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Die Bibel und ich Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr
Die Bibel und ich
Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen


Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr

A. J. Jacobs

Ullstein
EAN: 9783550087240 (ISBN: 3-550-08724-1)
432 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, September, 2008

EUR 19,90
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
A.J. Jacobs hat sich einen Namen gemacht, weil der die Encyclopedia Britannica von vorn bis hinten durchgelesen und darüber ein Buch geschrieben hat. Sein jüngster Selbstversuch hat sich nun zum Ziel gesetzt, ein Jahr lang die Gesetze und Gebote der Bibel wörtlich zu nehmen. Ein solches Projekt scheint im Ansatz eher absurd zu sein, aber: Es stellt sich heraus, dass dieses Jahr, das er in seinem Buch 'Die Bibel und ich' dokumentiert, nicht nur für ihn, sondern auch für jeden Leser sich als höchst ertragreich herausstellt.
Jacobs, jüdischer Herkunft, eingefleischter Agnostiker, Bewohner von New York, Autor bei 'Esquire' (nicht unbedingt eine religiös orientierten Zeitschrift), Vater eines Kindes (im Lauf des beschriebenen Jahres kommen noch zwei dazu, Jungs, obwohl Mädchen gewünscht) verfügt über eine Tugend, die nur zu bewundern ist: Er lässt sich unbefangen auf seinen Gegenstand, also die jüdische (und christliche) Glaubenswelt in der Buntheit, Vielfalt und Widersprüchlichkeit ihrer Aspekte ein, und wenn die Bibel vorschreibt, man solle regelmäßig auf dem Schofar blasen, so tut er es auch. Paradigmatisch wird diese Tugend sichtbar, wenn Jacobs etwa mit den New Yorker Chassidim ein ekstatisches Besäufnis feiert, das Gewebe seiner Kleidung daraufhin untersuchen lässt, ob sie den Reinheitsvorschriften entspricht (Kein Mischgewebe!) oder 5 Mose 22,6 in die Tat umsetzt: "Wenn du unterwegs ein Vogelnest findest ... so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen".
Ob man sich nun in der Bibel auskennt oder nicht: Bei der Lektüre von 'Die Bibel und ich' stößt man ständig auf Bibelstellen, Kontrastbilder und Kommentare (denn Jacobs lässt sich von Fachleuten jeder Couleur in der Auslegung der Schrift beraten), die einem Einsichten vermitteln, zum Schmunzeln bringen oder in Lachen ausbrechen lassen, zum Beispiel sein Versuch, das Gebot 'Du sollst nicht begehren' einzuhalten (40ff), Ehebrecher zu steinigen (123ff) oder sich nur noch von allem Anstößigen bereinigte DVDs anzuschauen ('Kill Bill' von Tarantino zum Beispiel).
Aber Jacobs ist nicht einfach nur lustig und unterhaltsam. Im Lauf seiner Streifzüge durch die Erscheinungsformen von Judentum und evangelikalem Christentum bekommt man einen Einblick in die Interpretationsgeschichte der Bibel, entwickelt Neugier und Achtung auch gegenüber Merkwürdigkeiten der religiösen Traditionen und versteht besser was die religiöse Erfahrung ausmacht. Nicht, dass der Autor nach seinem Bibeljahr gläubig geworden wäre, aber er hat sich doch verändert: Er hält den Sabbat ein, weil er festgestellt hat, dass ihm das gut tut, und er lässt seine neu geborenen Zwillinge beschneiden, auch wenn er darin eigentlich keinen aktuellen Sinn entdecken kann (allein die Schilderung der Beschneidung ist das Buch wert, 378ff).
Kann man das Buch im Religionsunterricht brauchen? Aber ganz gewiss: sei es, um Bibelstellen zu erörtern, sei es, um Rituale zu veranschaulichen, sei es, um über die Interpretation und aktuelle Bedeutsamkeit biblischer Grundsätze zu diskutieren oder sei es, um starre Haltungen aufzubrechen und sei es nur, dass manche die Bibel immer noch für ein langweiliges Buch halten.
Anzumerken ist allenfalls, dass das Alte Testament und damit auch das Judentum ganz klar im Vordergrund von Jacobs Betrachtungen stehen. Das Neue Testament kommt zu kurz (eine Feststellung, keine Kritik) und Jacobs Begegnungen mit dem Christentum beschränken sich auf einige Aspekte des evangelikalen Amerikas. Aber vermutlich hätte er sich für eine eingehendere Auseinandersetzung noch ein weiteres Jahr Zeit nehmen müssen.
Fazit: Dringliche Lese- und Kaufempfehlung für alle.

Matthias Wörther, lehrerbibliothek.de

Pressestimmen:


»Wahnsinnig komisch und erhellend zugleich.«
People


»Ein anmutiges Buch voller Herzenswärme.«
Los Angeles Times


»Es ist ein sehr lustiges Buch geworden, zugleich ein aufschlussreiches und in seinem Verzicht auf Häme und Arroganz, in seiner Menschenfreundlichkeit ein äußerst sympatisches Buch.« SÜDDEUTSCHE ZEITUNG/Johan Schloemann/ 16.09.08


»Der Mann ist schmerzfrei - und eine Inspiration.«
sueddeutsche.de/ 16.09.08/Jürgen Schmieder


»Wie das alles in einen New Yorker Journalistenhaushalt passt, ist höchst amüsant zu lesen. Skurriler, aber durchaus respektvoller und lehrreicher Selbstversuch.«
GONG/ 19.09.08


»Amüsant«
FREUNDIN/ 24.09.08


»In dem 400-Seiten-Wälzer (reihen sich) witzige, aber auch erhellende Momente in schneller Folge aneinander. Jacobs schildert sie mit freundlicher Ironie und großer Herzenswärme.«
RHEINISCHE POST Online/ 26.09.08/Philipp Stempel


»Das Buch ... ist vor allem witzig - man merkt ihm in jedem Kapitel den Schalk von Jacobs an.«
FR Online/ 30.09.08

»Jacobs meistert diese und andere Situationen, vor die ihn die biblischen Gebote stellen, mit der Selbstironie eines großen Komikers - ohne die geringste Scheu, sich lächerlich zu machen.«
FRANKFURTER RUNDSCHAU/ 30.09.08/Sebastian Moll

»Ohne bigott zu sein eine Sünde wert.«
FHM/ 11/08
Verlagsinfo
Ein Mann, ein Jahr und 800 GeboteStellen Sie sich vor, Sie dürften ein Jahr lang nicht lügen, nicht Ihres Nachbarn iPhone begehren und nicht fluchen. Das geht nicht? Doch, das geht. A.J. Jacobs hat es tatsächlich geschafft, zwölf Monate hindurch die biblischen Gesetze zu befolgen – auch die eigenartigsten. Halleluja!

Was ist dran am Buch der Bücher? A. J. Jacobs hat sich entschlossen, der Bibel in einem Selbstversuch auf den Grund zu gehen. Ein Jahr lang will er die biblischen Gesetze so getreu wie möglich befolgen. Er lässt sich einen Bart wachsen, begrüßt den Beginn eines neuen Monats mit einer Widderhorn-Fanfare und versucht, im Central Park Ehebrecher mit Kieseln zu steinigen. Seine Frau Julie ist keineswegs begeistert, aber Jacobs lässt sich nicht beirren. Er trifft fundamentalistische Christen, tanzt mit chassidischen Juden und reist nach Israel. Die letzten Monate sind dem Neuen Testament gewidmet. Trotz vieler merkwürdiger Begegnungen und scheinbar absurder Gesetze versteht A.J. Jacobs allmählich, welcher Sinn hinter dem Buch der Bücher steht. Am Ende des biblischen Jahres ist er zwar nicht gläubig, aber auf jeden Fall klüger: Er ist ein toleranterer Mensch geworden, der sich und anderen mehr Respekt entgegenbringt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Erster Monat: September
Zweiter Monat: Oktober
Dritter Monat: November
Vierter Monat: Dezember
Fünfter Monat: Januar
Sechster Monat: Februar
Siebter Monat: März
Achter Monat: April
Neunter Monat: Mai
Zehnter Monat: Juni
Elfter Monat: Juli
Zwölfter Monat: August (und ein Bisschen September)
Anhang
Anmerkungen
Ausgewählte Bibliografie
Deutsche Bibel-BIbliografie
Danksagung
Register