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Bückbürgertum
Bückbürgertum




Ulf Poschardt

Westend
EAN: 9783987913709 (ISBN: 3-9879137-0-3)
352 Seiten, hardcover, 13 x 21cm, 2026

EUR 27,00
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
Ulf Poschardts Buch mit dem Titel "Bückbürgertum" ist keine Lektüre, die man leicht hinnimmt, schon gar nicht, wenn man selbst regelmäßig im bürgerlichen Temperaturbereich lebt. Poschardt nimmt jenes Bürgertum ins Visier, das bei seinem vorherigen "Shitbürgertum" noch applaudiert hatte: Konservative, Liberale, CEOs, Bischöfe, die wider ihre eigene Überzeugung "Unsinn links der Mitte mitmachen". Der Ton ist teils aggressiv, die Diagnose unmissverständlich: Das Bürgertum hat sich seit 1945 selbst verraten, durch "Gnadenfieber", Opportunismus und Statusangst. Die drei historisch klug gegliederten Abschnitte (1945–1968, 1968–2005, 2005 bis heute) überzeugen, besonders die analytisch dichte Auseinandersetzung mit der aktuellen Union um Merkel und Merz.
Doch Poschardt überschreitet gelegentlich die Grenze von Kritik zu Polemik. Manche Kapitel wirken wie Aufzählungen von Feindbildern, die Argumentation wird dann monokausal: Statusangst soll fast alles erklären, während ökonomische Zwänge oder mediale Logiken kaum vorkommen. Wer eine differenzierte kultursoziologische Analyse sucht, wird stellenweise enttäuscht. Auch bleibt diffus, wer genau zum "Bückbürgertum" zählt, die Kategorie wirkt mitunter so weit gefasst, dass sie fast jeden treffen kann, der Poschardts Position nicht teilt. Seine eigene Mitschuld räumt er zwar ein ("Der gebückte Poschardt"), doch dieser Moment bleibt eher Inszenierung als echte Selbstkritik. Trotzdem: ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Provokant, manchmal überzogen, aber lesenswert, ein Gewinn für alle, die eine klare Position suchen, eine Herausforderung für den Rest.

Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Nach dem Erfolg von SHITBÜRGERTUM atmete die bürgerliche Mitte auf: Die Verantwortlichen für den Niedergang des Landes scheinen endlich gefunden. Doch Ulf Poschardt legt nach: Gefährlicher als die SHITBÜRGER sind die BÜCKBÜRGER. Jene Konservativen und Liberalen, CEOs und Manager, Bischöfe und Intellektuelle, Kanzlerinnen und Kanzler die - wider ihre Überzeugung - nahezu jeden Unsinn links der Mitte mitgemacht oder befördert haben. Und gerade das Land regieren. Eine Geschichte verlorener bürgerlicher Kulturkämpfe von 1945 bis 2026. Ein wüster Ritt durch die bürgerlichen Abgründe aus Angst, Feigheit und kulturellem Unvermögen - und was weiße Turnschuhe, E-Autos und die FAZ damit zu tun haben.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11
A: Gebeugt von der Niederlage –
die ersten Bückübungen aus Bequemlichkeit
und Modernitätsglauben 19
Der Bückintellektuelle – die frühe
Warnung von Joseph Schumpeter 32
Wie buchstäblich muss das Bücken gedacht
werden? 35
Wir sind wieder wer 42
Bücken aus Erschöpfung 45
Der gebückte Unseld 50
Ist Bücken bürgerlich? 54
Der gebückte Westen 57
Der erste Luxus der Deutschen und der Rückzug 61
Gebückte Christen: die Anfänge 72
B: Die Kapitulation beginnt: der Schock von 1968
und seine Folgen 85
Der Schock von 1968 und seine Folgen:
Die Angst geht um 94
Club of Rome und das Ende des Booms 96
Die Schweige-Bück-Spirale 99
Das Shitbürgertum formiert sich –
das Bückbürgertum ist beeindruckt 102
Die Bückbürger als dümmste Kolonne Moskaus 105
Helmut Schmidt bückt sich, Helmut Kohl macht
das wütend – bis er sich selbst bückt 107
Kurze Momente des Glücks: Die Wiedervereinigung
und die Jahre des Optimismus 110
Über die Pizza gebückt 113
Deutsche Leitkultur? Nein danke 120
Bürger auf die Barrikaden? Nein danke 125
Das letzte Aufbäumen der Exekutive 129
Die Bückboomer 132
Der dumme Optimismus und die rührende
Schwäche nach 1989 136
Bückenförde means Fightbürgertum (Preview) 144
C: Der Siegeszug des Bückbürgertums: von Merkel
bis Merz, von Ekd bis Zdk, von Faz bis Bda 147
Bücken als Entlastung: Die neuen Deutschen
im 21. Jahrhundert – Angela Merkel und ihre
realpolitische Fassade 151
Merkel als Beschwichtigungsdirigentin 157
Bücken aus Angst: der schwarz-gelbe Atomausstieg 159
Die asymmetrische Demobilisierung 170
Bücktiming-Niederlagen 176
Der weiße Turnschuh: die bürgerliche Angst,
unmodern und unlocker zu sein Merkels größter Triumph: das perfekte Bücken 185
188
Flexible Menschen, funktionierende Bürger:
der Terror der Anpassung 194
Die gebückten konservativen Medien:
die entideologisierte FAZ 197
Alle müssen mitmachen:
die gebückten Medien 202
Refugees welcome:Deutsch sein heißt bücken? 211
Der Bückbürger als Opportunist:
oder der Opportunist als Bückbürger 217
Der gebückte Poschardt 223
Freud über das Bücken 224
Das moderne Bückbürgerviertel 226
Förderungsprojekt Subventionsbetrug 229
Bückbürger und Fightbürger streiten um
die richtige Architektur 234
Das grüne Bücken 237
Die Konstitutionalisierung der Politik:
Juristen machen Metapolitik 243
Der konstruktive Journalismus:
Bücken wird Programm 249
Die Bück-Manager-Karriere 251
Corona und die bückbürgerliche Unterwerfung
unter einen autoritären Staat 262
Die Bückwissenschaft während Corona 265
Die gebückte Kirche: im Staub des Zeitgeistes Der gebückte Dichter und die Kulturbourgeosie 272
274
Der Bückmigrant 289
Dobrindts Aufruf zur konservativen Revolution
und das Schweigen der Bückbürger 301
Zu Tode gebückt: der Niedergang der FDP 307
Toxisch: wenn sich die Schwachen bücken 310
Bückbürgerfuhrpark 314
Bücken gegen Rechts: Schweigen gegen Links 319
Don’t touch my Status quo: Bücken aus Angst 326
Lachen als Bücken 330
Gebückte Jovialität 335
Die Bückbrandmauer und die Schuldenbremse 337
Das Ende des Bückbürgers am Vorabend
der Revolution 339
PS: Der Untertan liebt den Staat,
deswegen ist der Staat der Feind. 345
Dank 347