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Wem gehört der Islam? Plädoyer eines Imam gegen das Schwarz-Weiß-Denken
Wem gehört der Islam?
Plädoyer eines Imam gegen das Schwarz-Weiß-Denken




Abdul Adhim Kamouss

Deutscher Taschenbuch Verlag
EAN: 9783423262125 (ISBN: 3-423-26212-5)
224 Seiten, kartoniert, 14 x 21cm, September, 2018

EUR 14,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Vom Dogmatiker zum Aufklärer



Abdul Adhim Kamouss ist einer der bekanntesten Imame Deutschlands und galt einmal als "Popstar der salafistischen Szene". Heute tritt er ein für eine Neubesinnung auf die eigentlichen Grundlagen des Islam. Er deutet den Koran neu, lehnt jede Art von Dogmatismus ab, räumt mit Irrlehren auf und plädiert für einen weltoffenen Islam, frei von Fanatismus und Extremismus. Sein Appell an Muslime und Nicht-Muslime lautet: Der Islam darf nicht denjenigen gehören, die ihn machtpolitisch und ideologisch instrumentalisieren. Wenn man den Verstand als gottgegebenes Werkzeug für ein Islamverständnis jenseits starrer, wortgetreuer Lesart und manipulativer Beliebigkeit einsetzt, dann gelingt das respektvolle und friedliche Miteinander in einer offenen Gesellschaft.



"Eine Leitfigur fĂĽr alle, die eine friedliche und integrative Form suchen, den Islam zu leben."

Claudia Datschke, Initiative Hayat-Deutschland
Rezension
Abdul Adhim Kamouss kam bereits als Kind in einen intensiven Kontakt zu seinem Glauben: dem Islam. Er intensivierte die Kenntnisse über seine Religion und gelangte so, in einem langen Weg, zu tiefen Erkenntnissen und Einsichten. Dass er der praktischen Lesart des Islam offen gegenüber steht, zeigt die Tatsache, dass er selbst einen Wandel vom Anhänger der Salafiyya-Bewegung hin zu einem weltoffenen Dialog unter tiefer Achtung der Lehren des Koran vollzogen hat.

Diesen Weg beschreibt der Autor intensiv und für den Leser nachvollziehbar insbesondere in den beiden ersten Kapiteln des vorliegenden Buchs. Er spart dabei durchaus nicht, seine Taten im Rahmen der ihm eigenen Auslegung des Islam immer wieder in positivem Licht zu erwähnen. Klar wird auch: das kostet ihn - er verliert Weggefährten und wird in den Berliner Moscheen sukzessive von der "Bühne", oder besser: aus den Gebetsräumen, verbannt. Davon lässt er sich nicht schrecken und geht seinen Weg unerschrocken weiter.
Seine Sicht, sein Religionsverständnis ist der zentrale Inhalt des dritten Kapitels. Für einen Nicht-Muslim viel Neuland, gut verständlich beschrieben, aber kognitiv immer wieder stark fordern. Wahrlich keine einfache Kost, die der Autor da "serviert". Es ist aber durchaus auch nicht seine Absicht.
Spannend geschrieben und zu lesen ist auch das vierte Kapitel. Hier werden die Hauptakteure des "Ist-Standes" des Islam in Deutschland unter die Lupe genommen. Dies sind sowohl die verschiedenen muslimischen Strömungen, die in Deutschland ansässig sind, wie auch deutsche Sicherheitsbehörden, Politik und, last but not least, auch die Medien. Mit Kritik wird hier wahrlich nicht gespart - an allen!
Abschliessend stell Imam Abdul Adhim seinen praktischen Beitrag zur friedlichen Koexistenz des Islam in Deutschland vor, in Form der "Stiftung Islam in Deutschland."

Mein Fazit:
Gut zu schreiben und zu formulieren versteht der Autor, keine Frage! Somit ist die Lektüre dieses Buches an keiner Stelle langweilig. Für einen Nicht-Muslim, der in dem säkularen Staat Deutschland aufgewachsen ist, stellen die Gedankengänge des Imam aber immer wieder dann eine besondere Herausforderung dar, wenn es ins "Eingemachte" (sprich: der Interpretation des Koran) geht. Nicht ganz einfach zu verstehen ist die Vielzahl der Strömungen innerhalb dieser Weltreligion. Und sie teilweise missachten sie sich oder sind gar verfeindet. So bleibt vor allem festzuhalten: die Religionsauslegung des Abdul Adhim Kamouss stellt einen wichtigen Beitrag für die Hinwendung zu einem weltoffenen Islam dar, geprägt vom demokratischen Miteinander aller Bürger der Bundesrepublik, Europas und darüber hinaus. Indofern ein sehr wichtiger Beitrag zu einem immer wieder aktuellen Thema.
Gerade weil der Diskurs über Staat und Religion in der westlichen Welt keine stetige Präsenz besitzt, ist es einerseits wichtig die Sichtweise eines gläubigen Muslim zu kennen, wenngleich seine Schlussfolgerungen sicher nicht durchgängig einen gedanklichen Applaus verdienen.Anregend und friedenstiftend ist diese Lektüre aber auf jeden Fall!

Dietmar Langusch, Lehrerbibliothek
Verlagsinfo
Wem gehört der Islam?

Plädoyer eines Imams gegen das Schwarz-Weiß-Denken
Vom als radikal abgestempelten Prediger zum Aufklärer
Abdul Adhim Kamouss ist einer der bekanntesten Imame Deutschlands und galt einmal als »Popstar der salafistischen Szene«. Er hat seine Sicht auf den Islam grundlegend verändert. Hier legt er ein kritisches Selbstbekenntnis vor.

Vom Dogmatiker zum Aufklärer
In ›Wem gehört der Islam?‹ erläutert Abdul Adhim Kamouss sein heutiges Verständnis des Islam und stellt Überlegungen an, wie man Radikalisierung nachhaltig bekämpfen kann. Diese Innensicht ist für die erfolgreiche Prävention und für ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft dringend erforderlich.

FĂĽr ein respektvolles und friedliches Miteinander
Sein Appell an Muslime und Nicht-Muslime lautet: Der Islam darf nicht denjenigen gehören, die ihn machtpolitisch und ideologisch instrumentalisieren. Wenn man den Verstand als gottgegebenes Werkzeug für ein Islamverständnis jenseits starrer, wortgetreuer Lesart und manipulativer Beliebigkeit einsetzt, dann gelingt das respektvolle und friedliche Miteinander in einer offenen Gesellschaft.

Abdul Adhim Kamouss, Dipl.-Ing., geb. 1977 in Rabat, kam mit 20 Jahren nach Deutschland und studierte Elektrotechnik in Berlin. Ehrenamtlich arbeitete er sehr erfolgreich als Imam. So erfolgreich, dass er als »Moslem-Macher« bundesweit bekannt wurde und ins Visier des Verfassungsschutzes geriet. Die Vorwürfe, die man ihm machte, konnten nicht bestätigt werden, doch diese Ereignisse lösten eine existentielle Krise aus, die ihn zu einem grundsätzlichen theologischen Neuansatz führte, zu einer neuen Denkrichtung für einen Islam der Zukunft. 2018 gründete er mit prominenter Unterstützung die gemeinnützige Stiftung Islam in Deutschland zur Förderung des Zusammenlebens von Muslimen und Nicht-Muslimen und als Institution im Kampf gegen Radikalisierung.
Inhaltsverzeichnis
Warum dieses Buch 7
1 Das Samenkorn keimt –Kindheit und Jugend in Marokko 15
Kindheit 15
Islamische Erziehung und Charakterbildung 17
Exkurs: Die Jamaa’t Al-Tabligh-Bewegung 18
Intensivierung meiner islamischen Aktivität 21
EXKURS: Bewegung fĂĽr Einheit und Reform 22
Pubertät – Zeit der Suche 24
Paradigmenwechsel: Meine Prägung durch die Salafiyya-Bewegung 27
EXKURS: Die Salafiyya-Bewegung 28
Die Salafiyya-Bewegung heute 29
Die Salafiyya-Bewegung zwischen Lob und Kritik 35

2 Aus dem Keimling wird ein Baum – mein Leben in Deutschland 41
Kulturschock 41
In der Moschee zu Hause 44
An der Kippe zur Radikalisierung 46
EXKURS: Klartext zum Dschihad 61
Die BlĂĽtezeit meiner islamischen Arbeit 64
Mein religiöses Wirken unter der Lupe 67
EXKURS: Das Phänomen der Konvertiten 71
Erste Anzeichen des Wandels 83
Spaltung in den eigenen Reihen 86
Der Prozess des Erwachens 89
Neue Wege – prägende Menschen und Projekte 93
EXKURS: Meine Begegnung mit dem IS-Kämpfer und Ex-Rapper Deso Dogg 103
Das Phänomen der Radikalisierung 105
Ursachen der Radikalisierung 108
EXKURS: Dialog mit einem IS-Kämpfer – hol mich hier raus, bitte 128
Der Umgang mit RĂĽckkehrern 132

3 Aus dem Schlaf erwacht – der Knoten löst sich 142
Reflexionsphase 147
Mein Ich 148
Ich und die Gesellschaft 151
Mein Religionsverständnis 153
Mein religiöser Diskurs 163
EXKURS: Das große Fiasko – ich zu Gast bei Günther Zwischen allen Stühlen – Prediger ohne Plattform 171

4 Erntezeit – ein Baum voller Früchte 178
Plädoyer für einen Islam der Zukunft: konstruktive Kritik und Lösungsansätze 178
Die islamischen Organisationen in Deutschland 179
Die Gelehrten, die Imame 182
Der religiöse Diskurs 186
Viel Emotionalität, wenig Rationalität 187
Verehrung der Altvorderen und ihrer Aussagen 190
Fehlende Toleranz gegenĂĽber anderen Denkschulen 192
Andere Krankheiten im religiösen Diskurs 196
Die Politik und die Sicherheitsbehörden 198
Die Medien 204
Wem gehört der Islam? 206
Mein Beitrag Stiftung Islam in Deutschland 209

Schlusswort 217