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Die Erwartung der Endzeit Vom Ursprung der Apokalypse Aus dem Englischen von 
Peter Gillhofer und Hans-Ulrich Möhring

Originaltitel: Cosmos, Chaos, and the World to come. The Ancient Roots of Apocalyptic Faith
New Haven / London, Yale University Press 1993
Die Erwartung der Endzeit
Vom Ursprung der Apokalypse


Aus dem Englischen von

Peter Gillhofer und Hans-Ulrich Möhring



Originaltitel: Cosmos, Chaos, and the World to come. The Ancient Roots of Apocalyptic Faith

New Haven / London, Yale University Press 1993

Norman Cohn

Insel Verlag
EAN: 9783458168805 (ISBN: 3-458-16880-X)
421 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, August, 1997

EUR 28,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Religionswissenschaftler Norman Cohn, Verfasser zahlreicher Standardwerke zur Religionsgeschichte, spürt den Anfängen des apokalyptischen Denkens nach. Anschaulich stellt Cohn die Glaubenswelten des Alten Ägypten, Mesopotamiens und Indiens dar, und er zeigt die Erneuerungen auf, die vom Iran und von den jüdischen Propheten ausgingen und die sich in den frühen christlichen Vorstellungen von einem Himmel auf Erden fortgesetzt haben.



»Das ist ein ebenso aufregendes wie gelehrtes Buch, nicht nur für Forscher und Studenten der alten Religionen, sondern auch für all jene, die sich für die modernen apokalyptischen Modelle interessieren.« -

New York Book of Reviews



Norman Cohn ist bereits durch mehrere gewichtige, inzwischen klassische Bücher über Apokalyptiker, Millennaristen und Endzeitfanatiker berühmt geworden. In diesem Buch, das er selbst als sein Hauptwerk bezeichnet, stellt er die Zeit- und Geschichtsvorstellungen vor allem der frühen nahöstlichen Kulturen dar. Am Anfang des apokalyptischen Denkens steht die Hoffnung auf eine bessere Welt. Die frühe Weltsicht um das Jahr 1500 vor Christus bestand im alten Nahen Osten darin, daß das grundsätzliche Chaos in der Welt durch die Götter in einen geordneten Kosmos verwandelt wurde, der dann als unveränderlich galt. Allerdings war dieser Zustand nur außerhalb der Welt vorstellbar, denn der Kosmos wurde immer wieder in Frage gestellt durch die Kräfte des Chaos, d.h. Naturkatastrophen, Hungersnöte und Epidemien, Kriegsverheerungen, Todesfälle. Dazu kam die Bedrohung durch dämonische Kräfte. Solchen Anfeindungen gegenüber bewährten sich - so wird in den mythischen Heldengeschichten erzählt - göttliche Kämpfer als Bewahrer des Ordnungsprinzips: Sie bewirkten, daß die Welt überleben konnte. Dieses Weltmodell wurde zwischen 1500 und 1300 vor Christus durch den iranischen Propheten Zoroaster (Zarathustra) entscheidend verändert: Er setzte der furchteinflößenden Sicht auf die irdische Welt eine Neudeutung des Weltkampfmythos entgegen, in welcher bereits dem Diesseits ein konfliktloses Ende zugesprochen wurde, eine End-Zeit, in der Kosmos ohne Chaos herrschen würde. Es ist dies ein Modell linearer Zeitentwicklung, das von manchen jüdischen Sekten, insbesondere von den Jesus-Nachfolgern, begierig aufgegriffen wurde und das es erlaubte, das menschliche Leben und das Leben der gesamten Menschheit in einem Zukunftsentwurf und in einer Zukunftsperspektive zu deuten. Der zoroastrische Weltdeutungsentwurf wurde damit zur Grundlage unserer auf linearen Verläufen aufbauenden Zeitinterpretation und gestattete grundsätzlich die Entfaltung von Endzeitperspektiven, die mehr oder minder bis in unsere Zeit wirkten. Cohns Buch ist außerordentlich gut lesbar; es rückt - im Kontext der menschlichen Bewußtseinsgeschichte - einen zentralen Umschlagspunkt in den Blick und führt tief in die Problematik unseres historisch gewordenen Zeitempfindens hinein.



Norman Cohn, Professor emeritus, unterrichtete, nach dem Studium am Christ Church College, Oxford, an Universitäten in Schottland, Irland und England und erhielt Forschungsstipendien in den USA, in Kanada und in Holland. 1966 wurde er Professor an der Universität von Sussex und Direktor des Columbus-Centre zur Erforschung der Verfolgung und des Völkermordes. Von 1973 bis 1980 war er Astor-Wolfson-Professor in Sussex. Er ist Fellow of the British Academy. Publikationen: The Pursuit of the Millennium (1957) dt.: Millenium. Das Ringen um das Tausendjährige Reich; Warrant for Geno-cide (1967); Europe's Inner Demons (1975), Noah's Flood. The Genesis Story in 'Western Thought (1996). Seine Bücher sind in zahlreichen Ausgaben in verschiedenen Sprachen erschienen.
Rezension
Apokalyptik hat Konjunktur: Apocalypse now! Insbesondere die modernen apokalyptischen Modelle bewegen nicht nur Schüler/innen und deren Lebenswelten in Kino, Popmusik und Werbung, sondern lassen auch Rückfragen nach den Ursprüngen apokalyptischen Denkens zu. Das frühe Christentum ist wesentlich apokalyptisch geprägt gewesen, Jesus von Nazareth war ein apokalyptisch geprägter Wanderprediger in den Spuren des Apokalyptikers Johannes d. T. Im Zentrum des apokalyptischen Denkens steht die Hoffnung auf eine bessere Welt, einen neuen Himmel, eine neue Erde (Apc 21), - und darin unterscheidet sich die ursprüngliche Apokalyptik von der heutigen, die sich nur mehr in Untergangsszenarien badet. Dieses Buch leuchtet diese Sachverhalte umfassend vor dem breiten religionsgeschichtlichen Hintergrund des antiken Vorderasien aus.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Dank 11

Teil Eins: Der Alte Orient

1. Ägypter 15
2. Mesopotamier 57
3. Vedische Inder 95
4. Zoroastrier 124
5. Vom Weltkampfmythos zur Endzeiterwartung 167

Teil Zwei: Der syrisch-palästinische Schmelztiegel

6. Ugarit 185
7. Jahwe und das Jerusalemer Königtum 199
8. Exilische und nachexilische Zeit 216
9. Jüdische Apokalypsen I 2.48
10. Jüdische Apokalypsen II 267
11. Die Jesussekte 295
12. Die Offenbarung des Johannes 321
13. Juden, Zoroastrier und Christen 332

Nachwort 343
Anmerkungen 347
Register 405