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Dietrich Bonhoeffers Christentum Festschrift Christian Gremmels
Dietrich Bonhoeffers Christentum
Festschrift Christian Gremmels




Florian Schmitz, Christiane Tietz (Hrsg.)

Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579071428 (ISBN: 3-579-07142-4)
432 Seiten, paperback, 15 x 23cm, 2011

EUR 39,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Frage, „was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist“, war die Lebensfrage Dietrich Bonhoeffers. Der vorliegende Band versammelt Beiträge, die Bonhoeffers theologische Äußerungen zu dieser Frage, aber auch sein eigenes Christentum und seine Art, Christ zu sein, in den Blick nehmen. Der erste Teil enthält wissenschaftliche Aufsätze, der zweite persönliche Zugänge zu Bonhoeffers Christentumstheorie und Christsein. Das Buch ist dem langjährigen Vorsitzenden der deutschen Sektion der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft Professor Dr. Christian Gremmels zu seinem 70. Geburtstag gewidmet.
Rezension
Das Gütersloher Verlagshaus hat sich um die Herausgabe der Werke Dietrich Bonhoeffers (Dietrich Bonhoeffer Werke - DBW) seit Jahrzehnten sehr verdient gemacht. Insgesamt bildet Dietrich Bonhoeffer einen Veröffentlichungs-Schwerpunkt in diesem Verlag, - dazu gehört auch vielfältige Sekundärliteratur. Der anzuzeigende Sammelband fügt sich hier gut ein; denn Prof. Dr. Christian Gremmels, dem diese Festschrift zum 70. Geburtstag gewidmet ist, zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Bonhoeffer-Kennern und -forschern. Im Mittelpunkt der Beiträge steht gemäß dem Titel Bonhoeffers Chrsitentumsverständnis, das sich einerseits, - im Gefolge Barthscher Theologie - , deutlich von Religion abhebt, und andererseits sich klar christologisch definiert. Das zeigt sich in dem bekannten Bonhoeffer-Zitat: "Was mich unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist."

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Christiane Tietz, geb. 1967, Dr. theol., ist Professorin für Systematische Theologie und Sozialethik an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz, Mitglied im Rat der EKD und Vorsitzende der deutschen Sektion der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 5

Vergegenwärtigung 11
Ulrich Kabitz

I.

»This is my World«
The Intentionality of Bonhoeffer’s Preaching in London 1933-35 17
Keith Clements

Being Christian: Being Human
Interpreting Sanctification in a »Worldly« Way 37
John W. de Gruchy

Speaking Differently about God
Bonhoeffer and the Future of Christianity in Post-secular Europe 48
Frits de Lange

Eberhard Bethge in the English-Speaking World 62
Clifford Green

Impulse Bonhoeffers für kirchliches Engagement gegen Armut 72
Heinrich Grosse

Was heißt bei Dietrich Bonhoeffer »lernen«?
Eine Längsschnittstudie 91
Jürgen Henkys

Kein Ende der Religion
Zu Bonhoeffers Unterscheidung zwischen Christentum und Religion 114
Wolfgang Huber

Evangeliumsvergegenwärtigung als Prinzip theologisch-kritischer Bibelinterpretation und Weltdeutung
Zur bleibenden Bedeutung von Bonhoeffers Hermeneutik 134
Werner Kahl

Von der Schwierigkeit, »Ich« zu sagen – oder:
Warum Dietrich Bonhoeffer an seiner selbst gestellten Aufgabe einer nichtreligiösen Interpretation des christlichen Glaubens scheitern musste und was wir heute daraus für uns lernen können 156
Christian Löhr

Von der Kirche als Leib Christi zur »Kirche für andere«
Die Wandlung des Bildes der Kirche in der Theologie Dietrich Bonhoeffers 176
Hartmut Ludwig

Bonhoeffer was a Revolutionary, but was he a Democrat? 194
John A. Moses

»Spielraum der Freiheit« und »heilige Ordnung«
Freundschaft und Familie in Dietrich Bonhoeffers Briefwechsel aus dem Gefängnis mit Eberhard Bethge und Maria von Wedemeyer 208
Andreas Pangritz

Das Außerordentliche in der Geschichte bei Walter Benjamin und Dietrich Bonhoeffer 226
Hans Pfeifer

Die Darstellung von gelebtem Glauben und unbewusstem Christentum in Dietrich Bonhoeffers »Fragmenten aus Tegel« 251
Ferdinand Schlingensiepen

Zwischen Vergangenem und Verheißenem
Bemerkungen zu Denkformen der Theologie Dietrich Bonhoeffers 278
Florian Schmitz

Bonhoeffer und Melanchthon
Beobachtungen zu einer mangelhaften Rezeption 301
Christoph Strohm

Wir leben im Vorletzten – unbewusstes Christentum 324
Ilse Tödt

II.

Vier Schlüsselworte Bonhoeffers auf meinem Weg 341
Heino Falcke

Bonhoeffers triadische Bündelung für den Weg der Kirche 346
Gernot Gerlach

Ein Brief an Bonhoeffer 350
Wolfgang Gerlach

Jona 356
Horst Heinemann

Widerstand und Autonomie 361
Wolfgang Herrmann

Von der »Acedia« und ihrer Überwindung
Wie gehören Dietrich Bonhoeffers Anfechtungen zu seinem Christsein? 364
Martin Hüneke

Franz von Assisi und Dietrich Bonhoeffer – ein Vergleich 369
Henk Janssen ofm

Eine Erfahrung mit den »Brautbriefen« Dietrich Bonhoeffers und Maria von Wedemeyers 373
Wolf Krötke

Anregungen Bonhoeffers für das Christsein junger Menschen 378
Christina Lange

Rezeption des Bonhoefferschen religionslosen Christentums in der Tschechoslowakei nach dem Jahr 1948 381
Ján Ligus

»Stationen auf dem Weg zur Freiheit«
Wie mir bei meinen Bonhoeffer-Vorlesungen in Indien der Sinn dieses Gedichts neu aufging 386
Reinhold Mokrosch

Gottes Wort – quer zu mir 399
Dirk Schulz

Dietrich Bonhoeffer als Diakon 402
Heiner Süselbeck

»Sind wir noch brauchbar?« 407
Christina und Eberhard Vater

Was uns in Polen Dietrich Bonhoeffer bedeutet 411
Janusz Witt

Epilog

Dietrich und Maria
Erinnerte Momentaufnahmen 417
Ruth-Alice von Bismarck und Stefanie von Vopelius

Abkürzungen 425
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 429


Vorwort
Als Dietrich Bonhoeffer am 30. April 1944 aus dem Gefängnis heraus an
Eberhard Bethge schreibt, beginnt das nun anhebende theologische Gespräch
mit einem Satz, der heute zu seinen berühmtesten Sätzen gehört: »Was mich
unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum oder auch wer Christus
heute für uns eigentlich ist.« Die Antwort, die Bonhoeffer in der Situation der
Haft gibt, hat ihn nach seinem Tod in Theologie und Kirche weltweit bekannt
gemacht. Es sind dies seine Überlegungen zu einer nichtreligiösen Interpretation
christlicher Begriffe und zu einem religionslosen Christentums angesichts
einer mündig gewordenen Welt. Der zitierte Satz ist aber nicht allein
als Eröffnungssatz seiner neuen theologischen Ideen bedeutsam. Die »Frage,
was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist«, war
für Bonhoeffer, so die Herausgeber der Briefe aus der Haft zu Recht, die »Frage
seines Lebens«.
Der vorliegende Band, Christian Gremmels zum 70. Geburtstag gewidmet,
macht Bonhoeffers Überlegungen zum Christentum sowie sein eigenes
Erfahren, Gestalten und Leben des Christentums, kurz: Bonhoeffers Christentum,
eigens zum Gegenstand. Damit werden Bonhoeffers christliche Herkunft,
seine Familie und Erziehung und seine persönliche Frömmigkeit in
einer bestimmten Lebensphase genauso thematisiert wie Bonhoeffers Christentumstheorie,
die danach fragt: Was ist die Aufgabe des Christentums, welche
Gestalt hat es und sollte es haben? Wie müssen sich Christen in der Welt
und derWelt gegenüber verhalten? Was kennzeichnet nach seinem Urteil vergangenes,
gegenwärtiges, zukünftiges Christentum?
Annäherungen an Bonhoeffers Christentum erfolgen dabei in zweifacher
Weise. Wissenschaftlich-theoretisch sind die mannigfaltigen Beiträge des ersten
Teils: Sie bieten Interpretationen von Bonhoeffers theologischen Äußerungen
zu Christentum und Christsein, Überlegungen zu theologischen Traditionen,
die ihn beeinflusst haben, und zur Rezeption seiner Thesen. Biographisch-
reflexiv sind die Beiträge des zweiten Teils: An ausgewählten Gedanken
Bonhoeffers sich orientierend, vermitteln ihre Autoren einen Eindruck davon,
welche unter Umständen wegweisende – oder wenigstens doch: wegbegleitende
– Bedeutung Dietrich Bonhoeffers Christentumstheorie und seine
persönliche Weise, Christ zu sein, für das Christsein Anderer bekommen
hat. Gerahmt durch zwei besondere Beiträge – von Ulrich Kabitz, dem langjährigen
Lektor des Chr. Kaiser Verlages, in dem die meisten von Bonhoeffers
Texten erschienen sind, und von Ruth-Alice von Bismarck, der Schwester
Maria von Wedemeyers –, möchte dieses Buch gleichzeitig Anregung für unser
Christentum heute sein.
Dem Anspruch verpflichtet, wissenschaftlich wie lebensgeschichtlich die
Brücke zwischen »damals« und »heute« zu schlagen, ehrt dieser Band einen
Bonhoeffer-Forscher, der diesen Anspruch in besondererWeise eingelöst hat:
Professor Dr. Christian Gremmels. Das Denken und Leben Dietrich Bonhoeffers
im Detail zu erschließen und hier und jetzt verstehbar und als
Herausforderung vernehmbar zu machen, ist sein theologisches Anliegen.
Davon zeugen seine wissenschaftlichen Arbeiten zu Bonhoeffer, allen voran
sein zentraler Beitrag zur Edition der 17-bändigen kritischen Werkausgabe
(DBW), dessen von Gremmels gemeinsam mit Renate und Eberhard Bethge
herausgegebener achter Band (»Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen
aus der Haft«) ein editorisches Meisterwerk genannt zu werden
verdient. Im akademischen Diskurs, in öffentlichen Vorträgen auf wissenschaftlichen
Tagungen, bei Kirchengemeinden und Schulen, als langjähriger
Vorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft
und bei der Beratung zahlloser Wissenschaftler, in Vorlesungen und
Seminaren als Dozent und Professor für Systematische Theologie an den Universitäten
Marburg und Kassel hat Christian Gremmels mit unermüdlichem
Engagement einen der wichtigsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts
als ein bleibend inspirierendes Erbe präsent gehalten und Bonhoeffer-
Forscher wie Bonhoeffer-Freunde in Deutschland und weit darüber hinaus
geprägt. In diesem Sinne ist dieser Band ein Dank Weniger im Namen Vieler.
Mainz, im Juli 2011 Die Herausgeber