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Der gekreuzigte Sinn Eine trinitarische Theodizee
Der gekreuzigte Sinn
Eine trinitarische Theodizee




Werner Thiede

Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579080123 (ISBN: 3-579-08012-1)
272 Seiten, paperback, 15 x 23cm, 2007

EUR 29,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wie kann Gott das zulassen? Wie kann man angesichts der Wirklichkeit einer Welt, die von Katastrophen, Leid und Versagen geprägt ist, an den guten Gott glauben? Moderne Philosophie und Theologie gefallen sich meist in der Auskunft, es sei unangebracht, ja zynisch gegenüber den Opfern, auf diese Frage antworten zu wollen.

Werner Thiede macht in diesem Buch die Gegenthese auf. In einem neuartigen, engagierten Gesamtentwurf erschließt er, wie das so genannte Theodizeeproblem aus dem Zentrum des christlichen Glaubens heraus beantwortet werden kann und muss, wenn man die Realität von Schmerz und Vergänglichkeit ernst nimmt. Wer seelsorgerlich nahe am Unglück der Menschen ist, findet hier eine lebensnahe Theologie gegen die Sprachlosigkeit angesichts des Leidens.

»Gott und das Leid - sollten damit notwendig unbegreifliche Gegensätze benannt sein, zu deren Auflösung >kein Sterblicher gelangen kann
Werner Thiede

Dr. theol. habil. Werner Thiede ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und arbeitet als Theologischer Referent beim Regionalbischof des Kirchenkreises Regensburg und als Privatdozent für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu religiös-theologischen Gegenwartsfragen.


Rezension
Die Theodizee-Frage ist nicht nur ein Fels des Atheismus, - sie treibt auch viele Christenmenschen elementar um: und sie lässt sich scheinbar nicht beantworten; denn entweder ist Gott allmächtig, dann ist er angesichts des Leids in der Welt nicht gut, - oder er ist gut, dann ist er nicht allmächtig ... Wie kann Gott das Leid zulassen? Gott wird vor Gericht gestellt ... Wer die sogenannte Theodizeefrage aufwirft, fragt nie nur mit dem Kopf, sondern immer auch mit dem Herzen, - so die Überzeugung des Autors - und er will also nicht nur die kognitiven Dissonanzen beseitigen. Sondern vom zentralen Motiv der Selbstentäußerung Gottes aus dem Geist der Liebe Gottes bietet er eine theologisch stringente Antwort auf die Theodizee-Frage; Gott ist am Kreuz ein Mitleidender geworden ...

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Realität von Schmerz und Vergänglichkeit ernst nehmen

Entwurf einer lebensnahen Theologie gegen die Sprachlosigkeit angesichts des Leidens

Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11

A. Theodizee-Skepsis 13

I. Ratlos vor dem Theodizeeproblem? 13

1. Leiden - verantwortet vom Gott der Liebe? 15
2. Die beste aller möglichen Welten? 20
3. Kants Nein zu philosophischer Theodizee 23
4. Wider die theologische Ratlosigkeit 27

II. Gottes Gerechtigkeit - hinterfragt vom modernen Sinnlosigkeitsgefühl 34

1. Welt ohne Sinn? 36
2. Naturwissenschaft als Anwalt der Sinnlosigkeit? 40
3. Urverzweiflung contra Urhoffnung 45
4. Theologische Ratlosigkeit vor der Sinnfrage 50
5. Wider zynische Theodizeen 53

III. Gottes Güte - hinterfragt durch Nietzsches Theodizee 63

1. Hegels Rede vom »Tod Gottes« 63
2. Nietzsche — von Kindesbeinen an mit der Theodizeefrage beschäftigt 66

3. Philosophie des unvollkommenen Gottes 71
4. Nietzsche als »atheistischer Theologe« 78
5. Nietzsches Ende im »göttlichen Labyrinth« 84

B. Die Selbstentäußerung Gottes des Vaters 93

IV. Die unvollkommene Welt als Schöpfung glauben 93

1. Schöpfungsglaube ohne Verstandesopfer 94
2. Weltentstehung aus dem Nichts 98
3. Von der unvollendeten Schöpfung aufs Wesen des Schöpfers schließen? 103

V. Gottes Vatersein - das Geheimnis seiner Selbsttranszendenz 111

1. Gott will über sich selbst hinaus Anderes 111
2. Gott der Vater in Verantwortung 115
3. Gott als Vater der Welt? 119

VI. Gottes Allmacht - glaubwürdig trotz seiner Selbstentäußerung 125

1. Satan, der »Gott dieser Welt« - eine Antwort auf die Theodizeefrage? 127
2. Gottes Macht zur Ohnmacht 130
3. Göttliche Selbstentäußerung aus Liebe 135

C. Die Selbstentäußerung Gottes des Sohnes 143

VII. Die Menschwerdung des Logos - neutestamentliche Perspektiven 143

1. Der »historische« Jesus - wissenschaftliche Forschung um den Erniedrigten 144
2. Jesu Titel als Botschaften 147
3. Jesus Christus - Gottes Weg ins Außen seiner selbst 152

VIII. Die »Entäußerung des Sohnes« - neu gedacht im 19. Jahrhundert 157

1. Dauerhafter Verzicht auf Allmacht? 159
2. Christi göttliche Natur als natürlicher Gehalt seiner menschlichen Natur? 162
3. Wurde der Logos für immer Mensch? 164

IX. Kreuz und Auferstehung: Gottes gelebte Solidarität mit dem Leid der Welt 170

1. Gottes Leiden am Kreuz 170
2. Jesu Tod - ein Sühnopfer? 179
3. Stellvertretung 190
4. Erlösung vom Übel des Todes 193

D. Die Selbstentäußerung Gottes des Geistes 197

X. Der entäußerte Geist als philosophische und theosophische Idee 197

1. Das entäußerte Pneuma im Gnostizismus 198
2. Der entäußerte Geist in den idealistischen Modellen Plotins und Hegels 203
3. »Entäußerter Geist« im Denken der modernen Theosophie 208

XI. Die Wiederkehr des Weltseele-Gedankens bei modernen Natur- und Humanwissenschaftlern 215

1. Teilhard de Chardin: Kosmisches Bewusstsein als »dritte Natur« Christi? 216
2. Psychologen zur »Weltseele« 222
3. »Weltseele« als interdisziplinärer Modellbegriff 225

XII. Die Selbstentäußerung des Heiligen Geistes im Blick neuerer Theologie 232

1. Die Kenose des Geistes bei Jürgen Moltmann 232
2. Der Geist in Knechtsgestalt 235
3. Gottes »Maskenspiel« 240
4. Zum Problem der Willensfreiheit im Theodizee-Diskurs 244
5. Die Allgegenwart des Geistes 251

Literatur 255
Personenregister 267