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Iran verstehen
Geschichte, Gesellschaft , Religion
3., aktualisierte und erweiterte Druckauflage
Gerhard Schweizer
Klett-Cotta
EAN: 9783608988345 (ISBN: 3-608-98834-3)
800 Seiten, paperback, 12 x 19cm, Mai, 2024
EUR 15,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
»Man kann jedem, der sich umfassend über die Hintergründe der Entwicklung im Nahen Osten informieren will, dieses Buch nur empfehlen.« Peter Grubbe, Die Zeit
Mit profunder Kenntnis schildert der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer Höhen und Tiefen iranischer Geschichte, vom antiken Persien, über Zarathustra bis zur Islamischen Republik, und schenkt Kultur wie Politik gleichermaßen Aufmerksamkeit. Gerhard Schweizer verknüpft seinen historischen Rückblick mit der Analyse von Zeitgeschichte und Politik. Unmittelbar und authentisch gelingen ihm Einblicke in die neuesten Entwicklungen des Iran, der seit islamistisch regiert wird. Das iranische Staatssystem versteht sich als Vorbild für alle »rechtgläubigen« Muslime, scheitert aber an seinen inneren Widersprüchen. Es ist ein Dilemma, das den Iran auch in den kommenden Jahren zu einem Brennpunkt der Weltpolitik machen wird.
Gerhard Schweizer, 1940 in Stuttgart geboren, promovierte an der Universität Tübingen in Empirischer Kulturwissenschaft. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Wien, wenn er nicht gerade auf Reisen recherchiert und Material für neue Reportagen und Bücher sammelt.
Er ist einer der führenden Experten für die Analyse der Kulturkonflikte zwischen Abendland und Orient und gilt als ausgewiesener Kenner der islamischen Welt. Gerhard Schweizer hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht, die als Standardwerke gelten. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch seine Bücher über den asiatischen und arabischen Raum bekannt.
Rezension
Der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer, der in ähnlicher Aufmachung ebenfalls bei Klett-Cotta auch Bände zu "Syrien vestehen" oder "Türkei versehen" verfasst hat, darf als profunder Kenner des Nahen Ostens gelten. Er schildert Höhen und Tiefen iranischer Geschichte, vom antiken Persien, über Zarathustra bis zur Islamischen Republik, und schenkt Kultur wie Politik dabei gleichermaßen Aufmerksamkeit. Der Iran ist eine der reichhaltigsten Kulturregionen der Welt. Von Susa und Persepolis über das Nationalmuseum in Teheran bis nach Isfahan und Schiras sind die Zeugnisse einer großen Geschichte zu bewundern. Das Land verfügt über eine kulturelle Vielschichtigkeit und Dynamik, wie man sie sonst im Nahen und Mittleren Osten kaum findet. Wer die islamische Revolution unter Ajatollah Chomeini im Jahr 1979 im Iran, damals Persien, noch erlebt hat und die sich daraus entwickelnde islamistische Diktatur - und um die Zeit von Mohammad Reza Schah Pahlavi (1919-1980), dessen Deutschland-Besuch 1967 wesentlich die Studentenrevolte mit ausgelöst hatte, zuvor, ein ebenfalls diktatorisches, aber westlich orientiertes Regime, weiss, dass das, was wir z.Zt. und seit 1979 im Iran erleben, keineswegs die ganze reiche Kulturgeschichte des großen Landes zwischen persischem Golf und Kaspischem Meer repräsentiert. Der Iran ist mit rund 75 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1,6 Mio Quadratkilometern eines der 20 bevölkerungsreichsten und größten Länder der Erde. Der Autor verknüpft seinen historischen Rückblick mit der Analyse von Zeitgeschichte und Politik. Unmittelbar und authentisch gelingen ihm Einblicke in die neuesten Entwicklungen des Iran, der seit 1979 islamistisch regiert wird.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der unbekannte Iran 19
Bilder im Kopf 19
Fanatismus? Toleranz? Erste Fragen 22
Aktuelle Überraschungen 27
Irans Geschichte und westliche Vorurteile 31
Die einigende Klammer über 2500 Jahre 35
PROPHETEN UND GOTTKÖNIGE 41
1. Also sprach Zarathustra 43
Eine Sternstunde der Religionsgeschichte 43
Einfluss auf Judentum, Christentum und Islam 50
Der jüdische Prophet Daniel lernt von Zarathustra 58
Mani und Mazdak als Revolutionäre 63
Die Wende zum Islam 73
Nietzsche deutet Zarathustra um 75
2. Glanz und Elend der persischen Antike 79
Der Aufstieg der Achämeniden 79
Das erste Weltreich der Geschichte 83
Die zukunftsweisende Ordnung des Dareios 88
Susa und Persepolis, die Residenzen 93
Der Ursprung des Gottkönigtums 97
Die Griechen besiegen einen »Gott« 103
Griechenland lernt von Persien 108
3. Modell für ein Jahrtausend 115
Zeit des Umbruchs 115
Die wegweisende Kultur der Sassaniden 119
Das böse Erbe des Gottkönigtums 126
IRAN UND ISLAM 131
1. Mohammed und die Folgen 133
Die Botschaft des Propheten 133
Der Schah weicht dem Kalifen 142
Die Perser gewinnen an Einfluss 146
2. Bagdad: Das Persische an der »Hauptstadt der Welt« 150
Die Abbasiden - in der Nachfolge der Gottkönige 150
Harun al-Raschid - Legende und Wahrheit 158
Kalif Mamun träumt von Aristoteles 164
Mutaziliten, die ersten modernen Kritiker des orthodoxen Glaubens 170
3. Die iranische Drehscheibe der Kulturen 175
Al-Chwarizmi, der persische Wissenschaftler und die »arabische« Mathematik 175
Firdausi und das »Buch der Könige« 179
Die Folgen eines kulturellen Umbruchs 187
Avicenna, das Universalgenie aus Buchara 189
Avicenna, der umstrittene Wegbereiter
einer »islamischen Aufklärung« 199
Ablehnung und Anerkennung - Avicennas ambivalenter Nachruhm 203
Erste Anzeichen einer islamischen Stagnation 206
Seldschuken und Perser - eine neue kulturelle Dynamik 210 Omar Chayyam: Mathematiker, Dichter, Mystiker - und »Ketzer« 215
Dschelaleddin Rumi, der persische Mystiker in Anatolien 222
Jenseits aller Dogmen - die Grenzüberschreitung bei Rumi 228
Der ambivalente Nachruhm des Sufismus 232
4. Die Mongolenherrschaft 235
Die Zerstörung Bagdads beendet eine Epoche 235
Saadi und Hafis, Persiens große Dichter in Schiras 240
Täbris, Samarkand und andere neue Kulturzentren 247
SCHIITEN UND SUNNITEN 253
1. Die Tragödie der Religionsspaltung 255
Mit Mohammeds Tod beginnen die Konflikte 255
Kalif Ali, der Ahnherr der Schiiten 259
Das Martyrium Husseins 265
Der Streit um den richtigen Weg 266
Die »unfehlbaren« Imame der Schiiten 270
Die Siebener-Schiiten als sozial-religiöse Revolutionäre 276
Die Assassinen, Terroristen im Namen der Schia 281
Die Zwölfer-Schiiten und ihr Mythos vom »Verborgenen Imam« 284
2. Der schiitische Glaube wird Staatsreligion im Iran 292
Der Derwischstaat von Ardebil 292
Schah Ismail schafft ein schiitisches Großreich 298
Die schiitische Dynastie der Safawiden 300
Die folgenreiche Schlacht von Tschaldiran 302
Schiitische Perser, sunnitische Türken - Beginn einer tiefen Feindschaft 307
Krisen gefährden das »neue« Persien 310
3. »Gottkönige« im Namen der Schia 315
Schah Abbas, das skrupellose Genie 315
Mesched, Ghom, Schiras - der Aufstieg schiitischer Wallfahrtszentren im Iran 321
Isfahan, »Spiegel des Paradieses« 325
Dekadenz am Hof des Großkönigs 330
Mullah, Modschtahed, Ajatollah - die neue Hierarchie 334
DIE VERWESTLICHUNG UND DER GEGENSCHLAG 339
1. zwischen Fortschritt und Rückschritt 341
Die Kolonialmächte kommen 341
Die Kadscharen, eine Dynastie ohne Glanz 346
Bab - das »Tor« zu einer neuen Religion 348
Die »ketzerische« Lehre der Baha'i 352
Die Kadscharen-Schahs als »Lakaien im Dienst der Ungläubigen« 357
Aufstieg und Krise der Dynastie Pahlevi 361
1935 - aus »Persien« wird »Iran« 367
Der folgenreiche Zwischenfall von Ghom 371
Der junge Schah Mohammad Reza Pahlevi 374
Mossadeghs gescheiterte Revolution 376
Despotie im Namen des Fortschritts 378
2. Khomeini und die Islamische Revolution 382
Kindheit und Jugend des Revolutionsführers 382
Vom Ajatollah zum Politiker 386
Die wachsende soziale Krise und die »Weiße Revolution« 390
Der Volksaufstand von 1963 396
Die düstere Bilanz der »Weißen Revolution« 402
Die fehlgeschlagene Modernisierung 405
Ursprung des islamischen Fundamentalismus 408
Khomeinis extreme Position 413
Ali Schariati, der Revolutionär zwischen den Fronten 418
Ashura - ein schiitischer Mythos als Motor der Revolution 423
FUNDAMENTALISTEN UND REFORMER 431
1. Die »Islamische Republik« und erste Probleme 433
Gottesstaat oder Republik? Die Streitfrage 433
Toleranz? Intoleranz? Die Duldung religiöser Minderheiten 437
Khomeini und »Islamische Demokratie« 439
Widerstand bei säkularen und islamistischen Mitkämpfern der Revolution 443
Taleghani und Schariat-Madari - Widerstand von ranghohen Geistlichen 450
Der Krieg mit dem Irak - und die Dynamik des Märtyrerkults 456
Die sozialen Probleme bleiben ungelöst 460
Khomeini - historisch eingeordnet 466
2. Politische und kulturelle Umbrüche nach Khomeinis Tod 476
Montaseri und Khamenei - die Konflikte bei der Nachfolge des Imam 476
Rafsandschani, der wendige Pragmatiker 480
Khatami, der gefährdete Hoffnungsträger 487
Khatami im wachsenden Konflikt mit Reformgegnern 496
Montaseri und andere Kritiker in Gefahr 499
»Keine Religion verfügt über die absolute Wahrheit« 504
Sorusch, der unbequeme Denker 508
Doulatabadi, der Dichter zwischen allen Fronten 514
Terror und Bildungspolitik im Widerstreit 526
Filmregisseure in der »Islamischen Republik« 529
Frauenemanzipation und »Islamische Republik« 533
Der mühsame Fortschritt für Frauen 540
Tschador und andere »islamische« Kleidung 543
3. Muslimische Nachbarn und die ungelösten Probleme 550
Iran und Irak - die Spannung bleibt 550
Iran und Afghanistan - zwei islamistisch regierte Staaten im Konflikt 556
4. Zugespitzte Gegensätze 562
Ein weiterer Vormarsch der Reformer? 562
Hafis, Goethe - und Khatami 568
Aghadscheri fordert einen »islamischen Protestantismus« 576
Khamenei und Montaseri - ein neuer Konflikt 582
Der Pyrrhussieg der Konservativen 586
Krisen mit immer neuen Facetten 591
Ein »schamloser« Film und der große Publikumserfolg 595
Ahmadinedschad und der neue Vorstoß der Konservativen 599
Mesbah Yazdi, der radikale Mentor Ahmadinedschads 605
Atombombe? Antisemitismus? Fragen zur iranischen Außenpolitik 610
Ein »Glaubenskrieg« zwischen Schiiten und Sunniten im Nahen Osten? 615
Die Ursachen der »Grünen Revolution« 619
Das vorläufige Scheitern einer Rebellion? 625
5. Eine ungewisse Zukunft 629
Rohani, ein neuer Hoffnungsträger? 629
Khamenei und Rafsandschani - eine ambivalente Beziehung bis zuletzt 634
Die Präsidentschaftswahl von 2017 636
Eine iranische Zivilgesellschaft - unterwegs mit einem Aktivisten 643
Islam? Republik? Überraschende Kommentare 648
Die Herausforderung der westlichen Moderne - ein Dialog auf Augenhöhe? 654
Reformen? Die weiterhin ungelösten Probleme 662
Aufstände gegen soziale und politische Fehlentwicklungen 668
Präsident Raisi und die Kritik an »Islamischer Demokratie« 677
Die bisher größte Rebellion gegen das Regime 686
Warum Sorusch und viele andere modern denkende Theologen im Exil leben 692
Warum Aghadscheri, der »islamische Protestant«, nicht im Exil ist 700
Vom theokratischen zum säkularen Staat? 2023 die aktuelle Frage 705
Die weiter drohenden Konflikte mit anderen Staaten 711
Das folgenschwere Attentat in Kerman. Seit 3. Januar 2024 eine weitere Krise 715
Die sich weiter zuspitzende Krise 720
ANHANG 727
Zeittafel 729
Literaturhinweise 775
Personenregister 779
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