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Der Waldorf-Komplex
Zwischen Mystik und Pädagogik - Die Schattenseiten des anthroposophischen Bildungssystems
Bettina Schuler
Verlagsgruppe Droemer Weltbild GmbH & Co. KG
EAN: 9783426566510 (ISBN: 3-426-56651-6)
224 Seiten, paperback, 14 x 21cm, Oktober, 2025, Klappenbroschur
EUR 20,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Eine gefährliche alternative Lehre: Was in Waldorfschulen wirklich auf dem Lehrplan steht.
Lehrermangel, belastete Schulen und Frontalunterricht – beim Blick auf das staatliche Schulsystem scheinen die freien Schulformen eine gute Alternative. Viele Menschen in Deutschland haben ein sehr positives Bild von Waldorfschulen, die wenigsten kennen jedoch die weltanschauliche Basis der anthroposophischen Pädagogik. Die ehemalige Waldorf-Schülerin und Journalistin Bettina Schuler zeigt: Aufgrund ihrer oft antiwissenschaftlichen und autoritären Grundierung birgt die vorgeblich weltoffene Erziehungsmethode der Waldorfschulen Gefahren für die freie Entwicklung der Kinder – und in letzter Konsequenz für die Demokratie. In ihrem klugen Debattenbuch plädiert sie für einen konstruktiv-kritischen Blick auf Waldorfschulen, der das wichtigste Ziel nicht aus den Augen verliert: bessere Bildung für unsere Kinder.
Mit Expert*innenbeiträgen von Düzen Tekkal, Peter Bierl, Ciani-Sophia Hoeder u.v.m.
Bettina Schuler ist Journalistin und Bestseller-Autorin, u.a. von ¯Schlachtfeld Elternabend®. Für ihr integratives Engagement wird sie 2025 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Sie ist selbst ehemalige Waldorfschülerin und Mutter einer Tochter, die im Waldorfschulsystem großgeworden ist.
Rezension
Von Waldorf bis Demeter – Rudolf Steiner wirkt bis heute. Kaum eine andere intellektuelle Persönlichkeit des frühen zwanzigsten Jahrhunderts hat eine so starke und immer noch zunehmende erziehungs- und lebensreformerische Wirkung entfaltet wie Rudolf Steiner. Waldorfschulen und biologisch-dynamische Landwirtschaft, der Waldorf-Komplex boomt. In Deutschland gibt es mehr als 220 Waldorfschulen mit mehr als 80.000 Schülern und rund 7.500 Lehrern. Die anthroposophische Schulbewegung kann mittlerweile neben der Montessori-Pädagogik als die erfolgreichste Reforminitiative gelten, die aus der klassischen Epoche der Neuen Erziehung bzw. der »Progressive Education« im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Die Waldorfschulen sind nach den traditionell dominierenden Schulen in konfessioneller Trägerschaft zur zweitstärksten Kraft im deutschen Privatschulsektor avanciert. Aber auch 100 Jahre nach ihrer Entstehung ist die Waldorfpädagogik äußerst umstritten wie kaum eine andere Schulform: Befürworter und Gegner stehen sich erbittert gegenüber, ür die einen eine gelungene Alternative zur Mainstream-Pädagogik, für die anderen esoterische Scharlatanerie. Die Autorin dieses Buches ist von letzterem überzeugt - und begründet es. Aufgrund ihrer oft antiwissenschaftlichen und autoritären Grundierung birgt die vorgeblich weltoffene Erziehungsmethode der Waldorfschulen Gefahren für die freie Entwicklung der Kinder – und in letzter Konsequenz für die Demokratie. Warnende und entlarvende kritische Stimmen zur Waldorfpädagogik und erst recht zu der kruden Anthroposophie finden sich die Fülle, - und doch (oder gerade deshalb) übt der Waldorf-Komplex, der weitaus mehr umfasst als nur die Waldorf-Schulen, eine unverminderte Anziehungskraft auf Eltern aus, die sich nach Alternativen für ihre Kinder sehnen. Aus der Abschirmung gegenüber der Außenwelt, die die Eigenwelt zugleich im Gestus ideologischer und moralischer Überlegenheit stabilisiert, vermag die Waldorfpädagogik noch immer eine Tugend zu machen. Die Anthroposophie Rudolf Steiners wandte sich von Beginn an inmitten der Reformanstrengungen eines gebildeten Bürgertums gegen reale oder eingebildete Bedrohungen in der Moderne: Die Zergliederung des Menschen, des Wissens, der Arbeit und der Zeit forderte das bürgerliche Selbstverständnis in der Wilhelminischen Zeit heraus, weshalb man sich zu lebensreformerischen und moralischen Vereinigungen zusammenfand. Die Patentrezepte zur Heilung des Selbst und der Gesellschaft hießen: Vegetarismus und Antialkoholismus, Nudismus, Abwehr von Schmutz und Schund, körperliche Ertüchtigung, Kleiderreform, Rassenhygiene, gesundes Wohnen und Bauen, Reformkost und ganzheitliche Medizin.
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
"Es ist erstaunlich, dass nicht schon früher ein kritisches Buch über die Waldorfpädagogik in einem großen Publikumsverlag erschienen ist."
Uwe Ebbinghaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2025
Inhaltsverzeichnis
Ein Blick hinter die bunten Fassaden der Waldorfschulen 9
Das Versprechen: Hier wird ihr Kind gesehen! 21
Warum Eltern ihre Kinder auf eine Waldorfschule schicken 22
Was Waldorfschulen anders machen 26
Die Realität 33
Ätherleib, Reinkarnation und Karmalehre 34
Die Lehre von den Jahrsiebten und ihr Einfluss auf die Waldorfpädagogik 59
Das Klassenlehrer*innen-Prinzip 75
Die Temperamentenlehre 81
Und alle malen das gleiche Bild 91
Die Waldorflehrer*innen 98
Das Frauenbild 111
Die Schulgemeinschaft und ihre Organisation 125
Die Folgen 133
Freiheit im Übermaß 137
Wir gegen den Rest 146
Natur und geistige Welt als oberste Prinzipien 156
Esoterik, Naturverbundenheit und Spiritualität 168
Paternalismus, Elitarismus und Conspirituality 178
Was ist die Waldorfschule wirklich? 195
Dank 201
Anmerkungen 203
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