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Die Heidegger-Hütte
Erkundung eines Denk-Raums
Martin Ludwig Hofmann
BRILL
EAN: 9783770568383 (ISBN: 3-7705-6838-9)
171 Seiten, hardcover, 14 x 21cm, September, 2023
EUR 29,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
„Zuerst formen wir die Gebäude, danach formen sie uns“, lautet ein berühmtes Zitat, das Winston Churchill zugeschrieben wird. Auf kaum jemanden scheint dies so stark zuzutreffen wie auf Martin Heidegger und seine Todtnauberger Hütte. Was wäre aus Heidegger ohne seine Hütte geworden? Wäre er in der Lage gewesen, zu denken, was er gedacht hat? Martin Ludwig Hofmann erkundet in diesem Buch diesen besonderen Denk-Raum und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in das Leben und Denken des umstrittenen Philosophen.
Rezension
Todtnauberg, in einem Hochtal des Südschwarzwaldes gelegen, gehört zu den weltweit bekanntesten Dörfern, zumindest bei Philosoph:innen. Dort steht nämlich auf 1150m Höhe die berühmte Berghütte Martin Heideggers (1889-1976), die ihm seit ihrem Bau 1922 als Ort der Muße und des Schreibens diente. Hier verfasste er große Abschnitte seines philosophischen Hauptwerks „Sein und Zeit“(1927). Der Dichter Paul Celan suchte Heidegger in seiner Hütte im Juli 1967 auf und verfasste nach der ersten Begegnung mit ihm das Gedicht „Todtnauberg“. In das Hüttenbuch schrieb Celan die bekannten Zeilen „mit dem Blick auf den Brunnenstern, mit einer Hoffnung auf ein kommendes Wort im Herzen.“ Damit brachte er unmissverständlich die Forderung an Heidegger zum Ausdruck, Stellung zu nehmen zu seinen NS-Verstrickungen, zu seiner Freiburger Rektoratsrede, zum Fehlen einer Erklärung von seiner Seite zum Holocaust und indirekt auch zu seinem langjährigen Antisemitismus, der in seinen veröffentlichten „Schwarzen Heften“ unmissverständlich zum Ausdruck kommt. Auch das Gespräch des SPIEGEL mit Heidegger im September 1966, das auf seinen Wunsch hin erst nach seinem Tode posthum erscheinen durfte, fand in der Hütte statt. Philosophie-Interessierte aus der ganzen Welt pilgern immer noch zu seinem Denkraum. Er steht symbolisch für das Leben Heideggers und sein gesamtes Philosophieren.
Diesem ikonischen Ort der Philosophie widmet sich Martin Ludwig Hofmann (*1972) in seinem Buch „Die Heidegger-Hütte. Erkundung eines Denk-Raums“, erschienen bei Brill Fink. Dem Professor für Humanwissenschaften an der Technischen Hochschule in Ostwestfalen-Lippe in Detmold gelingt eine hervorragende Erschließung des Denkorts. Dabei rezipiert er produktiv philosophische Erkenntnisse von Otto Friedrich Bollnows Raumphilosophie aus seinem Klassiker „Mensch und Raum“(1963) und von Hartmut Rosa aus seinem Hauptwerk „Resonanz“(2016). Gekonnt beleuchtet Hofmann anhand von Auszügen aus Heideggers Schriften den Wohnsitz seines Denkens. Dadurch erhält man zugleich eine gut verständlich verfasste Einführung in die Biographie und das Denken Heideggers. Philosophielehrkräfte lädt das Buch von Hofmann dazu ein, sich mit ausgewählten Schriften Heideggers im Unterricht problemorientiert auseinanderzusetzen. Außerdem bietet es sich an, in einer außerschulischen Exkursion mit Schüler:innen das Martin-Heidegger-Museum in Schloss Meßkirch zu besuchen, gemeinsam Heideggers Schrift „Der Feldweg“(1949) auf dem längst betonierten Feldweg in Meßkich zu lesen und zu seiner Berghütte in Todtnauberg zu wandern.
Fazit: Mit seinem Buch „Die Heidegger-Hütte“ ist Martin Ludwig Hofmann eine kenntnisreiche Phänomenologie des ikonischen philosophischen Denkorts gelungen.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Heidegger-Hütte
Erkundung eines Denk-Raums
Author: Martin Ludwig Hofmann
„Zuerst formen wir die Gebäude, danach formen sie uns“, lautet ein berühmtes Zitat, das Winston Churchill zugeschrieben wird. Auf kaum jemanden scheint dies so stark zuzutreffen wie auf Martin Heidegger und seine Todtnauberger Hütte. Was wäre aus Heidegger ohne seine Hütte geworden? Wäre er in der Lage gewesen, zu denken, was er gedacht hat? Martin Ludwig Hofmann erkundet in diesem Buch diesen besonderen Denk-Raum und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in das Leben und Denken des umstrittenen Philosophen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Höhenlage 9
Der heimliche König 11
Die Einsamkeit der Berge 13
Sein und Zeit... und Raum 15
2. Das Fundament 21
Der Einzug 22
Schwierige Nachbarschaft 25
Die Hütte als Resonanzraum 31
3. Der Sturm 35
Schöpferische Landschaft 36
Ein Sturm, der durch das Denken zieht 40
Wohnsitz des Denkens 43
4. Der Berg 53
Der ontische Vorrang der Seinsfrage 54
Die Angst und das Nichts 57
Heimkehr in die Ruhelosigkeit 60
5. Das Gipfeltreffen 65
Bergsteigen als philosophische Taktik 67
Philosophie als existentielle Erfahrung 71
Rhetorik der Überwältigung 74
6. Das Feuer 79
Flammen einer neuen Zeit 81
Der Philosoph als Führer 84
Das Rektorat 86
7. Das Lager 93
Ruhm und Revolution 95
Paradigma des Arbeitslagers 99
Das Wissenschaftslager 101
8. Der Niedergang 109
Die Legende vom „irren Sprung“ 111
Ringen um Anerkennung 117
Am Tiefpunkt 120
9. Das Gästebuch 127
Pilgernde Bewunderer 131
Der Spiegel zu Gast auf der Hütte 133
Der Brunnenstern 138
10. Die Kehre 141
Der schmale Grat 143
Von Chauffeuren und Chimären 146
Am Ende heimatlos? 148
Nachwort
„Wir werden ja vollkommen VERSOZIOLOGISIERT!" 153
Über den Autor 163
Literatur und Bildnachweis165
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