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Erster Weltkrieg
Kulturwissenschaftliches Handbuch
Niels Werber, Stefan Kaufmann, Lars Koch (Hrsg.)
Verlag J. B. Metzler
EAN: 9783476024459 (ISBN: 3-476-02445-8)
530 Seiten, hardcover, 18 x 25cm, 2014, 11 s/w Abb.
EUR 69,95 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Der Erste Weltkrieg mit seiner Entfesselung einer industriellen Kriegsführung, mit Millionen von militärischen und zivilen Opfern und der Destabilisierung von politischen und soziokulturellen Gewissheiten war das zentrale Ereignis für den Erfahrungszusammenhang der deutschen Gesellschaft am Anfang des 20. Jahrhunderts. - In kulturwissenschaftlicher Perspektive rekonstruiert dieses Handbuch zentrale Themen, Diskurse und Praktiken rund um die Jahre 1914 bis 1918. Die Beiträge verfolgen die Entwicklungen und Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Mentalitäten, Kultur, Technik sowie Kunst und Literatur über die Kriegsjahre hinweg bis in die 1920er Jahre hinein. Themen sind z.B. Geopolitik, Kriegsaffirmation und kulturelle Mobilmachung, industrialisierter Krieg, Körper- und Nervenkrisen, soziale Desintegration und Sinnstiftung.
Rezension
In diesen Tagen im Sommer 2014 wird allerorten des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht und auch im schulischen Geschichtsunterricht ist der Erste Weltkrieg ein entsprechend aktuelles Thema. Der Imperialismus und die Kolonialpolitik der Großmächte im 19. Jhdt. münden schließlich in den Ersten Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jhdts.“. Der 1. WK (und sein Ende) haben auch kulturgeschichtlich erhebliche Auswirkungen in fast allen gesellschaftlichen Bereichen: In Deutschland endet die Monarchie und die erste Demokratie (der Weimarer Republik) entsteht, der Expressionismus löst in Kunst, Musik und Literatur bis dahin geltende Harmonie ab und zeigt, dass die Welt aus den Fugen geraten ist ... Entsprechend verfolgen die Beiträge dieses überaus informativen kulturwissenschaftliches Handbuchs die Entwicklungen und Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Mentalitäten, Kultur, Technik sowie Kunst und Literatur über die Kriegsjahre hinweg bis in die 1920er Jahre hinein.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Themen, Diskurse und Mythen rund um die Jahre 1914 bis 1918
Wahrnehmung und Verarbeitung der Kriegserfahrung in Kultur, Literatur und Kunst
Betrachtet aus moderner, interdisziplinärer Perspektive
Der Erste Weltkrieg: einschneidende Modernisierungs- und Krisenerfahrung. Das Handbuch verfolgt die Entwicklungen und Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Technik und Mentalitäten bis in die 1920er Jahre hinein - und wirft einen beispiellosen Blick hinter die geschichtlichen Fakten.
Welche Themen, Diskurse und Mythen ranken sich um die Ereignisse? Wie werden diese wahrgenommen, gedeutet und verarbeitet? Welchen Widerhall finden sie in Kultur, Literatur und Kunst?
Das Handbuch betrachtet die Phänomene der Zeit aus moderner, interdisziplinärer Perspektive, so zum Beispiel die Kriegsaffirmation, den industrialisierten Krieg, den Stellungskrieg und Nahkampf, die emotionale Mobilmachung und Erinnerungskultur, Männerbünde, Körper- und Nervenkrisen.
Niels Werber ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Siegen.
Stefan Kaufmann ist apl. Professor am Institut für Soziologie der Universität Freiburg.
Lars Koch ist Professor für Neuere deutsche Litaratur und Kulturwissenschaft an der Technischen Universität Dresden.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsübersicht
I. Der Erste Weltkrieg: Zäsuren und Kontinuitäten
(Lars Koch, Stefan Kaufmann und Niels Werber) 1
II. Das unruhige Zeitalter
1. Geopolitik: Vom ›Platz an der Sonne‹ zum ›Volk ohne Raum‹
(Niels Werber) 5
2. Globalisierungsprojekte: Sprache, Dienste, Wissen
(Markus Krajewski) 51
3. Lebensentwürfe: Irritation und Formierung
(Jürgen Reulecke) 85
4. Der Erste Weltkrieg als kulturelle Katharsis und literarisches Ereignis
(Lars Koch) 97
III. Der Krieg
1. Politische Paranoia, Zäsur des Stillstands und die Soziologie der ›totalen Mobilmachung‹
(Friedrich Balke) 143
2. Den Krieg führen: Organisation, Technik, Gewalt
(Christoph Jahr und Stefan Kaufmann) 164
3. Krieg der Nerven, Krieg des Willens
(Bernd Ulrich) 232
4. Kriegswirtschaft: Szenarien, Krisen, Mobilisierungen
(Jörn Leonhard) 259
5. Ideologien: Mobilmachungen und Desillusionierungen
(Steffen Bruendel) 280
6. Medien des Krieges
(Bernd Hüppauf) 311
IV. Nachkrieg?
1. Grenzüberschreitungen: Vom Belagerungszustand zum Ausnahmezustand
(Martin H. Geyer) 341
2. Ideenkrieg: Sinnstiftungen des Sinnlosen
(Thomas Rohkrämer) 385
3. Grenzen der Gesellschaft – Grenzen der Gemeinschaft
(Joachim Fischer) 410
4. Kriegsfolgen und Neuorientierung: Geld und Geschlecht
(Maren Lickhardt) 419
5. Medienkultur: Entwürfe des Menschen
(Andreas Käuser) 434
6. Der Einbruch des Krieges in die künstlerische Form
(Alexander Honold) 448
V. Ausblick:
Der Erste Weltkrieg als Katastrophe
(Oliver Jahraus und Christian Kirchmeier) 509
VI. Anhang
1. Die Autorinnen und Autoren 511
2. Personenregister 512
Inhaltsverzeichnis
I. Der Erste Weltkrieg: Zäsuren und Kontinuitäten
(Lars Koch, Stefan Kaufmann und Niels Werber)
Deutungs- und Wahrnehmungs eschichte des Weltkriegs im Paradigma von Zäsur und Kontinuität 1
Das Konzept ›Zäsur als Bewegungsmuster‹ 2
Aufbau des Handbuchs 3
Dank 4
II. Das unruhige Zeitalter
1. Geopolitik: Vom ›Platz an der Sonne‹ zum ›Volk ohne Raum‹
(Niels Werber) 5
Von der Staatswissenschaft zur politischen Geographie und zur Geopolitik 5
Seemacht und Landmacht: Weltkrieg, Weltverkehr und Wirtschafts gefängnis 7
Welt, Medien und Geopolitik 13
Landmacht und Seemacht als Lebensformen 16
Auslese und Dezision: Krieg als geopolitisches Experiment 20
Die Mittellage: »Deutschlands geopolitische Schwäche« 22
Das Tor zur Welt und sein Türhüter: Das Bagdadbahn-Projekt 23
Verkehr, Pforten und Türhüter 24
Geodeterminismus oder evolutionistische Dynamik? 26
Nach Osten: Umorientierung und Konjunktur der deutschen Geopolitik 29
Zurück in den Osten: Geopolitiken der Literatur 30
Österreich-Ungarn als überlebte Lebensform 41
Der Erste Weltkrieg als Zäsur und Katalysator
des geopolitischen Diskurses 44
Fazit 46
2. Globalisierungsprojekte: Sprache, Dienste, Wissen
(Markus Krajewski) 51
Kulturelle Erneuerungsbewegungen vor dem Ersten Weltkrieg 51
Große Projekte für ein neues Jahrhundert I: Sprache 52
Große Projekte für ein neues Jahrhundert II: Dienste 64
Große Projekte für ein neues Jahrhundert III: Wissen 73
Die Zäsur und was fortdauert 80
3. Lebensentwürfe: Irritation und Formierung
(Jürgen Reulecke) 85
Verstädterung und Zivilisationskritik versus Munizipalsozialismus 86
Agrarromantik, Heimatschutz und Lebensreform 87
Mannhaftigkeit, Männerbund und Homoerotik 88
Der ›Aufbruch der Jugend‹: Wandervogel und Freideutsche Jugend 90
Deutungskonkurrenzen 93
4. Der Erste Weltkrieg als kulturelle Katharsis und literarisches Ereignis
(Lars Koch) 97
Diskursive und psychohistorische Ermöglichungszusammenhänge der Literatur zum Ersten Weltkrieg 98
Nach 1914: Literatur als Waffendienst mit der Feder 104
Pazifistische Gegenstimmen 116
Literarischer Krieg im Nachkrieg 119
Zentrale Texte des literarischen Nachkriegs 122
Ausblick: Der Jahrgang 1902 134
III. Der Krieg
1. Politische Paranoia, Zäsur des Stillstands und die Soziologie der ›totalen Mobilmachung‹
(Friedrich Balke) 143
Eine Welt von Feinden: Politische Paranoia oder »Rüstung bis ins innerste Mark« 143
Stereotype der inneren und äußeren Feindschaft: Händler und Helden 145
Max Webers Kampf gegen die ›Verfälschung‹ des paranoischen Phantasmas 148
Unbestimmtheit der Zäsur: Simmel und der Krieg als Medium des ›neuen Menschen‹ 149
Epistemologischer Bruch: Emil Lederers Soziologie des Weltkriegs 151
Das Primat des Krieges über die Politik 157
2. Den Krieg führen: Organisation, Technik, Gewalt
(Christoph Jahr und Stefan Kaufmann) 164
Traditionen und Bruchlinien des Militärischen 165
Kriegführung 1914: Pläne und Wirklichkeiten 173
Industrialisierte Gewalt 182
Aufklärung: Zur Logistik der Wahrnehmung 196
Körperlichkeit, Materialität und Überleben 206
Technische Fluchtlinien aus dem Stellungskrieg: Gas, U-Boot, Panzer, Flugzeug 213
3. Krieg der Nerven, Krieg des Willens
(Bernd Ulrich) 232
Zwei Nervenzusammenbrüche 232
Nervöse Soldaten 236
Nerven- und Nervositätsdebatten vor 1914 237
Starke Nerven? Zwischen ›Mobil machungspsychosen‹ und ›Kriegsneurosen‹ 243
Die völlige propagandistische Funktionalisierung des Willensdiskurses 255
4. Kriegswirtschaft: Szenarien, Krisen, Mobilisierungen
(Jörn Leonhard) 259
»Deutscher Krieg und deutsche Wirtschaft«: Die Ökonomie als Teil des intellektuellen Kulturkrieges seit 1914 262
Die frühe Mobilisierungskrise: Kriegswirtschaft als Handlungschance 264
›Gemeinwirtschaft‹ und ›organisierter Kapitalismus‹: Die Deutung der
Kriegs ökonomie zwischen Neuordnungskonzepten und radikalisierten Feindbildern 267
Mangel, Hunger und Zwang: Die Kriegs - wirtschaft im totalisierten Krieg zwischen Mobilisierungsutopien und Herrschaftserosion 270
Zusammenfassung: Erwartung und Erfahrung der deutschen Wirtschaft im Krieg 276
5. Ideologien: Mobilmachungen und Desillusionierungen
(Steffen Bruendel) 280
Die Semantik nationaler Einheit 280
Augusterlebnisse: Die geistig-emotionale Mobilisierung 285
Kulturkrieg: Die ästhetische Mobilmachung 292
Vergemeinschaftungsangebote: Weltanschauliche Grundierungen 298
Fronterlebnisse: Desillusionierung und Durchhaltewille 304
6. Medien des Krieges
(Bernd Hüppauf) 311
Theorien 311
Vorgeschichte 317
Medien im Ersten Weltkrieg 320
Themen und Phasen der bildlichen Repräsentation 333
Vom Medienbild des Ersten Weltkriegs zum Kriegsbild in der Postmoderne 335
IV. Nachkrieg?
1. Grenzüberschreitungen: Vom Belagerungszustand zum Ausnahmezustand
(Martin H. Geyer) 341
Gesellschaft im Ausnahmezustand 341
Die Welt von gestern: Der eingehegte Belagerungszustand 344
Zäsuren: Die Ermächtigungen 1914 und die Suspendierung von Ordnungen 347
»Not kennt kein Gebot« I: Rechtssuspensionen und die Logiken des Maßnahmenstaates 350
(Selbst-)Ermächtigungen unter den Bedingungen des Belagerungszustands 353
»Not kennt kein Gebot« II: Hunger, Selbsthilfe und der soziale Maßnahmenstaat 357
Die Republik im Ausnahmezustand 359
Ausnahmezustand und Gewalt 362
Belagerungszustand: Das Krisenjahr 1923 als Exerzierfeld 364
Ausnahmezustand und republikanische Nachkriegs-Normalität 367
Ausnahmezustand und Selbstermächtigungen 370
Schwebezustand: Aporien des präsidialen Maßnahmenstaates 372
1914–1933: Die Alternative des totalen Maßnahmenstaats 375
Widerstand? 379
2. Ideenkrieg: Sinnstiftungen des Sinnlosen
(Thomas Rohkrämer) 385
Militär und Krieg im Deutschen Kaiserreich 385
Der Erste Weltkrieg 387
Der Erste Weltkrieg als geistige Herausforderung 388
Der Kampf um die ideologische Besetzung der Erinnerung: Die kritischen Deutungen des Krieges 388
Der Kampf um die ideologische Besetzung der Erinnerung: Die nationalistische Deutung des Krieges 389
Erinnerung zwischen Trauer und ideologischer Aufladung: Kriegerdenkmäler 391
Sinnstiftung bei Veteranen: Der »soldatische Nationalismus« 394
Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg 399
Die Generation von 1900 400
Die Durchsetzung einer militaristischen Sinnstiftung gegen Ende der Weimarer Republik 402
August 1914 und September 1939 404
»No more Heroes any more?« 405
3. Grenzen der Gesellschaft – Grenzen der Gemeinschaft
(Joachim Fischer) 410
Lukács und Plessner: Alternative Sozialphilosophien im Ausgang des Weltkrieges 410
Radikalkritische Theorie der Gesellschaft im Namen der militanten Gemeinschaft (Lukács) 411
Kritik der radikalen Gemeinschafts utopien im Zeichen der zivilen Gesellschaft (Plessner) 413
Spuren durch das 20. Jahrhundert: Lukács und Plessner als sozialphilosophische Marken nach dem Zweiten Weltkrieg 414
4. Kriegsfolgen und Neuorientierung: Geld und Geschlecht
(Maren Lickhardt) 419
Inflation und Stabilisierung 419
Geschlechterbilder und Geschlechterwandel 424
5. Medienkultur: Entwürfe des Menschen
(Andreas Käuser) 434
Medium und Diskurs 434
Menschen- und Körperbilder 434
Umbruch und Latenz 435
Ambivalenz der Moderne 435
Ästhetisierung der Lebenswelt 436
Abstraktion und Einfühlung 436
Intermedialität 437
Montage und Projektion 437
Aisthesis der Großstadt 438
Anordnung der Wahrnehmung 438
Tanz und Mode 439
Tongesten und Radiostimmen439
Abstraktion und Sinnlichkeit 439
Ausdruck und Darstellungsmaske 440
Gestische Zerteilung 440
Filmische und diskursive Einstellung 441
Anthropologie und Phänomenologie 441
Kultur und Sein 442
Charakter und Typologie 442
Vorbilder 443
Führerbilder 444
Exzentrische Position 444
Verhaltenslehre und soziale Ästhetik 445
Gestisches und episches Theater 445
6. Der Einbruch des Krieges in die künstlerische Form
(Alexander Honold) 448
Krieg der Symptome (Gottfried Benn, Carl Einstein, Carl Sternheim, Alfred Döblin) 450
Analytische Rekonstruktion I: Der Krieg in Rückblick und Vorzeichen (Hermann Broch, Robert Musil, Thomas Mann) 459
Analytische Rekonstruktion II: Schlafwandler in den Krieg 462
Analytische Rekonstruktion III: Revolutionstage im Elsass
(Alfred Döblin: November 1918) 467
Poetische Assimilation I: Aby Warburg und die Krise im Nachkrieg 473
Poetische Assimilation II: Franz Biberkopf im Nachkrieg 482
»Wer könnte das erzählen?« Die fortwirkende Gewalt des Krieges 486
V. Ausblick: Der Erste Weltkrieg als Katastrophe
(Oliver Jahraus und Christian Kirchmeier)
Kennans Schlagwort 495
Zur Metapherngeschichte von ›Katastrophe‹ 495
Das Deutungsmuster der Katastrophe zwischen den Kriegen: Natur/Technik, Religion und Décadence 496
Kriegsschuldfrage und Katastrophenmetapher 499
Geschichtsphilosophische Dimensionen des Katastrophenbegriffs 502
Das Stichwort der (Ur-)Katastrophe in der jüngeren Historiographie 505
Fazit 507
VI. Anhang
1. Die Autorinnen und Autoren 511
2. Personenregister 512
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