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Filme, die Geschichte(n) erzählen
Filmanalyse als Medienkulturanalyse
Waltraud Wende
Königshausen & Neumann Verlag
EAN: 9783826044526 (ISBN: 3-8260-4452-5)
276 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2010
EUR 39,80 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Universitäre Geschichtswissenschaft und schulischer Geschichtsunterricht haben ihr Informationsmonopol in Sachen Geschichte, sofern sie es denn je gehabt haben sollten, verloren. Das, was Menschen über politische, soziale, kulturelle und mentale Vergangenheiten wissen, wird keineswegs ausschließlich von Wissenschaftlern und Geschichtslehrern bestimmt, sondern darüber hinaus in erheblichem Umfang von der Suggestivkraft der audio-visuellen Medien, die mit ihrer Reiz- und Eindrucksdichte die Zuschauer emotional in den Bann zu ziehen vermögen, beeinflusst. Akzeptiert man die generelle Möglichkeit des Erzählens von Geschichten aus der Geschichte und ist man sich zudem im Klaren, dass Spielfilme wie komplex sie auch immer daherkommen mögen stets nur Ausschnitte aus der Vergangenheit recyceln können, dann ist nach der Differenz zwischen historischer Forschung und ihren Bildern der Geschichte einerseits und den in Spielfilmen gebotenen Geschichtsinterpretationen andererseits zu fragen. Worin unterscheiden sich Spielfilme von wissenschaftlichen Formaten? Was können Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler, was können Fachhistoriker leisten? Welche Erwartungen dürfen Zuschauer an Spielfilme haben und welche Forderungen dürfen Leser an Fachbücher stellen? Fragen, auf die der Band eine Antwort zu geben versucht.
Rezension
Wir leben in einem visuellen Zeitalter. Längst ist der sog. iconic turn vollzogen; Bildwelten verdrängen, ersetzen und ergänzen Textwelten, die Gutenberg-Galaxie scheint einer Bilder-Galaxie zu weichen ... Auch Geschichte wird heute zunehmend über Bildwelten vermittelt und verlagert sich in die popkulturellen Formate von Film und Fernsehen: "Schindler´s Liste" setzt sich mit der Nationalsozialistischen Diktatur auseinander, neuerdings wird Adolf Hiltler in Filmen karikiert und persifliert, "Full Metal Jacket" oder "Apocalypse Now" setzen sich mit dem Vietnam-Krieg auseinander, - längst wird Geschichte film-medial verarbeitet, wofür dieser informative Band vielfältige Beispielanalysen bietet. Dann aber ist nicht nur nach der Differenz zwischen historischer Forschung und ihren Bildern der Geschichte einerseits und den in Spielfilmen gebotenen Geschichtsinterpretationen andererseits zu fragen, sondern auch danach, welche Auswirkungen diese medialen Inszenierungen für das Geschichtsempfinden und -bewußtsein haben. Schulischer Geschichtsunterricht wird jedenfalls verstärkt diese medialen Formen von Auseinandersetzung mit Geschichte wahrnehmen und unterrichtlich einbeziehen müssen.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Historie im Film: Das Erzählen von Geschichten aus der Geschichte
I. Filme und Geschichtsbilder 8
II. Die Regeln des Spielfilms 14
TV-Serienunterhaltung als Archiv für Alltagsgeschichte:
Löwengrube - Die Grandauers und ihre Zeit (1987-2001)
I. Wissenschaftliche oder filmische Geschichtsschreibung 24
II. Geschichte ,von unten' 28
III. Die Welt der ,kleinen'Leute 34
IV. Sprache, die verräterisch ist 45
V. Zeit- und alltagsgeschichtliche Koordinaten 48
VI. Einblicke in die gefühlten Wahrheiten von Menschen 50
Die Geschichte hinter der Geschichte:
Die Verfilmung von Erica Fischers dokumentarischer Erzählung
Aimee und Jaguar (1999)
I. Collage einer Liebe 55
II. Polyphonie der (Re-)Konstruktion 64
III. Ambivalenzen des Wirklichkeitserlebens 71
IV. Facettenreiche Spurensuche 80
Mehr als Historizität:
Der Untergang (2004) als kontrovers diskutiertes Medienereignis
I. Sintflutartige Medienresonanz 89
II. Ein ,normaler' und ,entdämonisierter' Adolf Hitler 95
III. Erinnerungsperspektiven 97
IV. Im Führerbunker 99
V. Wirklichkeitskonstruktionen und die Regeln des Kinos 103
Kriegsbilder der Unterhaltungsindustrie: Vietnam und die Medien
I. Krieg auf der Leinwand 112
II. Vietnam und die Medien 114
III. Der Fernsehkrieg in den Wohnzimmern 116
IV. Stationen der Fiktionalisierung 123
V. Die Unfähigkeit, sich ein Bild vom Krieg zu machen: Full Metal Jacket 129
Spielfilme sind kein Museum für Zeitgeschichte - das Fiktionale hat Priorität:
DDR im Spielfilm
I. Imaginationsmaschine Spielfilm 140
II. Kinobilder und diskursiver Kontext der Nachwendezeit 142
III. Spielfilme als Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart 150
IV. Das Medienecho auf Das Leben der Anderen 157
V. Ein Film über das ,andere' Leben 162
VI. Das Ende aller Gewissheiten 167
Das Spiel mit Sein und Schein - wie Humor die Welt verändert:
Sonnenallee (1999) und Good Bye Lenin! (2004)
I. Zur Symbolstruktur einer Spielfilmwelt 174
II. Scherz, Satire, Ironie im Umgang mit deutsch-deutscher Geschichte 177
III. Der ganz .normale' Wahnsinn: Sonnenallee 179
IV. Alles nur eine Frage der Phantasie: Good Bye Lenin! 186
V. Einladung zur historischen Metareflexion 195
Auf der Suche nach einer besseren Welt:
Muxmäuschenstill (2004) und Die fetten Jahre sind vorbei (2004)
I. ,Recht' und ,Unrecht' lassen sich auch anders denken 198
II. Filmische Welterzeugung und außerfilmische Wirklichkeiten 208
III. Zwischen Idealismus und Fanatismus: Muxmäuschenstill 210
IV. Reality-Charakter und rabenschwarzer Humor 216
V. Kreatives Chaos der Erziehungsberechtigten: Die fetten Jahre sind vorbei 219
VI. Ende gesucht 225
VII. Training für den Möglichkeitssinn 229
Eine Ruhigstellung der Zuschauer will sich nicht recht ergeben:
Black Box BRD (2001) und Der Kick (2005/2006)
I. Der Dokumentarfilm 234
II. Beobachtungs- und Erinnerungsverhältnisse: Black Box BRD 242
III. Kein Raum für Sicherheiten 253
IV. Nichts wird beschönigt, nichts wird erklärt: Der Kick 259
V. Gefühls- und Gedankenwelten 264
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