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Das hast du dir doch alles nur ausgedacht Roman
Das hast du dir doch alles nur ausgedacht
Roman




Ulrich Homann

Klartext Verlag
EAN: 9783837527582 (ISBN: 3-8375-2758-1)
240 Seiten, kartoniert, 13 x 19cm, Januar, 2026

EUR 16,95
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
Ruhrgebiets-Original Ulrich Homann lässt mit dem Ich-Erzähler "Uli" dieses großartigen Romans eine fabulierende und geschichtenbegabte Person entstehen, die ihren Lebensweg von der frühen Kindheit im Essen der Nachkriegszeit bis Anfang der 80er-Jahre erzählt. Dabei ist auf beinahe jeder Seite Ruhrgebiets-Colorit der 50er bis 70er zu entdecken, das seinesgleichen sucht: Pommesbudenromantik, Fußball, Kirche, Studentenbewegung, schräge Einzeltypen aller Art (unvergleichlich die Schilderung der Druckerei Häss und ihres münchhausigen Chefs). Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich so zum Lachen gebracht hat und gleichzeitig an manchen Stellen so nachdenklich hat werden lassen. Der Ich-Erzähler stammt aus einfachsten Verhältnissen, seine institutionelle Bildungskarriere bricht schnell ab, aber er entdeckt den Fußball und das Lesen für sich: Das Memorieren von Fußballtabellen, -ergebnissen und -aufstellungen fällt ihm spielend leicht, genau wie das Auswendiglernen von Gedichten aller Art. Fast schon zwingend ergibt sich aus diesen Talenten (zugegebenermaßen nach einigen Umwegen) die Gründung eines Verlags zur Herausgabe eines wöchentlich erscheinenden Fußballblatts über die achte Liga im Ruhrgebiet. Die fehlende formale Bildung in Form von Schulabschluss, Berufsausbildung oder Studium verfolgt Uli jedoch quer durch den gesamten Roman. Dabei hat er eine Leseliste vorzuweisen, die viele Literaturstudenten nicht abgearbeitet haben dürften (S. 185-190 zählt 30 ausgewählte Autoren und Titel auf, wobei diese Liste nach Auskunft des Protagonisten ganz und gar nicht vollständig ist.)
Wer sich für die Geschichte des Ruhrgebiets nach dem zweiten Weltkrieg interessiert, vielleicht selbst hier aufgewachsen ist, wird diesen Text verschlingen und zahlreiche Bezüge zur eigenen Biographie finden. Besonders auf ihre Kosten kommen Fans der literarischen Geschichte des Ruhrgebiets: Die teils ausufernden Literaturzirkel der 60er- und 70er-Jahre werden detailliert beschrieben.
Bisweilen liest sich der Text wie eine Autobiographie, aber wer weiß: Vielleicht hat sich der geniale Ulrich Homann das auch alles wirklich nur ausgedacht?!

JG, www.lbib.de
Verlagsinfo
Im Essener Norden der 60er und 70er Jahre, zwischen Kiosken, Kneipen und Fußballstadien, wächst Schulabbrecher Uli im Schatten der Zeche Zollverein auf. Während seine Umgebung von harter Arbeit und schrägen Gestalten geprägt ist – einem speedsüchtigen Kommissar, klauenden Messdienern, Gräfin Mariza in der Imbissstube, der AG nicht praktizierender Heterosexueller oder der geilen Schantalle – findet er in Geschichten ein Tor in andere Welten. Vor der rauen Kulisse des Ruhrgebiets geht es um mehr als ums tägliche Überleben: um Freundschaft, um den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, um schrägen Humor – und um die Liebe zur Literatur. Bis zum ersten „Verlagsbüro“, das nicht mehr ist als eine umgebaute Pommesbude, führt diese ungewöhnliche Lebensreise eines Träumers quer durch ein Revier, das sich ständig neu erfindet – und in dem alles möglich scheint, wenn man sich nur etwas ausdenkt.