Sohnschaft des auserwählten Volkes 463
8.2.2 Jesus Christus als Grund der eschatologisch erhofften Einheit des einen Gottesvolkes 466
8.2.3 Jesus Christus als Bestimmung der Stellvertretung Israels 468
8.3 Ein abschließender Vergleich zwischen zwei Grundgestalten jüdisch perspektivierter Christologie 470
9. Kapitel oder Sechster Brennpunkt:
Jedes Ereignis des Lebens Jesu ein Ereignis der Selbstoffenbarung Gottes?
9.1 Unterschiedliche Entwicklung in Ost und West 476
9.1.1 Die Christus-Ikonen und der alexandrinisch argumentierende Ikonoklasmus der Ostkirche 476
9.1.2 Die neuchalcedonische Satisfaktions-Christologie von Augustinus bis Thomas 477
9.2 Die Geschichte der so genannten »Mysterientheologie« 480
9.2.1 Der von Odo Casel geprägte Begriff »Mysterientheologie« und dessen christologische Problematik 481
9.2.2 Die thomanische Darstellung der »mysteria in carne Christi perpetrata« 484
9.2.3 Der Thomas-Kommentar des Francisco Suárez: Trennung zwischen notwendiger Wahrheit und illustrierendem Faktum 489
9.2.4 Die Leben-Jesu-Betrachtungen des Ignatius von Loyola 492
9.2.5 Der moderne Hiatus zwischen dem Jesus der Geschichte und dem Christus der Dogmatik 498
9.3 Hoffnungsvolle Ansätze zu einer genuin chalcedonischen »Christologie der Mysterien Jesu« 499
9.3.1 Karl Rahner: Drei Komponenten einer zukünftigen »Mysterien-Christologie« 500
9.3.2 Hans Urs von Balthasar: Das »universale« als »concretum« 503
10. Kapitel oder Schlusswort:
Jesus Christus als Alpha und Omega
10.1 Wenn der in Christus offenbare Gott der Schöpfer ist 506
10.2 Die Inkarnierung der Tora oder Gott auf dem Weg zur Inkarnation 509
10.2.1 Die bis in die Hölle getragene Tora 510
10.2.2 Ein Gott, der sich bindet 514
10.3 Die Strategie der Erwählung oder Gott auf dem Weg zur Inkarnation 516
10.4 Jesus Christus: Der unableitbare Grund und das unableitbare Ziel der Heilsgeschichte 518
10.4.1 Die unableitbare Einzigkeit Jesu Christi 518
10.4.2 Was Jesus Christus für alle Menschen aller Zeiten getan hat 520
10.5 Die Hoffnung auf das In-Sein Jesu Christi in allen und in allem 524
Abkürzungsverzeichnis 527
Literatur 529
Personenregister 575
»Seht, Brüder, die Liebe unseres Hauptes. Schon ist es im Himmel, und doch leidet es hienieden, solange die ecclesia hier leidet. Hienieden hungert Christus, hienieden dürstet er, ist nackt, fremd, ist krank, ist im Kerker. Denn was immer sein Leib hier leidet, das - sagt er - leide auch er [...]. So ist ja auch in unserem Leib das Haupt oben, während die Füße auf der Erde stehen: und doch, wenn dir jemand in einem Menschengedränge auf den Fuß tritt, ruft dann nicht das Haupt: >Du hast mich getreten So ruft auch das Haupt Christus, das niemand tritt: Ach hungerte, und ihr gabt mir zu essen.<«
(Augustinus, Sermo 137: PL 38,755)
Vorwort
Jesus ist Gott der Sohn. Das ist die Grundaussage des von Papst Benedikt XVI. veröffentlichten Jesus-Buches. Und das ist auch die Grundaussage der vorliegenden Christologie. Aber die folgenden Ausführungen verstehen sich nicht als Jesus-Buch, das induktiv aus der Schrift die Identität des Jesus der Geschichte mit dem Christus des Glaubens erhebt. Denn in diesem Buch geht es besonders um die Gegenargumente, um die historisch, philosophisch oder religionsgeschichtlich motivierten Zweifel.
Die vorliegende Christologie will gegen alle Spielarten des Relativismus die unbedingte und unableitbare Einzigkeit Jesu Christi begründen - in fairer Auseinandersetzung mit möglichst allen relevanten Einwänden der Vergangenheit und der Gegenwart. Dies geht nicht ohne ein klar formuliertes Fundament. Deshalb nimmt das mit dem Titel »Ausgangspunkt« versehene Eingangskapitel relativ breiten Raum ein. Hier werden die Weichen gestellt - gegen bestimmte Formen der Trennung des historischen vom bezeugten Christus, des Jesus vor Ostern vom Christus nach Ostern; auch gegen bestimmte Gestalten der Verhältnisbestimmung von Schrift, Tradition und Kirche, von Judentum und Christentum, von Christentum und Islam; gegen philosophisch (Postmoderne), religions geschichtlich (Pluralistische Religionstheologie) oder faktisch (Globalisierung) motivierte Relativierungen.
Im Übrigen ist das Buch in der ersten Hälfte eine Darstellung der Denkformen, die zum bleibenden Fundament jeder Christologie gehören; und in der zweiten Hälfte eine Fokussierung der sechs Brennpunkte, die den christologischen Diskurs seit Lessing und Kant bestimmen.
Zum bleibenden Fundament jeder Christologie gehören die Denkformen, denen es trotz zeitbedingter Einseitigkeit gelungen ist, die Einzigkeit Jesu Christi zu erklären. Dies sind zuerst die drei biblischen Denkformen (Sühnechristologie; Messiaschristologie; Präexistenzchristologie), die aus der Anwendung alttestamentlicher Kategorien auf das Phänomen »Jesus Christus« erwachsen sind. Dies sind aber auch die griechischen Denkformen, die nicht zu einer hellenisierenden Verdeckung des eigentlichen Jesus, sondern im Gegenteil zu einer Erklärung seiner Einzigkeit mit den Mitteln der zeitgenössischen Philosophie geführt haben - verbunden mit einem nie mehr übertroffenen Problembewusstsein und in unbedingter Treue zu den biblischen Vorgaben.
Keiner der sechs Brennpunkte, die im zweiten Teil dieses Buches diskutiert werden, gehört der Vergangenheit an. Dies gilt von der Verhältnisbestimmung des Jesus der Geschichte zum Christus des Glaubens ebenso wie für die Herausforderung der klassischen Christologie durch die Transzendentalphilosophie (Unvereinbarkeit der modernen Subjektphilosophie und ihres Personbegriffs mit der klassischen Verhältnisbestimmung von Person und Natur). Dies gilt von der vielfach verdrängten Frage nach dem, was Jesus Christus vor zweitausend Jahren für alle Menschen aller Zeiten getan hat, ebenso wie für die Frage nach der Verhältnisbestimmung seines Absolutheitsanspruchs zu den Absolutheitsansprüchen anderer Religionen. Und dies gilt von der Frage nach dem Plus des Christusereignisses gegenüber der Heilsbedeutung des Mose-Bundes ebenso wie für die Frage der bleibenden Heilsbedeutung von Christi Menschsein.
Im Reich des Geistes wird man nie ein Mittel für schmerzloses Gebären finden. Das trifft nicht nur auf die Autoren von Büchern, sondern auch auf deren Adressaten zu. Denn die Passagen, denen man die Anstrengung des Begriffs und lange Wege der Entstehung anmerkt, verlangen auch vom Leser lange Wege.
Die Aufgabe, eine erdrückende Fülle christologischer Literatur zu diskutieren und doch klar und entschieden Position zu beziehen, ist hoffentlich durch eine entsprechende Scheidung von Text und kritischem Apparat gelungen. Natürlich kann eine Christologie, die gelesen werden will, nicht jeder Epoche und jedem Problem die gleiche Aufmerksamkeit schenken. Die Entwürfe des Mittelalters werden nur im Kontext moderner Fragestellungen berührt. Und die Auswahl der ausführlicher diskutierten Brennpunkte richtet sich nach ihrer Relevanz für das Generalthema der unableitbaren Einzigkeit Jesu Christi.
Der Mut, Unvollkommenes aus der Hand zu geben, darf sich mit Paulus trösten: »Denn Stückwerk ist unser Erkennen. [...] Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse; einst aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkennen wir unvollkommen; dann aber werden wir durch und durch erkennen« (1 Kor 13,9a.l2).
Zur Veröffentlichung ermutigt haben mich vor allem meine Mitarbeiter Roland Berenbrinker, Christof Hoschek, Raphael Ruppel-Kusch, Henning Tippkötter und Mathias Wirth, denen ich für ihre stets kompetente Hilfe und Freundschaft danke. Vorbildlich betreut weiß ich mich vom Pustet-Verlag durch Herrn Dr. Rudolf Zwank.
Gewidmet sei dieses Buch Seiner Eminenz, Friedrich Kardinal Wetter, dem langjährigen Erzbischof von München und Freising. Als beratendes Mitglied der von ihm geleiteten »Glaubenskommission« der Deutschen Bischofskonferenz durfte ich erfahren, was eine gelungene Synthese von Glaube und Theologie, was Freude am besseren Argument und Liebe zur Wahrheit ist. Auch ihm ein herzliches »Vergelt's Gott!«
Bonn am Fest Kreuzerhöhung 2007
Karl-Heinz Menke
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