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Iphiginie auf Tauris
Iphiginie auf Tauris




Johann W. von Goethe

Ediition Mnemosyne
EAN: 9783934012165 (ISBN: 3-934012-16-7)
CD-Box, 14 x 13cm, Januar, 2002

EUR 25,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Hörbühne

Herausgegeben - in Zusammenarbeit mit Andrea Breth, Dieter Borchmeyer, Hartmut Reinhardt und Dieter Sturm - von Wolfgang Matthias Schwiedrzik



Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)



Iphigenie auf Tauris

Ein Schauspiel



mit Maria Wimmer, Hermann Schomberg, Rolf Henniger, Hannes Riesenberger und Wolfgang Golisch



Regie: Gustav Rudolf Sellner



Aufzeichnung der legendären Aufführung mit Maria Wimmer bei den 10. Ruhrfestspielen Recklinghausen.



Eine Aufnahme des Westdeutschen Rundfunks Köln, 1956.

2 Cds, 109 Min.



Edition Mnemosyne

Verlag für Alte Hüte und Neue Medien


Rezension
„Und an dem Ufer steh ich lange Tage, / das Land der Griechen mit der Seele suchend“, „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus“, „Und Lust und Liebe sind die Fittiche / zu großen Taten“ und „Ich bin so frei geboren als ein Mann“ sind bekannte, auch im Alltag noch zitierte, Wendungen aus Johann Wolfgang von Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“. Gerne wird die „Iphigenie auf Tauris“ in der Goetheschen Fassung im Deutschunterricht als Musterbeispiel eines klassischen Dramas behandelt. An dem Schauspiel lässt sich sehr gut die von der französischen klassizistischen Tragödie geforderte Einhaltung der drei Einheiten Ort, Zeit und Handlung nachweisen.
Aber Goethes "Iphigenie" ist mehr als Musterdrama, sie ist zugleich ein Plädoyer für das Humanitätsideal deutscher Klassik. Die Artemis-Priesterin Iphigenie verlangt von den Skythenkönig Thoas von Tauris auf sein Recht auf Rache und Menschenopfer zu verzichten sowie sie und ihren Bruder Orest aus der Gefangenschaft zu entlassen. Von Thoas wird die Fähigkeit gewünscht, „die Stimme / der Wahrheit und der Menschlichkeit“ hören. Dieses weist auf die politische Dimension des Dramas hin, die „Iphigenie“ fungiert daher nämlich als „Götter- und Fürstenspiegel“(S. 45). Darauf weist der Experte Weimarer Klassik, Dieter Borchmeyer, in seinem Text „Klassizität auf dunklem Grund. Goethes Iphigenie auf Tauris“ hin, der dem Booklet zur vorliegenden "Hörbühne" beigegeben ist.
Der „Edition Mnemosyne“ kommt das Verdienst zu, einen Schatz deutscher Schauspielkunst gehoben zu haben, nämlich die Aufführung der „Iphigenie auf Tauris“ anlässlich der 10. Ruhrfestspiele in Recklinghausen 1956 mit Maria Wimmer als Iphigenie. Das 109 min. dauernde Stück, produziert vom WDR, ist seit 2002 auf zwei CDs in exzellenter Tonqualität – Digitally remastered – erhältlich. Der Deutschlehrer ist so in der Lage, den Schülern einzelne Aufzüge oder Auftritte ohne großen Zeitverlust auf CD vorzuspielen.
Wie die Schauspielerin Wimmer bekannte, war die Iphigenie ihre „Lebensrolle“. In ihrem Auftritt, davon kann sich der Hörer der CD-Edition überzeugen, erreichte das Sprechkunstheater einen Höhepunkt. Aber auch diese Inszenierungsform, die nach 1968 als antiquiert verpönt wurde, war nicht unpolitisch, worauf Wolfgang M. Schwiedrzik in seinem im Booklet abgedruckten Beitrag „Die Erfahrung der Katastrophe“ hinweist. Vor dem Hintergrund der Katastrophenerfahrung des Zweiten Weltkriegs leistete die detaillgetreue Aufführung der „Iphigenie auf Tauris“ auch in anderen Ländern einen Beitrag zur „Rückbesinnung auf ein „anderes“, ein „besseres“ Deutschland“(S. 12). In dem Zusammenhang betont Schwiedrzik Wimmers distanziertes Verhältnis zu den Nationalsozialisten hin (S. 9). Zudem ist im Booklet eine Photoserie von Joseph Beuys Aktion „Titus/Iphigenie“ abgedruckt.
Fazit: Das 1779 erstmals unter Beteiligung Goethes, der die Rolle des Orest spielte, im Liebhaber-Theater von Weimar aufgeführte Stück hat auch heutzutage angesichts von Gewalt und Gegengewalt in der Welt nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Jedem Deutschlehrer, der sich in seinem Unterricht mit den Werken Goethes fundiert auseinandersetzten möchte, sei die vorliegende Hörbühne-Fassung der „Iphigenie auf Tauris“ aus der „Edition Mnemosyne“ empfohlen.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Hörbuch des Monats März, auf der hr2-Bestenliste Mai 2002:
J. W. von Goethe - Iphigenie auf Tauris
Ein Schauspiel, mit Maria Wimmer
Maria Wimmer ist heute – ein halbes Jahrhundert nach ihren größten Erfolgen, wenige Jahre nach ihrem Tod – bereits eine Legende. Menschen, die sie in den fünfziger und sechziger Jahren als Iphigenie, als Medea oder auch als Winnie (in „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett) gesehen haben, kommen noch immer ins Schwärmen, wenn der Name Maria Wimmer fällt. Für sie ist „die Wimmer“, wie sie ehrfuchts- und liebevoll genannt wird, der Inbegriff einer inzwischen fast ausgestorbenen Gattung: der großen Charakterdarstellerin oder „Tragödin“. Umso erstaunlicher ist es, daß bisher niemand auf den Gedanken kam, die wunderbaren Aufnahmen mit ihr auszugraben, die in verschiedenen Archiven verborgen sind.
Goethes „Iphigenie auf Tauris“ bei den 10.Ruhrfestspielen in Recklinghausen 1956 – mit Maria Wimmer in der Titelrolle – wurde von der zeitgenössischen Kritik als eine Sternstunde des Theaters gefeiert: vor allem wegen der exzeptionellen sprachlichen und darstellerischen Leistung Maria Wimmers. Mit keiner Rolle hat sich Maria Wimmer intensiver und häufiger auseinandergesetzt als mit der Goethe'schen Iphigenie. Sie spielte sie mehr als 20 Jahre lang in 12 verschiedenen Inszenierungen. Es war ihre „Lebensrolle“, wie sie 1982 in einem Brief formulierte.
Inhaltsverzeichnis
Im Booklet:

Dieter Borchmeyer
Klassizität auf dunklem Grund. Goethes "Iphigenie auf Tauris"

Joseph Beuys
Die Aktion "Titus/Iphigenie" (Photoserie von Abisag Tüllmann)

Maria Wimmer
"Ich muß das erst in Ordnung bringen...". Briefe zur Iphigenie