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Am Volk vorbei
Zur Krise der liberalen Demokratie
Joerg Baberowski
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406844324 (ISBN: 3-406-84432-4)
206 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, Februar, 2026
EUR 25,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Alle reden von der Demokratie und ihrer Krise. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von der Demokratie sprechen? Jörg Baberowski erinnert an ihre große Stärke: daß sie politische Gegner nicht zu Todfeinden werden lässt, weil auch der Unterlegene darauf hoffen darf, bei den nächsten Wahlen zu triumphieren. Eine Demokratie, die sich vor den Leidenschaften des Volkes fürchtet und den Raum des Politischen verengt, beraubt sich dieser Kraft. Wenn wir unsere Freiheit bewahren wollen, müssen wir die Souveränität über unsere Entscheidungen zurückgewinnen. Denn sonst werden die Anwälte der autoritären Ordnung leichtes Spiel haben, uns einzureden, daß die Diktatur die eigentliche Demokratie sei.
Überall müssen diejenigen, die sich auf das Volk berufen, dem kritischen Blick derer standhalten, die sie vertreten wollen. Im Modell der Repräsentation ist der Populismus daher als Möglichkeit immer schon enthalten. Der laut vorgetragene Widerspruch aber ist nicht bloß eine unanständige Regung des «Pöbels», sondern ein Hinweis darauf, dass viele Menschen sich nicht gesehen und vertreten fühlen. Der Populismus ist ein Schmerzensschrei, der nach Aufmerksamkeit verlangt. In diesem Sinn ist er auch eine Belebung der Demokratie. Wer unbequeme Meinungen nicht hören will und sie pauschal ausgrenzt, beraubt die Demokratie ihrer größten Stärke: dass sie es uns erlaubt, auch im Streit mit anderen im Einklang zu sein. Wo politische Gegner einander das Existenzrecht absprechen, verwandelt sich der Andersdenkende in einen Unmenschen. Das wäre das Ende der Demokratie. So ist dieses Buch ein Versuch, es allen und keinem Recht zu machen und den Streit der Parteien als das zu erweisen, was er ist: der eigentliche Kern der Demokratie.
Jörg Baberowski ist Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur russischen und sowjetischen Geschichte. 2012 erhielt er für sein Werk „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ den Preis der Leipziger Buchmesse.
Rezension
Alle reden von der Krise der liberalen Demokratie. Sind die Chinesen uns überlegen? Ist die Demokratie in der Krise und sind Diktaturen und Regierungsformen mit diktatorischem Einschlag uns voraus? Sind die USA mit dem rechts-populistischen Trump den seriösen Politiken und Politikern der europäisch-liberalen Demokratie überlegen? In diesen Zeiten gerät die Demokratie in neuer Perspektive unter Druck; denn es stellt sich die Frage nach der fähigeren Regierungsform: Ist die vom Westen präferierte weltoffene, liberale Demokratie die geeignetere gegenüber den zentralistischen des Ostens oder die dekadentere, der ein rigoristisches, energisches Moment fehlt, wie es gerade Not- und Krisenzeiten fordern? Allenthalben wird über eine Krise der Demokratie debattiert: Die politische Kultur ist zunehmend fraktioniert und polarisiert, soziales Konfliktverhalten eskaliert, die politische Sprache verroht, politische Apathie und Parteiverdrossenheit breiten sich aus. Gerät die repräsentative Demokratie an ihre Grenzen? - Der Historiker Jörg Baberowski fragt, warum die Unzufriedenheit mit den Regierenden in allen westlichen Staaten so zugenommen hat und erkennt, dass zu viele Politiker "am Volk vorbei" (Buchtitel) agieren und sich eine Entfremdung zwischen Bevölkerung und Politik eingestellt hat; viele Menschen fühlen sich nicht gesehen und vertreten. In jedem Fall aber will man oft gar nicht miteinander streiten, man will einander vielmehr aus dem Spiel werfen und begründet diesen Haltungsstil mit dem Hinweis, daß es unmöglich sei, mit Feinden im Dialog zu sein. Im Modus der Ausschließlichkeit aber läßt sich die Demokratie nicht bewahren, - so die Überzeugung des Autors.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Demokratie, Demokratiedefizit, Demokratiekrise, Gesellschaftskritik, Institutionen, Legitimation, Macht, Meinungsfreiheit
Pressestimmen:
„Jörg Baberowski plädiert deshalb für leidenschaftliche und offene Kontroversen anstelle politischer Quarantäne. Sein geschliffen geschriebener Essay überzeugt durch weite ideengeschichtliche Zusammenhänge. Man lernt bei der Lektüre viel Grundsätzliches über die Demokratie."
SWR2 Lesenswert, Wolfgang Schneider
„Der Historiker Jörg Baberowski legt jetzt einen sehr interessanten Essay zur Krise der liberalen Demokratie vor.“
Bayern2, Das Büchermagazin, Knut Cordsen
„Der Historiker Jörg Baberowski fragt, warum die Unzufriedenheit mit den Regierenden in allen westlichen Staaten so zugenommen hat. Und er sieht diejenigen, die ‚unsere Demokratie‘ schützen wollen, als Teil des Problems.“
WELT, NZZ, RBB Kultur und Radio Österreich, Bestenliste Platz 1, April 2026
„Die Lektüre lohnt schon deswegen, weil es auf den obligaten Kitsch verzichtet, der angesichts der Lage nur moralische Appelle aufzubieten hat.“
Die Zeit, Thomas E. Schmidt
„Sehr gut, wenn ein Historiker mal rekonstruiert, dass es historisch nicht »die«, sondern ziemlich verschiedene Auffassungen und Formen von Demokratie gibt.“
taz FUTURZWEI
„Unbedingt lesenswert“
WELT am Sonntag, Thomas Schmid
„Ein pointierter Essay über die Entfremdung zwischen Bevölkerung und Politik und die wachsenden Spannungen in liberalen Demokratien.“
Dresdner Morgenpost
„Es gibt politische Bücher, die man mit Gewinn lesen kann, auch wenn man selbst ganz anderer Meinung ist. Jörg Baberowskis Buch über die Demokratie ist so ein Buch.“
Süddeutsche Zeitung, Newsletter Prantls Blick, Heribert Prantl
„Baberowski ortet eine Krise der liberalen Demokratie.“
Der Standard, Günter Kaindlstorfer
Öffentlichkeit
Politische Kommunikation
politische Kultur
politische Ordnung
Politische Partizipation
politische Philosophie
politische Theorie
Populismus
Repräsentation
Souveränität
Streitkultur
Inhaltsverzeichnis
1. Am Volk vorbei? Demokratie und Populismus 9
2. Macht, Herrschaft, Staat 17
3. Was ist Demokratie? 27
4. Souveränität und Repräsentation 39
5. Demokratie im Zeitalter der Massen 59
6. Alles Ständische und Stehende verdampft. 77
7. Die Krise der repräsentativen Demokratie 95
8. Der Kampf um Anerkennung 113
9. Die Wiedergewinnung der Souveränität 139
Anmerkungen 163
Literaturverzeichnis 189
Personenregister 207
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