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Die Welt zur Zeit Jesu  Das Werk ist Teil der Reihe:  (C.H.Beck Paperback; 4501)
Die Welt zur Zeit Jesu


Das Werk ist Teil der Reihe:

(C.H.Beck Paperback; 4501)

Werner Dahlheim

Reihe: C.H.Beck edition


Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406715075 (ISBN: 3-406-71507-9)
496 Seiten, paperback, 14 x 22cm, Juli, 2017, 50 Abb., 11 Ktn. u. 2 Zeittaf., Klappenbroschur

EUR 20,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Als Pontius Pilatus seine Hände in Unschuld wusch und römische Kriegsknechte Jesus von Nazareth durch die Straßen Jerusalems nach Golgotha zur Kreuzigung trieben, da beherrschte Rom die Welt vom Euphrat bis zum Atlantik und von Nordafrika bis zu den Alpen. Wie diese Welt aussah, wie die Menschen so vieler Völker darin lebten und weshalb sich das Christentum darin durchsetzen konnte - das erzählt der Historiker Werner Dahlheim in diesem eindrucksvollen Buch.
Rezension
Der Münchner C.H.Beck Verlag legt herausragende Bücher aus seinem Hardcover-Programm nach und nach als dann günstigere Klappenbroschuren vor, - hier 20,00€ statt 26,95€. Der Verfasser der großen "Augustus"-Biographie ("Aufrührer, Herrscher, Heiland" / C.H.Beck Verlag 2010 / 9783406605932) und emeritierte Prof. für Alte Geschichte an der TU Berlin Werner Dahlheim versteht es, Gelehrsamkeit in quellenkritischer Verantwortung mit Verständlichkeit und Unterhaltsamkeit in der Darstellung zu verbinden. Das gilt auch wiederum für dieses Buch: Das Christentum hat den abendländischen Menschen geprägt, hat seine Wertmaßstäbe geschaffen, seine Institutionen bestimmt und seine Bildung beherrscht. Insofern ist die "Welt zur Zeit Jesu" von prägender Bedeutung bis heute. Der christliche Glaube versprach allen das ewige Leben, wenn ihr irdischer Weg vollendet war.
Mit diesem Credo traten in der Antike zum ersten Mal Menschen auf, die all ihre Hoffnungen auf die Zukunft setzten. Das Buch zeigt u.a. auf, welche Lebensformen sich aus dem revolutionären Gedanken entwickelten, der Mensch müsse, um das ewige Leben zu finden, das irdische verlieren. Dieser Band zeigt die politischen, gesellschaftlichen, geistigen und materiellen Verhältnisse auf, unter denen sich der Aufstieg des Christentums vollzogen hat.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Pressestimmen:

"Der (…) Autor beherrscht seinen Gegenstand und seine Sprache viel zu gut, als dass auch nur auf einer Seite Verdruss oder Langeweile aufkommen könnten."
Stefan Rebenich, Neue Zürcher Zeitung, 09. Oktober 2013

Werner Dahlheim gehört zu den großen Erzählern unter den deutschen Historikern. Er hat eine meisterhafte Biographie des ersten römischen Kaisers geschrieben und ein faszinierendes Bild seiner Epoche entworfen.

Als Pontius Pilatus seine Hände in Unschuld wusch und römische Kriegsknechte Jesus von Nazareth durch die Straßen Jerusalems nach Golgatha prügelten, ahnte niemand, dass der Tod dieses jüdischen Wanderpredigers einen historischen Wendepunkt markieren sollte. Als wenige Jahrzehnte später die Pracht des Zweiten Tempels in einem Strafgericht der Römer in Flammen aufging, waren die Christen bereits zu ihren ersten Missionsreisen in die Welt aufgebrochen.

Doch wie sah diese Welt aus, über die sich der neue Glaube verbreitete? Rom war die alles beherrschende Macht, die lokale Konflikte – ob religiöser oder politischer Natur – mal schürte, mal unter den Stiefeln der Legionäre austrat. Das Wort der Statthalter, die Gier der Steuereinnehmer und die glanzvolle Hofhaltung römischer Potentaten bestimmten das Leben rund um das Mittelmeer. Ob griechisches Denken oder ägyptische Mysterien, ob orientalische Spezereien oder gallische Sklaven – alles saugte Rom auf und steigerte damit seinen Glanz. Werner Dahlheim, einer der großen Erzähler unter den deutschen Altertumswissenschaftlern, entwirft in seinem Buch ein grandioses Panorama der Welt zur Zeit Jesu.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 13

I. Zeit und Raum 17

1. Die Zeit 17
2. Der Raum 20
Das Imperium Roms 20 – Die Grenzen der zivilisierten Welt 24 – Das Meer 25
3. Die Menschen 29
Die Bevölkerung 29 – Die Städte 30

II. Der Horizont 35

1. Der Orient unter römischer Herrschaft 35
Der Untergang alter und der Aufstieg neuer Reiche 35 – Die Neuordnung des Ostens durch Pompeius 37
2. Stolze Träume: Das Reich des Herodes 41
König von Roms Gnaden 41 – König ohne Volk 43 – Die Erben, Fremde im eigenen Haus 47
3. Judäa als Provinz 49

III. Jesus von Nazareth 53

1. Die Umstände des Lebens 53
«Die Geburt Jesu Christi geschah aber so» 53 – Geschichten ohne Wahrheit? 57 – Die Botschaft 58
2. «Die Zeit ist erfüllt»: Das Leben Jesu 61
Johannes der Täufer 61 – «Er ist von Sinnen»: Konflikte 62 – «Wenn ihr nicht Zeichen oder Wunder seht, so glaubt ihr nicht» 63 – Die nahende Gottesherrschaft 65
3. Pontius Pilatus, Landpfleger, Richter und Glaubenszeuge 67
Der Statthalter 67 – Der Richter 71
4. Der gute Römer 74
«Ich bin unschuldig am Blut des Gerechten» 74 – Der Glaubenszeuge 76 – Ein von Gott Gestrafter 79

IV. Der erste Schritt in die Welt 83

1. «Der Tod ist verschlungen vom Sieg» 83
Bist du Gott, dann wehr dich: das unehrenhafte Kreuz 83 – «Auferweckt am dritten Tag»: Die Erscheinung des Auferstandenen 87 – Die Himmelfahrt 88
2. «Gehet hin in alle Welt»: Der imperiale Anspruch des neuen Glaubens 91
Die Gemeinde in Jerusalem 91 – Der Aufbruch in die Städte der Heiden 93
3. Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin»: Paulus 97
Bürger Roms 97 – Diener Christi 101

V. Getrennte Wege: Christen und Juden 105

1. Der Bruch mit der Synagoge 105
«Ich bin Jahwe, dein Gott» 105 – Die Diaspora 108
2. Die Abkehr der Christen vom Judentum 113
3. Krieg für die Freiheit Zions 116
Die Ursachen des Konfl ikts 116 – Der Krieg 119 – Die Antwort des Siegers 123 – Die Antwort Gottes 125
4. Das lange Sterben des Judenchristentums 127

VI. Die Ordnung der Welt: Das Imperium Roms 129

1. Die Eliten des Reiches 129
Die Lehren der Väter 129 – Der Weg nach oben: Das Bündnis mit dem Kaiser 132 – Der Glanz adligen
Lebens 134 – Aufgaben und Pflichten 136
2. Der Weg zur Weltherrschaft 138
3. Organisierte Plünderung: Rom, ein Ort des Schreckens 142
Das Regiment der Statthalter 142 – Ausbeutung und Willkür 144 – Resignation und Widerstand 148
4. Um den Bestand der Herrschaft: Rom, ein Ort der Hoffnung 150
Anpassung statt Widerstand 150 – Verantwortung statt Belieben 153
5. «Rom und der Erdkreis sind eins» 157
Der Traum von einer besseren Welt 157 – Friede auf Erden 159
6. «Auserkoren, den Himmel heller zu machen» 161
Orte der Armut 161 – Säulen des Reichtums 166
7. Die Provinzen Afrikas 168
Städter und Nomaden 168 – «Rom in Afrika»: Die Wiedergeburt Karthagos 172 – Afrikanisches Christentum 173 – Das Ende des römischen Nordafrika 174

VII. Jenseits des Horizonts 177

1. Am anderen Ufer 177
Der Barbar 177 – Der Fremde 180
2. Der römische Blick 183
Der Römer als Barbar 183 – «Viele schont das Schicksal, um sie zu strafen»: Die Völker des Nordens 184 – Die Lehren historischer Erfahrung 188 – Krieg in Germanien 190 – «Die Völker der Barbaren bewohnen keine Städte» 194
3. «In allen ist Christus»: Christen und Barbaren 196
Die Perspektive des Missionars und Städters 196 – Die Ankunft des Barbaren 197 – Gottes Wille 198
4. Unbesiegt und unversöhnlich: Das Partherreich 201
«Euphrat und Tigris werden unter neuen Gesetzen fließen» 201 – Der Verzicht auf die Nachfolge Alexanders des Großen 203
5. Glücklich und unerreichbar: Arabien 208
Eine viergeteilte Welt 208 – Der lange Weg zu einem Gott 213

VIII. Kaiser und Gott 215

1. Monarch in Rom 215
2. Die Institution 216
Das Erbe der Republik 216 – Der Herrscher 218
3. Die Helfer 221
Livia 221 – Die Männer der zweiten Reihe 224 – Das Glück 226 – Die Armee 226
4. Die Legitimation absoluter Macht 229
Der Gott 229 – Der Herrscher der Welt und der Bringer des Friedens 234
5. Die Herrscherpflichten 238
Die Anliegen des Kaisers 238 – Die Erwartungen der Untertanen 240 – Die Linderung der Not 241 –
Die Grenzen kaiserlicher Fürsorge 245
6. Die Gesichter der Macht 247
Rom, das Herz der Welt 247 – Rom, die Stadt des Kaisers 249 – Die Städte des Reiches 251

IX. Die Welt ist eine Wohltat: Die Lebensformen 255

1. Privates und öffentliches Leben 255
Die Familie 255 – Stadt und Land 260 – Schirmherrn und Mäzene 262 – Das tägliche Brot 266
2. Die Freuden des kleinen Mannes 269
Das Vereinsleben 269 – «Bäder, Wein und die Liebe» 271
3. Die Zensur der öffentlichen Meinung 276
4. Die christliche Definition des Öffentlichen 279 «Seid barmherzig, damit ihr Barmherzigkeit findet»: Arm und Reich 279 – «Kein Sklave kann zwei Herren dienen» 281

X. Die Welt der Wunder, der Magie, der Märchen 283

1. Magier, Zauberer und Träumer 283
In der realen Welt 283 – Der Blick in das Dunkel der Zukunft 287 – Die Macht der Träume 290 – Im Reich der Literatur 291 2. Das andere Christentum: Die Christen und das
Übernatürliche 294
Das Bild von Jesus als Magier und Scharlatan 294 – Anmaßung und Autorität: Die Apostel als Zauberer 295 – Das andere Christentum 298 – Apollonius von Tyana 301
3. Fantastische Welten 302
Der Gesellschaftsroman 302 – Helden und Liebende 304 – Die Welt des Märchens: Amor und Psyche 308
4. Der christliche Roman 309
Die Apostelakten 309 – «Neu geschaffen durch seinen eigenen Tod»: Der Vogel Phönix 312

XI. Die Götter der Welt 313

1. Macht und Ohnmacht der Götter 313
Die Geschichte der Götter 313 – Das Wesen der Götter 318 – Der Kult: Riten, Tempel und Priester 320
2. Gott und Mensch 323
Geben und Nehmen 323 – «Von langer Freundschaft lösest du dich leicht»: Die Götter und der Tod 327
3. Die Verwandlung der Götter 328
Die Gottheiten des Orients 328 – «In Freuden leben und mit besserer Hoffnung sterben»: Die Mysterien 331 – «Du bewegst den Erdkreis, erleuchtest die Sonne»: Isis 333 – Götter im Dienst der Herrschenden 335
4. Rom: Die Eintracht zwischen Himmel und Erde 337

XII. Das Land ohne Wiederkehr 341

1. «Der Tod ist nicht vergleichbar mit dem Leben. Er ist ein Nichts.» 341
Die Würde des Lebens 341 – Die Wandlungen des Totenreiches 344
2. «Mit den Sternen vereint»: Das Versprechen des Gekreuzigten 346
Die Ansprüche der Toten 346 – Die Kirche bemächtigt sich der Toten 348 – Der Einzug der Toten in die Städte 351

XIII. Der Kampf um den Glauben im Schatten des Allmächtigen 353

1. Der Glaube an den Mensch gewordenen Gott 353
2. Die Suche nach der Wahrheit 355
Der griechische Nachbar 355 – Was gut und böse ist: Der Irrlehrer 358 – Der Gnostiker 361
3. Der Ertrag der Suche 363
Das Alte Testament als Wort Gottes 363 – Das Ringen um den verbindlichen Text 364
4. Die Vergöttlichung Jesu 366
«Nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater» 366 – Von der Magd des Herrn zur Himmelskönigin: Der Aufstieg der Muttergottes 370
5. Der Abfall «von der Väter Sitten»: Der Blick der heidnischen Gegner 373

XIV. Der Sieg des Gekreuzigten 377

1. «Unser Staat ist im Himmel» 377
2. Das Volk Gottes in der Fremde 378
Das Leben in den Städten 378 – Der Preis der Konversion 380
3. Die Entstehung der Amtskirche 382
4. Der Konflikt mit Staat und Gesellschaft 386
«Wir müssen dieser Welt entsagen» 386 – «Es lässt sich nichts Allgemeingültiges verfügen»: Die Reaktion des Staates 388
5. Der Weg in die Zukunft 392
«Gott kann nicht zum Vater haben, wer die Kirche nicht zur Mutter hat» 392 – Ein neuer öffentlicher Raum 395 – Kult und Liturgie 396

XV. Literatur im Licht des Heils: Vom Missionsprediger zum Historiker 399

1. Lehrer des Glaubens: Missionsprediger und Briefschreiber 399
2. Botschafter des Glaubens: Die Evangelisten 401
Die Entstehung der Evangelien 401 – Die Evangelien und die Welt der Gemeinden 406
3. Erzählte Geschichte als Heilsgeschichte: Die Apostelgeschichte 407
4. Der Aufstand der Erzähler: Die apokryphen Evangelien und Apostelgeschichten 408
5. «Kehrt um, tut Buße!»: Die Lehren der Apokalyptiker 410
6. Das Ringen um Einheit und Behauptung: Die Literatur des zweiten Jahrhunderts 413
Kirchenordnungen als Regelwerk des Zusammenlebens 413 – «Wir sind doch keine Waldbewohner»: Der Ruf nach Anerkennung 414 – Die Eiferer des Glaubens: Die Afrikaner Tertullian und Cyprian 417
7. Der Beginn christlicher Geschichtsschreibung: Eusebius 418

XVI. Die Kunst der Verführung: Die heidnische Literatur 421

1. Die Kleinode der Heiden 421
2. Verworfene Schätze: «Du bist ein Jünger Ciceros, nicht ein Anhänger Christi» 422
3. Heilsame Ratschläge: Heidnische Weisheit und christliche Lehre 426
Überkommene Wahrheiten 426 – Die Überzeugungskraft der Dichter 429
4. Die Herrschaft der griechischen und lateinischen Sprache 432

XVII. Anhang 435

Anmerkungen 437
Zeittafel 464
Quellen- und Literaturhinweise 467
Personenregister 475
Sach- und Ortsregister 482
Karten- und Abbildungsnachweis 490
Karte: Das Imperium Romanum zur Zeit Jesu 492
Karte: Die Ausbeutung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten 494


Leseprobe:

«Die Verdrängung der heidnischen Religion durch die christliche
ist eine von den wunderbaren Revolutionen, deren Ursachen aufzusuchen
den denkenden Geschichtsforscher beschäftigen muss.»
Hegel

Vorwort
Für viele Jahrhunderte war das christliche das offizielle Glaubensbekenntnis
des abendländischen Menschen. Es hat seine Wertmaßstäbe geschaffen,
seine Institutionen geprägt und seine Bildung beherrscht. Es kam in
die Welt, als Augustus Monarch in Rom war. Es breitete sich aus, als das
Imperium die Enden der Welt erreicht hatte. Und es verdankte seine
Gestalt dem Weltreich und dem besonderen politischen und geistigen
Zustand des griechischen Ostens und des lateinischen Westens. Hier wie
dort verkündete eine wachsende Schar von Predigern die Ankunft eines
Gottesreiches, das allen das ewige Leben versprach, wenn ihr irdischer
Weg vollendet war.
Mit diesem Glaubenssatz traten in der Antike zum ersten Mal Menschen
auf, die all ihre Hoffnungen auf die Zukunft setzten. Das taten andere
auch, aber sie träumten von der Wiederkehr des Goldenen Zeitalters
auf dieser Erde und in diesem Leben, nicht von einer besseren Welt jenseits
des Todes. Dort jedoch, versicherten die Christen, und nur dort warte
die Ewigkeit und die Glückseligkeit des Himmels. Was auf Erden nicht
sein konnte, war dort. Diese Botschaft gewichtete alle bisher anerkannten
Werte um. Soziale und politische Pflichten wurden der Frage unterworfen,
ob ihre Beachtung während der irdischen Pilgerzeit dem ewigen Heil
diente oder es zu verwirken drohte. Denn am Eingangstor zum Paradies
wartete der von den Toten auferstandene Christus als Richter.
Dieses Buch hat viele Fragen zu beantworten. Wie kam es zur Ausbildung
des Dogmas von einem Gott, der seinen Sohn Mensch werden ließ
und seiner Kreuzigung zusah, um die Sterblichen von ihren Sünden zu
erlösen? Wie war die Welt beschaffen, die diese Überzeugung, entstanden
am Rande des römischen Reiches, «den Heiden eine Torheit, den Juden ein
Ärgernis», am Ende annahm? Welchen geistigen Einflüssen unterlag ein
Glaube, der innerhalb des Judentums aufkeimte, dessen Missionare sich
jedoch von ihm ab- und den heidnischen Bewohnern der Städte des Imperiums
zuwandten?
Welche Lebensformen entwickelten sich aus dem revolutionären Gedanken,
der Mensch müsse, um das ewige Leben zu finden, das irdische
verlieren? Welches Verständnis von Religion eignete dem römischen Staat,
der die jüdischen Verehrer Jahwes gewähren ließ, die Christen jedoch als
Verbrecher einstufte? Wo lagen die Grenzen der christlichen Überzeugungskunst,
welche Menschen verschlossen ihre Ohren vor den Predigten
christlicher Missionare und warum?
Und schließlich (alles andere überlagernd): Warum siegte der auf Befehl
eines römischen Statthalters in Jerusalem Gekreuzigte über seine Widersacher,
obwohl seine Anhänger ihren Nachbarn als Fremde begegneten?
Was bewegte diesen Nachbarn am Ende trotzdem, sich taufen zu lassen?
Bedeutete der Aufstieg des Christentums eine Revolution in der Religionsund
Geistesgeschichte oder brachte er zu Ende, was in der Geschichte angelegt
und daher folgerichtig war? Hat nicht doch, wie die Christen glaubten,
Gott, als er seinen Sohn Fleisch werden ließ, auch Augustus zum
Herrn eines weltweiten Reiches gemacht, in dem sich die Verkünder des
neuen Glaubens frei bewegen konnten?
Wer Geschichte schreibt, macht sich über das «Wie» Gedanken. Denn er
muss der Pflicht zur quellenkritischen Analyse ebenso gehorchen wie der
Kunst, seine Leser zu unterhalten. Dieser vertraut ihm, dass er das Regelwerk
seiner Wissenschaft beherrscht. Aber er verlangt zugleich und
durchaus energisch, nicht mit ausufernden Anmerkungen oder zunfttypischem
Kauderwelsch misshandelt zu werden. Dies zu beherzigen, ist
mehr als eine Stilfrage, geht es doch darum, dem Wunsch gerecht zu werden,
einst Geschehenes wieder zum Leben zu erwecken. Es ist ein menschliches
Urbedürfnis, fremd gewordene Erscheinungen zu erklären, indem
man sie in Geschichten hüllt. Der Historiker wird dieser Einsicht nicht
ausweichen können.
So folgt dieses Buch dem Rat Theodor Mommsens, der Historiker möge
nicht immer den Rock mit den Nähten nach außen gewendet tragen und
die Gelehrsamkeit auch einmal in der Tasche stecken lassen. Schließlich
erwarte der Leser, schrieb schon Edward Gibbon hundert Jahre vor
Mommsen, nicht nur Belehrung, sondern ebenso Vergnügen. Was einst
galt, gilt noch heute. Der Gründer der Schule der Annales, Marc Bloch, forderte
von seinen Schülern, der Forschung ihren Anteil an Poesie zu lassen;
«vor allem sollten wir uns dessen nicht schämen. Es wäre töricht zu glauben,
dass sie wegen ihres starken Einflusses auf unser Empfi ndungsvermögen
weniger geeignet sei, auch unseren Verstand zu befriedigen.» Der
Satz mag diesem Buch als Leitmotiv dienen.
Ich schulde vielfältigen Dank:
Meinem Bruder Richard für die kritische Durchsicht des Manuskripts
und Frau Dr. Kerstin Zevallos Padilla für wertvolle stilistische Anregungen
und das Register. Im Verlagshaus sorgte mit gewohnter Umsicht und
förderlicher Kritik Stefan von der Lahr für ein gutes Gelingen. Andrea
Morgan half tatkräftig bei der Beschaffung der Karten und Bilder. Die
Zusammenarbeit mit allen war ein Genuss.
Gewidmet ist dieses Buch meiner Enkelin Elisabeth. Sie wird einmal als
Kommandantin eines Raumschiffes neue Welten erkunden. Von den alten
erzählt ihr auf den langen Fahrten das Buch ihres Großvaters.

Werner Dahlheim