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Gott in der Schöpfung Ökologische Schöpfungslehre
Gott in der Schöpfung
Ökologische Schöpfungslehre




Jürgen Moltmann

Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579019277 (ISBN: 3-579-01927-9)
330 Seiten, kartoniert, 15 x 23cm, 2002

EUR 39,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Jürgen Moltmann vollzieht mit diesem Buch den zweiten Schritt im großen Programm seiner "Systematischen Beiträge zur Theologie".

Ein breiteres Interesse wird sich auf das Wagnis dieser generell neuen Schöpfungslehre konzentrieren. Der Untertitel weist aus das neu zu lernende ökologische Denken hin: Der "Einwohnung" Gottes in seiner Schöpfung entspricht die Wohnlichkeit im Dasein für den Menschen. In der weitgespannten Komposition manifestiert sich eine ökumenische Methode:

Der Autor nimmt das Gespräch mit Theologen aus den verschiedenen Konfessionen sowie aus der jüdischen Tradition auf, andererseits - im Blick auf die säkulare Ökumene- auch mit Naturwissenschaftlern und Technologen.
Rezension
Wurde innerhalb der protestantischen Theologie lange Zeit die Schöpfungslehre (Ktisiologie) allzu stiefmütterlich behandelt, so will der evangelische Dogmatiker Jürgen Moltmann in seinem Werk eine pneumatologische Schöpfungslehre entwickeln: Gott der Schöpfer nimmt mit seinem Heiligen Geist in seiner Schöpfung "Wohnung" (S. 107) und macht diese damit zum "Haus Gottes", dessen innerstes Geheimnis die Sabbatruhe Gottes ist. Die heutige ökologische Krise der Schöpfung - als Resultat der "Herrschaftskrise" (S. 36ff.) des Menschen - wird von Moltmann dabei bewusst an den Ausgangspunkt seiner Untersuchung gestellt. Der Mensch ist nicht nur "Ebenbild Gottes" (imago Dei), sondern ebenso auch ein "Ebenbild" seiner Welt (imago mundi), weshalb die Schöpfung als Ganze - und eben nicht nur der Mensch als deren (vermeintliche) "Krone" - zur Vollendung im Reich Gottes bestimmt ist: zum Gottesfrieden (vgl. 281ff.).
Vor allem indem Moltmann die theologische Lehre von Gottes Erhaltung der Welt (d.h. die Lehre von der creatio continua innerhalb der Providenz Gottes) mit der Theorie der Evolution verknüpft, bietet sein Buch zahlreiche Anregungen über einen christlich verantworteten Umgang des Menschen mit seiner Um-Welt. "Es ist in der ökologischen Krise der modernen Welt notwendig und an der Zeit, daß sich auch das Christentum [sc. so wie auch das Judentum den Sabbat der Schöpfung feiert] auf den Sabbat der Schöpfung besinnt." Zahlreiche Abschnitte Moltmann stellen geradezu so etwas wie eine Meditation darüber dar, wie ein christlich verantworteter Weg aus der ökologischen Krise gemeistert werden könnte. Eine ausschnittsweise Lektüre dieses Buches (v.a. seiner meditativen Abschnitte) innerhalb des Religionsunterrichtes bezüglich des problematischen Umgangs des Menschen mit der ihm von Gott in seine Verantwortung gestellten Schöpfung ist wirklich zu empfehlen. Verpflichtet doch des Menschen "Hoffnung auf Gott (...) ihn auf die Treue zur Erde" (S. 109).

Gerhard Schreiber, Mitarbeitet für Lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11

I. GOTT IN DER SCHÖPFUNG
Leitideen für eine ökologische Schöpfungslehre 16
1. Die Erkenntnis der Natur als Gottes Schöpfung ist teilnehmende
Erkenntnis 17
2. Schöpfung zur Herrlichkeit 19
3. Der Sabbat der Schöpfung 20
4. Messianische Bereitung der Schöpfung zum Reich 21
5. Schöpfung im Geist 23
6. Gottes Immanenz in der Welt 27
7. Das Prinzip der gegenseitigen Durchdringung 30
8. Geist und menschliches Bewußtsein 31

II. IN DER ÖKOLOGISCHEN KRISE
§ l Die Herrschaftskrise 36
§2 Auf dem Weg zu einer ökologischen Theologie der Natur 47
§3 Entfremdung und Befreiung der Natur 54
1. Karl Marx und die Entfremdung der Natur 54
2. Ernst Blochs »Natursubjekt« 56
3. Die Heimat in der Natur 59
4. Die Beseelung des Leibes 61
5. Die Naturalisierung des Menschen 63

III. DIE ERKENNTNIS DER SCHÖPFUNG
§1 Bund, Schöpfung und Reich Gottes 66
§2 »Natürliche Theologie«? 70
§3 Die Welt als Verheißung und Antizipation 74
§4 Messianische Welterkenntnis 78
§5 Die eucharistische Gemeinschaft der Schöpfung 83

IV. GOTT DER SCHÖPFER
§1 »Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde« 85
§2 Die Selbstbestimmung Gottes zum Schöpfer 92
§3 Schöpfung aus nichts 98
§4 Trinitarische Schöpfungslehre 106
§5 Der kosmische Geist 110

V. DIE ZEIT DER SCHÖPFUNG
§ l Die Zeit als Wiederholung der Ewigkeit 116
§2 Die Zeit als ewige Gegenwart 121
§3 Die Zeit der Schöpfung 124
§4 Erfahrungen der Zeit in der Geschichte Gottes 129
§5 Verschränkte Zeiten der Geschichte 135
1. Die Erfahrung der Geschichte im Horizont ihrer Zukunft 137
2. Die Historisierung der gegenwärtigen Vergangenheit 140
3. Die Futurisierung der gegenwärtigen Zukunft 143
4. Synchronisierung der geschichtlichen Zeiten 146
5. Die Synchronisierung der Geschichtszeit und der Naturzeit 147

VI. DER RAUM DER SCHÖPFUNG
§1 Der Ökologische Begriff des Raumes 153
§2 Der Begriff des homogenen Raumes 155
§3 Die Schöpfung der Räume und der Raum der Schöpfung 158
§4 Das Problem des absoluten Raumes 162

VII. HIMMEL UND ERDE
§1 Warum eine duale Welt? 167
§2 Der Himmel der Natur 173
§3 Der Himmel Jesu Christi 177
§4 Die moderne »Kritik des Himmels« 183
§ 5 Gottes Herrlichkeit »im Himmel wie auf Erden« 189

VIII. DIE EVOLUTION DER SCHÖPFUNG
§ l Der Mensch - ein Geschöpf in der Schöpfungsgeschichte 193
§2 Evolution oder Schöpfung? Falsche Fronten - echte Probleme 197
§3 Evolutionsprozesse der Natur 205
§4 Die fortgesetzte Schöpfung 214

IX. GOTTES BILD IN DER SCHÖPFUNG; DIE MENSCHEN
5 l Die ursprüngliche Bestimmung der Menschen: imago Dei 223
§ 2 Die messianische Berufung der Menschen: imago Christi 231
§3 Die eschatologische Verherrlichung der Menschen: gloria Dei 233
§ 4 Ebenbild Gottes und Sünder zugleich 235
§ 5 Soziale Gottebenbildlichkeit 239

X. „LEIBLICHKEIT IST DAS ENDE ALLER WERKE GOTTES“
§1 Der Primat der Seele 250
1. Plato und der Tod des Leibes 251
2. Descartes und die Körpermaschine 253
3. Karl Barth und „der dienende Leibeiner regierenden Seele“ 255
§ 2 Der beseelte Leib 259
1. Das alttestamentliche Denken mit dem Körper 259
2. Die perichoretische Gestalt von Leib und Seele 261
3. Geist und Gestalt 266
4. Geist als Antizipation 267
5. Geist als Kommunikation 269
6. Geist als Lebensbejahung 271
§3 Leben in Gesundheit und Krankheit 273

XI. DER SABBAT: DAS FEST DER SCHÖPFUNG
§1 Die Vollendung der Schöpfung 281
§2 Die Segnung der Schöpfung 284
§3 Die Heiligung der Schöpfung 286
§4 Das Fest der Erlösung 290
§5 Jesus und der Sabbat 293
§6 Der Sonntag: das Fest des Anfangs 294

ANHANG: SYMBOLE DER WELT
§1 Die große Weltmutter 300
§2 Mutter Erde 302
§3 Das Fest des Himmels und der Erde 304
§4 Die Welt als Tanz 306
§ 5 Das große Welttheater 309
§6 Spiel als Wehsymbol 311
§7 Die Welt als Werk und als Maschine 314
§8 Symbolvergleich in messianischer Hinsicht 317

Namensregister 321

Bibelstellenregister 327