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Der Maler Carl Grossberg  Hans-Jürgen Maes
Der Maler Carl Grossberg


Hans-Jürgen Maes
Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG
EAN: 9783731915324 (ISBN: 3-7319-1532-4)
276 Seiten, hardcover, 21 x 30cm, August, 2025

EUR 69,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Carl Grossberg (1894–1940) gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit, doch erscheint er neben Persönlichkeiten wie Dix oder Grosz nur über den Zeitstil vermittelt. Mit dieser ersten Monographie zum Maler wird sein Werk auf direktem Weg zugänglich, seine Person als Intellektueller und Kind seiner Zeit plastisch. Die bis heute als rätselhaft geltenden Traumbilder Grossbergs werden Detail für Detail entschlüsselt. Im Wissen um seine weltanschaulichen Überzeugungen erscheinen auch seine Industriebilder und Stadtporträts, die als besonders bezeichnend für das fotografische Konstatieren der Neuen Sachlichkeit gelten, in einem neuen Licht. Endlich kann so auch den immer wieder geäußerten Verdächtigungen begegnet werden, die Grossberg eine Anbiederung an das NS-Regime unterstellen.

Hans-Jürgen Maes, Dr. phil., geb. 1966 in Bitburg/Eifel, Studium der Kunstgeschichte, Ger­manistik und Philosophie in Köln, Bonn und Florenz, lebt in Köln als Fotograf und Kunsthistoriker.
Rezension
„Maschinensaal“(1925), „Traumbild Rotor“(1927), „Dampfkessel mit Fledermaus“(1928), „Selbstbildnis“(1928), „Komposition mit Turbine“(1929), „Die Elemente“(1931), „Taucherrüstung in Montagehalle“(1931), „Der gelbe Kessel“(1933), „Die Papiermaschine“(1934) und „Jacquard-Weberei“(1934). Die Bilder zählen zu den bekanntesten des Malers Carl Grossberg (1894-1940). Er gilt als einer der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit, der prägenden Kunstrichtung in der Weimarer Republik. In Elberfeld aufgewachsen, studierte Grossberg in Aachen und Darmstadt Architektur, wurde durch den Ersten Weltkrieg traumatisiert, ging danach nach Weimar zum Studium zunächst an die Hochschule für Bildende Künste, danach ans Bauhaus, wo er Schüler von Lyonel Feininger wurde. Wie die Titel von Grossbergs Werken verdeutlichten, sind deren Hauptmotive der industrialisierten Moderne entnommen, zum Beispiel Fabrikhallen und Maschinen.
Das Œuvre des Künstlers wird in der von Hans-Jürgen Maes (*1966) an der Universität Köln eingereichten Dissertation, die im Michael Imhof Verlag unter dem Titel „Der Maler Carl Grossberg. Von Weimar nach nirgendwo nach Dessau“ erschien, erstmals differenziert erschlossen. Dabei beleuchtet der Kunsthistoriker auch das Verhältnis von Grossberg zum Nationalsozialismus. Maes fokussiert sich in seiner Monographie auf kunstgeschichtliche Interpretationen von ausgewählten Werken Grossbergs, zum Beispiel „Traumbild Rotor“, „Selbstporträt“ und „Die Elemente“. Dabei bedient er sich der kunstgeschichtlichen Trias: Beschreibung des Bildwerks, historische Kontextualisierung und Ikonologie. Die Bilder des Malers deutet Maes als Ausdruck einer „Kulturkritik aus einer Position jenseits des technisch-ökonomischen Fortschritts.“(S. 239). Sehr gut gelingt es dem Kunsthistoriker, den Einfluss von Hesiod, El Lissitzky und insbesondere von Friedrich Nietzsche auf Grossbergs künstlerisches Werk aufzuzeigen. Schön illustriert wird die Monographie durch 100 Farb- und fünf Schwarz-Weiß-Abbildungen.
Lehrkräfte des Faches Bildende Kunst werden durch das vorliegende Buch motiviert, sich in ihrem Fachunterricht mit Arbeiten der Neuen Sachlichkeit auseinanderzusetzen. Zudem bietet es sich an, mit Schüler:innen die vom 22.3. bis zum 30.8.2026 im Von der Heydt-Museum (Wuppertal) gezeigte Retrospektive „Carl Grossberg Sachlich – Magisch – Visionär“ zu besuchen. Auch im Philosophieunterricht kann in einer Unterrichtseinheit zur Ästhetik das Technikschöne thematisiert werden.
Fazit: Die erste Monographie zu Carl Grossberg von Hans-Jürgen Maes leistet einen wichtigen Beitrag zur Erschließung des Œuvres des Künstlers, zur Malerei der Neuen Sachlichkeit sowie zur Nietzsche-Rezeption in der Kunstgeschichte.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Maler Carl Grossberg
Von Weimar nach nirgendwo, von nirgendwo nach Dessau
Hans-Jürgen Maes
Carl Grossberg (1894–1940) gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit, doch erscheint er neben Persönlichkeiten wie Dix oder Grosz nur über den Zeitstil vermittelt. Mit dieser ersten Monographie zum Maler wird sein Werk auf direktem Weg zugänglich, seine Person als Intellektueller und Kind seiner Zeit plastisch. Die bis heute als rätselhaft geltenden Traumbilder Grossbergs werden Detail für Detail entschlüsselt. Im Wissen um seine weltanschaulichen Überzeugungen erscheinen auch seine Industriebilder und Stadtporträts, die als besonders bezeichnend für das fotografische Konstatieren der Neuen Sachlichkeit gelten, in einem neuen Licht. Endlich kann so auch den immer wieder geäußerten Verdächtigungen begegnet werden, die Grossberg eine Anbiederung an das NS-Regime unterstellen.
Hans-Jürgen Maes, Dr. phil., geb. 1966 in Bitburg/Eifel, Studium der Kunstgeschichte, Ger­manistik und Philosophie in Köln, Bonn und Florenz, lebt in Köln als Fotograf und Kunsthistoriker.
Inhaltsverzeichnis
Carl Grossberg - ein abgelegter Maler 9
I. Von Weimar nach nirgendwo 13
Arche Noah (1923) Nachruf auf eine Utopie 17
Traumbild Rotor (1927) Persiflage einer Weltbauvision22
Normung und Typographie 24
Arts and Crafts - Kunst und Technik 30
Szientismus als Ästhetik39
Raumzeitarchitektur: Die maison particuliere 45
Axonometrie und Pangeometrie 48
Saturn und die Entstehung der melancholia artificialis 49
EXKURS: Das Traumbild Rotor als ikonographische Komposition 55
Komplementärsymbole und die Aufspaltung der melancholia artificialis58
Die Melancholie der mathematisch Begabten59
Technisches Herrentum: sieg über die sonne 61
Ars et Scientia - Brauch und Kunst62
Dampfkessel mit Fledermaus (1928) 69
Rotation der Weltkörper: Der ,imaginäre Raurn 76
Der Bildträger als Persiflage 78
Selbstporträt (1928) Nicht Genie - nicht Ingenieur 81
Von Handwerk und Begabung82
Von Demut und Begabung 90
Von Stil und Begabung 95
Dürer als Sokrates 98
II. von nirgendwo nach Dessau101
Maschinensaal I (1925) Vom Niedergang der Erdkultur 102
Der Baron und der Konsul
Grossbergs Sammler und Auftraggeber 110
Der HOBUM-Auftrag (1932/33)
Humores, Hogarth, Hesiod 115
Ölraffinerie (Der schwarze Kessel) und Dergelbe Kessel 115
Weiße Röhren (1933)120
Weiße Tanks122
Weißer Rauch (Fabrikhof) und Laderampe 127
Renaissance (1929) Die Tragödie als Versuchsaufbau135
Die Entstehung der perspectiva artificialis 138
EXKURS: Surrealismus als Postsymbolismus142
Szenographie für eine ,Oper ohne Bühne*146
Umriss einer Mechanik der Weltgeschichte 148
Die Elemente (1931) Vor Plato im Werkraum 154
Riemenschneider als Gegentyp zu Dürer157
Von Stoff und Form161
Von Wesen und Vollendung 168
Arbeiten und nicht verzweifeln!175
Taucherrüstung in Montagehalle (1931) Anonymus im Dualgehäus’ 177
Selbstporträt als geistig Schaffender179
Fluchtpunkt und Unendlichferne 182
Das Handwerk der Zukunft . 186
Ein Zeitbild des Jahres 1931 187
III. Neue Lebenswelten191
Rendite statt Abundantia
Stadtporträts als Kapitalismuskritik 192
Der Industrieplan Vom Nachleben des Mythos in der Moderne 206
Heimatschutz als Fertighaus210
Deutsches Volk - Deutsche Arbeit (1934) 220
Der totale Staat 220
Weder Volk noch Arbeit 222
Menschenbilder, Selbstsichten, Staatsideen227
Symbolische Formen und das Distanz-Apriori der Freiheit234
Epilog
Formalia einer tragischen und einer heroischen Moderne238
Anhang243
Einzelausstellungen243
Sammelausstellungen 244
Nachweisbare und wahrscheinliche Quellen Grossbergs245
Literatur247
Dokumente 255
Anmerkungen258
Abbildungsnachweis 273
Impressum 275