lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Das Evangelium nach Maria und Das Evangelium des Judas Gnostische Blicke auf Jesus und seine JĂŒnger Übersetzt und eingeleitet von Johanna Brankaer
Das Evangelium nach Maria und Das Evangelium des Judas
Gnostische Blicke auf Jesus und seine JĂŒnger


Übersetzt und eingeleitet von Johanna Brankaer

Johanna Brankaer (Hrsg.)

Vandenhoeck & Ruprecht
EAN: 9783647534695 (ISBN: 3-647-53469-2)
61 Seiten, paperback, 12 x 21cm, 2017, mit zwei Abb.

EUR 10,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Johanna Brankaer liefert hier die deutschen Übersetzungen vom Evangelium nach Maria und vom Evangelium des Judas. Beide Übersetzungen sind leicht lesbar, die Schwierigkeiten und Doppelsinnigkeiten der (koptischen) Vorlage wie auch jeweilige sachliche/ theologische Elemente dieser Schriften erörtert Brankaer ĂŒbersichtlich.

Beiden Schriften geht eine allgemeine EinfĂŒhrung zum Begriff Gnosis voran. Hier skizziert Johanna Brankaer einige wichtige ZĂŒge dieser frĂŒhchristlichen „Tendenz“ knapp, damit der religionsgeschichtliche Hintergrund beider Schriften auch fĂŒr Laien verstĂ€ndlich wird.

Den Studien geht eine kurze Einleitung zur Struktur jeder Schrift, einiger typischer Themen und der dargestellten Figuren voraus. Insbesondere Jesus, die JĂŒngergruppe und die Sonderfiguren der Maria und des Judas können so im Kontext vorgestellt werden. Die Beziehungen zwischen diesen Figuren werden dann im Rahmen der spezifischen gnostischen Theologie jeder Schrift gedeutet.

Sowohl das Evangelium nach Maria als auch das Evangelium des Judas positionieren sich innerhalb des antiken Christentums durch die Darstellung einer unvollkommenen JĂŒngergruppe, die dem gnostischen Menschen unterlegen ist.

Dr. Johanna Brankaer arbeitet zur Zeit an dem DFG-Forschungsprojekt "Lexikon gnostischer Mythologumena" an der WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster, Institut fĂŒr Ägyptologie und Koptologie.
Rezension
Das biblische Neue Testament kennt vier Evangelien. Es gab aber in der FrĂŒhzeit des Christentums eine Vielzahl von anderen Evangelien. Diese sonderte die Kirche zunehmend aus und verbot ihren Gebrauch in den Gemeinden. Die „Kleine Bibliothek der antiken jĂŒdischen und christlichen Literatur“ möchte jĂŒdische und christliche Texte vorstellen, die außerhalb der HebrĂ€ischen Bibel und des Neuen Testaments stehen, aber aufgrund ihrer religiösen Bedeutung sowie ihrer sprachlichen Schönheit eine Neuentdeckung lohnen. In diesem BĂ€ndchen wird das jĂŒngst wieder entdeckte Judasevangelium ĂŒbersetzt und eingeleitet sowie das Evangelium nach Maria, das ebenfalls zur bis heute faszinierenden Strömung der Gnosis zĂ€hlt. Eine ZĂŒrcher AntiquitĂ€ten-HĂ€ndlerin hatte die Handschrift des Judas-Evangeliums im Jahr 2000 von einem Ägypter erworben, nachdem zwar ihre Existenz bekannt war, der Kodex aber lange als verschollen galt. Endlich in den Besitz einer Stiftung fĂŒr antike Kunst ĂŒbergeben, wurde die wertvolle Handschrift restauriert und ĂŒbersetzt und gilt als frĂŒhes und faszinierendes Zeugnis frĂŒhchristlicher Gnosis aus der Mitte des 2. Jahrhunderts. Mit den Apokryphen Schriften der Bibel ist es so eine Sache; auf der einen Seite werden die Apokryphen, vor allem die Evangelien, nicht selten höchst reißerisch oder esoterisch vermarktet, so, als seien sie der neueste Schrei und die jĂŒngste Entdeckung, von der Kirche ĂŒber Jahrtausende willentlich verborgen gehalten. Und so wird von christentums-kritischer wie esoterisch(-gnostischer) Seite her nicht selten auf die Apokryphen mit dem MĂ€ntelchen des "Geheimen" umgebenen verwiesen. Auf der anderen Seite sind Theologie und mehr noch die ReligionspĂ€dagogik ungeheuer kanonsfixiert. Dabei ist wissenschaftlich gesehen die Kanonsgrenze lĂ€ngst ĂŒberwunden. Wissenschaftlich betrachtet spielt z.B. in der neuen Debatte um den historischen Jesus das (gnostische) Thomasevangelium eine nicht geringe Rolle.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Christentum /i. d. Literatur
Christentum
Gnosis
FrĂŒhjudentum

JĂŒrgen Wehnert (Hg.)
Kleine Bibliothek der antiken jĂŒdischen und christlichen Literatur.
Die „Kleine Bibliothek der antiken jĂŒdischen und christlichen Literatur“ möchte jĂŒdische und christliche Texte vorstellen, die außerhalb der HebrĂ€ischen Bibel und des Neuen Testaments stehen, aber aufgrund ihrer religiösen Bedeutung sowie ihrer sprachlichen Schönheit eine Neuentdeckung lohnen. Die BĂ€nde sollen im halbjĂ€hrigen Turnus erscheinen. In den BĂ€nden werden jĂŒdische und christliche Texte gleichgewichtig vertreten sein. Ziel der „Kleinen Bibliothek“ ist es, allen an der antiken jĂŒdischen und christlichen Literatur Interessierten kompetent eingeleitete, verlĂ€ssliche und zugleich gut lesbare Übersetzungen jener theologisch bedeutsamen und literarisch ansprechenden Schriften an die Hand zu geben, die in der Geschichte des Judentums und des Christentums ĂŒber die Zirkel der Fachgelehrten hinaus Aufmerksamkeit gefunden haben. Alle BĂ€nde der Reihe werden demselben zweiteiligen Aufbau folgen: Nach einer allgemeinverstĂ€ndlichen EinfĂŒhrung in die jeweilige Schrift folgt die VollstĂ€ndige deutsche Übersetzung des Textes in einer gut lesbaren Form, die ohne Vorkenntnisse verstĂ€ndlich ist. In Vorbereitung befinden sich fĂŒr Herbst 2017 Johanna Brankaer, Das Mariaevangelium / Das Judasevangelium, Enno Edzard Popkes, Das Thomasevangelium, FrĂŒhjahr 2018 Felix Albrecht, Der erste Klemensbrief.
Inhaltsverzeichnis
EinfĂŒhrung in die Gnosis 7

Literatur zur Gnosis, Textausgaben und Übersetzungen 9

EinfĂŒhrung in das Evangelium nach Maria 11

Überlieferung 11
Der Codex Berolinensis 8502 11
Textgattung 13
Die Struktur der Schrift 13
Die Anthropologie des Evangeliums nach Maria 17
Dramatis personae 18

Das Evangelium nach Maria – Übersetzung 21

LehrgesprĂ€ch Jesu mit den JĂŒngern 21
Die letzten Anweisungen Jesu 22
Dialog zwischen den JĂŒngern und Maria 23
GesprĂ€ch zwischen Jesus und Maria ĂŒber eine Vision 24
Lehre ĂŒber den Aufstieg der Seele 25
Dialog zwischen den JĂŒngern und Maria 27
Abschluss 29

EinfĂŒhrung in das Evangelium des Judas 31

Überlieferung 31
Der Codex Tchacos 31
Textgattung 34
Die Struktur der Schrift 35
Wichtige Themen 37
Dramatis personae 40
Zur Übersetzung 42
Literatur 42

Das Evangelium des Judas – Übersetzung 45

Anfang des Textes 45
Jesu irdisches Wirken 45
Jesus im Dialog mit seinen JĂŒngern und Judas 46
Dialog mit den JĂŒngern am folgenden Tag 47
An einen anderen Tag: der Traum der JĂŒnger 48
Jesus im Dialog mit Judas 51
Ein weiterer Dialog: der Traum des Judas 51
Offenbarungsrede Jesu ĂŒber die Kosmologie 53
Jesus im Dialog mit Judas 55
Die Lichtwolke 57
Der Verrat 57

AbkĂŒrzungsverzeichnis 59

Tenach/Altes Testament 59
Apokryphe bzw. deuterokanonische Schriften 60
Neues Testament 60
AbkĂŒrzungen, die nur in diesem Band Verwendung finden 61



Leseprobe:

EinfĂŒhrung in die Gnosis
„Gnosis“, zu Deutsch „Erkenntnis“, ist ein Terminus, der verwendet
wird, um eine Tendenz oder Bewegung im frĂŒhen Christentum
ab dem 2. Jahrhundert zu beschreiben. WĂ€hrend in der Antike viele
Intellektuelle, Heiden wie Christen, nach einer Art von Erkenntnis
des Göttlichen strebten, wurde diese Erkenntnis von den Gnostikern
in einer ganz bestimmten Weise interpretiert. FĂŒr die Gnostiker war
Erkenntnis der Weg zur Erlösung, wobei sie Erlösung als Befreiung
von der kosmischen Wirklichkeit verstanden. „Gnosis“ bzw. „Erkenntnis“
bestand sowohl im Wissen um die nachrangige, also niedere Natur
der Welt und ihres Schöpfers als auch im Wissen um ein Element im
Menschen (einen „Lichtfunken“, einen „Geist“), das mit dem wahrhaft
Göttlichen, weit ĂŒber die Welt Erhabenen verwandt ist. Diese Erkenntnis
kann der Mensch weder aus dem Umgang mit dem, was in der
Welt ist, noch durch seine eigene Vernunft gewinnen. Sie muss ihm
von einem göttlichen Wesen (einer Erlöserfigur) offenbart werden.
Verschiedene gnostische Schriften verstehen sich als schriftliche Aufzeichnungen
solcher Offenbarungen, z. B. das Evangelium nach Maria.
Die Erkenntnis der Gnostiker ist zunÀchst eine Erkenntnis, die
ihr eigenes Erlöstsein betrifft. Sie besteht darin, dass sie dem Kosmos
und seinen Herrschern ĂŒberlegen sind, auch wenn letztere die Gnostiker
wÀhrend ihres Lebens in der vorfindlichen Welt bedrÀngen und
Gewalt gegen sie ĂŒben. Die Ablehnung der Welt und ihres Schöpfers
ist die logische Folge der gnostischen Erfahrung eines außerweltlichen,
vollkommenen, wahren Gottes, der von dem eifersĂŒchtigen,
zornigen Gott der jĂŒdisch-christlichen Tradition unterschieden wird.
Der gnostische Mensch findet in sich ein Element wahrlich göttlichen
Ursprungs, das durch die Offenbarung „erweckt“ wird und ihm
seine Erhabenheit gegenĂŒber der Welt bewusst macht.
Die Offenbarungen, die diese Erkenntnis vermitteln, sind oft
mythische ErzÀhlungen, die von der Existenz einer wahrhaft gött-
lichen Wirklichkeit („Pleroma“ genannt, d. h. „FĂŒlle“) berichten. In
dieser vollkommenen Wirklichkeit trat ein „Fehler“ auf, der manchmal
als Fall einer weiblichen GrĂ¶ĂŸe namens Sophia („Weisheit“) dargestellt
wird. Aufgrund dieses „Fehlers“ entstand ein nachrangiges
Wesen, das bisweilen als Fehlgeburt der Sophia verstanden wird:
der „Demiurg“ bzw. der Schöpfergott, der von der Existenz einer
höheren, wahrhaft göttlichen Wirklichkeit nichts weiß. Der Demiurg
brachte die ganze Welt samt den Engeln und „Archonten“ („Herrscher“)
hervor. Als Krönung seiner Schöpfung erschuf er den Menschen.
Dem aber gab er, ohne es zu wissen, etwas von dem Pleroma
mit – sei es, dass er ihm eine Kraft, die er von seiner Mutter Sophia
genommen hatte, einhauchte, sei es, dass er ihn nach einem Bild,
das aus dem Pleroma stammt, modellierte.
Dieses vorgĂ€ngige Geschehen fĂŒhrt zu einem Streit zwischen den
(gnostischen) Menschen und den Herrschern des Kosmos, zu einem
Kampf, in dem verschiedene Erlöserfiguren den Menschen Beistand
leisten – der wichtigste unter ihnen ist in der Regel Jesus. Ebenso
wie die Archonten Macht ĂŒber Jesus zu haben scheinen, indem sie
ihn misshandeln und töten, so ist auch die menschliche Seele ihrer
Gewalt in der Welt ausgesetzt. Jesus hat aber die Archonten getÀuscht
und ĂŒberwunden, indem er wieder ins Pleroma hinaufsteigt, ohne
dass die Archonten ihn ergreifen können. Genauso auch wird sich
die erlöste Seele von der Macht der Herrscher befreien. Weil sie erlöst
und deshalb ĂŒber die Welt und die Archonten erhaben sind, erleben
sich die Gnostiker als „Fremde“ innerhalb des Kosmos: Sie sind von
einer höheren Natur, von einem anderen Samen und sehnen sich
nach der Vereinigung mit ihrem göttlichen Ursprung.
Der Sammelbegriff „Gnosis“ bezeichnet Individuen und Gruppen,
die die eben beschriebenen Intuitionen teilten, sie in unterschiedlicher
Weise erlebten und zum Ausdruck brachten. AnfÀnglich
war „Gnosis“ einer von vielen Versuchen frĂŒhchristlicher Theologen,
die (christliche) Heilsgeschichte verstÀndlich zu machen. Seit
der zweiten HĂ€lfte des 2. Jahrhunderts haben jedoch verschiedene
Vertreter der spÀteren Mehrheitskirche gnostische Theologien und
deren Verfasser kritisiert, ja verurteilt und zugleich eine „orthodoxe“
(„rechtglĂ€ubige“) Lehre von Mensch und Gott entworfen. Die Mehrheitskirche
verwarf in der Folge das gnostische Denken als Ketzerei.
Im Gegenzug stellten sich viele Gnostiker der Mehrheitskirche kritisch
entgegen, weil sie in ihr ein Instrument der Archonten erblickten,
das die Christenmenschen in Unwissenheit festhalten sollte. Zur
BegrĂŒndung beriefen sie sich oft auf geheime („apokryphe“, d. h.
„verborgene“) Überlieferungen, die esoterische Erkenntnisse enthalten,
die der Mehrheit der Christen bisher verborgen geblieben waren.
Gelegentlich findet sich in gnostischen Schriften auch Polemik
gegen bestimmte kirchliche BrÀuche, unter anderem die (Wasser-)
Taufe. So setzt sich das Evangelium des Judas ausdrĂŒcklich und
schroff mit der apostolischen Kirche auseinander. Es möchte diese
Kirche als Einrichtung der Herrscher des Kosmos entlarven, die,
anstelle des wirklichen Gottes, des Vaters Jesu, dem untergeordneten
Schöpfergott dient und ihn anbetet.

Literatur zur Gnosis, Textausgaben und Übersetzungen
Aland, Barbara, Was ist Gnosis? Studien zum frĂŒhen Christentum, zu Marcion
und zur kaiserzeitlichen Philosophie, TĂŒbingen 2009.
Aland, Barbara, Die Gnosis, Stuttgart 2014.
Brankaer, Johanna, Die Gnosis. Texte und Kommentare, Wiesbaden 2010.
Jonas, Hans, Gnosis und spÀtantiker Geist. Teil 1: Die mythologische Gnosis,
Göttingen 1934; Teil 2/1: Von der Mythologie zur mystischen Philosophie,
Göttingen 1966.
Markschies, Christoph, Die Gnosis, MĂŒnchen 2001.
Markschies, Christoph, Gnosis und Christentum, Berlin 2009.
Rudolph, Kurt, Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spÀtantiken Religion,
Göttingen 1994.
Tröger, Karl-Wolfgang, Die Gnosis. Heilslehre und Ketzerglaube, Freiburg/Basel/
Wien 2001.
LĂŒdemann, Gerd, Das Judas-Evangelium und das Evangelium nach Maria. Zwei
gnostische Schriften aus der FrĂŒhzeit des Christentums, Stuttgart 2006.
Markschies, Christoph/Schröter, Jens (Hg.), Antike christliche Apokryphen in
deutscher Übersetzung. I. Band: Evangelien und verwandtes (2 TeilbĂ€nde),
TĂŒbingen 2012.
Nagel, Peter, Codex apocryphus gnosticus Novi Testamenti, Band 1: Evangelien
und Apostelgeschichten aus den Schriften von Nag Hammadi und verwandten
Kodizes. Koptisch und deutsch, TĂŒbingen 2014.
Schenke, Hans-Martin/Bethge, Hans-Gebhardt/Kaiser, Ursula Ulrike (Hg.), Nag
Hammadi Deutsch, eingeleitet und ĂŒbersetzt, 2 BĂ€nde, Berlin/New York 2001
und 2003; Studienausgabe in einem Band: Berlin 2013.