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Den kranken Menschen verstehen Für eine Medizin der Zuwendung Überarbeitete und ergänzte Neuausgabe
Den kranken Menschen verstehen
Für eine Medizin der Zuwendung


Überarbeitete und ergänzte Neuausgabe

Giovanni Maio

Herder Verlag
EAN: 9783451036385 (ISBN: 3-451-03638-X)
240 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, September, 2025

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Medizin als verständigungsorientierte Praxis

Krankheiten können den Menschen in eine existenzielle Krise stürzen. Die moderne Medizin reagiert darauf mit Naturwissenschaft und perfekter Technik, aber sie lässt den Menschen in seiner Lebenskrise oft allein. Giovanni Maio macht die Einseitigkeit einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin deutlich und entwirft eine Ethik in der Medizin, die auf die Kraft der Zuwendung und der Begegnung setzt. Ein überfälliger Aufruf zu einer neuen Medizin der Zwischenmenschlichkeit in einer überarbeiteten und erweiterten Ausgabe.

Giovanni Maio, Prof. Dr., geb. 1964, Studium der Medizin und Philosophie in Freiburg, Straßburg und Hagen. Seit 2005 Professor für Bioethik, seit 2006 Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin. Er berät die Deutsche Bischofskonferenz wie auch die Bundesregierung und die Bundesärztekammer.
Rezension
Krankheiten können den Menschen in eine existenzielle Krise stürzen. Die moderne Medizin reagiert darauf mit Naturwissenschaft und perfekter Technik, aber sie lässt den Menschen in seiner Lebenskrise oft allein. Dieses Buch liegt hiermit in überarbeiteter und ergänzter Neuausgabe vor; es ist erwachsen aus einer langjährigen Beschäftigung mit den Fehlentwicklungen der modernen Medizin. Als Alternative schlägt dieses Buch eine Medizin der Zwischenmenschlichkeit vor. Das letzte Kapitel trägt entsprechend die Überschrift: "Ohne Zuwendung ist alles nichts." Das ist zugleich die Hauptthese, mit der eine rein naturwissenschaftlich und technich perfekte Medizin kritisiert wird zugunsten einer "Medizin der Zuwendung" mit dem Menschen im Mittelpunkt, die der Autor seit langem vertritt und in verschiedenen Veröffentlichungen dafür eintritt. Giovanni Maio macht die Einseitigkeit einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin deutlich und entwirft eine Ethik in der Medizin, die auf die Kraft der Zuwendung und der Begegnung setzt. In der Neuausgabe war dem Autor besonders wichtig eine Erweiterung des Spektrums der phänomenologisch aufgearbeiteten Krankheiten, da ier aufzeigen wollte, dass sich mit dem Krankwerden eben nicht nur das innere Bewusstsein verändert, sondern dass die Krankheit manifeste Auswirkungen auch auf äußere Prozesse hat, sichtbare Symptome, die wiederum das eigene Bewusstsein und die Selbstwahrnehmung von Grund auf verändern können. Insbesondere auch das Kapitel zum Sterben ist komplett neu geschrieben worden; das Sterben wird aus einer Verletzlichkeitsperspektive betrachtet

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Engagiertes Plädoyer für eine »Medizin der Zuwendung«
Überarbeitete und erweiterte Ausgabe

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur 4. Auflage 9
Vorwort zur 3. Auflage 11
Vorwort zur 1. Auflage 13

I. Moderne Medizin – oder wenn das Verstehen des Patienten zur Nebensache wird 17

Medizin als Industriebetrieb? 19
Gute Medizin sucht nach singulären Lösungen 21
Gute Medizin braucht behutsames Abwägen 22
Reflexion und Synthese 23
Erfahrung und Urteilskraft 24
Gute Medizin zwischen einer Kunst des Machens und einer Kunst des Verstehens 27

II. Eine kleine Phänomenologie des Krankseins – Beispiele aus der Praxis 31

1. Chronischer Schmerz – der widrige Stachel als Bewältigungsaufgabe 33
Der Stachel 33
Das Getroffenwerden 34
Vereinsamung 36
Die subjektive Erfahrung in einer Medizin, die auf Objektivierbarkeit setzt 38
Der Schmerzpatient als Gegenpol zum Unternehmer seiner selbst 40
Schmerzen haben als persönliches Versagen? 42
Gefangen und doch frei – der Schmerz als Bewältigungsaufgabe 43

2. Krebs – das Herausgeworfensein aus der Normalität 47

Diagnose Krebs als abrupte Unterbrechung der Normalität 48
Verlust der Kontrolle über das eigene Leben 50
Verlust der leiblichen Geborgenheit 51
Abschied von der Verlässlichkeit der Zukunft 55
Metamorphose 57
Erkennen verborgener Ressourcen 62
Die Neuerstellung von Normalität 64

3. Parkinson – die Entfremdung vom eigenen Körper 69

Das Fremdwerden des eigenen Körpers 69
Die Unüberwindlichkeit des Raumes 72
Das Stehenbleiben der Zeit 73
Herausfallen aus dem Selbstverständlichen 75
Weckruf für die Gesunden 77

4. Demenz – die fortbestehende Identität in neuer Form 80

Der verstellte Zugang zur eigenen Geschichte 82
Der Schleier der Unvertrautheit 88
Die Scham, andere zu enttäuschen 90
Die Fähigkeit zur Resonanz 91
Leben im Bezogensein 93
Das leibliche Ich 95
Die durch Beziehung gestiftete Identität 97

5. Der sterbende Mensch – Leben im Zeichen der Angewiesenheit 102

Die Verletzlichkeit des sterbenden Menschen 104
Verletzlichkeit als Aufforderung zur Sorge 108
Die bejahende Haltung der Sorge 110
Für eine Kultur der Anerkennung und Reintegration Schwerkranker in die Gesellschaft 111

III. Wege der Bewältigung 115

6. Annehmen lernen – das gute Leben als Kunst des Sich-Einrichtens 117

Was bedeutet Schicksal? 118
Wir finden Gegebenes vor 121
Leben heißt, dem Widerfahrnis ausgesetzt sein 123
Die moderne Unfähigkeit, das Gegebene anzunehmen 125
Schicksal als Aufgabe 127
Freiheit 129
Vom Wert der Selbstbejahung 132

7. Vertrauen – die gemeinschaftsstiftende Kraft 134

Vertrauen als atmosphärischer Eindruck 136
Entproblematisierung des Nichtwissens 139
Vertrauen als akzeptierte Verwundbarkeit 140
Das Einräumen von Freiheit 141
Konstituierung einer Beziehung 143
Vertrauen als Treueerwartung 145
Vertrauen als Verpflichtung zur Gegenseitigkeit 147
Vertrauen als gemeinschaftsstiftende Kraft 149
Was bedeutet das für den kranken Menschen? 150
Schlussfolgerungen für die Medizin 151

8. Hoffen – das Erschließen von Zukunft im Moment der Bedrängnis 155

Hoffnung als realistischer Zukunftsbezug 157
Anerkenntnis der Grenze der eigenen Verfügungsgewalt 159
Das Nicht-fixiert-Sein 161
Geduld 164
Hoffnung als Impuls zum Handeln 166
Anerkenntnis der eigenen Vulnerabilität 168
Vertrauen und Sinnverstehen 169
Alles Hoffen ist Gemeinschaft 171

9. Den kranken Menschen verstehen 177

Die Bedeutsamkeit des Verstehens am Beispiel Schizophrenie 178
Verstehen heißt, den anderen sehen 181
Hineindenken aus der Distanz 184
Das Punktuelle in das Ganze zurückholen 186
Sich selbst infrage stellen 188
Verweilen können 191
Verstehen heißt, das Wohin erkennen 193
Schlussfolgerungen für die Medizin 194

IV. Ohne Zuwendung ist alles nichts 197

Begegnung als Grundlage der Heilung 199
Die Zweckrationalität überwinden 201
Anerkennen 202
Zuwendung wertet auf 205
Zuwendung verwandelt 206
Die Bedeutung des Gesprächs 207
Die Bedeutung des Zuhörens 209
Die Zuwendung und der Trost 213
Medizin als Verbindung von Sachlichkeit und Zwischenmenschlichkeit 218

Anmerkungen 223
Personenverzeichnis 229
Stichwortverzeichnis 231
Über den Autor 235
Über das Buch 236