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Christliche Beziehungsethik Historische Entwicklungen – Biblische Grundlagen – Gegenwärtige Perspektiven Titel der Originalausgabe:
Martin M. Lintner, Teologia morale sessuale e familiare.
Una prospettiva di etica relazionale (provisional title)
ISBN: 978-88-399-2423-0
© Editrice Queriniana, Brescia, 2024
Christliche Beziehungsethik
Historische Entwicklungen – Biblische Grundlagen – Gegenwärtige Perspektiven


Titel der Originalausgabe:

Martin M. Lintner, Teologia morale sessuale e familiare.

Una prospettiva di etica relazionale (provisional title)

ISBN: 978-88-399-2423-0

© Editrice Queriniana, Brescia, 2024

Martin M. Lintner

Herder Verlag
EAN: 9783451392740 (ISBN: 3-451-39274-7)
688 Seiten, hardcover, 16 x 23cm, Oktober, 2023

EUR 58,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Sexualmoral und Ehelehre der katholischen Kirche bedürfen einer Rundumerneuerung. Durch den Missbrauchsskandal, aber auch durch natur- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse sowie durch die Genderstudien sind sie radikal auf den Prüfstand gestellt.

Um die Aufgabe der Erneuerung bewältigen zu können, ist ein detaillierter Blick in die Geschichte hilfreich. Dieser zeigt, dass die Kirche sich seit jeher ermächtigt wusste, auf die Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit kreativ zu antworten. Maßgeblich für jede Entwicklung bleibt die Frage, ob sie hilft, die Botschaft des Evangeliums je tiefer zu verstehen und ihr je besser zu entsprechen. Daher leistet das Buch auch eine ausführliche biblische Rückbesinnung, wobei im Besonderen auch die Einsichten der feministischen Exegese aufgearbeitet werden.

Schließlich arbeitet der Autor Aspekte für eine erneuerte Ethik der Sexualität, Beziehung und Ehe heraus, die den Paradigmenwechsel des Zweiten Vatikanischen Konzils konsequent weiterdenken.

Martin M. Lintner, geb. 1972, Dr. theol., Mitglied des Servitenordens, seit 2009 Professor für Moraltheologie und Spirituelle Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen.
Rezension
Schon der zu früh verstorbene Eberhard Schockenhoff (1953–2020) hat mit seinem ebenfalls bei HERDER posthum erschienenen Buch "Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik" (9783451389757) eine grundlegend erneuerte katholische Sexualethik vorgelegt. Das hier anzuzeigende voluminöse Werk von Martin M. Lintner tendiert ähnlich und erarbeitet eine erneuerte katholische Ethik der Sexualität, Beziehung und Ehe die den Paradigmenwechsel des Zweiten Vatikanischen Konzils konsequent reformtheologisch weiterdenkt für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral; denn die Sexualmoral und Ehelehre der katholischen Kirche bedürfen einer Rundumerneuerung: Der Missbrauchsskandal, natur- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse, Genderstudien und Erkenntnisse feministischer Exegese nötigen dazu. Das Buch gliedert sich in drei Teile: einen historischen, einen biblischen und einen systematischen, sowie in einen Nachtrag (vgl. inhaltsverzeichnis). Im ersten Teil werden detailliert historische Entwicklungen nachgezeichnet, die aufzeigen, dass sich die kirchliche Lehre zu Sexualität, Ehe und Familie seit den frühchristlichen Jahrhunderten in einer dynamischen Entwicklung befindet. Dabei wird ersichtlich, dass die heute gültige Lehre das Ergebnis von jahrhundertelangen Klärungsprozessen ist. Im zweiten Teil leistet das Buch eine ausführliche biblische Rückbesinnung. Der dritte Teil entwickelt gegenwärtige Perspektiven und stellt sich dem Anspruch der Erneuerung der kirchlichen Lehre über Sexualität, Partnerschaft und Familie im Fluss der lebendigen Tradition und in Rückbesinnung auf die biblischen Kernbotschaften. Dabei wird die These vertreten, dass die seit Jahrzehnten kontrovers geführten Diskussionen zur Sexualmoral der Kirche im Kontext des langwierigen Rezeptionsprozesses des Zweiten Vatikanischen Konzils zu lesen sind, das seinerseits die Kirche in einen produktiven Austausch mit der modernen Kultur und Gesellschaft zu bringen suchte, die wiederum auf dem modernen Freiheitsethos und den Menschenrechten gründen. Die Überwindung der Hierarchisierung der Ehezwecke sowie die Paradigmenwechsel von einer biologistisch-verkürzten zu einer ganzheitlich-personalen Deutung der Sexualität und von einem verrechtlichten zu einem personalen und (bundes-)theologischen Verständnis der Ehe bilden bis heute den eigentlichen Anstoß für die Erneuerung der kirchlichen Sexualmoral und Beziehungsethik.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Konsequente Entfaltung einer zeitgemäßen Sexual- und Beziehungsethik
Ausführliche Berücksichtigung von Genderstudien und feministischer Exegese

Inhaltsverzeichnis
Vorwort 19

Einleitung 21

1. Partnerschaft – Ehe – Familie: Herzensanliegen der Kirche 21
2. Die Sexualmoral – eine „ewige Baustelle“ 22
3. Zum Aufbau des Buches 23
4. Zur Zielsetzung des Buches 28

TEIL 1 DIE ENTWICKLUNG DER KIRCHLICHEN EHELEHRE

1. Das matrimonium in der römischen Antike 31

1.1 Zum Begriff matrimonium 31
1.2 Der Zweck des matrimonium 32
1.3 Rechtliche Aspekte der römischen Ehe 33
1.3.1 Die rechtmäßigen Eheformen 34
a) Die manus-Ehe 34
b) Die manus-freie Ehe 35
c) Die eheliche Treuepflicht und die Beendigung der Ehe 36
1.3.2 Nicht legalisierte Formen von Geschlechtsgemeinschaft 37
a) Konkubinat 37
b) Geschlechtsgemeinschaft unter Sklaven (contubernium) 38
1.3.3 Die Ehegesetze von Kaiser Augustus 38
1.4 Die soziale Stellung von Mann und Frau in der römischen Antike 39

2. Die Einflüsse des hellenistischen Judentums und der Stoa 42

2.1 Das hellenistische Judentum 42
2.1.1 Die Rezeption von Gen 1–3 im hellenistischen Judentum 43
2.1.2 Philo von Alexandrien 47
2.1.3 Flavius Josephus 48
2.2 Die stoische Ethik 49
2.2.1 Das ethische Leitbild der Stoa: secundum naturam vivere 49
2.2.2 Die stoische Pflichtenethik und die Haustafeln 50
2.2.3 Zum Frauenbild in der Stoa 51

3. Weichenstellungen in der frühen Kirche bis zum frühen Mittelalter 53

3.1 Soziale Integration und Abgrenzung der Christen im heidnischen Umfeld 53
3.1.1 Hirte des Hermas 54
3.1.2 Justin der Märtyrer und Athenagoras von Athen 54
3.1.3 Tertullian 56
3.2 Sexualfeindliche Tendenzen und das Ideal der Jungfräulichkeit 58
3.2.1 Clemens von Alexandrien 58
3.2.2 Origenes 60
3.3 Die theologische Bedeutung der Ehe 62
3.3.1 Gregor von Nazianz 63
3.3.2 Gregor von Nyssa 64
3.3.3 Johannes Chrysostomos 65
3.4 Disziplinäre Aspekte 67
3.4.1 Mischehen 68
3.4.2 Ehebruch 68
3.4.3 Unauflöslichkeit der Ehe 69
a) Zweite Heirat einer verwitweten Person 69
b) Wiederheirat nach Scheidung 70
3.5 Die Systematisierung der kirchlichen Ehelehre durch Augustinus 72
3.5.1 Biografische Notizen 73
3.5.2 Augustinus’ Ehelehre 76
a) Die Konkupiszenz als Folge des Sündenfalls 76
b) Die Paradiesehe 78
c) Das Gut der Ehe und die drei Ehegüter proles, fides und sacramentum 78
3.5.3 Der Vorzug der Jungfräulichkeit 81
3.5.4 Abschließende Bemerkung zu Augustinus 82
3.6 Die monastische Ehelosigkeit und der priesterliche Zölibat 83
3.6.1 Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen im Mönchtum 83
3.6.2 Der priesterliche Zölibat: unterschiedliche Entwicklungen in der griechischen und in der lateinischen Kirche 85
a) Die Entwicklung in den östlichen Kirchen 85
b) Die Entwicklung in der lateinischen Kirche 86
c) Die Ehe als Weihehindernis und die Weihe als Ehehindernis in der lateinischen Kirche 88
3.6.3 Die Entwicklung einer „doppelten Sexualmoral“ 89

4. Klärungen im Mittelalter bis zum Konzil von Trient 91

4.1 Die Ehereformen der christlichen Kaiser 91
Exkurs: Der feierliche Ritus der Krönung in den orthodoxen Kirchen 92
4.2 Die Entwicklung der Lehre des matrimonium ratum et consummatum 93
4.2.1 Das Verbot geheimer Ehen 95
4.2.2 Die Konsenstheorie 96
4.2.3 Die Kopulatheorie 97
4.2.4 Die Lehre des matrimonium ratum et consummatum 98
4.2.5 Schutz vor Zwang und physischer Gewalt 99
4.3 Die Ehe als Sakrament 100
4.3.1 Die Ehe als Sakrament des neuen Bundes 100
4.3.2 Sakramententheologische Weichenstellungen durch Alexander von Hales (um 1185 –1245) 102
a) Materie und Form des Ehesakramentes 102
b) Die Gnadenvermittlung des Ehesakramentes 103
c) Konsequenzen 104
4.4 Die Ehelehre von Albertus Magnus und Thomas von Aquin 104
4.4.1 Zum aristotelischen Lustverständnis 104
4.4.2 Albertus Magnus (um 1200 –1280) 106
4.4.3 Thomas von Aquin (um 1225 –1274) 107
a) Die drei Zwecke der Ehe 107
b) Die Beziehung zwischen den Ehezwecken 109
c) Die Ehe als höchste Form der Freundschaft 112
d) Zur Notwendigkeit von zivilen Ehegesetzen 113
4.5 Sexualität und Ehe im Spannungsfeld von kirchenrechtlicher Regelung und persönlichem
Empfinden 114
4.5.1 Die klandestinen Ehen 114
4.5.2 Petrus Abaelard und Heloise: von der sinnlich-erotischen zur geistigen Dimension der Liebe 116
4.5.3 Die höfische Liebe 118
4.5.4 Sexualität und Liebe in der affektiven Mystik 119
a) Bernhard von Clairvaux als Wegbereiter 119
b) Literalsinn und allegorische Auslegung des Hoheliedes 121
c) Theologische Aspekte 122
d) Die wichtigsten Mystikerinnen und ihre Werke 123
e) Körperlichkeit, Erotik und Gottesbegegnung 124
f) Die mangelnde Wirkmächtigkeit der affektiven Mystik für die kirchliche Sexualmoral und
Ehelehre 125
4.5.5 Laszive und obszöne Texte: Entwertung des Mysteriums „Sexualität“ oder Entdeckung ihrer schöpfungsgemäßen Gutheit? 127

5. Die Entwicklung der kirchlichen Ehelehre vom Konzil von Trient bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 131

5.1 Die Ehe in der Sicht von Martin Luther 131
5.2 Die Ehelehre des Konzils von Trient (1545 –1563) 133
5.2.1 Die praefatio zu den Kanones über das Sakrament der Ehe 134
5.2.2 Die Kanones über das Sakrament der Ehe 136
5.2.3 Das Reformdekret Tametsi 137
5.3 Nachtridentinische Entwicklungen 138
5.3.1 Wirkungsgeschichte des Dekrets Tametsi 138
5.3.2 Neuzeitliche Klärungen in Bezug auf die päpstliche Vollmacht zur Lösung von gültig geschlossenen und vollzogenen Ehen 139
5.3.3 Ehe und Sexualität in der neuen Disziplin der Moraltheologie 141
a) Der Probabilismus-Streit und sein Einfluss auf die Sexualmoral und Ehelehre 142
b) Alfons Maria de Liguori (1696 –1787) und innovative Ansätze in seinem Traktat über die Ehe 147
5.3.4 Die Geschlechterfrage in moraltheologischen Schriften der frühen Neuzeit 150
5.4 Von der ersten „Eheenzyklika“ Arcanum divinae sapientiae (1880) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 153
5.4.1 Auseinandersetzungen im 18. und 19. Jahrhundert 154
a) Ablehnung der Realdistinktion von Vertrag und Sakrament 154
b) Ablehnung von staatlichen Ansprüchen, die Ehe zwischen Getauften zivilrechtlich zu regeln 155
c) Abgrenzung von neuzeitlichen Vorstellungen über Liebe und Ehe 155
5.4.2 Die Enzyklika Arcanum divinae sapientiae (1880) von Leo XIII 157
5.4.3 Der Codex Iuris Canonici von 1917 158
5.4.4 Die Enzyklika Casti connubii (1930) von Pius XI158
5.5 Moraltheologischer Paradigmenwechsel: von der Neuscholastik zum personalistischen Denken 160
5.5.1 Das für die lehramtliche Position bestimmende neuscholastische Denkmodell 160
5.5.2 Neue theologische und moraltheologische Lösungsansätze 163
a) Dietrich von Hildebrand 164
b) Herbert Doms 167
c) Das Urteil des Heiligen Offiziums über die personalistischen Neuansätze 170
5.5.3 Am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils 172
a) Entwicklungen unter Pius XII172
b) Die vorbereiteten Schemata für das Zweite Vatikanische Konzil 173

6. Vom Zweiten Vatikanischen Konzil bis zu Papst Franziskus 175

6.1 Die Ehelehre des Zweiten Vatikanischen Konzils 175
6.1.1 Struktur und wichtigste Aussagen von Gaudium et spes 47–52 176
6.1.2 Konflikte und Kompromissformulierungen 180
6.1.3 Die Neubestimmung der Ehelehre im Licht des personalen Eheverständnisses und der Bundestheologie 183
a) Überwindung der traditionellen Ehezwecklehre 183
b) Die Ehe als „innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe“ (Nr. 48) 184
c) Der Ehekonsens als „unwiderrufliches personales Einverständnis“ und die Ehe als Bund 185
d) Das bundestheologische Eheverständnis 186
6.1.4 Familie als Hauskirche 186
6.1.5 Kurzes Resümee 187
6.2 Paul VI. und Humanae vitae (1968) 188
6.2.1 Zur Entstehungsgeschichte von Humanae vitae 188
6.2.2 Struktur und wichtigste Aussagen von Humanae vitae 190
6.2.3 Kritische Reaktionen nach der Veröffentlichung 191
6.2.4 Kurzes Resümee 193
6.3 Johannes Paul II. und die Theologie des Leibes 195
6.3.1 Die personalistische Konzeption des Menschen von Karol Wojtyła 195
6.3.2 Die Theologie des Leibes in den Mittwochskatechesen in den Jahren 1979 –1984 198
6.3.3 Kritische Würdigung der Theologie des Leibes 200
6.3.4 Familiaris consortio (1981) 204
a) Identität und Sendung der Familien 205
b) Der innere Zusammenhang zwischen den Sakramenten der Ehe und der Eucharistie 205
c) Die Nichtzulassung zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie von wiederverheirateten Geschiedenen 206
6.3.5 Weitere Dokumente 209
6.4 Die Ehe im Codex Iuris Canonici von 1983 210
6.4.1 Die Begriffsbestimmung der Ehe 210
6.4.2 Die Wesenseigenschaften der Ehe 214
6.4.3 Der Ehekonsens 215
6.4.4 Zur Unauflöslichkeit und Löslichkeit des Ehebandes 215
6.4.5 Kurzes Resümee 216
6.5 Joseph Ratzinger/Benedikt XVI217
6.5.1 Wiederheirat nach Scheidung 217
6.5.2 Die Position der Glaubenskongregation zur Homosexualität 221
6.5.3 Die Enzyklika Deus caritas est (2005) 223
a) Die unterschiedlichen Begriffe für die Liebe: Eros, Philia und Agape 223
b) Unterschiedenheit und Einheit von Eros und Agape 224
c) Eros und Agape im biblischen Gottes- und Menschenbild 225
d) Kurzes Resümee 225
6.6 Franziskus 226
6.6.1 Die beiden Bischofssynoden 2014 und 2015 226
6.6.2 Das Nachsynodale Schreiben Amoris laetitia (2016) 227
a) Die Hauptabsicht und die wichtigsten Aussagen von Amoris laetitia 227
b) Zum Umgang mit „irregulären“ Situationen 230
c) Kurzes Resümee 234
6.6.3 „Wer bin ich, ihn zu verurteilen?“ Franziskus’ ambivalente Haltung zur Homosexualität 235
6.6.4 Die lehramtliche und theologische Konfrontation mit den Gender Studies 236

TEIL 2 DIE BIBLISCHEN GRUNDLAGEN EINER ERNEUERTEN ETHIK DER SEXUALITÄT UND DER BEZIEHUNG

1. Altes Testament 242

1.1 Gen 1–3 242
1.1.1 Hermeneutische Vorbemerkung 242
1.1.2 „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27) 244
1.1.3 „Diese ist nun Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleisch.“ (Gen 2,23) 251
1.1.4 „Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren.“
(Gen 3,7) 263
1.1.5 Anthropologische Aspekte aus Gen 1–3 279
a) Aussagen über ’âdâm 280
b) Die Geschlechterdifferenz und die radikale Entdivinisierung der Sexualität 280
c) Die Gleichheit von Mann und Frau und die sexuelle Differenz 284
d) Die je eigene Verantwortung von Mann und Frau 287
e) Die Herrschaft des Mannes über die Frau als Folge der Sünde 288
1.2 Sexualität, Liebe und Beziehungen im Alten Testament: Licht und Schatten 289
1.2.1 Der unbekümmerte und offene Blick auf die Sexualität 290
1.2.2 „Esst, Freunde; trinkt, und trinkt euch fröhlich, Geliebte“: das Hohelied (Teil 1) 293
a) Die positive Sicht auf die Sexualität, Erotik und Liebe 293
b) Das Hohelied im Kontext der biblischen Schriften 295
c) Die Begriffe für Liebe im Hohelied 296
d) Drei exemplarische Deutungen: ein Traumlied und zwei Beschreibungslieder 298
e) Das Hohelied und seine Beziehung zu Gen 2 und 3 301
f) Die Rolle der Frau im Hohelied 304
1.2.3 Die Ambivalenz von Schönheit und erotischer Ausstrahlung 306
a) Die dunklen Schatten sexueller Gewalt 307
b) Die Erzählungen der „preisgegebenen Ehefrau“ in Gen 12, 20 und 26 316
1.3 Normen zur Humanisierung von sexuellen Beziehungen und der Ehe 319
1.3.1 Normen in Bezug auf Ehe und Familie 320
a) Sexualität im Sklavenrecht 320
b) Geschlechtsverkehr mit einer nicht verlobten Frau 321
c) Geschlechtsverkehr mit einer verlobten Frau 322
d) Das Verbot des Ehebruchs 324
e) Todesstrafe als Sanktion für Ehebruch 326
f) Die Entlassung der Frau aus der Ehe 328
Exkurs: Das Eifersuchtsgericht in Num 5,11–28 329
g) Die Leviratsehe 331
h) Inzestverbote 333
i) Das Verbot homosexueller Handlungen zwischen Männern 334
Exkurs: Gleichgeschlechtliche Freundschaften und Homosexualität im Alten Testament 335
j) Verbot des Geschlechtsverkehrs mit Tieren 338
1.3.2 Sexualität und kultische Reinheitsvorschriften 341
a) Die kultische Wiedereingliederung der Frau nach der Geburt eines Kindes (Lev 12) 341
b) Die kultische Bedeutung von Ausflüssen aus den Genitalien (Lev 15) 343
1.3.3 Dämonisierung von Sexualität 344
a) Die Geschichten von Judit, Ester und Simson 345
b) Die Warnung vor Schönheit und sexueller Begierde 346
1.3.4 Die Hochzeit von Tobit und Sara 350
a) Die Ehe als Rechtsakt und als göttliche Bestimmung 352
b) Das Gegensatzpaar „Unzucht – wahre Liebe“ 353
c) Die Heiratsurkunde 354
1.4 Die prophetische Dimension der Ehe 355
1.4.1 Die Ehe als Metapher für den Bund Gottes mit dem Volk Israel 355
Exkurs: Gottes Bund mit dem Volk Israel 356
a) Hosea 358
b) Jesaja 363
c) Jeremia 364
d) Ezechiel 365
1.4.2 Das Hohelied (Teil 2) 366

2. Neues Testament 369

2.1 Sexualität, Beziehungen und Ehe in den Evangelien 369
2.1.1 Die Lebensweise Jesu 369
a) Jesus und die Ehelosigkeit: die Eunuchen-Metapher in Mt 19,12 369
b) Jesu offene Beziehungen zu den Frauen 373
2.1.2 Die Ehelehre Jesu 380
a) Das Verbot der Ehescheidung in Mk 10,5 – 9 und Mt 19,4 – 6 381
b) Das Verbot von Wiederheirat nach Ehescheidung bei
Mk 10,11–12 und Mt 19,9 383
c) Die porneia-Klausel in Mt 19,9 und 5,32 384
d) Das Ehescheidungsverbot nach Lk 16,18 389
e) Resümee 390
2.2 Sexualität, Geschlecht und Ehe bei Paulus 392
2.2.1 Anthropologische und theologische Aspekte bei Paulus 393
a) Anthropologische Aspekte 393
b) Theologische Aspekte 397
2.2.2 Zum Umgang mit der Sexualität und das Verständnis von Ehe 398
a) Die Warnung vor porneia und Habgier (1 Thess 4,1– 8) 398
b) „Der Leib ist aber nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib.“
(1 Kor 6,13b) 399
c) Die Position des Paulus zur Ehe (vgl. 1 Kor 7,1– 9.25 – 40) 400
d) Die paulinische Position zur Ehescheidung in 1 Kor 7,10 –16 403
e) Zur Wiederheirat von Witwen (1 Kor 7,39 – 40) 405
f) Das paulinische Plädoyer für die Ehelosigkeit (1 Kor 7,7– 9.25 –38) 406
g) Die paulinischen Aussagen zur Homosexualität (Röm 1,26 –27 und 1 Kor 6,9 –10) 407
2.2.3 Paulus und die Geschlechterrollen (Gal 3,28 und 1 Kor 11,2–16) 409
a) „Da ist nicht männlich und weiblich.“ (Gal 3,28) 410
b) „Das Haupt der Frau aber ist der Mann.“ (1 Kor 11,3) 412
c) Gen 3 im Licht von Röm 5,12–21 und 2 Kor 11,2–3 414
2.2.4 Entwicklungen in den deutero- und tritopaulinischen Briefen 417
a) „Dieses Geheimnis ist groß; ich sage es aber in Bezug auf Christus und auf die Versammlung.“
(Eph 5,32) 418
b) „Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung. […]
Sie wird aber gerettet werden beim Kindergebären […].“ (1 Tim 2,11.14) 423

TEIL 3 SYSTEMATISCHE ASPEKTE EINER ERNEUERTEN ETHIK DER SEXUALITÄT UND DER BEZIEHUNG

1. Erneuerung im Fluss der lebendigen Tradition und in Rückbesinnung auf die biblischen Kernbotschaften 431

1.1 Im Fluss der lebendigen Tradition 431
1.2 Der andauernde nachkonziliare Rezeptionsprozess, ungelöste Fragen und neue Herausforderungen 434
1.3 Rückbesinnung auf die biblischen Kernbotschaften 437
1.3.1 Alttestamentliche Aspekte 438
1.3.2 Neutestamentliche Aspekte 441
1.3.3 Hermeneutische Aspekte 446
a) Ein unvoreingenommener und realistischer Blick auf die Lebensbereiche Sexualität, Ehe und
Familie 446
b) Normierungen als soziale Schutzbestimmungen 447
c) Anthropologische Sinngehalte der Ehe 447
d) Die Zurückführung von Normen auf den ursprünglichen Sinngehalt 448
e) Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe als Sinnspitze des jesuanischen Ethos 449
f) Die christliche Agape – Ideal einer vom Eros befreiten Liebe? 450

2. Anstöße und Quellen für die Erneuerung der Sexualmoral und Beziehungsethik 454

2.1 Der Skandal des sexuellen Missbrauchs im Kontext der Kirche 454
2.1.1 Die Entwicklung der kirchenrechtlichen Bestimmungen zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen 454
2.1.2 Missbrauchsfördernde Faktoren auf der individuellen und auf der strukturellen Ebene 457
Exkurs: Einige grundlegende Differenzierungen: grenzverletzendes Verhalten – sexueller Missbrauch – sexualisierte Gewalt 460
2.1.3 Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Missbrauchskrise und der katholischen Sexualmoral? 462
2.2 Anstöße aus den Genderstudien 465
2.2.1 Historische Einordnung 465
a) Die erste Frauen(rechts)bewegung und der Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen 465
b) Die zweite Frauen(rechts)bewegung und die Differenzierung von sex und gender 466
c) Die dritte Frauen(rechts)bewegung und die Differenzierung von sex, gender und desire 468
2.2.2 Die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten 470
a) Die vier Ebenen von Geschlechtsidentität 470
b) Aktuelle Herausforderungen zum Schutz von Frauenrechten 472
2.2.3 Die Gender Studies als theologische und ethische Herausforderung 473
Exkurs: Transgeschlechlichkeit als theologisch-ethische Herausforderung 479
2.2.4 Vom Ein-Geschlecht-Modell zum Zwei-Geschlechter-Modell zur Anerkennung der sexuellen
Vielfalt 482
2.3 Anstöße aus gesellschaftlichen Entwicklungen 484
2.3.1 Das mittelalterliche Familienverständnis 485
2.3.2 Die Entwicklung des Ideals der bürgerlichen Familie in der Neuzeit 486
2.3.3 Entwicklungen im 20. Jahrhundert: Deinstitutionalisierung der Ehe, Pluralisierung von Familien- und Beziehungsformen, Individualisierung des Sexual- und Beziehungsverhaltens 488
2.3.4 Der kirchliche Blick auf die Zunahme von „irregulären“ Beziehungen 493
2.3.5 Hermeneutische Nachbemerkung: zum Verhältnis zwischen Geltung, Einsicht und Befolgung von Normen 495
2.4 Natur-, human- und sexualwissenschaftliche Entwicklungen 497
2.4.1 Hermeneutische Vorbemerkung: natur- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse als Quellen theologisch-ethischer Einsicht 497
2.4.2 Die Entwicklung der Sexualwissenschaft 501
2.4.3 Die wichtigsten humanwissenschaftlichen Erkenntnisse 503
a) Kulturanthropologische und sozialwissenschaftliche Aspekte 503
b) Biologische und medizinische Aspekte 507
c) Entwicklungspsychologische und psychologische Aspekte 511
d) Kurze Ergebnissicherung 513

3. Kriteriologie einer erneuerten Sexualmoral und Beziehungsethik 515

3.1 Achtsamkeit auf Vulnerabilität 515
3.1.1 Inhärente, situative und pathogene Vulnerabilität 515
Exkurs: Die theologische Perspektive einer leidempfindlichen Moraltheologie 516
3.1.2 Vulnerabilität und Selbsthingabe 519
a) Vulnerabilität und Menschenwürde 519
b) Vulnerabilität und Scham 521
c) Vulnerabilität und Gottebenbildlichkeit 522
d) Vulnerabilität und Selbsthingabe aus Liebe 524
e) Grundhaltungen, die aus dem Bewusstsein um die Vulnerabilität erwachsen 525
3.2 Sittliche Autonomie im Kontext einer relationalen Verantwortungsethik 529
3.2.1 Das zugrundeliegende Autonomieverständnis 529
3.2.2 Relationale Autonomie als Verantwortungsethik 532
3.2.3 Funktion und Kompetenz des Gewissens 534
3.2.4 Die Relevanz für die Sexualmoral und Beziehungsethik 536
3.3 Der Primat der Liebe 539
3.3.1 Auf die Evangelien hinhören 539
3.3.2 Liebe als komplexes Phänomen 541
a) Von der Verliebtheit zur Liebe 541
b) Unterschiedliche Formen von Liebe und das Besondere der partnerschaftlichen Liebe 542
3.3.3 Die Sexualität als emotionale und leibliche Kommunikation von Liebe 545
3.3.4 Die Liebe als sittliches Prinzip 547

4. Konkretisierungen 550

4.1 Abgrenzungen 550
4.1.1 Konsens: notwendig, aber nicht hinreichend 550
4.1.2 Prostitution als rechtsethische Frage und als Menschenrechtsthema 551
a) Prostitution: ein notwendiges Übel? 551
b) Prostitution als Verletzung der Menschenwürde 552
c) Prostitution als Verletzung von Menschenrechten 553
4.1.3 Pornografie und Digitalisierung 554
a) Die ethische Bewertung von Pornografie und Cybersex 555
b) Ethische Herausforderungen: die Auswirkungen von Pornografiekonsum und zwanghaftes Sexualverhalten 557
4.1.4 Promiskuität, Polygamie und Polyamorie 560
4.2 Von der Sexualmoral zur Beziehungsethik 563
4.2.1 Von einer normativen zu einer tugendethischen Grundlegung, oder: von einer Verbots- und Gebotsmoral zu einer „Befähigungsmoral“ 563
a) Grundlegende Kompetenzen 564
b) Die Tugend der Keuschheit 568
Exkurs: Die sittliche Beurteilung der Selbstbefriedigung 570
c) Die Dynamik der liebenden Hingabe und Annahme 573
4.2.2 Beziehung als Sehnsuchtsort 576
4.2.3 Zur sittlichen Bewertung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften 580

5. Vom Wert und der Würde der Ehe als Sakrament 584

5.1 Die theologische Bedeutung der Ehe 584
5.2 Der sakramentale Charakter der Ehe 586
5.2.1 Die Gnadenwirkungen des Ehesakramentes 586
5.2.2 Die Bedeutung des Glaubens für das Ehesakrament 587
5.2.3 Eine mögliche Weiterentwicklung des Verständnisses der Sakramentalität der Ehe 589
a) Der Analogie-Charakter der Ehe 589
b) Die Unauflöslichkeit der Ehe im Licht von sakramenten-theologischen Fragen 590
5.3 Grundzüge einer Spiritualität der Ehe 595
5.3.1 Vorbemerkung: Amoris laetitia als Zeugnis für den andauernden Rezeptionsprozess von Gaudium et spes 48–52 595
5.3.2 Die Ehe als Weggemeinschaft und als Ort der menschlichen Reifung 597
5.3.3 Die Ehe als Glaubensgemeinschaft und als Ort der Gotteserfahrung 598
5.3.4 Ehe und Familie als Hauskirchen 600
5.3.5 Resümee 602

Nachtrag: Kritische Würdigung des Grundtextes des Synodalforums IV
„Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ 604

1. Hinführung 604
2. Die Ausrichtung des Grundtextes 606
3. Zur Ablehnung des Grundtextes durch die bischöfliche Sperrminorität 607
4. Desiderate des Grundlagentextes 612

Bibliografie 619
Personenregister 675
Sachregister 679