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Ausgewählte Schriften zur Philosophie Kants, Band 2
Zur transzendentalen Deduktion
Dieter Henrich
Klostermann
EAN: 9783465046387 (ISBN: 3-465-04638-2)
218 Seiten, hardcover, 24 x 37cm, September, 2024
EUR 39,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Dieter Henrichs Schriften zur Philosophie Immanuel Kants haben auf internationaler Ebene neue Standards der Kant-Interpretation gesetzt. Paradigmatisch für Henrichs Verfahren der argumentanalytischen Rekonstruktion ist, dass Leitfragen und Begründungsgänge Kants dargestellt, unklare und widersprüchliche Aussagen identifiziert sowie in eine präzise nachvollziehbare Argumentationsfolge übersetzt werden. Zugleich arbeitet Henrich die Anknüpfungspunkte für Korrekturen, Modifikationen und Verschiebungen philosophischer Grundfragen in der Kant-Rezeption des deutschen Idealismus heraus. Seine Interpretationen der Kantischen Philosophie wurden im angelsächsischen Sprachraum früh und intensiv aufgenommen. Dadurch stieß er bis heute lebhaft geführte Diskussionen an, in denen sich Bemühungen um die angemessene Auslegung Kants mit systematischen Fragen nach der Struktur des epistemischen wie des personalen Selbstbewusstseins verbinden.
Die beiden Bände hat Henrich noch selbst konzipiert. Der zweite Band umfasst die Schriften zur transzendentalen Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, deren begriffliche Aufklärung Henrich als seine originellste Leistung innerhalb der Kant-Forschung ansah; er enthält u.a. eine unveröffentlichte Darstellung der Transzendentalen Deduktion in 12 Schritten und ein Nachwort des Autors, das er noch wenige Wochen vor seinem Tod im Dezember 2022 verfasste.
Rezension
Zum 300. Geburtstag von Immanuel Kant (1724-1804) wurde der Philosoph mit zahlreichen Büchern gewürdigt: in Biographien, Gesamtdarstellungen seiner Philosophie und in Forschungsbänden. Dazu zählen zweifelsohne auch die „Ausgewählten Schriften zur Philosophie Kants“ von Dieter Henrich (1927-2022), die im Verlag Vittorio Klostermann 2024 publiziert wurden. Die Auswahl der Kant-Texte hat der emeritierte Philosophieprofessor, dessen Schwerpunkt die Philosophie des Selbstbewusstseins war, noch kurz vor seinem Tode selbst bestimmt. Herausgegeben wird die zweibändige Ausgabe von Falvio Auer, Angelika Kreß und Michael Schwingenschlögl. Band 1 mit dem Titel „Zur Konstitution des Systems“ enthält sieben Texte von Henrich aus den Jahren 1955 bis 2004, ein Nachwort von ihm und ein Vorwort der Herausgeber:innen. Band 2 mit dem Titel „Zur transzendentalen Deduktion“ widmet sich dem zentralen Stück von Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Das Buch enthält vier für die deutsche und internationale Kant-Forschung richtungsweisende Aufsätze von Henrich aus den 1980er Jahren, eine Erstveröffentlichung und ein Nachwort von ihm sowie ein Vorwort der Herausgeber:innen.
Die im Sammelband aufgenommenen luziden Arbeiten haben zum Gegenstand die Identität des Subjekts, die Merkmale des Urteils, das Verhältnis von Identität und Selbstbewusstsein und die Methodologie von Kants transzendentaler Deduktion der Kategorien. Deduktion ist Henrich zufolge als eine bestimmte Form des Argumentierens zu begreifen: „‘Deduktiv‘ in transzendentalphilosophischer Bedeutung ist eine Beweisführung, welche die Gültigkeit eines Satzes aus dem Ursprung der Erkenntnis herleitet“(S. 214), betont er in seinem Nachwort. Henrichs in der angloamerikanischen Kant-Forschung breit rezipierter Aufsatz „Kant`s Notion of a Deduction an the Methodological Background of the First Critique“ findet sich ebenfalls im vorliegenden Band abgedruckt. Besondere Erwähnung verdient Henrichs logisch überaus präzise Darstellung der „Schrittfolge einer transzendentalen Deduktion der Kategorien aus der gemäßigten Identität im Gedanken des ‚Ich denke‘“, so der Titel des hier erstmals publizierten Seminarmanuskripts seiner letzten Vorlesung aus dem Jahre 1993. Diese demonstriert erneut die Nähe von Kant und Fichte, der sich als der besserer Kantianer als der Königsberger Philosoph verstand. Die Texte des international renommierten Philosophieprofessors belegen, dass er nicht nur ausgewiesener Experte für den Deutschen Idealismus war, sondern auch für die Philosophie Kants. Lehrkräfte der Fächer Philosophie und Ethik erhalten durch die vorliegenden Aufsätze sehr gutes Fachwissen, das sie vor didaktischen Verfälschungen im Unterricht bewahrt.
Fazit: Dieter Henrichs Band „Zur transzendentalen Deduktion“ kann allen, die an Kants „Kritik der reinen Vernunft“ interessiert sind, nur zur genauen Lektüre empfohlen werden. Ihnen werden dabei logische Zusammenhänge zwischen zentralen Begriffen von Kants erkenntnistheoretischem Hauptwerk deutlich werden.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Henrich, Dieter: Ausgewählte Schriften zur Philosophie Kants
Hrsg. von Flavio Auer, Angelika Kreß und Michael Schwingenschlögl
Band 2: Zur transzendentalen Deduktion
2024. 218 Seiten. Geb. 39,00 €
ISBN 978-3-465-04638-7
Dieter Henrichs Schriften zur Philosophie Immanuel Kants haben auf internationaler Ebene neue Standards der Kant-Interpretation gesetzt. Paradigmatisch für Henrichs Verfahren der argumentanalytischen Rekonstruktion ist, dass Leitfragen und Begründungsgänge Kants dargestellt, unklare und widersprüchliche Aussagen identifiziert sowie in eine präzise nachvollziehbare Argumentationsfolge übersetzt werden. Zugleich arbeitet Henrich die Anknüpfungspunkte für Korrekturen, Modifikationen und Verschiebungen philosophischer Grundfragen in der Kant-Rezeption des deutschen Idealismus heraus. Seine Interpretationen der Kantischen Philosophie wurden im angelsächsischen Sprachraum früh und intensiv aufgenommen. Dadurch stieß er bis heute lebhaft geführte Diskussionen an, in denen sich Bemühungen um die angemessene Auslegung Kants mit systematischen Fragen nach der Struktur des epistemischen wie des personalen Selbstbewusstseins verbinden.
Die beiden Bände hat Henrich noch selbst konzipiert. Der zweite Band umfasst die Schriften zur transzendentalen Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, deren begriffliche Aufklärung Henrich als seine originellste Leistung innerhalb der Kant-Forschung ansah; er enthält u.a. eine unveröffentlichte Darstellung der Transzendentalen Deduktion in 12 Schritten und ein Nachwort des Autors, das er noch wenige Wochen vor seinem Tod im Dezember 2022 verfasste.
Dieter Henrich's writings on Immanuel Kant's philosophy have set new international standards in the interpretation of Kant. Henrich's method of argument-analytical reconstruction is paradigmatic in that it presents Kant's main questions and lines of reasoning, identifies unclear and contradictory statements and translates them into a precisely comprehensible sequence of arguments. At the same time, Henrich works out the starting points for corrections, modifications and shifts in fundamental philosophical questions in the Kant reception of German idealism. His interpretations of Kant's philosophy were taken up early and intensively in the English-speaking world. As a result, he triggered lively discussions that continue to this day, in which efforts to find an appropriate interpretation of Kant are combined with systematic questions about the structure of epistemic and personal self-consciousness. Henrich conceived the two volumes himself. The contributions in the first volume are devoted to an understanding of the epistemological and ethical foundations of Kant's system of philosophy; the second volume comprises the writings on the transcendental deduction of the pure concepts of understanding, the conceptual elucidation of which Henrich regarded as his most original achievement within Kant research. The edition contains an unpublished exposition of the Transcendental Deduction in 12 steps, The edition contains an unpublished presentation of the Transcendental Deduction in 12 steps, a text on the 'Composition of the Critique of Pure Reason', previously only published in Russian, and an epilogue by the author, which he wrote just a few weeks before his death in December 2022.
Inhaltsverzeichnis
Die Beweisstruktur von Kants transzendentaler Deduktion 7
Identität und Objektivität 29
Die Identität des Subjekts in der transzendentalen Deduktion 141
Kant’s Notion of a Deduction and
the Methodological Background of the First Critique 181
Schrittfolge einer Transzendentalen Deduktion der Kategorien
aus der gemäßigten Identität im Gedanken ‚Ich denke‘ 201
Nachwort 213
Bibliographische Nachweise 217
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