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Wunderland
Die Gründerzeit der Bundesrepublik 1955-1967
Rowohlt
EAN: 9783737101905 (ISBN: 3-7371-0190-6)
480 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, Oktober, 2025
EUR 32,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
„Die verbreiteten Sorgen über die Zukunftsfähigkeit der Republik lassen mit neuem, geschärftem Blick auf die Kinderjahre schauen, die ihren Charakter formten. Sie waren so, wie Kinderjahre sein sollen: sorglos und schon deshalb voller Konflikte.“
Als Deutschland sich neu erfand: Harald Jähners faszinierendes Porträt der jungen Bundesrepublik, einer Zeit, die ungleich bunter und vielfältiger war, als wir heute glauben, in der sich alles neu formierte – und die es neu zu entdecken gilt. Eine fesselnde Mentalitätsgeschichte der Wirtschaftswunderjahre mit verblüffenden Aufbrüchen in Alltag, Politik, Kultur und Lebensstil.
„Harald Jähner erzählt Geschichte in all ihren Widersprüchen – faszinierend.“
NEW YORK TIMES
„So wurde dieses Jahrzehnt noch nicht beschrieben … so gut, so neu und aufregend.“
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ÜBER „HÖHENRAUSCH“
„Ein begnadeter Erzähler. Mit enormer Eloquenz und großem dramaturgischen Gespür formt Harald Jähner Geschichte zu einer ungemein fesselnden Erzählung.“
DEUTSCHLANDFUNK über „WOLFSZEIT“
Rezension
Wie veränderte das so genannte „Wirtschaftswunder“ die Einstellungen der deutschen Bevölkerung? Welche Rolle spielten für den wirtschaftlichen Aufschwung die Arbeitsmigranten? Wann gab es den ersten Supermarkt in der BRD? Wurde Freiheit mit Konsumfreiheit gleichgesetzt? Spiegelt sich im Design der 1950er und 1960er Jahre die politische Struktur der Demokratie wider? Was bewirkten der Rock`n` Roll und die Beatles? Über welche Themen wurde am Küchentisch und in den Kneipen diskutiert? Veränderte das Fernsehen den Zugang zur Welt? Bewirkten der Eichmann-Prozess in Jerusalem und der Frankfurter Auschwitzprozess einen anderen Umgang der Deutschen mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust? Welche Folgen hatte der Kalte Krieg für die deutsche Bevölkerung? Brachten die 1950er und 1960er Jahre einen neuen Politikertypus hervor?
Antworten auf diese Fragen kann eine Mentalitätsgeschichte der Deutschen des zweiten Jahrzehnts der Nachkriegsjahre geben. Genau eine solche hat Harald Jähner (*1953) mit seinem Buch „Wunderland. Die Gründerzeit der Bundesrepublik 1955-1967“ vorgelegt. Wie sein preisgekrönter Vorgänger und Bestseller „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955“ aus dem Jahre 2019 ist das Buch bei Rowohlt Berlin verlegt worden. Der langjährige Feuilletonchef der „Berliner Zeitung“ liefert ein äußerst anschauliches und differenziertes, weil quellengesättigtes Panorama deutscher Nachkriegseinstellungen. Dabei kann Jähner insbesondere aufgrund der Auswertung von Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehbeiträgen mit historisch bisher kaum bekannten Details aufwarten. In seiner Gesamtschau gelingt es ihm sehr gut, die Mentalität der Bundesrepublik nach der „Wolfszeit“ zu erfassen. Zu kurz in seinem anschaulich illustrierten Band kommt allerdings die Bedeutung des von ihm nur im Kontext von Konsumkritik erwähnten Intellektuellen Theodor W. Adorno. Für Lehrkräfte des Faches Geschichte stellt das vorliegende Werk nicht nur fundiertes Fachwissen bereit, sondern enthält zudem manche Text- und Bildquelle, die im Geschichtsunterricht produktiv zum Einsatz kommen kann.
Fazit: Harald Jähners in eloquenter Sprache verfasstes unterhaltsames Werk „Wunderland“ ist eine überaus lohnenswerte Lektüre für alle an deutscher Nachkriegsgeschichte Interessierten.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Wunderland
Die Gründerzeit der Bundesrepublik 1955–1967 | "Ein Höhepunkt dieses Bücherherbstes, ebenso unterhaltsam wie klug." Süddeutsche Zeitung
Kaum sind die Trümmer weggeräumt, setzt in Deutschland ein Wirtschaftsaufschwung ohnegleichen ein, auch ein nimmersatter Kaufrausch: Möbel, Autos, Reisen, Elektrogeräte. Mit dem Rock’n’ Roll erfasst die Jugend ein neues Lebensgefühl. 1957 eröffnet der erste Supermarkt, der Siegeszug der Discounter beginnt. Der Fernseher gruppiert die Wohnzimmer um. – Und plötzlich stellen sich neue Fragen: Wie soll man leben? Verlieren wir unsere kulturelle Identität an Amerika? Wie viel Freiheit braucht ein Kind, eine Ehe, ein Arbeitnehmer? Elvis Presley und Freddy Quinn geben unterschiedliche Antworten. 1967 ist die Bundesrepublik, wie wir sie kannten, im Rohbau fertig. Erstmals kommt ein deutscher Staat ohne höhere Idee aus als das Glück des Einzelnen. Eine Reise in die Lust und Mühen des Wirtschaftswunders – in die Welt der Käseigel, Neckermann-Kataloge und Stalingrad-Erinnerungen, der Gastarbeiter und eines neuen Politikertyps wie Kennedy oder Brandt, der Happenings und des Klammerblues. Als die Beatles 1967 «All You Need Is Love» singen, ist, mitten im Kalten Krieg, die Studentenrevolte bereits im Gange. Harald Jähners fulminantes Porträt der jungen Bundesrepublik, einer Zeit, in der sich alles neu formierte – und die es neu zu entdecken gilt.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
Die große Beschleunigung 9
ERSTES KAPITEL
Die Heimkehr der letzten Zehntausend:
Ankunft in einem fremden Land 17
Herleshausen 19
Moskau 23
Friedland 27
«Heimkehren ist schwerer als Weggehen» 34
ZWEITES KAPITEL
Unter vollem Dampf - Kohle, Öl und Gastarbeiter:
die Zutaten des Wirtschaftswunders 37
Wie der Wohlstand klingt 39
Ein Wunder, das keines war 41
Unter Tage: Josef Stefaniak geht ins Gebirge 45
In dreihundert Millionen Jahren entstanden, in drei Minuten verfeuert -
miese Luft und beste Laune 50
Aus für die «Morgensonne» - Zechensterben mitten im Boom 56
Die Verrohrung der Welt 61
Mythologie der Tankstelle 67
Gastarbeiter - geballte Kraft aus dem Süden 72
«Zwei kleine Italiener», zu Hause am Bahngleis 76
Entscheidungszwang - aus Arbeitskräften werden Mitbürger 81
DRITTES KAPITEL
Habenichtse im Supermarkt: Deutschland lernt
einkaufen - und über seine Verhältnisse zu leben 89
Das Glück der Wahlfreiheit 93
Josef Neckermann, Konfektionär der Volksgemeinschaft 99
Im Wartesaal zum großen Glück 108
Gurkenschiffchen und Mettigel 114
«Den Wagen da, in dem Sie sitzen, kann nur ein kluger Mann
besitzen» 117
VIERTES KAPITEL
Kaum wieder satt, hadern Deutschlands
Intellektuelle mit dem Wohlstand 127
Die nivellierte Mittelstandsgesellschaft: Kleider machen Leute 133
Künstliche Bedürfnisse? Ein beunruhigender Verdacht: Wohlstand
kennt keine Sättigung 140
Ohne mich - von der Verzehrbarkeit öffentlichen Lebens 150
FÜNFTES KAPITEL
Ohnemichels Familie 155
Ehen am Ende: ein Rückblick auf die Sexualmoral des
Nationalsozialismus und der Nachkriegsanarchie wo
Vier feste Wände und ein Leben ohne Sünde 165
Erschreckend nüchtern, aber sehr verlässlich 171
«In der Galeere des Glücks» - die berufstätige Hausfrau 174
Die gespenstischen Väter 181
Vaterrollen in der Politik: Adenauer und Kennedy 186
Wie miefig war es wirklich? 192
Zwölf Jahre Zuchthaus für ein bisschen Zärtlichkeit -
für Homosexuelle war das Dritte Reich noch nicht zu Ende 198
SECHSTES KAPITEL
Vom Ohrenwesen zum Zuschauer:
Der Fernseher übernimmt das Familienleben 205
Wohin mit den Händen? 208
Die große Zeit des Hörspiels und der Grübeleien aus dem
Nachtprogramm 212
AFN und BFBS: Der Geist des Rock 'n' Roll kam aus den
Soldatensendern 218
Fernsehen - die Mittelschichtsgesellschaft bekommt ihren
mächtigsten Erzieher 231
Fernsehen und Nahsehen 235
Die hohe Kunst des Gesprächs - die Nation lernt, sich zu streiten 240
SIEBTES KAPITEL
Im Kalten Krieg: Ost- und Westdeutschland
finden ihre Identität in Feindschaft 247
Wechselseitig zugesicherte Zerstörung 256
Die Deutschen rüsten wieder auf - diesmal gegeneinander 261
Feindbilder - mentale Folgen der Teilung 264
Forcierte Beheimatung: Der Mauerbau.macht Ernst mit der DDR 269
Selbstbesinnung West - die Bundesdeutschen allein zu Haus 276
Russlandmythen 283
ACHTES KAPITEL
Der Chic der frühen Jahre -
das Design der Demokratie 293
Ein Maler sucht seinen Weg: Gerhard Richter 295
Scheinbar schwellenlos - der Kanzlerbungalow 307
Die Schönheit perfekter Verwaltung - das Büro als Wohnideal 311
Neue Heimat - Wiederaufbau und Gedächtnisverlust 316
Aus Pinschern werden Löwen 323
Die Geburt des Jungfilms aus dem Geist der Vergnügungssteuer 331
NEUNTES KAPITEL
Zum Rückblick gezwungen: Eichmann in Jerusalem,
Auschwitz in Frankfurt 341
Das Ende des Schweigens 347
«All die Dissertationen, die über mich geschrieben werden» -
der Prozess in Israel 351
«Es war der Apparat» - Reaktionen der deutschen Presse 356
«Da hat es schon Ohrfeigen gegeben» - der Frankfurter
Auschwitzprozess 361
ZEHNTES KAPITEL
Die Jugend drückt die Pausetaste 371
Im Treibhaus: Die Beatles in Hamburg 373
Musikalische Selbstermächtigung: Die Stunde der Amateurbands
Gammler und Playboys trotzen dem Leistungsprinzip 38i
Neues Leitbild für Männer: Der schlaffe Haro 389
Jukebox 392
Aufstand der Sorglosen 393
«Arbeit am Begriff» 404
Stabilität und Experiment - die Ära Brandt resümiert das
Wirtschaftswunder 409
Anhang 415
Anmerkungen 417
Literatur 451
Register 467
Dank 476
Bildnachweis 478
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