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Willy Brandt
Sozialist - Kanzler - Patriot. Eine Biographie
Gunter Hofmann
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406798757 (ISBN: 3-406-79875-6)
517 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, Februar, 2023
EUR 35,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
«Frei und links» – Willy Brandt war der Kanzler des «anderen» Deutschland. Nach seinen Bestsellern über Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt legt der langjährige ZEIT-Journalist Gunter Hofmann nun ein einfühlsames Portrait des Mannes vor, der die konservative Adenauer-Republik durchlüftete und mit den Ostverträgen und seinem Kniefall in Warschau Weltgeschichtes schrieb. In seiner Biographie zeigt Hofmann uns den «ganzen» Brandt, jenen außergewöhnlichen Menschen, dessen Politik nur zu verstehen ist, wenn man auch sein Leben kennt.
Rezension
„Was wir brauchen, ist die Synthese von praktischem Denken und idealistischem Streben.“ Mit dieser Forderung verdeutlichte Willy Brandt (1913-1992) in seinem Buch „Mein Weg nach Berlin“(1960) sein politisches Selbstverständnis. Brandt war der erste SPD-Kanzler der Bundesrepublik von 1969 bis 1974, Außenminister von 1966 bis 1969, Regierender Bürgermeister von Berlin von 1957 bis 1966, längster Parteivorsitzender der SPD - von 1964 bis 1987 -, außerdem von 1976 bis 1992 Präsident der Sozialistischen Internationale, Journalist sowie erfolgreicher Buchautor. 1971 erhielt Brandt den Friedensnobelpreis für seine neue Ostpolitik. Um deren Aktualität wird angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in der Öffentlichkeit und in der Politik gestritten. So gibt es Politiker:innen und Gruppierungen, die von der Bundesregierung einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine fordern und sich bei ihrer Forderung auf Brandts Ostpolitik berufen. Um zu erkennen, dass seine zusammen mit Egon Bahr begründete Neuausrichtung der Außenpolitik, ohne die Einbindung in das transatlantische Bündnis aufzukündigen, keinen naiven Pazifismus gegenüber einer imperialistischen Macht impliziert, welche einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg begonnen hat, mit dem Ziel die territoriale Integrität eines souveränen Staats und sogar den Staat als solchen zu vernichten, genügt ein Blick in Brandts Osloer Rede „Friedenspolitik in unserer Zeit“ anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn.
Um Brandts außenpolitische Maximen und insbesondere seine neue Ostpolitik differenziert zu verstehen, empfiehlt sich die Lektüre der neuen Biographie von Gunter Hofmann „Willy Brandt. Sozialist – Kanzler – Patriot“. Der ehemaligen Chefkorrespondent der ZEIT, der u.a. lesenswerte Bestseller zu Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt vorgelegt hat, sieht in der Ostpolitik das große Vermächtnis von Brandt, welche eine „Flaschenpost“ enthalte, die gegenwärtig noch von Relevanz sei. Hofmann deutet Brandt als Kanzler des „anderen“ Deutschland und umschreibt dessen Weltanschauung mit dem Slogan „Frei und Links“. Mit seinem Werk gelingt dem Journalisten ein differenziertes Porträt des Menschen und Politikers Brandt. Dessen biographische Fäden und Themen verknüpft Hofmann sehr gut in seiner Monographie. Dabei beleuchtet er auch Weggefährten von Brandt wie Julius Leber, Herbert Wehner, Egon Bahr, Helmut Schmidt und Günter Grass. Hofmanns Ausführungen zeugen von hervorragender Fachkenntnis und sind zudem stilistisch elegant verfasst. Lehrkräfte der Fächer Geschichte und Politik werden durch das vorliegende Buch motiviert, sich in ihrem Unterricht mit dem Leben, den Schriften und dem Wirken des ehemaligen Bundeskanzlers problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Die neue Biographie von Gunter Hofmann über Willy Brandt belegt eindrücklich die politische Leistung des Jahrhundertpolitikers sowie die Aktualität seines politischen Denkens – gerade in Krisenzeiten.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Hofmann, Gunter
Willy Brandt
Sozialist, Kanzler, Patriot
«Frei und links» – Willy Brandt war der Kanzler des «anderen» Deutschland. Nach seinen Bestsellern über Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt legt der langjährige ZEIT-Journalist Gunter Hofmann nun ein einfühlsames Portrait des Mannes vor, der die konservative Adenauer-Republik durchlüftete und mit den Ostverträgen und seinem Kniefall in Warschau Weltgeschichtes schrieb. In seiner Biographie zeigt Hofmann uns den «ganzen» Brandt, jenen außergewöhnlichen Menschen, dessen Politik nur zu verstehen ist, wenn man auch sein Leben kennt.
Ebenso kenntnisreich wie nuanciert geht Gunter Hofmann den Stationen im Leben von Willy Brandt nach, schildert den Weg des jungen Sozialisten aus schwierigen Verhältnissen in Exil und Widerstand, die allmähliche Entwicklung seiner politischen Überzeugungen und die Stationen seiner Karriere vom Regierenden Bürgermeister bis zum Bundeskanzler. Auch die Weggefährten wie Julius Leber, Helmut Schmidt, Herbert Wehner, Egon Bahr oder Günter Grass kommen ins Bild. Vor allem aber macht Hofmann auf eine geradezu intime Weise deutlich, wie sehr Brandt unsere Vorstellung von der Nation geprägt hat, in der wir leben möchten.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11
I. «Unbehaust» 19
II. «Wo sind die Mühsam-Alleen, die Heinrich-Mann-Plätze?»
Julius Leber und Adam von Trott 29
III. «Links und frei»
Radikal und auf der richtigen Seite 55
IV. «Unsägliche Schande legte sich über den deutschen Namen.
Ich ahnte, dass uns diese Schande lange nicht verlassen
würde»
Ex patria 89
V. «Verbrecher und andere Deutsche»
Wieder ein Anfang 115
VI. «Mein Weg nach Berlin»
Ein «Norweger» wird repatriiert 139
VII. «Und was issen Fortschritt? Bisschen schneller sein als die
Schnecke»
Zum Beispiel Günter Grass 189
VIII. «Wandel durch Annäherung» 225
IX. Der andere «andere Deutsche»: Herbert Wehner 291
X. Der «Vaterlandsverräter» als Patriot 349
XI. «Die Generation, auf die wir gewartet haben»
1968 385
XII. «Lebensläufe lassen sich nicht auf Flaschen ziehen»
Frei und links 421
XIII. Flaschenpost: Ostpolitik 429
XIV. Der ewige Dissident 457
Anmerkungen 483
Bildnachweis 507
Personenregister 509
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