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Franz Kafka: Das Schloss
gelesen von Ulrich Matthes
Franz Kafka
Deutsche Grammophon Gesellschaft
EAN: 9783829120791 (ISBN: 3-8291-2079-6)
CD-A (Audio-CD), 13 x 13cm, März, 2008, Ungekürzte Lesung 10 CD 13 Stunden 20 Minuten
EUR 29,99 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Mit "Das Schloss" begann Franz Kafka 1922 seinen dritten Roman, der 1926 durch Max Brod erstmals veröffentlicht wurde. Der Versuch des Protagonisten, des Landvermessers K., in das Schloss zu gelangen, schlägt ebenso fehl wie sein Versuch, sich im Dorf, das zum Schloss gehört, anzusiedeln. Je mehr K. sucht, desto weiter entfernt er sich vom Ziel.
Ein Klassiker der Weltliteratur, der einen in einer gefühlskalten und unverständlichen Welt gefangenen Menschen beschreibt, der an sich selbst verzweifelt, weil er seine metaphysische Daseinsberechtigung nicht findet, und dem materielle Abhängigkeit es unmöglich macht, einen eigenen Weg fernab der ihn krank machenden Gesellschaft zu beschreiten.
Franz Kafas andere beiden Romane, Der Verschollene (Amerika) und der Prozess, sind gleichfalls ungekürzt als Hörbuch erschienen.
Ulrich Matthes wurde 1959 geboren. Nach Stationen am Renaissance-Theater Berlin, in Krefeld, Düsseldorfer und München kam er 1992 in seine Heimatstadt Berlin zurück,an die Schaubühne am Lehniner Platz. Seit einigen Jahren freiberuflich arbeitend tritt er als Gast im Deutschen Theater Berlin, dem Berliner Ensemble und beim Volkstheater Wien auf. Darüber hinaus ist er in zahlreichen TV- und Kinofilmen zu sehen, wie z.B. in "Aimée und Jaguar","Der Untergang", "Der neunte Tag" oder Nina Grosses "Feuerreiter", für den er 1999 mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Schauspieler ausgezeichnt wurde. 2003 erhielt er den Deutschen Hörbuchpreis.
Rezension
Franz Kafkas große Romanfragmente „Der Prozess“, „Das Schloss“ und „Der Verschollene“ wurden als ungekürzte Lesungen im Rundfunk Berlin Brandenburg neu produziert. Anlass ist der 125. Geburtstag (3. Juli 2008) des Dichters. Die herausragende Qualität der drei Hörbücher, erschienen bei der Deutschen Grammophon, wird einen Meilenstein der Kafka-Interpretationen markieren.
Das Schloss, 1922 entstanden, wird von Ulrich Matthes gelesen, der als Schauspieler des Deutschen Theaters in Berlin weithin Bekanntheit erlangte und in den vergangenen Jahren zu einem der gefragtesten Hörbuchleser geworden ist.
In einer Winternacht gelangt der Landvermesser K. in ein Dorf, das von einem geheimnisvollen Schloss und dessen Beamten beherrscht wird. Ohne Erfolg versucht K. während der kommenden Tage das Schloss zu erreichen, Hilfe erhofft er sich von den Dorfbewohnern, die K. jedoch in undurchschaubare Ereignisse verstricken. Wie in Kafkas gesamtem Werk ist das Geschehen beherrscht von existenzieller Entfremdung und Bedrohung durch anonyme Institutionen.
Hörbücher haben weite Bereiche des literarischen Marktes erschlossen. Die menschliche Stimme gewinnt im Zeitalter akustischer Medien Reputation gegenüber der Vorherrschaft der Schrift und wird neuerdings zum Vermittler von Literatur. Zusammen mit Mimik und Gebärden macht sie die "körperliche" Seite der Rede aus. Sie gilt als „Ausdruck der Seele" und war damit am Zustandekommen von Bedeutung auf unverzichtbare Weise beteiligt. Im antiken Schauspiel und auf dem Forum, mit entsprechenden Abwandlungen im mittelalterlichen Theater und auf der Kanzel, begegnen uns Sprecher, die diese Form des Ausdrucks zur Kunst gesteigert haben. Hört man frühere Aufnahmen bedeutender Schauspieler, fällt das Übergewicht des Rhetorischen auf, das in heutigen Ohren pathetisch und artifiziell klingt. Der moderne Vorleser beherzigt den Unterschied zwischen rezitierendem und deklamierendem Lesen, wie ihn Goethe in seinen "Regeln für Schauspieler" 1803 herausgestellt hat. Dem Rezitieren merkt man an, dass es sich auf ein Buch bezieht und nicht eine Aktion vorführt. Ulrich Matthes liest sehr langsam und prononciert, in einem realistischen, nüchternen Ton, der dem Sprachverständnis des zeitgenössischen Hörers entspricht. Gleichwohl gelingt es ihm, die komödiantischen Anklänge des Textes aufleben zu lassen und jeder Figur einen eigenen Tonfall zu verleihen.
Die Deutsche Grammophon hat die RBB-Produktionen in ästhetisch anspruchsvoll gestalteten Boxen ediert und den Zusammenhang der drei Romane in der Gestaltung der Cover verdeutlicht. Sie zeigen jeweils verschwommene Porträts des Autors aus verschiedenen Lebensphasen.
Die Hörbuchproduktion ist für den Einsatz in der Schule besonders geeignet, weil der meisterhafte Vortrag den Zugang zum komplexen Werk Franz Kafkas gewiss erleichtern kann.
Andrea Hannemann, lbib.de
Verlagsinfo
Franz Kafka hat seine Texte gerne vorgelesen, meistens seinen Freunden oder Schwestern, öffentlich nur zweimal, in München und in Prag, seiner Heimatstadt; zu seinen Lebzeiten war er ja ein wenig bekannter Autor. Wenn er in kleinem Kreis vorlas, wurde viel gelacht, auch der Autor lachte gern, man kann es heute noch sehen: Auf allen 'offiziellen' Portraits für Pässe oder Ausweise blickt Kafka ernst, auf allen Gelegenheitsfotos von Ausflügen oder Reisen lächelt er.
Kafka hören heißt also auch sein Lächeln hören, sein Staunen, seine Verwunderung darüber, wie es denn möglich sei, dass ein Siebzehnjähriger (im Verschollenen) in ein Amerika geraten könne, in dem die Hotels immer größer, der Verkehr immer wüster wurden. In dem Menschen wie angenagelt an ihrem Arbeitsplatz sitzen und Bestellungen aufnehmen und in dem versprochen wird: "Jeder wird gebraucht!"
Auch der Siebzehnjährige, Karl Roßmann, staunt ja, schon auf den ersten Zeilen, bei der Ankunft in New York und beim Anblick der Freiheitsstatue: "So hoch!" Und bemerkt gar nicht, dass die Freiheitsstatue ein Schwert in der Hand hält. Sagt der Autor. Er macht uns damit gefasst darauf, dass wir einer ganz in der Realität spielenden Geschichte zuhören, in der immer wieder Staunenswertes oder Lächerliches geschieht: Kafka mochte diesen Anfang des Verschollenen besonders gern, las ihn lachend und unter Tränen vor und veröffentlichte ihn sogar - als eines von nur sieben schmalen Büchern - unter dem Titel Der Heizer, das restliche Manuskript fand sich erst im Nachlass, so wie auch die beiden anderen Romane, Der Prozess und Das Schloss.
Dem Prozess, der im ersten Weltkrieg entstand, verdankt das Werk Kafkas eigentlich seinen Weltruhm, den Ruhm eines Autors, der nicht im Land seiner Sprache (wo sein Werk verboten war), sondern im Ausland entstand, in England und besonders in Frankreich, wo Kafka von den Surrealisten entdeckt wurde, gefolgt 1947 von einer spektakulären Dramatisierung des Prozess durch André Gide und Jean Louis Barrault. Auch hier: der 'gesprochene' Kafka, das Selbstgespräch eines gewissen K., mit dem sich der Autor - fast! - identifiziert. K. wird verhaftet, erfährt nicht warum, lebt sein gewohntes Leben weiter und dennoch scheint sein Urteil festzustehen. Prozess, Gericht, Staatsanwalt, Urteil - da kannte sich Jurist Kafka (und Beamter der "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen") aus, und so entsteht auch hier der staunende und zugleich kenntnisreiche Blick auf eine Welt, in der die Schuld offenbar feststeht.
Inhaltsverzeichnis
CD 1
1 Es war spät abends, als K. ankam.
2 Nun sah er oben das Schloß deutlich umrissen ...
3 K. aber stand bald auf der Gasse ...
4 Als sie - K. erkannte es an einer Wegbiegung - fast beim Wirtshaus waren ...
5 K. nahm ein Bild von der Wand ...
CD 2
1 Beide, Vater und Mutter, gingen schon ...
2 Im Ausschank, einem großen, in der Mitte völlig leeren Zimmer ...
3 Er hätte gern mit Frieda vertraulich gesprochen ...
4 Mit in die Ferne schweifendem Blick ...
5 Die Besprechung mit dem Vorsteher machte K. ...
CD 3
1 Der Vorsteher erhob keinen Widerspruch.
2 Der Vorsteher sah auf die Uhr ...
3 Vor dem Wirtshaus erwartete ihn der Wirt.
4 Es war ein Weilchen still ...
5 Oben traf K. den Lehrer.
CD 4
1 Frieda freilich werde ihm, K., folgen ...
2 Zunächst war K. froh, dem Gedränge der Mägde und Gehilfen ...
3 Und er riß sich los und ging ins Haus zurück ...
4 Auf die wild umwehte Freitreppe trat K. hinaus ...
5 Ganz durchfroren kam er zu Hause an, es war überall finster ...
CD 5
1 Frieda, die aufmerksam zugehört hatte ...
2 Am Morgen erwachten alle erst, als schon die ersten Schulkinder da waren ...
3 Kaum waren alle fort, sagte K. zu den Gehilfen ...
4 Nach einem Weilchen klopfte es leise.
5 Längst schon hatte K. Hans aus der Bank zum Katheder gerufen ...
CD 6
1 Dieses Ziel war die Frau.
2 Endlich - es war schon dunkel, später Nachmittag - ...
3 K. blieb mit etwas erstauntem Gesicht zurück ...
4 Durch alle die ungünstigen Neuigkeiten Olgas ...
5 "Hier, glaube ich, kommst du zu dem Entscheidenden", sagte K.
6 "Urteile selbst", sagte Olga, "übrigens klingt es sehr einfach ..."
CD 7
1 Erst jetzt sah K., dass Amalia schon wieder in der Stube war ...
2 Amalia aber kann man, wenn man nicht durch Blut mit ihr verbunden ist ...
3 "Aber kurz darauf wurden wir schon von allen Seiten mit Fragen ..."
4 "Und was taten wir unterdessen? ..."
CD 8
1 "Nun galt es, wieder irgendeine Beschäftigung für den Vater zu finden ..."
2 Wenn ich bei meinen Berichten den Glanz in seinen Augen sah ...
3 Als er dann auf der Straße war, sah er ...
4 Vor dem dunklen Herrenhof stand eine kleine Gruppe Männer ...
5 Da sah K., wie er ziellos umherblickte, weit in der Ferne ...
CD 9
1 Und K. nahm Friedas Hand in die seine ...
2 "Ich bin sehr müde", sagte K. ...
3 Der Kampf dauerte nicht lange ...
4 Wahrscheinlich wäre er ebenso gleichgültig an Erlangers Zimmer ...
5 Aber nun kümmerte sich der Diener gar nicht mehr darum ...
CD 10
1 Und sei denn K. wirklich auch nicht von der Ferne die Ahnung aufgetaucht ...
2 Als K. erwachte, glaubte er zuerst, kaum geschlafen zu haben ...
3 Schwer war es nur, den geeigneten Mann zu finden ...
4 Diese Verbindungen begann sie jetzt auszunützen.
5 "Nun ja", sagte Pepi, "du bist verliebt in Frieda" ...
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