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Hannah Arendts Pädagogik Eine Bildungstheorie für die Lehrkräftebildung
Hannah Arendts Pädagogik
Eine Bildungstheorie für die Lehrkräftebildung




Pia Rojahn

Reihe: Budrich Academic Press


Barbara Budrich
EAN: 9783966651004 (ISBN: 3-9666510-0-9)
237 Seiten, paperback, 15 x 21cm, Oktober, 2025

EUR 58,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Das Buch trägt bereits im Titel seine erste These: In Hannah Arendts Werk verbirgt sich eine Pädagogik. Exemplarisch analysiert die Autorin Arendts Konzepte Natalität, Urteilskraft und (Un-)Zugehörigkeit und arbeitet ihre Bedeutung für die Erziehungswissenschaft heraus. Mit diesen Konzepten lassen sich aktuelle Entwicklungen in der Lehrkräftebildung kritisieren und zugleich sinnvolle bildungstheoretische Alternativen aufzeigen.

Die Autorin widmet sich den Grundlagen der Lehrkräftebildung: Was macht eine (professionelle) Lehrkraft aus? Welche theoretische Basis braucht eine Lehrkräftebildung, um professionelle Lehrpersonen zu bilden? Die Arbeiten von Hannah Arendt eignen sich zur Beantwortung dieser Fragen, da ihr Denken sich gegen einen Instrumentalismus richtet. Daher können eine neoliberale Output-Orientierung sowie eine ökonomische Zweck- und Anwendungsorientierung in den Bereichen der Erziehung und Bildung mit Arendt grundlegend problematisiert werden. Einer fortschreitenden Ökonomisierung von Schule und Universität wird mit einer bildungstheoretischen Fundierung der Lehrkräftebildung widersprochen, die aufzeigt, dass instrumentelle und ökonomische Auffassungen von Erziehung und Bildung den Lehrberuf zunehmend deprofessionalisieren bzw. entpädagogisieren.

Dr. Pia Rojahn, Akademische Rätin, Allgemeine Pädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Tübingen
Rezension
Hannah Arendt (1906-1975) gilt heute (zu ihrem 50. Todesjahr) endlich als bedeutende politische Theoretikerin und Publizistin des 20. Jhdts. und als eine überaus einflussreiche Denkerin des 20. Jahrhunderts insbesondere zu Themenfeldern wie Antisemitismus, das Böse, Macht und Totalitarismus. Aber Hannah Arendt als Pädagogin? Das erscheint zunächst gewagt. Die politische Theoretikerin war gewiss keine Pädagogin, aber sie entwickelte in ihren Schriften immer wieder Konzepte (vor allem Natalität, vgl. Kap. 2, Urteilskraft, vgl. Kap. 3 und Zugehörigkeit, vgl. Kap. 4), die für die Pädagogik wichtig und weiterführend sind. Dieses Buch zeigt: Eine neoliberale Output-Orientierung sowie eine ökonomische Zweck- und Anwendungsorientierung in den Bereichen der Erziehung und Bildung können mit Arendt grundlegend problematisiert werden. Einer fortschreitenden Ökonomisierung von Schule und Universität wird mit einer bildungstheoretischen Fundierung der Lehrkräftebildung widersprochen, die aufzeigt, dass instrumentelle und ökonomische Auffassungen von Erziehung und Bildung den Lehrberuf zunehmend deprofessionalisieren bzw. entpädagogisieren.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Dank 8
Siglenverzeichnis zu Arendts Werken 10

1 Einleitung 11

1.1 Zwischen den Welten: Hannah Arendts Biografie 12
1.2 Forschungsstand 17
1.2.1 Arendts Werk im deutschsprachigen Raum 18
1.2.2 Arendts Werk in der englischsprachigen Philosophy of Education 20
1.2.3 Interdisziplinäre Arendt-Rezeption 22
1.3 Konzeption dieser Studie 23

2 Natalität als Begründung für den Lehrberuf 27

2.1 Natalitätskonzept als Begründung für den Lehrberuf 27
2.1.1 Natalität und Totalitarismus: Gebürtlichkeit statt Sterblichkeit 29
2.1.2 Natalität und die vita activa: Erziehung gegen Weltlosigkeit 31
2.1.3 Zum Verhältnis von konservativer und progressiver Erziehung 39
2.1.4 Public education und Arendts Beharren auf der Sphärentrennung 52
2.1.5 Natalität und Freiheit als Ausgangspunkt für eine gegenstandsfokussierte Schulpädagogik 56
Zwischenfazit 61
2.2 Zwischen Professionalisierungsverheißungen und Theoriefeindlichkeit: Der neue Pragmatismus der Lehrkräftebildung am Beispiel des Forschenden Lernens 62
2.2.1 Zwischen ‚Bildung durch Wissenschaft‘ und ‚Schlüsselqualifikationen‘ 64
2.2.2 Pragmatismus und forschendes Lernen in der Lehrkräftebildung 68
2.2.3 Forschungskompetenz und Abwertung der Fachwissenschaft 71
2.2.4 Die Infantilisierung der Lehramtsstudierenden 80
2.3 Die Negation der Natalität durch die neue Form des Pragmatismus in der Lehrkräftebildung 88

3 Urteilskraft als Voraussetzung und Ziel der Lehrprofession 93

3.1 Urteilskraft und Lehrberuf 93
3.1.1 Urteilskraft für eine bildungstheoretisch fundierte Lehrkräftebildung 94
3.1.2 Fehlvorstellungen der Urteilskraft 114
Zwischenfazit 125
3.2 Urteilskraft versus Urteilskompetenz 127
3.2.1. Kompetenzorientierung im Bildungsbereich 127
3.2.2 Lehrkräfte als Diagnostiker*innen 131
3.2.3 Urteilskompetenz und Lehrkräftebildung 137
3.3 Urteilskraft statt Urteilskompetenz 148

4 Formen der (Un-)Zugehörigkeit in Arendts Werk und ihre Bedeutung für die Lehrkräftebildung 151

4.1 Formen der (Un-)Zugehörigkeit in Arendts Werk 151
4.1.1 Parias 152
4.1.2 Zugehörigkeit als gegenseitige Rechtszusprechung 165
Zwischenfazit 180
4.2 Formen der (Un-)Zugehörigkeit in der Lehrkräftebildung 182
4.2.1 Heterogenität im schulpädagogischen Diskurs 182
4.2.2 Vielfalt und Zugehörigkeit 185
4.2.3 Kompetenz und Vielfalt 192
4.3 Wider die Vereinzelung 205

5 Zum Schluss: Pluralität, Öffentlichkeit und Verantwortung 209

5.1 Pluralität und Gleichheit 210
5.2 Öffentlichkeit und Lehrberuf 214
5.3 Verantwortung 217
5.4 Lehrreiche Stellen und Leerstellen 219
5.5 Politische Bildung für die Lehrkräftebildung 221

6 Bibliografie 223

6.1 Primärliteratur von Hannah Arendt 223
6.2 Weitere Quellen und Sekundärliteratur 224